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Virtuelles Wasser: Was hinter unserem Wasserverbrauch steckt

Die wachsende Weltbevölkerung und der fortschreitende Klimawandel machen Wasser zunehmend zu einer knappen Ressource. Das Konzept des virtuellen Wassers soll uns bewusst machen, dass auch wir durch unseren Konsum den Wasserverbrauch weltweit beeinflussen. Das gilt besonders für die Produktion von Lebensmitteln.
Das Wichtigste in Kürze:
- Das Konzept des virtuellen Wassers berücksichtigt die Wassermenge, die bei der Erzeugung unserer Konsumgüter verbraucht werden.
- Die Erzeugung von Lebensmitteln hat weltweit den größten Anteil am Wasserverbrauch.
- Wie viel Wasser verbraucht wird, hängt stark ab vom Lebensmittel und von den Bedingungen im Ursprungsland.
- Eine langfristige intensive Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen führt in vielen trockenen Ländern zu sozialen und ökologischen Problemen.
- Es gibt Möglichkeiten, den persönlichen Wasserfußabdruck zu verringern.
Was ist virtuelles Wasser?
Waschen, Kochen, Duschen – für die täglichen Routinen verbraucht jede und jeder Deutsche statistisch gesehen 126 Liter Wasser pro Tag. Auch wenn es vor dem Hintergrund zunehmender Sommertrockenheit immer sinnvoll ist, hochwertiges Trinkwasser einzusparen, ist dieser Verbrauch in einem regenreichen Land wie Deutschland bisher noch unproblematisch.
Bezieht man jedoch auch die Wassermengen mit ein, die bei der Herstellung von Konsumgütern wie Lebensmittel oder Kleidung benötigt werden, ergibt sich ein vollkommen anderes Bild: Denn die Menge an diesem sogenannten virtuellen Wasser, deren Nutzung wir nicht sehen, liegt mit 7.200 Litern pro Kopf und Tag um ein Vielfaches höher.
Benötigte Wassermengen für die Erzeugung von Lebensmitteln (pro Kilogramm)
- Kakao: 27.000 Liter
- Kaffee: 21.000 Liter
- Rindfleisch: 15.500 Liter
- Nüsse: 5.000 Liter
- Geflügelfleisch: 4.000 Liter
- Avocado: 1.500 Liter
- Weizen: 1.400 Liter
- Bananen: 940 Liter
- Äpfel: 700 Liter
- Kartoffeln (Deutschland): 119 Liter
- Tomaten: 110 Liter
Quelle: food-monitor.de 2024
Der persönliche Wasserfußabdruck
Als geeigneter Indikator für unseren tatsächlichen Verbrauch gilt deshalb der Wasserfußabdruck. Er wurde im Jahr 2002 an der niederländischen Universität in Twente entwickelt und ist ein Konzept, das den direkten Verbrauch an Wasser berücksichtigt, etwa für die Körperhygiene, und zusätzlich die virtuelle Wassermenge, die für die Herstellung der von uns konsumierten Güter benötigt wird.
Der größte Teil unserer Konsumgüter wird im Ausland hergestellt. Deshalb liegt der Anteil des verbrauchten virtuellen Wassers in Deutschland nur bei 14 Prozent, während 86 Prozent des von uns indirekt genutzten virtuellen Wassers im Ausland verbraucht wird. Den mit Abstand größten Bedarf hat dabei die Landwirtschaft. Rund 70 Prozent des genutzten Süßwassers wird weltweit beim Anbau von Lebens- und Genussmitteln verbraucht.
Lebensmittel haben großen Anteil am Wasserverbrauch
Der Kauf von Lebensmitteln aus anderen Ländern hat also einen großen Anteil an unserem virtuellen Verbrauch und damit auch am persönlichen Wasserfußabdruck. Doch die Höhe des Fußabdrucks allein lässt noch keine Aussage darüber zu, wie stark dieser Verbrauch die Umwelt beeinflusst. Viel entscheidender sind die Produktionsbedingungen im jeweiligen Erzeugerland.
Ein zentraler Faktor ist das Klima. In Ländern mit geringen Niederschlägen und Wasserressourcen ist der Anbau in der Regel deutlich weniger nachhaltig als in wasserreichen Regionen. Vor allem die intensive Nutzung von Grund- und Oberflächenwasser zur Bewässerung kann in Regionen wie dem Nahen und Mittleren Osten, Nordafrika oder Indien zu großen sozialen und ökologischen Problemen führen.
Bewässerung lässt Grundwasserspiegel sinken
So ist etwa in der indischen Provinz Punjab, die als Kornkammer des Landes gilt, der Grundwasserspiegel um bis zu 40 Meter gesunken. Hauptursache dafür ist eine jahrzehntelange, intensive Bewässerung der Kulturen. Weil dafür immer tiefere Brunnen gebohrt werden müssen, sind die Kosten und der Aufwand für die Wassergewinnung deutlich gestiegen. Darunter leiden besonders die zahlreichen Kleinbäuerinnen und -bauern der Region.
Auch in Teilen Europas führt die Bewässerung zu Problemen. Im südspanischen Almería wird intensiv Gemüse für den Export angebaut und zu 80 Prozent mit Grundwasser bewässert. Das führt in der Region zu einem jährlichen Wasserdefizit von 170 Millionen Kubikmetern. Zudem mussten riesige Entsalzungsanlagen mit hohem Energiebedarf gebaut werden, nachdem das Meerwasser in küstennahen Gebieten in die absinkenden Grundwasserschichten eingedrungen war.
Grünes, blaues und graues Wasser
Daraus lässt sich ableiten, dass ein hoher Wasserfußabdruck bei Lebensmitteln aus wasserreichen Gebieten tendenziell weniger problematisch ist als bei Produkten aus trockenen Regionen. Um den Einfluss auf die Nachhaltigkeit der Wasserentnahme besser einschätzen zu können, wurde das Konzept des Wasserfußabdrucks weiter verfeinert durch eine Einteilung in grünes, blaues und graues Wasser:
- Zum sogenannten grünen Wasser zählt man das Wasser aus Niederschlägen, das Pflanzen aufnehmen und das nicht dem natürlichen Wasserkreislauf entnommen wird.
- Blaues Wasser stammt dagegen aus Grund- oder Oberflächengewässern und dient vor allem zur Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen oder zur Herstellung von Produkten wie Textilien.
- Das sogenannte graue Wasser ist ein theoretisch berechneter Wert. Es umfasst die Menge an Süßwasser, die notwendig ist, um Verunreinigungen durch Schadstoffe soweit zu verdünnen, dass sie den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.
Kartoffeln aus trockenen Regionen verbrauchen viel Wasser
Wie sich diese Einteilung praktisch anwenden lässt, zeigt ein Beispiel: Kartoffeln aus Deutschland haben einen sehr hohen Anteil an erwünschtem grünem Wasser. Für die Erzeugung von einem Kilogramm werden 119 Liter Wasser benötigt, davon sind 84 Liter "grün". Für die gleiche Menge Kartoffeln braucht man in Israel 203 Liter. Blaues und graues Wasser haben hier bereits einen Anteil von mehr als drei Viertel. Bei ägyptischen Kartoffeln werden sogar 418 Liter pro Kilogramm benötigt, die sich zu über 90 Prozent aus blauem und grauem Wasser zusammensetzen. Das macht deutlich, wie wenig nachhaltig die Erzeugung in Ägypten ist.
Wie kann ich meinen eigenen Wasserfußabdruck verringern?
Beim täglichen Einkauf ist der Wasserfußabdruck eines Produkts nicht ausgewiesen. Es gibt weder gesetzliche Siegel noch Hinweise des Handels für besonders wassersparend erzeugte Lebensmittel. Das liegt auch an der Komplexität des Themas. Viele unterschiedliche Faktoren beeinflussen die Nachhaltigkeit des Wassereinsatzes und erschweren eine objektive Beurteilung.
Verbraucherinnen und Verbraucher, die ihren persönlichen Wasserfußabdruck beim Lebensmittelkonsum verbessern möchten, können sich aber an ein paar Regeln orientieren.
Regional und saisonal einkaufen
Trotz zunehmender temporärer Trockenheit ist Deutschland nach wie vor ein Land mit ausreichenden Niederschlagsmengen. Der Anteil der bewässerten Fläche liegt bei unter vier Prozent. Die allermeisten Kulturen kommen also mit grünem Wasser aus den natürlichen Niederschlägen aus. Wer auf heimische Lebensmittel setzt, spart also in der Regel blaues und graues Wasser. Das gilt besonders bei saisonalen Kulturen wie Erdbeeren oder Spargel, die im Ausland außerhalb der Saison in der Regel aufwändiger erzeugt werden.
Auf Bio-Lebensmittel setzen
Zwar hat nicht jedes Bio-Produkt automatisch einen kleineren Wasserfußabdruck, da der Standort und das betriebliche Management auch im Ökolandbau eine große Rolle spielen. Aber allein durch den Verzicht auf synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel ist hier das Potenzial für Einsparungen von grauem Wasser größer. Zudem ist der ökologische Anbau darauf ausgerichtet, Humus aufzubauen, um die Bodenfruchtbarkeit zu steigern. Je höher der Humusgehalt, desto besser können Böden die Feuchtigkeit speichern, sodass weniger grünes Wasser verloren geht. Gerade bei Produkten wie Mandeln oder Avocados, die häufig aus wasserarmen Ländern stammen, ist es sinnvoll, auf eine biologischer Erzeugung zu achten.
Fleisch und Lebensmittelabfälle reduzieren
Der Wasserbedarf und der Aufwand für die Erzeugung von pflanzlichen Lebensmitteln ist grundsätzlich geringer als bei Fleischwaren. Wer darauf achtet, möglichst wenig Lebensmittel zu verschwenden, trägt zusätzlich dazu bei, Ressourcen zu sparen.
Wasserknappheit wird weiter zunehmen
Wegen der wachsenden Weltbevölkerung und der fortschreitenden Klimakrise gehen Fachleute davon aus, dass der Bewässerungsbedarf in der Landwirtschaft weiter zunehmen wird und die Wasserreserven in vielen Ländern knapper werden. Schon heute werden weltweit rund 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen bewässert – Tendenz steigend, auch in Deutschland.
Umso wichtiger wird es sein, das Wassermanagement nachhaltiger zu gestalten, insbesondere in Ländern, die schon heute mit knappen Ressourcen kämpfen. Das beginnt mit modernen, verlustarmen Bewässerungssystemen wie der Tröpfchenbewässerung bei Dauerkulturen, etwa in Apfel- und Orangenplantagen, oder stationärer Kreiselanlagen im Ackerbau.
Betriebe ackern wassersparend
Zudem passen die Betriebe in Deutschland ihre Bewirtschaftung schon heute immer mehr an die trockeneren Bedingungen an. Sie arbeiten verstärkt mit Direktsaatsystemen ohne Pflugeinsatz, damit die Böden nicht zu lange offen liegen und austrocknen. Auch Untersaaten und Zwischenfrüchte nach einer Hauptkultur wie Getreide kommen immer häufiger zum Einsatz, um die Böden möglichst ganzjährig bedeckt zu halten und vor unnötiger Verdunstung zu schützen.
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Letzte Aktualisierung 17.09.2026






