Zertifizierte Garnelen

Garnelen aus zertifizierter Herkunft

Eigentlich spricht nichts gegen Garnelen. Sie kommen weltweit vor und liefern hochwertiges Eiweiß. Doch wildlebende Garnelen aus dem Meer zu fischen, verursacht in Südostasien und Südamerika Probleme: Schleppnetze zerstören den Meeresboden. Den Fischerinnen und Fischern gehen viele andere Meeresbewohner ins Netz. Laut einer WWF-Studie können das pro Kilo Garnele bis zu neun Kilogramm Fische oder Schildkröten sein.

Außerdem kostet die Jagd nach Garnelen viel Energie. Das zeigt eine Studie zum Kraftstoffverbrauch globaler Fischereiflotten. Danach besteht bei vielen Shrimpsfischereien ein Missverhältnis zwischen dem Treibstoffverbrauch und den Fangmengen. Die Krebstierfischerei trage lediglich sechs Prozent zum weltweiten Seafoodfang bei, sei jedoch für mehr als ein Fünftel der fischereilichen CO2-Emissionen verantwortlich.

Garnelen aus dem Teich

Die meisten Garnelen stammen heute aus Aquakulturen (Aufzucht in Teichen). Die genügsamen Meerestiere lassen sich viel einfacher aufziehen als Fische: In der Natur weiden sie überwiegend Kieselalgen und Kleintiere vom Gewässerboden ab. Bereits nach etwa hundert Tagen erreichen sie ihr Erntegewicht. Aber: Wenn massenhaft Tiere auf engstem Raum leben, haben sie nicht genug zu fressen und werden leicht krank. Deshalb füttern die großen konventionellen Garnelenfarmen Fischmehl zu und geben ihren Tieren Medikamente wie Antibiotika. Überschüssige Nährstoffe und Arzneimittelrückstände fließen dann mit dem Abwasser ungefiltert in die umliegenden Gewässer.

Besser Biogarnelen essen

Die typischen Bio-Garnelenarten sind entweder die Black Tiger Garnele oder die Weißfuß-Garnele. Nach der EU-Bio-Verordnung dürfen Bio-Garnelen nur in naturnah gestalteten Teichen mit Biofutter heranwachsen. Die Erntemenge ist auf maximal 2400 Kilogramm pro Hektar und Jahr begrenzt. Beim Öko-Verband Naturland dürfen es nur 1600 Kilogramm sein. Das entspricht 15 Garnelen pro Quadratmeter. In konventionellen Aquakulturen werden bis zu zehnmal so viele Tiere gehalten. Die geringeren Besatzdichten in der ökologischen Garnelenzucht schonen die Umwelt. Denn dadurch gelangen auch weniger Futterreste und Ausscheidungen der Tiere in umliegende Gewässer.

Die Jungtiere dürfen in ökologischen Aquakulturen nur aus natürlicher Nachzucht stammen. In herkömmlichen Brutanstalten werden den weiblichen Elterntieren die Augenstiele abgebunden. Das soll die Reifung der Eier verbessern.

Keine Antibiotika in Biokrebstieren

Eine naturnahe Aufzucht der Meerestiere macht den Einsatz von Antibiotika überflüssig. Entsprechend sind chemische Therapeutika bei Naturland verboten. Garnelenfarmen, die nach der EU-Bio-Verordnung arbeiten, dürfen in Ausnahmefällen Antibiotika einsetzen. Allerdings müssen sie lange Wartezeiten vor der Ernte einhalten. Denn nur dann bleiben keine Rückstände in den Tieren. Entsprechend hat das Chemische Untersuchungsamt Stuttgart beim Ökomonitoring 2018 bei Proben aus ökologischer Aquakultur keine verbotenen oder unzulässigen Wirkstoffe gefunden. Dagegen waren zwölf Prozent der Proben aus konventioneller Aquakultur mit Rückständen von Arzneimitteln belastet.

Weitere Siegel

Neben den Biosiegeln gibt es bei Garnelen zwei weitere Zertifizierungen:

Wie Fischprodukte können Garnelen aus Wildfang das MSC-Siegel tragen. Das Kürzel steht für Marine Stewardship Council. Die Bodenbewohner dürfen zum Beispiel nur mit Netzen gefangen werden, aus denen Fische herausschwimmen können und die dem Meeresboden nicht schaden.

Seit 2014 tragen Garnelenprodukte aus Aquakultur das ASC-Siegel mit dem Kürzel für Aquaculture Stewardship Council. Die Kernanforderungen sind: internationale Arbeitsstandards einhalten, der Bevölkerung den Küstenzugang lassen, keine Antibiotika nutzen, überwiegend zertifiziertes Fischmehl füttern, die Wasserqualität oft prüfen. Maximale Besatzdichten gibt es nicht. Öko- und Sozialprüfungen sind für neue Farmen Pflicht.

Drei Fragen an den Wissenschaftler Dr. Holger Kühnhold

"Garnelen aus Wildfang sind nicht immer gut, Garnelen aus Aquakultur nicht immer schlecht", meint Dr. Holger Kühnhold vom Leibniz Zentrum für marine Tropenforschung in Bremen. Der Meeresökologe vom Projekt Food for Future rät uns, ausschließlich zertifizierte Garnelen zu kaufen.

Oekolandbau.de: Können wir Garnelen aus Wildfang mit gutem Gewissen genießen?

Holger Kühnhold: Ja, Garnelen aus lokaler Fischerei, die ohne viel Beifang ins Netz kommen, sind ökologisch und geschmacklich die beste Wahl. Das heißt bei Wildfang eher zu den Nordseekrabben greifen als zu den tropischen Arten. Allerdings sind Garnelen aus Wildfang mittlerweile eine Seltenheit geworden. Gut 90 Prozent der bei uns verzehrten Tiere stammen bereits aus künstlich angelegten Aquakulturen in Indien, Südostasien und Südamerika.

Oekolandbau.de: Welche Garnelen aus Aquakultur empfehlen Sie?

Holger Kühnhold: Auch bei der Aquakultur gibt es lokale Optionen: deutsche Garnelenfarmen beliefern edle Restaurants mit fangfrischen Garnelen. Da sind die Transportwege kurz und die Produktion transparent. Die Preise von 45 bis 60 Euro pro Kilogramm machen die Garnele wieder zu dem, was sie eigentlich ist, ein Luxusprodukt. Auf keinen Fall sollten wir die günstigsten Angebote im Supermarkt wahrnehmen - egal ob aus Wildfang oder Aquakultur. Verbraucher sollten nur zertifizierte Garnelen kaufen. Am weitesten verbreitet sind das MSC- und ASC-Siegel. Die versuchen den Großteil des Marktes zu zertifizieren. Das führt mitunter zu sehr niedrigen Standards. Biozertifikate haben generell strengere Richtlinien. Deren Herkunft lässt sich beim Anbieter Followfish mit einem Trackingcode genau nachvollziehen. Nur leider sind bisher kaum zertifizierte Garnelen im Handel.

Oekolandbau.de: Woran liegt das?

Holger Kühnhold: Zum einen an der Marktstruktur der Garnelenproduzenten. In Südostasien gibt es Hunderttausende von kleinen Produzenten. Ein ganz schwieriges Umfeld, um einheitliche Standards zu etablieren. Zwischen den Farmern besteht starke Konkurrenz. Jeder versucht immer günstiger, immer mehr zu produzieren. Nachhaltigkeit kommt in den Bilanzen der Farmer bisher nicht vor. So haben sie wenig Anreiz, um in eine freiwillige Zertifizierung zu investieren. Momentan ist Selbstschutz der wirksamste Antrieb für mehr Qualität statt Quantität. Denn das Risiko auf Produktionseinbrüche durch Krankheiten steigt drastisch in der Massenproduktion. Außerdem fehlen klare Marktanreize für mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Umso wichtiger ist es, dass wir zertifizierte Garnelen nachfragen.


Letzte Aktualisierung 02.01.2020

Demonstrationsbetriebe Ökolandbau

Bio live erleben!

Die Betriebe des Netzwerkes öffnen ihre Hoftore für die Öffentlichkeit.

Zu den Demobetrieben

Die BIOSpitzenköche empfehlen

Ofenkartoffel mit Sprossen und Roter Bete

Ofenkartoffel mit Roter Bete

Nach oben