Immer mehr Bio-Jobs in Deutschland

Immer mehr Bio-Jobs in Deutschland

Die Bio-Branche hat sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt: Im Jahr 2024 erwirtschafteten Öko-Landwirtinnen und -Landwirte, Bio-Unternehmen und der Bio-Handel 17 Milliarden Euro. Dadurch wurden hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen. Die meisten davon im ländlichen Raum.

Bei Arbeitsplätzen denken die meisten an die Automobilindustrie und den Maschinenbau. Dabei ist auch die Bio-Lebensmittelwirtschaft ein Jobmotor. Laut dem Bundesverband für ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) waren 2023 mindestens 380.000 Menschen in diesem Bereich beschäftigt. Das sind mehr als in der Chemiebranche (213.000 Beschäftigte) und etwa gleich viel wie in der Branche für Erneuerbare Energien (387.000 Beschäftigte im Jahr 2022). Damit dürften die beiden Nachhaltigkeitsbranchen Bio und Erneuerbare Energien heute mit der Autoindustrie gleichauf liegen, die 2023 noch 780.000 Menschen beschäftigte. Besonders erfreulich ist die hohe Dynamik: Seit der letzten Zählung im Jahr 2009 (180.000 Arbeitsplätze) hat sich die Zahl der Beschäftigten in der ökologischen Lebensmittelwirtschaft mehr als verdoppelt, so der BÖLW.

Das positive Wachstum in der Bio-Branche dürfte anhalten, weil sich die Umsätze in 2025 bisher gut entwickeln. Einen deutlichen Sprung nach oben bei den Arbeitsplätzen erwarten wir jedoch nicht,

prognostiziert Tina Andres, Vorstand des BÖLW.

Verarbeitende Betriebe schaffen die meisten Öko-Jobs

Mit 45 Prozent schaffen die Herstellungs- und Verarbeitungsbetriebe die meisten Arbeitsplätze. Dazu gehören Bäckereien, Metzgereien, Molkereien, Mühlen sowie weitere auf Bio spezialisierte Lebensmittelunternehmen. Auf Platz zwei folgen die Bio-Höfe, für die 29 Prozent der Menschen in der Bio-Branche arbeiten. Weitere 21 Prozent der Beschäftigten sind im Handel mit Öko-Lebensmitteln tätig, sei es in Bio-Fachgeschäften oder im klassischen Lebensmitteleinzelhandel. Die restlichen fünf Prozent entfallen auf Arbeitsplätze in der Hofverarbeitung, im Futtermittelsektor, im Import und in sonstigen Bereichen.

Viele Bio-Jobs im ländlichen Raum

In Deutschland waren 2023 insgesamt 22.382 Unternehmen für die Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln zertifiziert. Die meisten von ihnen befinden sich in Bayern und Baden-Württemberg. Erfreulicherweise haben viele Bio-Verarbeitungsnehmen wie Molkereien, Mühlen und Schlachthöfe ihren Firmensitz in der Nähe der landwirtschaftlichen Betriebe. Sie schaffen vor allem dort Arbeitsplätze und Wertschöpfung, wo sie besonders fehlen: im ländlichen Raum.

Wie eine aktuelle Studie des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zeigt, betrifft das auch die Bio-Getreidebranche und das Bio-Bäckerhandwerk. Das vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau geförderte Projekt BioVerarbeitungStark hat erstmals Zahlen zu Bio-Mühlen und Bio-Bäckereien erhoben.

Danach beschäftigten die 13 befragten Bio-Mühlen im Jahr 2023 insgesamt 757 Menschen. In den beiden größten Bio-Mühlen arbeiteten 250 Personen, der kleinste Betrieb beschäftigte lediglich drei Mitarbeitende. Die 25 befragten Bio-Bäckereien hatten insgesamt 2.312 Mitarbeitende, im Schnitt 92 pro Betrieb. Die Spanne reichte von zwei bis zu 500 Beschäftigten.

Methodik – Woher stammen die Zahlen?

Die Agentur Harting & Tovar hat im Auftrag des BÖLW 473 Hersteller und Verarbeitungsbetriebe mit einem Gesamtumsatz von mehr als 2,5 Milliarden Euro Gesamtumsatz befragt. Die Durchschnittsdaten dieser Betriebe wurden — mit einem deutlichem "Vorsichtsabschlag" nach unten — auf die Gesamtzahl der Betriebe übertragen.

Im Handel wurden sowohl die rund 3.700 Firmen des Bio-Groß- und -Einzelhandels als auch die etwa 40.000 Verkaufsstellen des Lebensmitteleinzelhandels und der Drogeriemärkte berücksichtigt. Hierbei wurde ein durchschnittlicher Umsatzanteil mit Bio von 7,9 Prozent zugrunde gelegt. Auf dieser Basis wurde die Zahl der Beschäftigten, deren Arbeitsplätze von Bio-Produkten abhängen, errechnet.

Die Zahlen für die Landwirtschaft stammen aus der Agrarstrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes.

Mehr Ausbildungsplätze im Bio-Markt

Die Bio-Branche fördert den Nachwuchs: Laut dem BÖLW-Branchenreport bildet fast jeder zweite Öko-Betrieb (45 Prozent) aus. Das sind mehr als doppelt so viele als in der Gesamtwirtschaft (19 Prozent). Typisch sind klassische Ausbildungsplätze im Lebensmittelhandwerk und Handel. Die jungen Leute lernen aber auch Berufe in den Bereichen Logistik, Marketing, Vertrieb und Technik. So bilden Bio-Betriebe zum Beispiel IT-Systemkaufleute, Anlagenfahrerinnen und Anlagenfahrer oder Produktionstechniker und Produktionstechnikerinnen aus.

Wie finde ich einen Bio-Job?

Zudem bietet die Bio-Lebensmittelwirtschaft vielen Menschen eine Chance. 37 Prozent der Betriebe gaben an, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen, 35 Prozent beschäftigen geflüchtete Menschen.

Dabei sind alle Geschlechter vertreten. 55 Prozent der Beschäftigten in der ökologischen Lebensmittelwirtschaft sind Frauen, 44 Prozent sind Männer und ein Prozent ist divers.

Wer auf den Geschmack gekommen ist, selbst in der Bio-Branche zu arbeiten, findet Stellenangebote auf den Webseiten von Greenjobs und Öko-Stellenmarkt. Ein Quereinstieg in die Landwirtschaft ist ebenfalls möglich.

Text: Jutta Schneider-Rapp, Nina Weiler


Letzte Aktualisierung 18.11.2025

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