Einführungskurs syntropische Landwirtschaft
91077 Kleinsendelbach

Jahresniederschläge von weniger als 500 Millimeter sind im Osten und anderen Regionen Deutschlands bereits die Regel. Für viele Bio-Betriebe stellt sich deshalb die Frage, welche Kulturen unter trockeneren Bedingungen ausreichende Erträge und Deckungsbeiträge abwerfen. Wir stellen sechs Kulturen mit Zukunftspotenzial vor.
Der Anbau von Sonnenblumen ist für ökologische Betriebe interessant. Denn die Ansprüche der Pflanze an Düngung und Boden sind gering. Auch der Wasserbedarf ist mit etwa 400 Millimetern pro Vegetationsphase überschaubar. Allerdings muss der Niederschlag günstig verteilt sein. So braucht die Pflanze unbedingt genügend Wasser zur Knospenbildung und Blüte, sonst drohen hohe Ertragseinbußen. Nach Abschluss der Blüte sollte es dagegen möglichst warm und trocken sein, nicht zuletzt, weil Niederschläge das Risiko für Pilzerkrankungen erhöhen.
Sonnenblumen werden überwiegend zur Herstellung von Speise-Öl angebaut. Der Pressekuchen wird zu Extraktionsschrot aufbereitet und als energie- und proteinreiches Futtermittel für Rinder, Geflügel und Schweine eingesetzt. Der zweite, deutlich kleinere Verwertungsweg sind Schälsonnenblumen, die in der Ernährungsindustrie zum Beispiel als Grundlage für Aufstriche genutzt werden.
Die Nachfrage nach Sonnenblumen aus Deutschland ist für beide Verwertungsrichtungen in den letzten Jahren stetig gewachsen. 2020 stieg die gesamte Anbaufläche um 25 Prozent auf über 28.000 Hektar gegenüber 2019. Die Bio-Fläche machte davon etwa 5.600 Hektar aus (Anstieg über 50 Prozent!). Die Hauptanbaugebiete liegen in Ost- und Süddeutschland. Je nach Standort und Witterung lassen sich Erträge zwischen 1,5 und 3,5 Tonnen pro Hektar erzielen.
Für den Anbau steht ein breites Sortenspektrum zur Verfügung, das allerdings ausschließlich auf den konventionellen Anbau ausgerichtet ist. Für warme Standorte mit ausreichend Niederschlag im Frühsommer und einem eher trockenen Hoch- und Spätsommer ist die Kultur wegen der steigenden Nachfrage aus der Lebensmittelindustrie und für die Verwertung als Futtermittel sehr interessant. Vor dem Start in den Anbau sollten aber unbedingt verbindliche Verträge mit Abnahmeunternehmen geschlossen werden.
Eine Studie der Hochschule Eberswalde und der Fachberatung für Naturland zeigt, dass Rispenhirse überraschend hohe Gehalte der essentiellen Aminosäure Methionin bildet. Das macht die Kultur sehr interessant für die Bio-Fütterung, insbesondere in der Geflügelhaltung. Denn der Methionin-Bedarf kann derzeit häufig nicht mit ökologischen Futtermitteln gedeckt werden und gilt deshalb als begrenzender Faktor für eine 100-Prozent-Bio-Fütterung.
Für den ökologischen Anbau ist Rispenhirse relativ gut geeignet, denn das Getreide gedeiht auch auf ärmeren Böden und brachte in Versuchen selbst in extrem trockenen Jahren wie 2018 noch gute Erträge, die auf dem Niveau anderer Sommergetreidearten liegen. Ein Nachteil der Kultur ist ihre geringe Frosthärte, die eine Aussaat erst ab Mitte Mai zulässt. Probleme können auch wärmeliebende Unkräuter und eine ungleichmäßige Abreife zur Ernte im September bereiten.
Quinoa ist ein Gänsefußgewächs, das ursprünglich aus den Anden stammt und eher Wärme bevorzugt. Der Anbau ist aber auch unter norddeutschen Klimabedingungen möglich. Quinoa wächst auf leichten Böden und benötigt während der Vegetationszeit nur ein Drittel so viel Wasser wie Weizen. Wegen der geringen Erträge von maximal 1,5 Tonnen pro Hektar ist der Nährstoffbedarf überschaubar.
In Deutschland wird Quinoa erst seit wenigen Jahren angebaut und ausschließlich für den Lebensmittelbereich genutzt, etwa als Müslizutat. Der Markt ist klein, wächst aber seit Jahren kontinuierlich. Zurzeit gibt es in Deutschland etwa 60 Anbaubaubetriebe. Für heimische Ware werden im Bio-Bereich Preiszuschläge von etwa 30 Prozent gezahlt. Bei normalen Ernten lassen sich deshalb durchaus attraktive Deckungsbeiträge erzielen.
Allerdings gibt es zurzeit noch wenig Erfahrung mit dem Anbau in Deutschland. Zudem fehlt es an Sorten, die an das mitteleuropäische Klima angepasst sind. Deshalb sind in schwierigen Jahren auch Totalausfälle möglich, etwa durch längere Kälte- oder Nässephasen nach der Aussaat im April. Auch Schadinsekten wie Blattläuse können zu größeren Ertragseinbußen führen. Der Drusch ist dagegen problemlos mit Standardmaschinen möglich. Allerdings reifen die Körner sehr ungleichmäßig ab. Deshalb muss die Kultur mit einer hohen Feuchte von 25 Prozent gedroschen und die Körner anschließend sofort getrocknet werden.
Mit knapp 4.100 Hektar Anbaufläche im Jahr 2022 ist das Pseudogetreide Buchweizen eine echte Nischenkultur im Ökolandbau. Dennoch hat es Potenzial für Bio-Betriebe, wenn sich ein Verarbeitungsunternehmen in der Region findet. Denn inzwischen steigt die Nachfrage nach Produkten aus Buchweizen deutlich an. In der Regel wird Buchweizen zu Mehl, Flocken, Grütze oder Kernen verarbeitet. Zudem legt der Bio-Großhandel zunehmend Wert auf Ware aus Deutschland.
Der Wasserbedarf während der Vegetationszeit liegt mit etwa 300 Millimetern pro Quadratmeter auf dem Niveau von Hafer. Zudem gedeiht Buchweizen auch auf schwächeren Böden gut und wächst in der Jugendphase sehr schnell, sodass Unkraut gut unterdrückt wird. Ein Nachteil ist der späte Saattermin Mitte Mai und der relativ geringe Ertrag von einer bis 1,5 Tonnen pro Hektar. Wie Quinoa reift auch Buchweizen sehr ungleichmäßig ab. Das macht es schwierig, den optimalen Erntezeitpunkt finden.
Auch wenn Buchweizen eine Nischenkultur bleiben wird, kann die Kultur für Bio-Betriebe in trockenen Lagen mit schwachen Böden eine interessante Ergänzung sein. Hinzu kommt, dass die Kultur bis zu sechs Wochen blüht und deshalb sehr attraktiv für Bienen und andere Insekten ist.
Die Kichererbse bevorzugt ein trockenes, warmes Klima und erreicht auch auf sehr trockenen Standorten noch wirtschaftliche Erträge. Ihre Ansprüche an Boden und Nährstoffe sind gering, was den Anbau für Bio-Betriebe interessant macht. Hinzu kommt, dass die Kultur als Leguminose den benötigten Stickstoff selbst bindet. Allerdings ist die Kichererbse sehr kälteempfindlich und kann deshalb erst Mitte Mai gesät werden.
Die Ernte bereitet kaum Probleme. Denn im Gegensatz zur Futtererbse ist die Kichererbse bis zur Reife ab Mitte September standfest und lässt sich problemlos mit üblichen Mähdreschern ernten. Auch das unerwünschte, vorzeitige Platzen der Hülsen tritt bei der Kultur kaum auf.
Nachteil der Kultur ist, dass es in Deutschland bisher kaum nennenswerte Vermarktungsstrukturen für Bio-Kichererbsen gibt. Zurzeit stammt ein Großteil der Bio-Ware aus der Türkei und Italien. Durch den Trend zur veganen Ernährung und der wachsenden Nachfrage nach regionalen Erzeugnissen könnte sich der Anbau jedoch für einzelne Betriebe zu einer vielversprechenden Nische entwickeln.
Infos zum Anbau von Kichererbsen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
In besonders niederschlagsarmen Regionen wie in Teilen Brandenburgs reicht das verfügbare Wasser oft nicht mehr für Kleegrasanbau aus. Für Rinder haltende Bio-Betriebe bieten sich hier als zusätzliche Futterquelle Gemenge an, zum Beispiel Wickroggen. Bei geringem Wasserbedarf bringt das Gemenge verlässliche Erträge, lässt sich gut silieren und erreicht zufriedenstellende Energiegehalte von bis zu sechs Megajoule Netto-Energie-Laktation pro Kilogramm Trockenmasse (MJ NEL/kg TM). Zudem wird das schmackhafte Futter gerne von Rindern gefressen und ermöglicht eine hohe Futteraufnahme.
Der Anbau unter ökologischen Bedingungen ist problemlos möglich, auch auf schwächeren Standorten. Unkraut wird gut unterdrückt. Durch den Wickenanteil im Gemenge ist der zusätzliche Bedarf an Stickstoff überschaubar. Dazu kommen ökologische Vorteile durch die humusfördernde Wirkung der Kultur und als Bienenweide.
Infos zum Wickroggen-Anbau des Biogas Forum Bayern (PDF-Dokument)
Letzte Aktualisierung 20.06.2024