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BAKWERT: Backqualität von Weizen aus heterogenen Populationen

Im Projekt BAKWERT wurden ökologische Wertschöpfungsketten für heterogene Winterweizenpopulationen mit landwirtschaftlichen Betrieben, Mühlen und Bäckereien in drei Regionen etabliert. Die Backfähigkeit von Mehl aus Populationsweizen war sehr gut. Das ist das Ergebnis der Untersuchung der Backqualität im Projekt BAKWERT. Bei der Vermarktung der Produkte spielt die richtige Kommunikation eine große Rolle.
Empfehlungen für die Praxis
Weizenpopulationen überzeugen in der Praxis
Trotz anfänglicher Skepsis von Mühlenbetrieben und Bäckereien hinsichtlich der Backqualität erreichten beide heterogenen Populationen gute Backqualitäten, wobei Brandex mit der Sorte Aristaro vergleichbar war.
Stabilität durch Vielfalt
Heterogene Populationen haben durch ihre genetische Vielfalt eine hohe Pufferkapazität, was zu einer größeren Stabilität der Backqualität führt. Das ist besonders vielversprechend angesichts des Klimawandels und den damit verbundenen großen Schwankungen in der Backqualität durch stark wechselnde Umweltbedingungen.
Herausforderungen bei der Vermarktung
Aufgrund der sehr guten Backqualität der Populationen wurden Brote aus Vollkorn, Ruchmehl und Mehl der Type 550 hergestellt und unter der Kampagne POP-Kruste vermarktet.
Das Konzept heterogener Weizenpopulationen ist komplex und erwies sich trotz Marketingmaterial in Form von informativen Postkarten und einer zusätzlichen Website als schwierig zu vermitteln. Die Bedeutung der Weiterbildung des Backpersonals und der Kundenkommunikation sollte nicht unterschätzt werden.
Trotz der teilweise schwierigen Bedingungen in den beiden Anbaujahren waren unsere Bäckereien mit der Backfähigkeit des Populationsmehls sehr zufrieden.
Dr. Anna Schmieg, OBEG
Informationen zum Projekt
Die beiden heterogene Winterweizenpopulationen Brandex (FZ Dottenfelderhof) und EQuality (Universität Kassel, Open-SourceSeeds) wurden im Vergleich zur Liniensorte Aristaro (FZ Dottenfelderhof) On-Farm getestet. In zwei Anbaujahren (2020/21 und 2021/2022) säten neun Biobetriebe jede Weizenherkunft in benachbarten Streifen (mindestens 0,4 Hektar pro Herkunft) innerhalb desselben Feldes aus.
Eine Reihe von Backqualitätsparametern wie Proteingehalt, Sedimentationswert, Hagberg-Fallzahl (HFN) und Feuchtklebergehalt mittels Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) wurden an insgesamt 243 Proben pro Jahr analysiert, um Unterschiede zwischen den beiden heterogenen Populationen und der Referenzsorte Aristaro in Bezug auf die Backqualität und die Stabilität der Backqualitätsparameter zu testen.
Anbaujahre waren sehr unterschiedlich
Beide Anbaujahre im Projekt waren eine Herausforderung für die Qualitätsweizenerzeugung. So war die Saison 2020/21, insbesondere während der Abreife außergewöhnlich niederschlagsreich, dagegen herrschte während der gesamten Vegetationsperiode 2021/22 große Trockenheit und Hitze.
Brandex vergleichbar mit Aristaro bezüglich Backqualitäten
Die Rohproteingehalte der Population Brandex konnten ausnahmslos mit der Liniensorte Aristaro mithalten. Sowohl Brandex als auch Aristaro waren in beiden Jahren auch mit den Ergebnissen der Öko-Landessortenversuche (LSV) in Baden-Württemberg vergleichbar.
EQuality tendierte zu niedrigeren Werten, die aber noch deutlich über den E-Sorten der Öko-LSV Niedersachsen und Hessen lagen. Die Feuchtklebergehalte der BAKWERT-Populationen waren im Praxisversuch der beiden Jahre geringer als bei der Ver-gleichssorte Aristaro. Dennoch lagen sie deutlich höher als die Durchschnittswerte der E-Sorten in den Öko-LSV in Hessen und Niedersachsen und waren vergleichbar mit den Öko-LSV-Ergebnissen aus Baden-Württemberg (siehe Tabelle 1).
| Proteingehalt (%) | Klebergehalt (%) | Sedimentationswert (ml) | Fallzahl (sek.) | |||||
| 2021 | 2022 | 2021 | 2022 | 2021 | 2022 | 2021 | 2022 | |
| Aristaro | 13 | 12,1 | 28,3 | 26,8 | 55,7 | 40,7 | >326 | >335 |
| Brandex | 12,7 | 11,9 | 27 | 25,5 | 52,8 | 37,8 | 289 | 298 |
| EQuality | 12,3 | 11,5 | 26,1 | 24,5 | 46,2 | 31,3 | 260 | 268 |
| NI | 11,3 | 9,8 | 20,5 | 18,8 | - | - | - | - |
| HE | 10,5 | 10,7 | 22,1 | 20,9 | - | - | - | - |
| BW | 12,5 | 12,3 | 26,9 | 26,3 | 43 | 40 | 320 | 400 |
Backqualitätsstabilität
Beim Vergleich der Backqualitätsstabilität über alle 18 Umwelten (9 Betriebe*2 Anbaujahren) hinweg wiesen beide heterogene Populationen die größte Stabilität für alle Backqualitätsparameter auf, sowohl statisch (Umweltvarianz - EVi) als auch dynamisch (Ökovalenz - W2). Einzige Ausnahme war die Fallzahl, bei der Aristaro eine höhere Stabilität der EVi (geringste Varianz über alle Umwelten) aufwies (Tabelle 2). Obwohl innerhalb der untersuchten Populationen Brandex und EQuality keine agronomischen Herausforderungen oder Unterschiede in Bezug auf unterschiedliche Kornreifezeiten festgestellt wurden, könnten geringe Unterschiede in den Reifezeiten zwischen Genotypen innerhalb einer Population zu der größeren Variation bei der Fallzahl beigetragen haben. In Bezug auf die dynamische Stabilität war die Population Brandex jedoch am stabilsten. Das zeigt ihr Potenzial, sich an verschiedene Umwelten anzupassen (Tabelle 2). Außerdem erreichten beide heterogenen Populationen eine gute Fallzahl im Vergleich zu Aristaro (Tabelle 1).
| Herkunft | Protein (%) | Feuchtkleber (%) | Sedimentation (ml) | Fallzahl (sek.) | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| MW | EVi | W2 | MW | EVi | W2 | MW | EVi | W2 | MW | EVi | W2 | |
| Aristaro | 12,5 | 2,0 | 3,4 | 27,6 | 16,0 | 39,8 | 48,2 | 122 | 265 | 330 | 627 | 8217 |
| Brandex | 12,3 | 1,6 | 4,4 | 26,3 | 15,0 | 42,8 | 45,3 | 111 | 261 | 294 | 905 | 2677 |
| EQuality | 11,9 | 1,8 | 1,3 | 25,3 | 13,9 | 19,4 | 38,8 | 193 | 243 | 264 | 820 | 4698 |
Zum Abschlussbericht des Projekts
Weitere Informationen unter:
- Dr. Torsten Siegmeier (Projektleitung) und Dr. Odette Weedon, Universität Kassel, Fachgebiet Betriebswirtschaft und Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz, Witzenhausen
- M.Sc. Annette Haak, Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg (KÖLBW), Emmendingen-Hochburg
- Anke Kähler, Bäckermeisterin, Die Freien Bäcker e.V., Barsinghausen
Universität Kassel, Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz
Nordbahnhofstr. 1a, Witzenhausen, 37213
Odette Weedon
E-Mail: odetteweedonuni-kasselde
Telefon +49 (0)5542 981-572
05/2020 – 10/2023
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 30.04.2024