Ziegenkäsequalität beginnt bei der Milch

Ziegenmilch schwankt stark in ihrer Zusammensetzung – besonders im Sommer sind Protein- und Caseingehalte niedrig, die Gallerte weich und die Verkäsung schwierig.

Über dreieinhalb Jahre wurde auf drei Öko-Ziegenbetrieben mit hofeigener Käserei die Ziegenmilch auf Inhaltsstoffe und Gallertenfestigkeit untersucht, die sensorische Qualität des Ziegen-Weichkäses beurteilt und in Käsungsversuchen Abhilfemaßnahmen entwickelt.

Empfehlungen für die Praxis

1. Milch regelmäßig untersuchen lassen

  • Protein, Fett und Casein der Sammelmilch bestimmen lassen – im ersten Jahr monatlich, in den Folgejahren reichen Anfang, Mitte und Ende der Laktation. Der Caseingehalt ist der entscheidende Faktor für Gallertenfestigkeit und Ausbeute.
  • An Milchleistungsprüfungen teilnehmen, um züchterisch aktiv werden zu können.

2. Käsetechnologie saisonal anpassen

Bei niedrigem Protein-/Caseingehalt im Sommer:

  • Gallertenfestigkeit steigern: CaCl₂-Zugabe (5-20g/100 L Milch) (erste Empfehlung!)
  • Labmenge oder Einlabtemperatur in sehr kleinen Schritten erhöhen – Vorsicht vor Überdosierung!
  • Bruchbearbeitung anpassen: nicht zu lange vorsäuern, nicht zu viel rühren, Säuerung gegebenenfalls etwas bremsen
  • Wff im Käse regelmäßig messen – bei zu festen Käsen Bruchbearbeitung und Abfüllung anpassen

3. Mittel- bis langfristige Maßnahmen

  • Fütterung optimieren: leistungsgerechte Energieversorgung beziehungsweise optimales Weidemanagement kann den Caseingehalt der Milch steigern.
  • Zucht auf Erhöhung des α-S1-Caseinanteils anstreben, um die Verkäsbarkeit grundlegend zu verbessern.

“Niemand verarbeitet Ziegenmilch mit Mittelwerten. Zu groß sind die betrieblichen Unterschiede und saisonalen Schwankungen. Eigene Messwerte sind deshalb unverzichtbar.” (Marc Albrecht-Seidel, VHM)


Informationen zum Projekt

Letzte Aktualisierung 02.10.2026

Nach oben
Nach oben