Schoderhof: Bauernhofepoche
88289 Waldburg
Im Frühjahr treiben befallene Bäume etwas früher aus als gesunde. Blätter treiben mit roten Blattspitzen aus. An der Basis von Langtrieben bilden sich stark vergrößerte, gezahnte Nebenblätter.
Bereits im Sommer kann es zu Herbstfärbungen an den Blättern (Rotlaubigkeit) oder aber zur Blütenbildung kommen. Das Laub kann auch vergilben, ähnlich wie bei der Kalkchlorose. Typisch im Herbst zu erkennen sind die besenartigen Verzweigungen einjähriger Triebe, an denen sich zahlreiche, steil aufgerichtete, dünne Triebe entwickeln. Früchte bleiben klein, farblos und sind oft abgeflacht.
Das Schadbild dieser Krankheit kann je nach Befallsgrad sehr unterschiedlich sein und am ganzen Baum oder nur an Teilen des Baumes auftreten. Die Symptome kommen kombiniert oder einzeln vor. Die Bildung vergrößerter Nebenblätter und von Hexenbesen sind die einzigen sicheren Symptome zur Diagnose der Triebsucht.
Apfeltriebsucht gehört in den wärmeren Obstbaurgionen zu den wichtigsten Krankheiten im Apfelbau. Die Früchte bleiben klein, färben nicht gut aus und bleiben geschmacklos, dadurch kann ein Großteil bis die gesamte Ernte eines Baumes ausfallen.
Die Krankheitserreger sind Phytoplasmen, eine Bakteriengattung die auf das Leben in den Siebröhren (Phloem) von Pflanzen spezialisiert ist. Da die Siebröhren des Sprosses ihre Funktion im Spätherbst einstellen, werden die Erreger in den oberirdischen Baumteilen eliminiert. Sie überwintern in den ganzjährig funktionstüchtigen Siebröhren der Wurzeln. Im Frühjahr kann der Stamm wieder besiedelt werden. Die Verbreitung im Baum kann durch die Leitbahnen sehr schnell erfolgen. Auch wenn nur gewisse Astpartien Symptome aufweisen, muss davon ausgegangen werden, dass der gesamte Baum befallen ist. Außer an Apfel wurden die Phytoplasmen auch in Haselnuss, Weißdorn und Ackerwinde gefunden, aber ob sie von diesen Pflanzen auf Apfel übertragen werden können ist unklar.
Phytoplasmen werden durch Blattsauger, eine Unterordnung der Pflanzenläuse, übertragen. Der Sommerapfelblattsauger Cacopsylla picta (auch C. costalis) und der Weißdornblattsauger Cacopsylla melanoneura wurden als Überträger (Vektoren) der Apfeltriebsucht in Europa nachgewiesen.Beide Arten überwintern in Wäldern, und kehren im Frühjahr zur Vermehrung auf Apfelbäume zurück. Der Weißdornblattsauger bevorzugt Weißdorn gegenüber Apfelbäumen als Vermehrungswirt. Er ist auf niedrige Temperaturen spezialisiert und wandert von Januar bis Mai in die Apfelplantagen ein. Der Sommerapfelblattsauger vermert sich eher bei hohen Temperaturen und wandert von Februar bis Juli auf die Apfelbäume über. Im Frühsommer verbreiten sich die Jungtiere in und von der Apfelanlage auf weitere Wirte, in dieser Zeit erfolgt die meiste Übertragung der Apfeltriebsucht.
Auch durch Wurzelkontakt und Veredlungsmaterial können die Bakterien verbreitet werden, Baumschnitt oder Blattlausbefall sind dagegen keine Übertragungswege.
Durch Klopfproben im Kronenbereich kann das AUftreten der Triebsucht-übertragenden Blattflöhe erhoben werden. Die Proben sollten morgens durchgeführt werden wenn die Insekten inaktiv sind.
Zur Ernte im Herbst sollten kleinfrüchtige Bäume markiert werden und im Spätherbst auf die dann deutlicher auftretenden sicheren Symptome kontrolliert werden.
Da die Apfeltriebsucht sehr unterschiedliche Schadbilder hat, sollten in Zweifelsfällen Berater zu Rate gezogen werden um die Krankheit eindeutig zu identifizieren.
Derzeit sind in Deutschland keine Pflanzenschutzmittel für den Ökolandbau zugelassen.
Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.
Letzte Aktualisierung 06.08.2010