Oekolandbau.de: Wie sieht das bei anderen Tierarten aus?
Plesch: Bei Schweinen unterscheiden sich die Vorgaben zum Platzangebot deutlich: Bei Haltungsform 4 (Auslauf/Weide) haben 50 bis 120 kg schwere Tiere 1,5 m² Platz (Stall und Auslauf) pro Tier. Bei unter 110 kg schweren Bio-Schweinen sind es im Stall und Auslauf zusammen 2,3 m². Schwerere Bio-Schweine bekommen 2,7 m². In der Bio-Schweinemast ist außerdem Wühlmaterial im Auslauf vorgeschrieben.
Oekolandbau.de: Aber Platz allein ist ja nicht alles – wo gibt es noch Unterschiede zwischen den Stufen 4 (Auslauf/Weide) und 5 (Bio)?
Plesch: Da fallen mir deutliche strengere Vorgaben bei schmerzhaften Eingriffen ein. Beispielsweise ist das Kupieren der Schwänze oder auch das Schleifen der Zähne bei Ferkeln im ökologischen Landbau grundsätzlich verboten. Bei Bio-Puten ist das Kürzen der Schnäbel, anders als bei Puten der Haltungsform 4, nicht zulässig. Die Bio-Haltungssysteme werden hier noch besser an die Bedürfnisse des Tieres angepasst und nicht die Tiere an das Haltungssystem.
Oekolandbau.de: Wie viele Medikamente dürfen Bio-Tiere bekommen?
Plesch: So wenig wie nötig. Verboten ist es vor allem, chemisch-synthetische Arzneimittel vorbeugend zu verabreichen. Bei Verbandsbio-Betrieben gibt es on top starke Einschränkungen bei Reserve-Antibiotika und Antiparasitika. Hier spielt die Umweltwirkung mit rein. Werden die Tiere zum Beispiel mit bestimmten Mitteln gegen Parasiten wie Würmer behandelt, wirken deren Ausscheidungen auf der Weide oftmals toxisch für Insekten. Deswegen ist der Einsatz dieser Mittel stark eingeschränkt.