Einführungskurs syntropische Landwirtschaft
91077 Kleinsendelbach

Wer seine Zierpflanzengärtnerei auf die ökologische Wirtschaftsweise umstellen will, muss die pflanzenbaulichen Vorgaben der EU-Öko-Verordnung einhalten und sich von einer zugelassenen Öko-Kontrollstelle kontrollieren und zertifizieren lassen. Hier finden Sie alle wichtigen Infos rund um die Bio-Zertifizierung.
Hilfestellung bei der Umstellung im Zierpflanzenbereich leisten zum Beispiel Landwirtschaftskammern, Bio-Anbauverbände oder freie Beraterinnen und Berater. Die Webseite der Fördergemeinschaft ökologischer Zier- und Gartenpflanzen (föga e. V.) bietet eine Liste mit Beraterinnen und Beratern für den biologischen Zier- und Topfpflanzenbereich (also Beet und Balkonpflanzen, Kräuter, Stauden, Gehölze, Schnittblumen, Zimmerpflanzen und Weihnachtsbäume). Im "Leitfaden Bio-Zierpflanzen" finden Sie auch umfangreiche Infos rund um die Umstellung von Zierpflanzen-Gärtnereien.
Bevor Zierpflanzen als ökologische Ware vermarktet werden dürfen, muss die Gärtnerei eine Umstellungszeit durchlaufen. Das heißt, der Betrieb muss gemäß der EU-Öko-Verordnung wirtschaften, darf die Ware jedoch noch nicht als Bio-Ware vermarkten. Art und Dauer der Umstellung ist bei Zierpflanzen sehr unterschiedlich.
Bei Topfkulturen gibt es praktisch keine Umstellungszeit. Die ökologische Erzeugung beginnt, nachdem
Die Topfkulturen können nach Erhalt eines gültigen EU-Öko-Zertifikats als anerkannte Öko-Ware verkauft werden.
Gibt es Alternativen zu Plastiktöpfen?
Die EU-Öko-Verordnung stellt an Pflanztöpfe keine besonderen Anforderungen. Viele Öko-Betriebe suchen aus Gründen der Nachhaltigkeit nach Alternativen zu den herkömmlichen Plastiktöpfen. Lesen Sie hier, welche Alternativen es gibt.
Ein- und zweijährige Kulturen müssen in der Regel eine Umstellungszeit von zwei, Dauerkulturen von drei Jahren durchlaufen. Die Umstellung beginnt mit dem Datum, an dem sich der Betrieb bei einer Öko-Kontrollstelle anmeldet. Dieses ist entscheidend dafür, ab wann Erzeugnisse einer Fläche als Öko-Ware in den Verkauf gehen können. Hier finden Sie einen beispielhaften Umstellungsplan für ein- oder zweijährige Kulturen wie zum Beispiel Zinnien oder Calendula und hier einen Umstellungsplan für Dauerkulturen wie Rosen, Päonien, Schnittstauden oder Schnittgehölze.
Saatgut und Jungpflanzen müssen nach Möglichkeit aus biologischer Vermehrung stammen. Auf der Homepage des föga e.V. finden Sie
Jedoch ist biologische Ware nicht immer in den benötigten Mengen und Qualitäten verfügbar. Die Verfügbarkeit kann bei www.organicXseeds.de überprüft werden. Ist das gewünschte Pflanz- und Saatgut nicht verfügbar, darf konventionelles, nicht chemisch gebeiztes Saatgut oder Pflanzgut verwendet werden. Der Einsatz muss aber für die Öko-Kontrolle dokumentiert werden. Hier finden Sie weitere Informationen zur den rechtlichen Grundlagen und der Verfügbarkeit von Öko-Saatgut.
Sämlinge, das heißt aus Samen gezogenen Jungpflanzen, dürfen laut EU-Öko-Verordnung nicht aus konventioneller Produktion stammen, wenn deren Anbauzyklus innerhalb einer Vegetationsperiode abgeschlossen ist. Sämlinge von Arten, die länger als eine Vegetationsperiode wachsen (zum Beispiel Unterlagen, Ziersträucher oder Weihnachtsbäume), sind dagegen ausnahmegenehmigungsfähig.
Im ökologischen Anbau ist sowohl im Freiland als auch im Gewächshaus grundsätzlich die Kultur in gewachsenem Boden vorgeschrieben. Eine Ausnahme bilden der Topfpflanzenanbau und die Anzucht. Hier dürfen Substrate verwendet werden. Bislang ist die Zusammensetzung solcher Substrate in der EU-Öko-Verordnung nicht geregelt. Die Verbände haben eigene Anforderungen in ihren Richtlinien. Hier finden Sie die Anforderungen der Anbauverbände und der EU-Öko-Verordnung zum Vergleichen.
Viele Substrathersteller bieten inzwischen bio-zertifizierte Substrate an. Diese sind in der FiBL-Betriebsmittelliste zu finden.
Hier finden Sie weitere Informationen zur Torfereduktion im ökologischen Gartenbau.
Forschungsprojekt: Im Projekt TerÖko werden Erfahrungen gesammelt, wie sich die Verwendung von stark torfreduzierten Substraten in der Praxis des ökologischen Topfkräuteranbaus umsetzen lässt.
Topf- und Schnittblumenkulturen mit geringem bis mittlerem Nährstoffbedarf lassen sich generell über eine Vollbevorratung im Substrat mit Nährstoffen versorgen. Da aus dem Kompostanteil der Substrate meist aber hohe Mengen an Phosphor und Kali geliefert werden, ist manchmal eine stickstoffbetonte Ergänzungsdüngung nötig. Hierfür eignen sich organische Handelsdünger (zum Beispiel Horndünger). Zunehmend werden auch pflanzliche Produkte zur organischen Aufdüngung von Bio-Substraten angeboten, zum Beispiel die als Rückstand aus der Maisproduktion gewonnenen Phytoperls.
Zur flüssigen Nachdüngung eignen sich Vinasse oder andere flüssige Handelsdünger. Eine Auswahl möglicher organischer Handelsdünger kann der FiBL-Betriebsmittelliste entnommen werden.
Umfangreiche Infos rund um die Düngung von Zierpflanzen und interessante Forschungsergebnisse finden Sie im Leitfaden Bio-Zierpflanzen.
Fotoperiodische Beleuchtung bis zirka 600 Lux ist laut EU-Öko-Verordnung erlaubt. Assimilationslicht ist nur für die Jungpflanzenanzucht zugelassen.
Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind im ökologischen Zierpflanzenbau generell verboten. Um die Pflanzen gesund zu erhalten, müssen andere Maßnahmen ergriffen werden: Allen voran stehen die Verwendung von gesundem Saat- und Pflanzgut sowie eine konsequente Hygiene. Darüber hinaus lässt sich mit pflanzenbaulichen Maßnahmen die Widerstandskraft der Pflanzen stärken und der Infektionsdruck senken: Besonders wichtig sind ein gut durchlüfteter, belebter Boden mit gutem Mikroorganismenbesatz, eine ausgeglichene Wasser- und Nährstoffversorgung sowie optimale Kulturbedingungen (Temperatur, Standweite etc.). Auch biologische Pflanzenschutzmaßnahmen – zum Beispiel der gezielte Einsatz von Bakterien, Viren und tierischen Nützlingen – sowie biotechnische Verfahren (Pheromone, Falle etc.) spielen im Bio-Zierpflanzenbau eine Rolle.
Umfangreiche Informationen, Videos und weiterführende Links im ökologischen Zierpflanzenbau finden Sie im Leitfaden Biozierpflanzen.
Der Leitfaden "Pflanzenschutz im Biozierpflanzenbau" vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) eschreibt die Voraussetzungen und Methoden für einen erfolgreichen biologischen Pflanzenschutz im Zierpflanzenbau. Er liefert detaillierte Informationen zu Pflanzenstärkungsmitteln, die sich in der Praxis bewährt haben, und gibt Empfehlungen zur Förderung der Nützlinge im Freiland sowie zum Einsatz von Nützlingen im Gewächshaus. Praktische Informationen zur Regulierung häufiger Schädlinge und Krankheiten und ein Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen ergänzen diese.
Zum Leitfaden "Pflanzenschutz im Biozierpflanzenbau auf der Webseite des FiBL
Der Einsatz von chemisch-synthetischen Hemmstoffen ist im Öko-Anbau grundsätzlich verboten. Durch die Wahl kompakt wachsender Sorten mit guter Verzweigung kann man die Wuchsregulierung jedoch meistern. Bewährt haben sich zudem die folgenden gärtnerischen Maßnahmen: große Standweiten, rechtzeitiges Rücken, gegebenenfalls häufigeres Stutzen, angepasste Nährstoffgaben, moderater Trockenstress und kühle Kulturführung.
Der Einsatz von chemisch-synthetischen Herbiziden ist verboten. Im Bio-Zierpflanzenanbau müssen vorbeugende Maßnahmen (zum Beispiel Fruchtfolge, Zwischenfruchtanbau, Mulchfolie) mit mechanischen Maßnahmen (zum Beispiel Hacke, Striegel) so kombiniert werden, dass die Kulturpflanzen dem Unkraut immer einen Schritt voraus sind. Reicht das nicht aus, muss per Hand gejätet werden.
Die Unkrautregulierung auf Topfkultur-Stellflächen beginnt bei der Anlage der Beete. Bei Kiesflächen ist die Abdichtung mit einem Wurzelvlies sinnvoll. Andere Stellflächen können mit Bändchengewebe weitgehend gegen den Unterboden abgeschirmt werden. Auf den abgedichteten Flächen muss sauber gearbeitet werden, um ein Aussamen von Unkräutern zu vermeiden. Restunkraut kann auf Kiesflächen abgeflammt oder muss von Hand gejätet werden.
Im Bio-Zierpflanzenbau ist das Heizen von Gewächshäusern weniger streng geregelt als im ökologischen Gemüsebau, wo Gewächshauskulturen im Winter lediglich frostfrei (5 Grad Celsius) gehalten werden dürfen. Laut Richtlinien der meisten Anbauverbände können Gewächshäuser zur Jungpflanzenanzucht sowie zur angemessenen Verlängerung der Kulturzeit im Frühjahr und Herbst beheizt werden. Grundsätzlich sollten dabei aber alle Möglichkeiten zur Energieeinsparung ausgeschöpft werden. In der EU-Öko-Verordnung gibt es dazu keine Vorgaben.
Im Allgemeinen sollten sich Bio-Zierpflanzen-Gärtnereien auf Kulturen konzentrieren, die kälter kultiviert werden können und zugleich eine möglichst ganzjährige Marktbeschickung gewährleisten.
Die EU-Öko-Verordnung verpflichtet alle Bio-Unternehmen, Vorsorgemaßnahmen zu treffen, um unzulässige Erzeugnisse oder unzulässige Stoffe im Rahmen der Bio-Produktion bzw. Bio-Vermarktung zu vermeiden. Hier finden Sie weitere Infos zu den Vorsorgemaßnahmen in Bio-Betrieben.
Für Bio-Zierpflanzengärtnereien bietet der "Leitfaden BioZier" die Arbeitshilfe Vorsorgekonzept - Erzeugung von Zierpflanzen.

Im "Leitfaden Bio-Zierpflanzen" sind die Prozesse für die wichtigsten Produktionsbereiche und Vermarktungswege für Bio-Zierpflanzen grundlegend beschrieben. Die Vorgaben der EU-Bio-Verordnung sind in den Prozessbeschreibungen verlinkt. Risikobereiche sowie entsprechende Vorsorgemaßnahmen für die Öko-Integrität wurden herausgearbeitet und in je einem Vorsorgekonzept für die Produktion und für den Handel zusammengefasst.
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Im Bio-Zierpflanzenanbau ist meist ein breiteres Sortiment erforderlich. Das erhöht die Anforderungen an die Gärtnereien, die diese Vielfalt organisieren müssen. Andererseits reduziert ein breites Sortiment das Anbaurisiko.
Die meisten ein- und zweijährigen Sommerblumen eignen sich sehr gut für den ökologischen Anbau. Über den Anbau von Schnittstauden kann das Angebot auf das Frühjahr und den Herbst erweitert werden. Wichtig ist, auf langstielige und gut verzweigte Sorten zu achten, da sich kurzstielige Schnittstauden nicht gut binden lassen.
Der größte Teil der Beet-, Balkon- und Zimmerpflanzen ist problemlos in Bio-Qualität zu kultivieren. Besonders lohnend für Bio-Zierpflanzenbetriebe ist der Anbau von "Essbaren Blüten" und Kräutern, da Kundinnen und Kunden in diesem Segment sehr viel Wert auf rückstandsfreie Ware legen.
Letzte Aktualisierung 30.01.2025