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Führen in Teilzeit: Wie Sonnentor Karrierechancen von Frauen fördert

Gleichstellung ist bei Sonnentor gelebte Praxis: Über 70 Prozent der Belegschaft sind Frauen, mehr als die Hälfte der Führungspositionen weiblich besetzt. Flexible Arbeitszeiten, Kinderbetreuung und gezieltes Mentoring sorgen dafür, dass Frauen auch nach der Elternzeit oder in Teilzeit Karriere machen können. Im Interview erzählt Geschäftsführerin Manuela Raidl-Zeller, wie das Unternehmen ein Umfeld schafft, in dem Beruf, Familie und persönliche Entwicklung sich nicht ausschließen müssen.
Oekolandbau.de: Sonnentor setzt auf Gleichstellung, sowohl bei den Mitarbeitenden als auch in der Führung. Was genau bedeutet Gleichstellung für das Unternehmen?
Manuela Raidl-Zeller: Wir bei Sonnentor haben uns dem Gemeinwohl verpflichtet. Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit sind zentrale Säulen im Miteinander, um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen. Dies inkludiert jene, mit denen wir außerhalb des Unternehmens tagtäglich zusammenarbeiten und natürlich unsere Mitarbeitenden als integralen Bestandteil unseres Unternehmens. Daher ist es uns ein großes Anliegen, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem alle Mitarbeitenden unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft auf allen Ebenen respektiert und gefördert werden.
Oekolandbau.de: Welche spezifischen Maßnahmen und Programme haben Sie implementiert, um Frauen im Unternehmen aktiv zu fördern und zu stärken? Könnten Sie ein Beispiel nennen, das zeigt, wie diese Maßnahmen wirken?
Manuela Raidl-Zeller: Mehr als 70 Prozent der Belegschaft bei Sonnentor sind Frauen, und 55 Prozent unserer Führungspositionen sind weiblich besetzt. Frauen gestalten unser Unternehmen auf allen Ebenen aktiv mit. Ein wichtiger Hebel ist für uns die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Flexible Arbeitszeiteinteilung unterstützen Mitarbeitende dabei, Beruf und Privatleben gut miteinander zu verbinden. Unser Betriebskindergarten, das Sonnenscheinchen, bietet Mitarbeitenden eine verlässliche Betreuung von Kindern von eins bis sechs Jahren, und zahlt so ebenfalls in eine bessere Vereinbarkeit ein. Dieses Angebot wird sehr gut angenommen.
Außerdem setzen wir Maßnahmen ein, um die Frauengesundheit im Arbeitsalltag zu fördern. Dazu zählen das zur Verfügung stellen von kostenlosen Periodenprodukten in den Sanitäranlagen, der Veranstaltung von Zyklusworkshops und die Möglichkeit, regelmäßig am Brustkrebsvorsorgeprogramm teilzunehmen. Und wir bei Sonnentor wissen: Sprache schafft Realität. Deshalb haben wir einen eigenen Genderleitfaden entwickelt, um sowohl intern als auch extern gendergerecht zu kommunizieren. Auch die erste Staffel des Sonnentor-Videocasts “würzige Storyteller” hat sich dem Thema “fe:male Power” gewidmet. Mitarbeiterinnen diskutieren hier mit Expertinnen über Themen die mehr Gehör brauchen. So werden Themen wie Zyklus und Wechseljahre bis hin zu Sexualität und Beckenboden extern kommuniziert.
Oekolandbau.de: Flexible Arbeitszeitmodelle sind ein zentrales Element bei Sonnentor. Warum halten Sie flexible Arbeitszeitmodelle für so wichtig und inwiefern hat sich die Möglichkeit von Teilzeit- und flexiblen Arbeitszeiten auf die Karrierechancen von Frauen in Ihrem Unternehmen ausgewirkt?
Manuela Raidl-Zeller: Flexible Arbeitszeitmodelle spielen eine zentrale Rolle bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und tragen zu einer ausgewogenen Work-Life Balance bei. Lassen sich Freizeit und Beruf beziehungsweise Familie und Beruf gut miteinander vereinen und besteht die Möglichkeit, sich die Dienstzeiten selbst einzuteilen, steigert dies das Wohlbefinden sowohl in der Freizeit, also auch während der Arbeitszeit. Dies ermöglicht unsere Gleitzeitregelung ohne Kernarbeitszeit. Teilzeitkräfte können ihr Zeitmodell außerdem frei wählen. So kommen wir im Unternehmen auf über 150 verschiedene Zeitmodelle. Dies erleichtert Frauen den Weg zurück aus der Elternzeit und ermöglicht auf eigenen Wunsch hin einen baldigen Einstieg zurück in die Arbeitswelt.
Auch für mich persönlich war die Flexibilität bei Sonnentor eine Bereicherung. Nach meiner Elternzeit bin ich schrittweise in Teilzeit ins Unternehmen zurückgekehrt und habe meine Arbeitsstunden entsprechend meiner persönlichen Möglichkeiten kontinuierlich erhöht. So konnte ich mich wieder optimal einbringen und meine Aufgaben und Verantwortlichkeiten zunächst als Prokuristin und seit 2019 als Geschäftsführerin erfolgreich wahrnehmen. Inzwischen arbeite ich wieder in Vollzeit.
“Es ist uns wichtig, insbesondere Frauen in Führungspositionen auch nach einer beruflichen Auszeit oder bei reduzierter Arbeitszeit Verantwortung und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Hinter jeder Führungsposition stehen wertvolle Talente, Erfahrungen und Potenziale, die wir fördern und erhalten möchten.”
Eine wertvolle Unterstützung auf diesem Weg war unser Betriebskindergarten – das Sonnenscheinchen – den unser Sohn vier Jahre lang besucht hat. Dadurch konnte ich Familie und Beruf bestmöglich miteinander vereinbaren. Besonders schön war für uns beide der gemeinsame Weg am Morgen und das Wissen, den Tag in unmittelbarer Nähe zueinander zu verbringen. Mein Sohn war stolz darauf, meinen Arbeitsplatz zu kennen, und ich schätzte die Sicherheit, ihn in liebevoller Betreuung mitten in der Natur gut aufgehoben zu wissen. Diese Nähe und das großartige Team des Kindergartens haben diese Zeit für uns beide besonders wertvoll gemacht.
Oekolandbau.de: Welche Rolle spielen Mentoring und Coaching in der Karriereentwicklung von Frauen bei Sonnentor? Gibt es spezielle Programme, um Frauen auf Führungspositionen vorzubereiten?
Manuela Raidl-Zeller: Um Mitarbeitende auf Führungspositionen vorzubereiten, findet jährlich die Talente-Schmiede statt. Darin werden stellvertretende Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter sowie Teamleiterinnen und Teamleiter, die erst kürzlich eine Führungsposition übernommen haben oder noch keine spezielle Zusatzausbildung genießen konnten, gefördert und so auf die Tätigkeit als Führungskraft vorbereitet.
Im Frühjahr 2026 haben wir zudem eine auf drei Jahre angelegte Leadership Journey gestartet, die von allen Abteilungs- und Teamleitenden durchlaufen wird. Ziel ist es, sie umfassend auf ihre Führungsaufgaben vorzubereiten beziehungsweise ihre Führungskompetenzen nachhaltig weiterzuentwickeln. Zusätzlich bieten wir individuelle externe Coaching-Begleitung an sowie immer wieder die Möglichkeit eines Mentorings durch erfahrene Führungskräfte. Außerdem gibt es bei Sonnentor die Möglichkeit, jährlich bis zu zwei extern stattfindende Kurse zu absolvieren, bei denen aus einem breiten Themenpool ausgewählt werden kann.
Oekolandbau.de: Welche Rückmeldungen erhalten Sie von männlichen Mitarbeitenden? Wie erleben sie die Gleichstellungsmaßnahmen?
Manuela Raidl-Zeller: Gleichstellung ist bei Sonnentor seit jeher gelebte Praxis und daher auch für unsere männlichen Mitarbeitenden nichts Neues. Sie nehmen das interessiert auf und machen teilweise sogar mit – wie beispielsweise bei einem angebotenen Beckenbodentraining.
Oekolandbau.de: Können Sie ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag nennen, bei dem Sie gemerkt haben, dass Gleichstellungsmaßnahmen wirklich einen Unterschied gemacht haben, sei es für eine Mitarbeiterin, ein Team oder eine konkrete Situation?
Manuela Raidl-Zeller: Eine unserer Mitarbeiterinnen hat vor ihrer Elternzeit die Abteilungsleitung an eine Kollegin abgegeben und danach eine neue Zukunfts-Abteilung aufgebaut. Diese führt sie nun sehr erfolgreich als Abteilungsleiterin in Teilzeit.
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Letzte Aktualisierung 15.06.2026





