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Frauen im (Bio-)Handel – Über Netzwerke und Gründerinnen

Ob im Handel oder mit dem eigenen Bio-Start-up: Frauen übernehmen zunehmend Verantwortung in der Branche. Netzwerke, weibliche Vorbilder und gegenseitige Unterstützung können Karrierewege erleichtern – doch damit sich nachhaltig etwas verändert, braucht es auch strukturelle Veränderungen in der Arbeitswelt. Denn echte Gleichstellung gelingt erst, wenn nicht nur Frauen ihren Weg gehen, sondern sich auch die Rahmenbedingungen verändern.
Das Wichtigste in Kürze:
- In der Bio- und Lebensmittelbranche gibt es seit einigen Jahren immer mehr Frauennetzwerke.
- Diese Netzwerke, wie die "Women in Fresh", fördern den Austausch und können Mut machen, beispielsweise eine Firmengründung zu wagen.
- Beispiel für eine "Female Founder": Katharina Staudacher gründete 2011 gemeinsam mit Verena Ballhaus-Riegler die foodloose GmbH.
- Im Interview spricht sie über die Themen Gründung, Führung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Hintergrund: Wie viele Führungskräfte sind weiblich?
"Women in Fresh": persönliche Kontakte als Türöffner
Sowohl branchenübergreifend als auch firmenintern ist die Zahl der Frauennetzwerke in den vergangenen Jahren gestiegen. Damit sollen die Chancengleichheit gefördert und der Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöht werden. So auch die "Women in Fresh": Nach dem Vorbild der "Global Women Fresh", einem internationalen Netzwerk von Frauen in der Frischebranche, haben sie sich als Ableger für den deutschsprachigen Markt vernetzt.
Die Idee entstand 2024. Erstmals trafen sich die Frauen aus der Frischebranche im Rahmen des Deutschen Obst & Gemüse Kongresses 2025 in Düsseldorf. Zu den Initiatorinnen des Netzwerks gehören Luisa Firges, Marketing-Managerin bei der AMI GmbH, Ursula Schockemöhle, Senior-Produktmanagerin mit Schwerpunkt Kernobst bei der AMI GmbH, sowie Janina Bembenek, Marketingleiterin der Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft. "In vielen Branchen gibt es mittlerweile Frauennetzwerke, doch der stark männerdominierten Frischebranche fehlte ein solches. Das wollten wir ändern", so Bembenek. Neben einem gemeinsamen Frühstück und Erfahrungsberichten von zwei Referentinnen aus der Branche standen der Austausch der Teilnehmerinnen aus allen Sparten der Frischebranche im Fokus der Auftaktveranstaltung. Wie wichtig Kontaktknüpfen und Fußfassen in der Branche sind, weiß auch Janina Bembenek:
Wir möchten der Community eine Plattform bieten, Karrierewege aufzeigen und als Sprungbrett fungieren. Diverse Teams sind wichtig, um die vielfältigen Zielgruppen auf dem Markt für Frischeprodukte individuell anzusprechen.
Mittlerweile treffen sich die "Women in Fresh" regelmäßig auf Veranstaltungen zum Austausch und Netzwerken, unter anderem auf der Branchenmesse "Fruit Logistica" beim Network Speed Dating und der "Prognosfruit", dem internationalen Branchentreff der Kernobsterzeugenden.
Interview mit Katharina Staudacher von der foodloose GmbH
Auch in der Lebensmittelbranche sind Gründerinnen noch in der Minderheit. Katharina Staudacher gründete 2011 gemeinsam mit ihrer Freundin Verena Ballhaus-Riegler die foodloose GmbH. Das Unternehmen produziert vegane und bio-zertifizierte Snacks wie Nuss- und Fruchtriegel. Die Idee zur Firmengründung entstand während eines Auslandsaufenthaltes in den USA, als Staudacher in Ermangelung leckerer Alternativen begann, ihre eigenen Frucht- und Nussmischungen zu kreieren.
Als Gründerinnen, sogenannte "Female Founders", sind die beiden eine Ausnahme in der Lebensmittelbranche. Im Interview erzählt Staudacher, welche Eigenschaften sie als Gründerin für wichtig hält, wie sie Familie und Unternehmensführung miteinander verbindet und warum mehr weibliche Vorbilder gebraucht werden.
Female Founders Monitor 2025
Laut Female Founders Monitor 2025 der Bertelsmann Stiftung lag der Frauenanteil bei den Start-Up-Gründenden zuletzt bei 19 Prozent. Schon an der Universität zeigen sich Unterschiede: Während 40 Prozent der männlichen Studierenden eine Unternehmensgründung in Betracht ziehen, tun dies nur 21 Prozent der weiblichen Studierenden.
Frauen sehen sich häufiger mit strukturellen Hindernissen sowie mit Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum konfrontiert. Nach wie vor leisten Frauen den Großteil der Care-Arbeit. Auch das Risikobewusstsein von Frauen und Männern ist unterschiedlich ausgeprägt: Frauen streben in der Regel eher einen sicheren Arbeitsplatz an und wagen den Schritt in die Selbstständigkeit, wenn überhaupt, oft erst später im Berufsleben.
Um den Anteil weiblicher Start-Up-Gründerinnen zu erhöhen, sind laut Female Founders Monitor gezielte Maßnahmen in den Bereichen Bildung, Familienpolitik und Finanzierung erforderlich.
Oekolandbau.de: Welche Eigenschaften oder Kompetenzen sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig für Female Founders?
Katharina Staudacher: Wichtig sind meines Erachtens die gleichen Eigenschaften wie sie auch von männlichen Gründern gefordert werden: Resilienz, Durchhaltevermögen, Kontinuität, Führung und eine gehörige Portion Mut.
Oekolandbau.de: Hat sich die Rolle von Frauen in der Branche in den vergangenen Jahren verändert?
Katharina Staudacher: Ja, ich finde, es gibt immer mehr Frauen und es wird als selbstverständlicher angesehen, dass Frauen in Führung sind. Es ist nicht mehr absurd beides zu haben: kleine Kinder und ein Unternehmen.
Ich wünsche mir mehr Mut, mehr gegenseitige Unterstützung und mehr Innovationen, um den Handel langfristig mit besseren Produkten und vielen Frauen zu revolutionieren. Wir müssen als Gesellschaft unsere Ernährung dringend ändern.
Oekolandbau.de: Wie gelingt in Ihrem Unternehmen die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Führung?
Katharina Staudacher: Ich habe die Selbstständigkeit immer als Geschenk diesbezüglich gesehen. Ich kann mir als Gründerin meine Zeit frei einteilen und oft für meine Kinder da sein, wenn andere das nicht können. Klar, kommt das auch mit einem Catch! Oft sitze ich abends, wenn die Kinder im Bett sind, an der Arbeit und habe nie Elternzeit nehmen können. Aber insgesamt finde ich, dass uns die Balance zwischen Mutter und Unternehmerin sehr gut gelingt. Natürlich auch, weil wir ein starkes Team hinter uns haben, was unsere Situation gut kennt.
Oekolandbau.de: Was müsste passieren, damit mehr Frauen den Schritt in Management- oder Geschäftsführungspositionen wagen?
Katharina Staudacher: Ich bin fest davon überzeugt, dass es mehr 'Role Models' geben muss und auch mehr Frauen anderen Frauen Mut machen sollten, diesen Schritt zu wagen. Oft haben Frauen falsche Vorstellungen von einer Selbstständigkeit und trauen sich diesen Schritt nicht zu. Das finde ich schade, denn er hat gerade in Bezug auf Familienflexibilität viel Positives zu bieten.
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Letzte Aktualisierung 07.10.2026








