Jobmotor Bio – Steilvorlage für die kommunale Wirtschaftsförderung

Jobmotor Bio – Steilvorlage für die kommunale Wirtschaftsförderung

Die Bio-Branche ist eine der Branchen, die derzeit wächst. Die Arbeitsplätze nehmen zu, die Ausbildungszahlen steigen, die Zahl der Betriebe erhöht sich weiter. Die kommunale Wirtschaftsförderung kann die Bio-Branche mit gezielten Impulsen und Projekten regional voranbringen und damit den eigenen Wirtschaftsstandort fördern.

Bio-Branche bildet aus

Laut der aktuellen Arbeitsplatzstudie, die der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft zur BioFach 2026 veröffentlicht hat, gibt es in der Bio-Branche 388.000 Arbeitsplätze. Das sind 8.000 Arbeitsplätze mehr (das entspricht 2,1 Prozent) als noch vor einem Jahr. Und nicht nur das. Bio-Betriebe bilden mehr als doppelt so viel Auszubildende aus als der Durchschnitt der deutschen Wirtschaft! 38 Prozent der Unternehmen haben Auszubildende, in der restlichen Wirtschaft sind es 19 Prozent. Mehr als die Hälfte der Betriebe (54 Prozent) plant, neue Mitarbeitende einzustellen, während lediglich 33 Prozent angeben, diese tatsächlich auch zu finden. Die Branche bietet also ein großes Stellenpotenzial, auch für Nachwuchskräfte.  

Diese eindrucksvollen Zahlen stellte Annette Bruhns, die Pressesprecherin des BÖLW, bei der "Bio Komm‘ mit"-Veranstaltung am 12. Februar vor. "Wie Kommunen Bio aus und für die Region voranbringen und die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der Bio-Branche nutzen" fand im Rahmen des Forums StadtLandBio auf der BioFach in Nürnberg statt. 

Solche Fakten sollten die Wirtschaftsförderungen in Städten, Landkreisen und Gemeinden als Basis für eine Unterstützung der regionalen Bio-Branche im Hinterkopf haben. Oft findet eine Unterstützung aktuell durch einzelne Projekte statt. Ein Durchbruch lässt sich dann erzielen, wenn das Einzelprojekt zur integrierten Stadt- und Standortentwicklung rund um die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft wird, so die Erfahrung von Mirjam Pekar-Milicevic, der Wirtschaftsförderin der Stadt Lauf an der Pegnitz. 

Seeham integrierte Bio als Leitthema überall in der Kommune

Eine Musterkommune, bei der dies bereits Realität ist, ist das Biodorf Seeham im Salzburger Land in Österreich. Seeham wurde 2022 zur ersten Bio-Hauptstadt Europas gekürt. Das Besondere: Bio ist der rote Faden für die Entwicklung der Gemeinde und der Region mit über 70 Prozent Ökolandbau, weiterverarbeitenden Bio-Betrieben, Bio als Thema im Tourismus und in der Gastronomie oder in den Kitas und Schulen. Mit dem BioArt Campus gibt es bereits einen "Bio-Cluster", der ein weiteres aktuelles Thema der Bio Komm‘ mit Veranstaltung war.

Hintergrund waren die Ergebnisse einer Vorstudie zu möglichen Bio-/Food-Clustern in Baden-Württemberg, die durch das BioRegio-Institut im Auftrag des Ministeriums für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz durchgeführt wurde. 

Cluster als Ansatzpunkte

Ein Cluster ist ein gemanagtes Innovationsnetzwerk einer regionalen Branche, zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch den Ausbau der Kernkompetenzen und hohe Innovativität, so der Verweis von Armin Kullmann, dem Leiter des Instituts. Für die kommunale Wirtschaftsförderung sind Cluster ein bisher kaum genutzter Weg, um die Bio-Branche zu fördern.

Wie eine Befragung der Managerinnen und Manager von 12 deutschen Food-Clustern zeigte, sind unter deren Unternehmensmitgliedern bereits heute schon 10 bis 35 Prozent Bio-Unternehmen zu finden. In einer Befragung wurden acht Bio-Unternehmen aus fünf Clustern zu ihrer Zufriedenheit mit den Angeboten ihres Clusters interviewt sowie gefragt, ob sie stattdessen die Gründung „reiner“ Bio-Cluster begrüßen oder empfehlen würden. Das Ergebnis: Alle Befragten waren „zufrieden bis sehr zufrieden“ mit ihren jetzigen Cluster-Angeboten.

Sie begrüßten auch den Austausch mit den konventionellen Kolleginnen und Kollegen, mit der Begründung, Bio-Hersteller seien heute so weit in den Lebensmittelmarkt integriert, dass sie denselben Herausforderungen gegenüberstehen wie konventionelle Unternehmen. Bio-spezifische Informationen und Aktivitäten seien durch die Bio-Verbände ausreichend abgedeckt. Keines der befragten Bio-Unternehmen sprach sich für die Gründung reiner Bio-Cluster aus.

Um weitere Food-Cluster erfolgreich zu etablieren und weiterzuentwickeln, braucht es eine enge Zusammenarbeit der Kommunen mit regionalen und staatlichen Strukturen, wie zum Beispiel der RegioClusterAgentur für Innovation und Transformation in Baden-Württemberg. 


Letzte Aktualisierung 26.03.2026

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