Kakao-Preis: Warum ist Kakao so teuer geworden?

Kakao-Preis: Warum ist Kakao so teuer geworden?

Zwischen 2023 und 2025 hat sich der Preis für Kakao verdoppelt. Gründe für den Anstieg sind Ernteausfälle in Westafrika, Wetterextreme, hohe Produktionskosten sowie eine steigende globale Nachfrage. Die Folgen spüren die Verbraucherinnen und Verbraucher: Schokolade wird deutlich teurer!

Bio liegt im Trend – auch bei Schokolade. Immer mehr Menschen wollen Produkte kaufen, die kontrolliert, nachhaltig und fair produziert und gehandelt werden. Daher tragen viele Schokoladenprodukte in Bio-Qualität auch Siegel des fairen Handels.

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) meldete für 2024 einen Rekordwert: 86 Prozent des in Deutschland gekauften Kakaos in Süßwaren stammten aus nachhaltigem Anbau. In den beiden Vorjahren 2022 und 2023 lag dieser Wert jeweils bei 81 Prozent.

Bereits 37 Prozent der im Jahr 2022 verkauften Fairtrade-Schokoladen waren zusätzlich bio-zertifiziert – ein deutliches Zeichen für die zunehmende Bedeutung verantwortungsvoll erzeugter Produkte. Diese Entwicklung zeigt, dass trotz eines relativ geringen Marktanteils die Nachfrage nach fair gehandelter Schokolade kontinuierlich wächst.

Eines der bekanntesten Siegel für den fairen Handel ist das Fairtrade-Siegel. Laut dem Jahresbericht 2024/2025 wurden im Jahr 2024 rund 89.000 Tonnen Fairtrade-Kakaobohnen abgesetzt. Der Marktanteil von Fairtrade-Kakao lag 2024 in Deutschland bei rund 21 Prozent. Auch der Absatz von Schokolade sowie mit Kakao und Trinkschokolade mit Fairtrade-Siegel, mit Bio-Anteilen von gut 47 Prozent beziehungsweise 88 Prozent, stiegen 2024 um vier Prozent.

Die deutsche Bundesregierung setzt sich für einen nachhaltigen Kakaosektor ein, um den Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos in der Wertschöpfungskette sowie dessen Verfügbarkeit und Qualität langfristig sicherzustellen. Deutschland ist einer der größten Exporteure von Schokoladenprodukten weltweit und Kakao spielt hierzulande eine wichtige wirtschaftliche Rolle. In der Neufassung des 10-Punkte-Plans werden unter anderem Initiativen unterstützt, die den ökologischen und klimafreundlichen Kakaoanbau fördern.

Entwicklung des Kakao Preises

In den vergangenen zwei Jahren ist der Kakaopreis weltweit stark gestiegen – allein von Anfang 2023 bis 2025 hat er sich zeitweise mehr als verdoppelt. Hauptgründe sind Ernteausfälle in wichtigen Anbauländern durch extreme Wetterbedingungen sowie steigende Produktionskosten und eine wachsende globale Nachfrage.

Auf den Weltmarktpreis schlagen Unternehmen, wie beispielsweise die GEPA („Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH“), die Bio-Rohkakao importieren, eine Bio-Prämie und gegebenenfalls einen Zuschlag für fairen Handel hinzu. Der Preis für Bio-Kakao ist demnach eng verknüpft mit dem Weltmarktpreis für konventionellen Rohkakao.

Ursachen für den hohen Kakao Preis

Besonders die Kakaoernte in Westafrika – woher mehr als 60 Prozent des weltweiten Kakaos stammt – fiel durch heftige Regenfälle infolge des Klimaphänomens El Niño sowie Pilzerkrankungen wie der „Black Pod Disease“ sehr schlecht aus. Das führte zu einer Verknappung auf dem Weltmarkt und ließ die Kakaopreise explodieren.

Im konventionellen Anbau wird Kakao oft in Monokulturen angebaut. Diese sind anfälliger für Pilzkrankheiten oder Wetterschäden. Kakao aus biologischem Anbau stammt meist aus Mischkulturen, die widerstandsfähiger gegen extreme Witterungsbedingungen sind. Durch die hohe Biodiversität – also den Reichtum an verschiedenen Pflanzenarten – sind diese Anbaumethoden nachhaltiger und weniger anfällig für Krankheiten oder Ernteausfälle. In Sierra Leone, dem Hauptanbauland für Bio-Kakao, wirtschaften viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern nach Naturland-Richtlinien und sind in einer großen Kakao-Kooperative vernetzt.

Wird der Kakao-Preis weiter steigen?

Eike Wagner, Produktmanager bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) und Marktexperte für Agrarrohstoffe, fasst die Preisentwicklung von Rohkakao folgendermaßen zusammen:

"Die Situation auf dem Kakaomarkt bleibt angespannt. Die Preise zeigen sich äußerst volatil, was durch den spekulativen Terminhandel an den Börsen in New York und London noch verstärkt wird. Die Zwischenernte in den wichtigen Anbaugebieten Westafrikas ist aktuell in vollem Gange, doch ihre Entwicklung, sowohl qualitativ als auch quantitativ, ist stark von den Niederschlagsmengen in der Region abhängig, was sich unmittelbar auf die Preise am Markt auswirkt. Die konventionellen Lagerbestände, welche von der Börse ICE überwacht werden, sind zuletzt gestiegen, was zu einem kurzfristigen Preisrückgang führte. Dennoch bleiben die strukturellen Versorgungsengpässe bestehen. Der Markt ist grundsätzlich knapp versorgt – vor allem während der Erntephasen sinken die Preise temporär, ohne dass sich die Gesamtlage nachhaltig entspannt. Zudem ist unklar, inwieweit die aktuelle Preisentwicklung tatsächlich an die nachgelagerten Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer weitergegeben werden. Insgesamt ist eine deutliche Entspannung vorerst nicht in Sicht.“

Schokolade wird teurer – wie reagieren Produktion und Handel?

Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland bekommen die hohen Preise für Kakao zu spüren. Nach Daten des Statistischen Bundesamts erhalten sie für jeden Euro ein Drittel weniger Schokolade als vor fünf Jahren. Schokoladenprodukte im Handel verteuern sich deutlich und die Produktion wird aufgrund des Rohstoffmangels zurückgefahren. So haben die deutschen Süßwarenhersteller zu Ostern 2025 12 Millionen weniger Schoko-Osterhasen produziert als im Vorjahr.

Handlungsempfehlungen zum Umgang mit dem steigenden Schokoladen-Preis

Mit folgenden Handlungsempfehlungen können Handelsunternehmen reagieren, um auf die gestiegenen Kakaopreise zu reagieren:

  • Transparente Kommunikation über Preisursachen.
  • Fokussierung auf Qualität, Herkunft und Nachhaltigkeit als Verkaufsargumente.
  • Storytelling (zum Beispiel Single-Origin-Kakao, Frauenkooperativen) unterstützt die Wertschätzung des Produkts.
  • Diversifizierung: Spezialsortimente wie vegane, zuckerreduzierte oder klimaneutrale Schokoladen.
  • Vermehrt auf Kakao-Alternativen setzen (Verlinkung zu dem Beitrag Kakao-Ersatz, der noch nicht veröffentlicht ist).

Wachsende globale Nachfrage insbesondere nach Bio-Schokolade

Die Nachfrage nach Bio-Kakao entwickelt sich seit Jahren positiv. Laut einer Marktanalyse des Market Research Intellect soll das weltweite Marktvolumen von rund 657 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 auf über 1,2 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2031 steigen – das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 7,7 Prozent.

Auch in Deutschland zeigt sich dieser Trend: Laut dem Marktforschungsinstitut NIQ (NielsenIQ) wuchs der deutsche Umsatz für Süßwaren, die bio-zertifiziert waren, im Jahr 2024 um mehr als 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zu den Süßwaren zählen neben Schokolade und schokoladenhaltigen Erzeugnissen auch Bonbons, Zuckerwaren, Kaugummi, Müsli- und Nussriegel sowie Saisonartikel, wie Schoko-Osterhasen. Auch der Umsatz für Heißgetränke in Bio-Qualität, zu denen neben Kaffee, Tee und Getränkepulver auch Kakaogetränke und Trinkschokoladen gehören, wuchs im mittleren einstelligen Bereich im Vergleich zum Vorjahr.


Letzte Aktualisierung 09.07.2025

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