Wir verwenden Cookies, um Ihnen die optimale Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen. Es werden für den Betrieb der Seite nur notwendige Cookies gesetzt. Details in unserer Datenschutzerklärung.
Gebrauchskreuzungen im ökologischen Landbau: Qualität erkennen und erfolgreich vermarkten

Ziel des Projektes ist die Charakterisierung von lokalen Hühnerrassen und deren Kreuzungen mit Elterntieren von Wirtschaftslinien der Mast- sowie Legerichtung aus dem assoziierten Projekt "RegioHuhn".
Empfehlungen für die Praxis
Zielgruppenspezifische Vermarktungsstrategien entwickeln
Eine erfolgreiche Vermarktung erfordert eine klare Ausrichtung an unterschiedlichen Zielgruppen und Absatzkanälen. Während lokale Rassen und deren Kreuzungen besonders für Klein- und Spitzengastronomie geeignet sind, ist ihr Einsatz in der Gemeinschaftsverpflegung nur eingeschränkt möglich.
Kreuzungspartner an Betriebsausrichtung anpassen Kreuzungen lokaler Rassen mit einer Mastlinie (Ranger) sind wachstumsstärker und bieten leichte Vorteile bei der Fleischbeschaffenheit.
Information als Schlüssel zur Marktakzeptanz nutzen Transparente, zielgruppenspezifisch aufbereitete Informationen zu Herkunft, Produktionsweise und Besonderheiten der Tiere können die sensorische Akzeptanz der Produkte und die Zahlungsbereitschaft erhöhen. Die Kommunikation sollte dabei weniger auf sensorische Unterschiede als auf Werte wie Regionalität, Erhalt von Biodiversität oder das Produktionskonzept abzielen. Ganzkörpervermarktung erschließen.
Ein Teil der Verbraucherschaft (höheres Einkommen, hohe Kochkompetenz, hoher Regionalitätsbezug, Kinder im Haushalt) ist offen für die Verwendung von Ganzkörpern im Privathaushalt. Hier ist eine (Direkt-)Vermarktung gut anschlussfähig.
“Spitzenköche lobten die Fleischqualität der Rassehühner, aber in Mensen ist die Vermarktung aufgrund sehr heterogener Teilstücke und höherer Preise schwierig. Die Nutzung ganzer Hähnchen in Privat- haushalten bietet Chancen, ist aber auch herausfordernd.” (Prof. Dr. Daniel Mörlein, Universität Göttingen)
Informationen zum Projekt
Die ökologische Geflügelhaltung steht vor besonderen Herausforderungen, denn vor allem der Ökolandbau benötigt angepasste und resiliente Tiere. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Tierwohl, Robustheit und Nachhaltigkeit. Mit dem Projekt ÖkoGen wurde ein Ansatz entwickelt, der sich der Zucht robuster, anpassungsfähiger Hühner widmet – insbesondere durch gezielte Kreuzungen lokaler Rassen mit moderner Leistungsgenetik. Im Projekt wurde daher die Produktqualität von Schlachtkörpern, Fleisch und Eiern objektiv untersucht. Auch die Akzeptanz und Nutzbarkeit aus Verbrauchersicht sollten für verschiedene Kontexte untersucht werden, um Chancen und Hemmnisse für die Vermarktung zu identifizieren. Im Vordergrund standen dabei Privathaushalte, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung.
Untersuchte Gebrauchskreuzugen
Altsteirer, Bielefelder und Ramelsloher wurden mit White Rock beziehungsweise Ranger Hennen gekreuzt und ökologisch gefüttert. Die Bewertung erfolgte für unterschiedliche Schlachtalter (12, 14, 16 und 18 Lebenswochen), um Effekte von Kreuzung und Alter auf Fleischleistung und -qualität abzubilden.
Fleischqualitätsparameter
Ranger-Kreuzungen zeigten im Vergleich zu White-Rock- Kreuzungen deutlich höhere Leistungen. Dazu zählen höhere mittlere Schlachtgewichte, ein gesteigerter Ausschlachtungsgrad sowie signifikant höhere Brust- und Keulengewichte. Auch das Verhältnis von Brust zu Karkasse war bei Ranger-Kreuzungen höher. Diese Unterschiede unterstreichen das Potenzial leistungsorientierter Kreuzungen für die Erzeugung marktfähiger Schlachtkörper. Die Fleischqualitätsparameter waren insgesamt homogen. Ranger-Kreuzungen wiesen stabilere pH-Werte sowie eine leicht verbesserte Wasserhaltefähigkeit auf. Das Fleisch war minimal zarter (Das heißt mit geringer Scherkraft).
Sensorische Bewertung
Die sensorische Qualität wurde in vier Studien mit verschiedenen Produkten mit geschulten Prüfpersonen untersucht. Dabei zeigten sich keine bzw. nur minimale sensorische Unterschiede zwischen den Kreuzungen. Auch bei praxisnaher kulinarischer Verwendung wie Brustfleisch, Brühe, Frikassee oder Fleischbällchen ergaben sich keine relevanten Abweichungen in sensorischen Eigenschaften. Die Wahl des Kreuzungspartners ist aus sensorischer Sicht irrelevant.
Konsumentenakzeptanz und Vermarktung
Ein breites Studiendesign mit Konsumententests, Expertenkooperationen, Home-Use-Tests und Realexperimenten wurde zur Bewertung von Vermarktungsoptionen eingesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass keine relevanten sensorischen Akzeptanzunterschiede im Vergleich zu kommerziellen Rassen bestehen. Sensorische Merkmale stellen somit kein Vermarktungshindernis dar, eignen sich jedoch auch nicht zur Bewerbung der Produkte. Information zum Biodiversitätsverlust kann die Akzeptanz steigern.
- Prof. Dr. Jens Tetens, Dr. Alexander Mott, Emel Zergani, Prof. Dr. Daniel Mörlein, Prof. Dr. Antje Risisus, Claire Siebenmorgen, Dr. Johanna Mörlein, Wai Lwin Oo, Universität Göttingen
- Prof. Dr. Ulrike Blohm und Luise Freier, FLI Riems
- Prof. Dr. Steffen Weigend und Dr. Nina Götzke, FLI Mariensee
- Prof. Dr. Inga Tiemann und Josefine Stuff, Campus Frankenforst, Universität Bonn / Lehr- und Forschungsbetrieb Waldhof, Hochschule Osnabrück
- Prof. Dr. Dirk Hinrichs, Dr. Maggi Krieger, Maximilian Volk, Univerisität Kassel
Georg-August-Universität Göttingen
Abteilung Produktqualität tierischer Erzeugnisse
Kellnerweg 6
37077 Göttingen
Prof. Dr. Daniel Mörlein
E-Mail: daniel.moerleinuni-goettingende
Telefon 05 51 / 39-2 56 01
Projektlaufzeit: 10/2022 - 09/2025
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 01.10.2026


