Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband setzt beim Grundwasserschutz auf Ökolandbau

Nicht zuletzt der Klimawandel macht den Schutz der Ressource Grundwasser immer dringlicher. Der Oldenburgisch Ostfriesische Wasserverband (OOWV) zeigt seit über 30 Jahren, wie Trinkwasserschutz durch Ökolandbau in der Praxis funktioniert. Eine Erfahrung ist dabei zentral: Erfolgreicher Wasserschutz gelingt nur gemeinsam mit der Landwirtschaft.

Das Wichtigste zum Grundwasserschutz in Kürze:

  • In Deutschland wird das meiste Trinkwasser aus Grundwasser gewonnen.
  • Schadstoffe, die nicht in den Boden gelangen, landen auch nicht im Trinkwasser.
  • Vorsorge kostet weniger als nachträgliche Wasseraufbereitung.
  • Ökolandbau und extensive Bewirtschaftung sind wirkungsvolle Maßnahmen für den Trinkwasserschutz.
  • Die Erfahrungen des Oldenburgisch Ostfriesische Wasserverbands (OOWV) zeigen: Kooperationen mit der Landwirtschaft sind der Schlüssel zum Erfolg.

Warum Ökolandbau für den Grundwasserschutz?

In seinem rund 7.800 Quadratkilometer großen Verbandsgebiet versorgt der OOWV fast eine Million Menschen mit Trinkwasser. Wie in den meisten Regionen Deutschlands wird es aus Grundwasser gewonnen. Dessen Qualität und Menge hängt naturgemäß stark davon ab, wie im Trinkwassereinzugsgebiet die Böden genutzt werden. 

In der Region ist die Landwirtschaft sehr intensiv und die Böden auf der Geest gelten als stark austragsgefährdet. Die Nitratwerte sind unter landwirtschaftlicher Nutzung deshalb noch nicht überall im "grünen Bereich", das heißt unter den erwünschten 50 Milligramm Nitrat pro Liter. Und das oberflächennahe Grundwasser enthält Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln (PSM)

Damit solche Schadstoffe möglichst gar nicht im Grundwasser landen, realisiert der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) seit über 30 Jahren ein Schutzprogramm. Das heißt konkret: Der Verband macht den landwirtschaftlichen Betrieben im Einzugsgebiet ein Angebot für Grundwasserschutzmaßnahmen im Rahmen einer Kooperation. Um den Eintrag von Schadstoffen ins Grundwasser zu verringern, fördert der OOWV den Ökolandbau und die extensive Bewirtschaftung durch Vorgaben für die Düngung und den Verzicht auf PSM.

Wie kann Ökolandbau die Belastung mit Schadstoffen im Wasser reduzieren?

Wo Landwirtinnen und Landwirte Ökolandbau betreiben, liegen die Nitratwerte im Grundwasser unterhalb der genannten für den Trinkwasserschutz erforderlichen Zielmarke. Und da im ökologischen Landbau keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, entstehen auf diesen Flächen durch PSM-Wirkstoffe und ihre Metaboliten auch keine neuen Probleme für die Trinkwassergewinnung. Bislang hat der Ökolandbau jedoch nur einen Flächenanteil von sechs Prozent, während die Betriebe mit Kooperationsmaßnahmen rund 38 Prozent der Fläche ausmachen. Auf über 50 Prozent der Fläche werden bisher keine Maßnahmen zum Grundwasserschutz umgesetzt. Um wirksamen Grundwasserschutz zu erreichen, sind deshalb eine Ausdehnung des Ökolandbaus und mehr Kooperationen mit der Landwirtschaft wünschenswert. 


Interview mit Dr. Christina Aue vom OOWV

Dr. Christina Aue ist beim OOWV (Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband) die Geschäftsführerin der Trinkwasserschutz-Kooperation sowie die Leiterin des Programms für Ökolandbau. Sie verantwortet die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft, um den vorsorgenden Grundwasser- und Trinkwasserschutz in der Region auszubauen.

Oekolandbau.de: Der OOWV setzt darauf, mit der Landwirtschaft gemeinsame Lösungen zu finden, von denen alle profitieren. Da sind wir neugierig – wie funktioniert das konkret in der Praxis? 

Christina Aue: Unser Ansatz zum vorsorgenden Trinkwasserschutz basiert auf einem Drei-Säulen-Konzept: Aufforstung, Flächenkauf und die Förderung des Ökolandbaus. Eine wichtige Grundlage dafür ist die Öffentlichkeitsarbeit. Denn nachhaltiger Gewässerschutz gelingt nur, wenn alle Beteiligten die Ziele verstehen und mittragen. Besonders wichtig ist uns die enge Kooperation mit der Landwirtschaft. Statt auf Verbote zu setzen, arbeiten wir mit freiwilligen Vereinbarungen und partnerschaftlichen Lösungen. Dazu gehören Beratungsangebote, Weiterbildungen und der regelmäßige Austausch mit Landwirtinnen und Landwirten. So entstehen Maßnahmen, die sowohl dem Trinkwasserschutz als auch den Betrieben einen Mehrwert bieten.

Oekolandbau.de: Welche Mittel stellt der OOWV für die Kooperationen mit der Landwirtschaft zur Verfügung? 

Christina Aue: Ab 2026 investieren wir jährlich zusätzlich 500.000 Euro, um gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter zu reduzieren. Diese Summe ist bestimmt für unser OOWV-internes PSM-Reduktionsprojekt. Für uns ist das eine Investition in die Zukunft der Region. Denn je besser das Wasser im Boden geschützt wird, desto weniger aufwändig muss es später aufbereitet werden. Die Kooperationsarbeit im niedersächsischen Kooperationsmodell wird vom OOWV nochmals mit rund 500.000 Euro pro Jahr unterstüzt. Die Ergebnisse belegen den Erfolg dieser Strategie: Gegenüber Flächen, die nur nach den gesetzlichen Vorgaben bewirtschaftet werden, gelangt mit unserem Modell deutlich weniger Nitrat ins Grundwasser. 

Oekolandbau.de: Wäre es nach Ihren Erfahrungen auch für andere Wasserverbände sinnvoll, mehr auf Ökolandbau zu setzen?

Christina Aue: Absolut. Der Ökolandbau bietet viele Vorteile für den vorsorgenden Gewässer- und Trinkwasserschutz. Durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und geringere Stickstoffüberschüsse werden Belastungen von Grund- und Oberflächengewässern reduziert. Das schützt nicht nur die Ressource Wasser, sondern hilft zudem, die Kosten für die Trinkwasseraufbereitung langfristig im Rahmen zu halten. Wenn Schadstoffe oder Nitrat erst einmal im Wasser sind, müssen sie mit hohem technischem Aufwand wieder entfernt werden. Das kostet nicht nur viel Geld, sondern es sind auch zusätzliche Wassermengen erforderlich. 

Vorbeugender Gewässerschutz ist deshalb in der Regel deutlich wirtschaftlicher als nachträgliche Aufbereitung. Unsere Erfahrung zeigt zudem, dass die Zusammenarbeit mit ökologisch wirtschaftenden Betrieben sehr gut funktioniert. Deshalb kann der Ökolandbau für viele Wasserverbände ein wichtiger Baustein sein, um Wasserqualität zu sichern und gleichzeitig die Kosten für die Verbraucherinnen und Verbraucher langfristig stabil zu halten.

Oekolandbau.de: Seit Sommer 2025 ist die Kantine des OOWV biozertifiziert. Was waren die ausschlaggebenden Gründe dafür und wie kommt das bei den Tischgästen an?

Christina Aue: Zu Beginn gab es durchaus Skepsis. Viele Kolleginnen und Kollegen fragten sich, ob es künftig überhaupt noch Fleisch geben würde oder ob das Essen deutlich teurer wird. Deshalb war uns eine offene und transparente Kommunikation besonders wichtig. Wir haben früh erklärt, was die Bio-Zertifizierung bedeutet und welche Ziele wir damit verfolgen. Heute zeigt sich, dass die Qualität und der Geschmack des Essens überzeugen. Die Nachfrage ist sogar eher gestiegen. Gleichzeitig hat die Umstellung das Interesse am Thema Bio insgesamt geweckt. Viele Kolleginnen und Kollegen beschäftigen sich nun stärker mit der Frage, was ökologische Landwirtschaft ausmacht und warum sie für den Wasserschutz relevant ist. Das Thema ist dadurch deutlich präsenter geworden als zuvor.


Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers

Das Schutzkonzept des OOWV beinhaltet Maßnahmen vor allem in diesen zwei Bereichen: 

Kooperation mit der Landwirtschaft zum vorsorgenden Trinkwasserschutz auf Basis des Niedersächsischen Kooperationsmodells Trinkwasserschutz

In Niedersachsen wurde 1992 eine Wasserentnahmegebühr (WEG) eingeführt, die den Wasserpreis erhöhte. Zeitgleich wurden 74 Kooperationen gegründet, um den landwirtschaftlichen Betrieben in den Niedersächsischen Trinkwassergewinnungsgebieten eine kostenlose Wasserschutzberatung und die freiwillige Teilnahme am Kooperationsmodell anzubieten. Mit der Umsetzung von Grundwasserschutz-Maßnahmen tragen die teilnehmenden landwirtschaftlichen Betriebedazu bei, die Nitrateinträge ins Grundwasser zu senken. Das hießt beispielsweise: Sie verwenden weniger stickstoffhaltige Düngemittel und nutzen Zwischenfruchtanbau, um den Stickstoff besser auf den Flächen zu binden. Für diese zusätzlichen, über gesetzliche Vorgaben hinausgehende Leistungen werden die Landwirtinnen und Landwirte bezahlt. Zudem erhalten sie Ausgleichszahlungen für die Umsetzung von Vorgaben aus der Wasserschutzgebietsverordnung, da sie Einschränkungen bei der Bewirtschaftung hinnehmen müssen. 

Grenzwerte für Trinkwasser: In Deutschland regelt die Trinkwasserverordnung die Grenzwerte für Schadstoffe. Bei Pflanzenschutzmitteln gilt für einzelne Substanzen der Grenzwert von 0,10 Mikrogramm pro Liter. Bei Nitrat liegt der Grenzwert bei 50 Milligramm pro Liter. Um das zu erreichen muss im Herbst der Gehalt an verfügbarem mineralisiertem Stickstoff im Boden bis 90 Zentimeter unter der Geländeoberkante unter 35 Kilogramm pro Hektar liegen.

Pacht oder Kauf von Flächen mit Wiederverpachtung unter Auflagen

Der OOWV hat rund 1.300 Hektar landwirtschaftliche Fläche in Trinkwassergewinnungsgebieten gekauft und sie mit Grundwasserschutzauflagen verpachtet. So können die landwirtschaftlichen Betriebe dann diese Flächen nutzen: 

  1. Dauerhafte Grünlandnutzung mit Düngungsbeschränkung und ohne Pflanzenschutzmittel-Einsatz.
  2. Ökolandbau in den Varianten Grün- oder Grasland sowie Ackerbau, bei dem vorzugsweise Sommergetreide mit winterharter Zwischenfrucht beziehungsweise Wintergetreide mit ungedüngter Zwischenfrucht zum Einsatz kommt.
  3. Konventionelle Ackernutzung bei Düngungsbeschränkung und ohne Pflanzenschutzmitteleinsatz, unter Ausschluss von Mais, Kartoffeln und Gemüse.

Jede Fläche wird im Herbst beprobt und die Ergebnisse zeigen, dass die Werte über lange Zeitreihen im grünen Bereich für die Trinkwassergewinnung liegen.

Ergebnisse aus dem BÖL-Projekt "Das Blaue Land"

Das mit Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL) über die Richtlinie zur Förderung von Bio-Wertschöpfungsketten geförderte Projekt "Das Blaue Land" des OOWV zielte darauf ab, regionale Bio-Wertschöpfungsketten aufzubauen und so den Ökolandbau zum Schutz des Grundwassers im Nordwesten Niedersachsens zu fördern.

Mit dem Projekt "Das Blaue Land" wurden regionale Netzwerke erweitert, Kooperationen gestärkt und der Ökolandbau stärker ins öffentliche Interesse gerückt. Die Förderung hat wichtige Entwicklungsprozesse angestoßen und nachhaltige Strukturen für den Austausch und die Zusammenarbeit in der Region geschaffen. Auch dort, wo Wirkungen nur begrenzt messbar sind, zeigt sich ein deutlicher Mehrwert für die regionale Entwicklung.

Erkenntnisse und Empfehlungen für ähnliche Projekte:

  • Nicht nur Ziele definieren, sondern auch konkrete Arbeitsschritte beschreiben.
  • Netzwerke nutzen, Kooperationen aufbauen und Energien bündeln.
  • Von anderen lernen und über den Tellerrand blicken.
  • Einen langen Atem haben. 

Zum Projektsteckbrief


Letzte Aktualisierung 16.09.2026

Autor: Andreas Greiner

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