Die Rolle der Politik und Verwaltung für mehr Bio

Die Rolle der Politik und Verwaltung für mehr Bio

Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag für die 20. Legislaturperiode das Ziel ausgegeben, den Anteil der ökologischen Anbaufläche bis 2030 auf 30 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland auszuweiten und damit zu einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Agenda 2030 der Vereinten Nationen (UN) beizutragen. Kommunen, die sich für mehr Bio-Lebensmittel in der öffentlichen Verpflegung stark machen, können mit der Politik vor Ort die nachhaltige Transformation positiv mitgestalten. BioBitte zeigt, wie sich die Ziele realisieren und sich mit Bio-Lebensmitteln in der kommunalen Nachhaltigkeitsstrategien und Ratsbeschlüssen verankern lassen.

Was haben die Städte Haan in Nordrhein-Westfalen, die Samtgemeinde Bersenbrück in Niedersachsen und Jena in Thüringen gemeinsam? Die drei Städte und Gemeinden haben im Rahmen des Projekts Global Nachhaltige Kommunen kommunale Nachhaltigkeitsstrategien und -berichte erstellt, in denen ökologisch erzeugte Lebensmittel zum Baustein einer nachhaltigen Verpflegung vor Ort werden sollen. Bundesweit haben mehr als 160 Kommunen eigene Nachhaltigkeitsprozesse im Sinne der Agenda 2030 angestoßen. Doch nicht alle Kommunen folgen dem Beispiel dieser Kommunen. Dabei eignet sich der Einsatz von Bio-Lebensmitteln in der öffentlichen Außer-Haus-Verpflegung hervorragend, um die Nachhaltigkeitsstrategien zu komplettieren.

Agenda 2030 und die UN-Nachhaltigkeitsziele

Im Jahr 2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Agenda 2030. Darin legte die Weltgemeinschaft 17 globale Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Entwicklung fest. Die Ziele richten sich weltweit an Verantwortliche auf allen politischen Ebenen: Kontinente, Staaten, Regionen und Kommunen. Aber auch Akteurinnen und Akteure aus der Wirtschaft, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft engagieren sich für das Erreichen der Ziele. Im Koalitionsvertrag für die 20. Legislaturperiode hat die Bundesregierung das Ziel festgelegt, den Anteil der ökologischen Anbauflächen in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf 30 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Anbauflächen zu erhöhen. Ausgehend von der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie hat die Zukunftsstrategie ökologischer Landbau (ZöL) daraus 24 Maßnahmen abgeleitet, die u.a. mit BioBitte zu mehr Bio in der öffentlichen Außer-Haus-Verpflegung und damit zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen sollen.

Bio-Lebensmittel als Teil einer kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie

Städte und Gemeinden entwickeln ihre kommunalen Nachhaltigkeitsstrategien entlang der 17 Ziele (Sustainable Development Goals, SDGs) der UN für eine global nachhaltige Entwicklung. Mehr Bio in öffentlichen Küchen kann bei bis zu fünf Zielen dazu beitragen, diese zu erreichen.

  • SDG 6 Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen: Durch weniger Nitrat- und Pflanzenschutzmittel trägt der Öko-Landbau zum Gewässerschutz bei.
  • SDG 11 Nachhaltige Städte und Gemeinden: Hier kann der Einsatz von Bio-Produkten ganz konkret verortet werden, etwa in Kitas, Schulen, Kantinen oder anderen Einrichtungen.  
  • SDG 12 Nachhaltige/r Konsum und Produktion: Bio-Lebensmittel können Bestandteil einer nachhaltigen Beschaffung sein.
  • SDG 13 Maßnahmen zum Klimaschutz: Öko-Landbau fördert die Humusbildung der Böden und damit deren Fähigkeit klimaschädliches CO2 zu speichern.
  • SDG 15 Leben an Land: Als besonders ressourcenschonende und umweltverträgliche Wirtschaftsform unterstützt der Öko-Landbau den Erhalt der Biodiversität und Artenvielfalt.

Sollen Bio-Lebensmittel zur Zutat für die kommunalen Nachhaltigkeitsbestrebungen werden, sind einige Faktoren zu beachten:

  • Umsetzungsbereiche identifizieren: Wo können und sollen ökologisch erzeugte Lebensmittel eingesetzt werden? Kita- und Schulverpflegung, öffentliche Kantinen, Veranstaltungen, Besprechungen, Kliniken?
  • Eine gute Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und zivilgesellschaftlichen Gruppen, wie Ernährungsräten oder Vereinen, schafft Klarheit darüber, welche Ziele sich gemeinsam realisieren lassen.
  • Ein verbindlicher politischer (Rats-)Beschluss mit festgelegten (prozentualen) Bio-Lebensmittel-Anteilen in der Gemeinschaftsverpflegung zeigt die grundsätzliche Bereitschaft, bestimmt kommunales Handeln und gibt der Verwaltung eine Richtung vor.

Lesetipps:

Das BioBitte-Infoblatt zeigt auf einen Blick, wie Bio-Lebensmittel als Teil kommunaler Nachhaltigkeitskonzepte dazu beitragen können, wichtige Ziele zu erreichen.

Wenn der Einsatz von Bio-Lebensmitteln in einem Ratsbeschluss festgehalten wird, ist das ein Bekenntnis der Entscheiderinnen und Entscheider für eine nachhaltige Verpflegung. Der Entschluss gibt den Handlungsspielraum für die Beschaffungs- und Vergabestellen vor, hilft aber auch den Personalabteilungen, Kämmereien, Pächterinnen und Pächtern, Caterinnen und Caterern und Küchen bei der Umsetzung.

Bio-Lebensmittel in Ratsbeschlüssen verankern

Welche Schritte sind aber zu beachten, wenn Kommunen politisch verbindlich beschließen wollen mehr Bio in öffentlichen Küchen einzusetzen?  

1. Bestandsaufnahme vor dem Ratsbeschluss

Wen braucht es in der Praxis, um die Vorhaben umzusetzen?

Bevor ein konkreter Antrag ausgearbeitet wird, sollten einige grundlegende Fragen beantworten werden. Wen braucht es in der Praxis, um die Vorhaben umzusetzen? Die Identifikation von relevanten Abteilungen und Referaten in der Verwaltung ist maßgeblich. Diese sollten früh mit einbezogen werden. Auch das Bilden von fachübergreifenden Arbeitsgruppen aus Politik und Verwaltung ist ratsam. Dabei sind allerdings feste Strukturen und regelmäßige Treffen wichtig, damit das Bio-Vorhaben mit der Zeit nicht im Sand verläuft. Mit fachlichem Input von außen, beispielsweise durch BioBitte-Veranstaltungen, sind alle Beteiligten auf einem Stand und erhalten ein gemeinsames Verständnis zur Wichtigkeit von Bio-Lebensmitteln für die kom-munalen Nachhaltigkeitsziele.

Wo sollen Bio-Lebensmittel eingesetzt werden und wie viel?

Daneben gibt es bei der Bestandsaufnahme aber auch ganz grundsätzliche Fragen zu klären: In welchen Bereichen können Bio-Lebensmittel eingesetzt werden oder geschieht das vielleicht schon systematisch oder punktuell? Wo zeigen sich Potenziale für den Einsatz von Bio-Lebensmitteln? Wie hoch ist der bereits eingesetzte Anteil an Bio-Lebensmitteln? Selbstverständlich sollte in diesem Schritt auch eine Zielmarke gesetzt werden, wie hoch der künftige Bio-Anteil sein soll und in welchem Zeitraum diese Marke erreicht werden soll.

2. Die Beschlussfassung

Die Ergebnisse aus der Bestandsaufnahme und die Zielsetzung müssen nun in einen Ratsbeschluss umgesetzt werden. Wichtig ist dabei, dass die Vorgaben im Beschluss möglichst konkret ausformuliert werden. Allgemein gehaltene Vorgaben sind weniger erfolgsversprechend.

Ein guter Ratsbeschluss zum Einsatz von Bio-Lebensmitteln in der AHV enthält eine konkrete Zielmarke (z.B. der Prozentanteil der Ausgaben für Bio-Lebensmittel am gesamten Warenaufwand). Im Ratsbeschluss sollte zudem stehen, in welchen Einrichtungen (z.B. Schulen oder Rathaus-Kantine) die Zielvorgaben erfüllt werden sollen. Orientierung geben beispielsweise die genauen Formulierungen anderer Städte, die Bio bereits erfolgreich per Ratsbeschluss verankert haben. Erfolgreiche Praxisbeispiele finden Sie beispielsweise in unserer BioBitte-Präsentation (PDF-Dokument).

3. Umsetzung nach dem Ratsbeschluss

Natürlich ist der beste Beschluss nur so gut wie seine Umsetzung in der Praxis. Wie die Umsetzung in Ihrer Stadt oder Kommune genau aussieht, ist aber ganz individuell. Wichtig ist, dass die Politik die notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen zur Umsetzung langfristig bereitstellt. Daneben brauchen die Verwaltung und die öffentlichen Küchen als treibende Kräfte das notwendige Know-How für den Bio-Einsatz. Für die Verwaltung sind beispielsweise die BioBitte-Materialien zu Ausschreibung und Vergabe hilfreich, die ihr als Grundlage für die Umstellung dienen können. Die BioBitte-Präsentation bietet auch hier anschauliche Praxis-Beispiele aus Bonn, Bremen, München und Aichach-Friedberg.

4. Erfolgskontrolle

Damit alle relevanten Personen aus Politik und Verwaltung an einem Strang ziehen, sollten die Erfolge des Bio-Einsatzes regelmäßig kontrolliert werden. Einerseits hilft die Erfolgskontrolle, um die Umsetzung der Maßnahmen gegebenenfalls anzupassen. Andererseits bringt ein transparenter Umgang mit den Erfolgen zusätzliches Vertrauen und Akzeptanz zwischen allen Beteiligten mit sich. Für die Erfolgskontrolle ist allerdings wichtig, dass die Kennzahlen aussagekräftig und einfach zu erfassen sind. Aus einer detaillierten Erfolgskontrolle können Rückschlüsse gezogen und die nächsten Schritte konkret in Angriff genommen werden.

5. Weiterentwicklung

Hat sich die Herangehensweise bewährt, ist dies eine gute Gelegenheit, das Konzept weiterzuentwickeln und den Ratsbeschluss unter Umständen neu zu fassen. Woran können Kommunen hier ansetzen? Sie können die Bio-Verpflegung auf wei-tere Bereiche ausweiten oder den Bio-Anteil in bereits berücksichtigten Verpflegungseinrichtungen erhöhen. Sie können auch dem Beispiel von Städten wie Essen oder Frankfurt folgen, die mit ihrer Zukunftsküche Essen und dem House of Food zentrale Anlaufstellen für die Gemeinschaftsverpflegung schaffen wollen, in denen auch das Thema Bio ein Zuhause findet.

Lesetipps:

Ratsbeschlüsse mit konkreter Bio-Quote dienen als Handlungsgrundlage für Vergabestellen und Küchen. Das Infoblatt "Bio-Lebensmittel in Ratsbeschlüssen verankern" und die Präsentation zeigen Verantwortlichen, wie der politische Prozess in den Kommunen gelingt.

Weiterführende Informationen


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Letzte Aktualisierung 19.07.2022

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