Der Bio-Hüttenwirt aus Überzeugung – auf 1.846 Metern Höhe
"Ich möchte für meine Gäste das kochen, was ich selbst gerne essen möchte."
Christoph Erd ist kein Koch wie jeder andere. Als Hüttenwirt des Prinz-Luitpold-Hauses bringt er Bio-Küche dorthin, wo andere an logistische Grenzen stoßen: auf 1.846 Metern in den Allgäuer Alpen – fernab befestigter Straßen, mit Materialseilbahn, Bergblick und bis zu 160 Übernachtungsgästen pro Nacht. Dazu kommen im Schnitt noch rund 50 Tagesgäste, wobei die Zahl je nach Wetter und Saison stark schwankt. Seit 2022 ist das Prinz-Luitpold-Haus die erste biozertifizierte Hütte im Deutschen Alpenverein – ein Meilenstein, der eng mit Erd verbunden ist.
Von der Kindheit auf dem Bauernhof zur Bio-Küche am Berg
Aufgewachsen auf einem Bioland-Bauernhof im Allgäu, lernte Christoph Erd früh, woher Lebensmittel wirklich kommen. Später absolvierte er eine Ausbildung zum Koch, arbeitete zunächst ein Jahr in einem Bio-Restaurant in Augsburg und sammelte weitere Erfahrungen in Hotels in der Schweiz, bevor er sich schließlich der Hüttenbewirtschaftung widmete. Außerdem ist er bis heute bei der Bergwacht aktiv.
"Kochen war für mich nie bloß Beruf, sondern Ausdruck meiner Überzeugung", sagt Erd rückblickend. Bereits auf dem Staufner Haus, seiner vorherigen Hütte, engagierte er sich in der Initiative "So schmecken die Berge" für eine regionale Bergküche. Mit dem Wechsel auf das Prinz-Luitpold-Haus im Jahr 2019 stellte er den gesamten Küchenbetrieb auf zertifizierte Bio-Produkte um. Bezogen wird vorrangig von Partnerbetrieben aus der Region – etwa Käse, Eier, Fleisch und Brot von Bio-Betrieben im Allgäu.
Logistik, Teamarbeit und familiärer Rückhalt
Die Zutaten erreichen die Hütte per Materialseilbahn und werden auf den letzten Metern mit einem Elektro-Dumper transportiert. Die Logistik ist anspruchsvoll. Manches muss im Tal selbst organisiert werden. "Man überlegt sich dreimal, was man hochbringt – jedes Kilo zählt", so Erd. Dabei packt die ganze Familie mit an: Sein Sohn arbeitet in der Hütte mit, der Schwiegervater bringt beim Besuch auch mal frische Eier mit auf den Berg. Seine Frau ist eine tragende Säule im Betrieb – sie begrüßt die Gäste stets mit einem strahlenden Lächeln, koordiniert das Team und sorgt dafür, dass im Hintergrund alles funktioniert. Für Christoph Erd ist dieser gemeinsame Einsatz ein zentraler Teil seiner Haltung: Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit gehen für ihn über Komfort. Und auch das Leben neben der Hütte gehört dazu: Im Sommer begleiten die eigenen Schweine und Hühner die Familie auf den Berg. Im Winter kehren sie wieder ins Tal zurück.
Nachhaltigkeit auf 1.846 Metern
Nachhaltigkeit ist auf der Hütte kein Zusatz, sondern Grundprinzip. Wasser stammt aus einer nahen Quelle und wird für die Nutzung in der Hütte aufbereitet, Strom erzeugen Solarmodule und zwei kleine Wasserturbinen. Nur im Notfall springt ein Generator ein. Müll wird möglichst vermieden. Gäste werden gebeten, ihren Abfall wieder mit ins Tal zu nehmen.
Struktur, Handarbeit und Teamgeist
Rund 120 Tage im Jahr ist Hüttensaison – mit Arbeitstagen, die bis zu 16 Stunden dauern können. Der Tagesablauf folgt einem festen Rhythmus: Frühstücksbuffet ab 6:30 Uhr, gefolgt von Küchen-Vorbereitungen und Tagesgeschäft. Abends serviert das Team bis zu fünf hausgemachte Hauptgerichte – von traditionellen Allgäuer Käsespätzle über ein Geschnetzeltes vom Bio-Rind bis hin zu veganen Gerichten wie einem Kichererbsencurry. Erd wird von einem engagierten Team unterstützt. Einige Mitarbeitende nehmen dafür extra eine Auszeit von ihrem eigentlichen Beruf, um für mehrere Wochen auf der Hütte zu arbeiten.