Bio kann jeder: Nachhaltige Kita- und Schulverpflegung – Mehr Bio auf die Teller
46325 Borken
Die Apfelsägewespe ist eine überwiegend schwarze, etwa sieben Millimeter lange Wespe ohne Wespentaille. Ihre bis zu elf Millimeter lange Larve ähnelt einer Schmetterlingsraupe, allerdings mit mehr Beinen: drei Beinpaare im Brustbereich und sieben im Bauchbereich, dazwischen liegt ein beinloses Körpersegment. Sie ist weiß mit zunächst schwarzem, bei älteren Larven braunem Kopf.
Schadbild: Kurz nach der Blüte ist ein braun verfärbter Eiablageschlitz am Fruchtboden zu erkennen, unter den Staubbeuteln am Blütenboden liegt ein kleines weißes Ei. Junge Früchte haben Bohrlöcher, aus denen jauchige Flüssigkeit austritt und die mit feuchtem Kot gefüllt sind. Frisst die Raupe das Kerngehäuse, kann sich die Frucht nicht weiter entwickeln, sie bleibt klein und wird abgestoßen. Verfehlt die Raupe das Kerngehäuse, kann die Frucht normal wachsen und reifen, es entsteht eine typische spiralartige, verkorkte Narbe in der Fruchtschale. Diese entsteht durch den von der Kelchgrube ausgehenden Miniergang der Larve.
Die Birnensägewespe und die Pflaumensägewespe sind verwandte Arten, die Birnen beziehungsweise Pflaumen befallen.
Eine Wespenlarve schädigt zwei bis drei Früchte. Leichter Befall kann sich durch Fruchtausdünnung positiv auf die Qualität der verbleibenden Früchte auswirken. Erst bei starkem Befall entstehen Ertragsverluste durch abgeworfene Äpfel und optische Qualitätseinbußen durch die Narbe in der Fruchtschale. In den letzten Jahren trat in vielen Regionen starker Befall auf, auch bei starkem Fruchtansatz, mit teilweise sehr hohen Schäden.
Kurz vor der Apfelblüte schlüpft die Sägewespe und ist besondes bei sonnigem Wetter vormittags bis mittags in den blühenden Bäumen aktiv. Nach etwa zwei Wochen schneidet das Weibchen mit ihrem Sägeapparat den Blütenboden direkt unter den Kelchblättern ein. So legt sie ca. 20 Eier einzeln in die Fruchtanlage der Apfelblüte. Austretender Zellsaft lässt hier die Eiablage erkennen. Ein Teil der Wespen legt die Eier aber auch durch die Kelchblätter oder von oben auf den Blütenboden.
Die nach etwa zwei Wochen schlüpfenden Larven minieren anfangs unter der Fruchtoberhaut, dann gehen sie auf andere Früchte über, die im Inneren ausgehöhlt werden. Im Juni verlässt die Larve den zuletzt befallenen Apfel und begibt sich zur Überwinterung in den Boden. Sie überwintert als Larve und verpuppt sich im folgenden Frühjahr, um zur Apfelblüte als adulte Wespe zu schlüpfen. Einige Larven können aber auch mehrere Jahre im Boden überdauern.
Besondere Vorsicht ist in Anlagen mit Befall im Vorjahresbefall geboten! Wegen einzelner mehrjährig im Boden überdauernder Larven gibt der Vorjahresbefall aber nicht immer hinreichend Aufschluss über den Befallsdruck.
Eine direkte Bekämpfung erfolgt mit Quassiaextrakten. Quassia ist als Grundstoff zur Herstellung eines Spritzmittels im eigenen Betrieb derzeit zulässig (Der Stoff befindet sich in der Beurteilung, vor Anwendung aktuelle Zulassungssituation prüfen!).
In vereinzelten Versuchen zeigten sich Quassiaspritzungen als wirkungslos, in solchen Fällen können Azadirachtin-basierte Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Werden sie gegen Blattläuse angewendet, kann die Anwendung in zwei Teilspritzungen aufgeteilt werden, von denen die zweite zum Behandlungstermin für die Apfelsägewespe fällt.
Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau: Gesunderhaltung der Kulturpflanzen im Ökologischen Apfelanbau. Broschüre über in der Praxis angewandte Maßnahmen und den Stand der Forschung zur Regulierung verschiedener Apfelschaderreger.
Forschungsbericht in der Datenbank "Organic Eprints": Versuchsergebnisse zur Anwendung von Quassia gegen Apfelsägewespe
Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.
Letzte Aktualisierung 24.01.2020