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Warum steigt der Erdbeerpreis?

Der Preis für Erdbeeren aus Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren um rund 50 Prozent erhöht. Oekolandbau.de erklärt, woran das liegt und warum wir trotzdem heimische Erdbeeren bevorzugen sollten. Von Ende April bis Ende Juni haben Erdbeeren bei uns Saison.
Was kostet ein Kilo Erdbeeren?
Zwischen 2015 und 2025 sei der durchschnittliche Kilopreis für deutsche Erdbeeren (bio und konventionell) um 52,12 Prozent gestiegen, bilanziert der Verband der Süddeutschen Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE). Dabei hätten die Erdbeeranbaubetriebe die gestiegenen Kosten nicht einmal 1:1 weitergegeben. Haupttreiber für die Verteuerungen seien Lohnzuwächse: Der Mindestlohn ist von acht Euro brutto pro Stunde im Jahr 2016 auf 12,82 Euro im Jahr 2025 um 60,25 Prozent gestiegen. 2026 kommen externe Effekte hinzu. "Durch die Sperrung der Straße von Hormus steigen derzeit die Kosten für Diesel und Mineraldünger immens, das müssen die Betriebe weitergeben", berichtet Fred Eickhorst vom Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände, der bundesweit 1.300 Betriebe vertritt.
Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft betrug 2024 der Durchschnittspreis für ein Kilo Bio-Erdbeeren 9,18 Euro. Im Mai 2025 lag er bei 10,61 Euro. Für heimische Bio-Erdbeeren müssen wir noch mehr bezahlen.
Wie setzt sich der Preis für Erdbeeren zusammen?
Der Erdbeeranbau erfordert intensive Handarbeit. Die Erdbeeranlagen müssen gehackt, die Pflanzen von Ranken befreit und die Erdbeeren mit der Hand geerntet werden. Pflückmaschinen, so wie sie im Heidelbeeranbau inzwischen zum Einsatz kommen, seien im Erdbeeranbau noch nicht marktreif. "Die empfindlichen Früchte halten mechanisch gar nichts aus", bedauert Eickhorst.
Laut dem VSSE machen die Löhne für die Pflege und das Pflücken der Früchte mit durchschnittlich 50 Prozent den Löwenanteil der Produktionskosten aus. Die Kosten für Jungpflanzen, Maschineneinsatz und gegebenenfalls Folientunnel – um früher zu ernten – betragen rund 40 Prozent. Bleiben zehn Prozent für Risiko, Gewinn und Investitionen. Allerdings variieren die Kosten von Betrieb zu Betrieb. Wer beispielsweise nur Freilanderdbeeren anbaut, spart Folientunnel, kann aber erst später ernten und muss mit Ernteausfällen rechnen. Hagel und Regen zur Erntezeit schaden den Früchten. Die Folge: Die Erträge sinken und die Preise steigen.
Warum kosten Bio-Erdbeeren mehr als konventionelle?
"Erdbeerpflanzen und ihre Früchte sind sehr empfindlich. Das Risiko, durch Schädlinge Ernteeinbußen zu erleiden, ist deswegen generell groß und noch größer im Öko-Anbau", erläutert Simon Schumacher, VSSE-Geschäftsführer.
Erdbeeren beginnen bei feuchter Witterung leicht zu faulen. Damit genug Luft zwischen die Pflanzen kommt, stehen Bio-Erdbeeren in größeren Reihenabständen als konventionelle. Das senkt den Pilzdruck, aber auch die Erntemenge. Laut dem VSSE liegt der Ertrag pro Hektar im Öko-Anbau um rund 39 Prozent im Freiland und um rund 31 Prozent im geschützten Anbau unter dem konventionellen und integrierten Anbau, der im geschützten Anbau auf Nützlinge zurückgreift.
Da die Bio-Betriebe keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel gegen Unkräuter einsetzen dürfen, müssen sie ihre Erdbeeranlagen öfter maschinell oder per Hand hacken. Das lässt den Arbeitsaufwand und die Preise steigen. Allerdings belasten Bio-Betriebe die derzeit rasant steigenden Preise für Mineraldünger nicht, da im Ökolandbau organisch gedüngt wird.
Günstige Erdbeeren aus dem Süden verursachen höhere Umweltkosten und schwächen die regionale Wertschöpfung
Als Folge der gestiegenen Preise setzen Handel sowie die Verbraucherinnen und Verbraucher selbst während der deutschen Saison auf günstigere Erdbeeren aus dem Süden. In Spanien, Italien und Griechenland können die Betriebe aufgrund geringerer Löhne deutlich billiger produzieren. Das hat ökologische und soziale Folgen in den Anbauländern und bei uns.
- Der wasserintensive Erdbeeranbau führt zu Dürren in Spanien, Marokko und Co. Laut WWF braucht die Erzeugung eines Kilos Erdbeeren 280 Liter Wasser!
- Die Arbeitsbedingungen vieler Pflückerinnen und Pflücker entsprechen nicht den internationalen Vorgaben.
- Steigende Importe tragen zum Rückgang des heimischen Erdbeeranbaus bei: So sank die Anbaufläche von 2015 bis 2025 um 30,7 Prozent auf 12.721 Hektar, die Zahl der Betriebe um rund ein Viertel auf 1.672.
- Der Selbstversorgungsgrad, also der Prozentsatz an in Deutschland produzierten und verzehrten Erdbeeren, reduzierte sich in den letzten zehn Jahren von zwei Dritteln auf knapp die Hälfte.
Warum regionale Erdbeeren bevorzugen?
"Die heimischen Erdbeeren könnten mit den Erdbeeren aus Südeuropa konkurrieren, wenn sich der Handel in der deutschen Saison auf die inländische Ware konzentrieren würde", betont Simon Schumacher. Denn außer dem Preis spricht alles für Beeren aus heimischen Landen: Regional erzeugte Erdbeeren sind besonders frisch, dadurch reich an wertvollen Inhaltsstoffen und überzeugen durch ihren Geschmack. Frisch gepflückt schmecken Erdbeeren am besten. In Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz punkten regionale Erdbeeren mit kurzen Transportwegen und der ausreichenden Verfügbarkeit an Wasser.
Fred Eickhorst vom Netzwerk der Spargel- und Beerenbauer:
Wenn wir regionale, saisonale Lebensmittel haben wollen, müssen wir bereit sein, mehr zu bezahlen.
Bio-Erdbeeren selbst pflücken und andere Tipps zum Sparen
- Saisonal kaufen: Meist sind Erdbeeren in der Hochsaison günstiger.
- Bei den Betrieben anfragen, ob sie Erdbeeren vom Vortag haben.
- Größere Mengen auf einmal kaufen.
- In der Hochsaison gibt es in der Direktvermarktung manchmal Erdbeeren mit optischen Mängeln, sogenannte Marmeladen-Erdbeeren, zum günstigeren Preis.
- Selbstpflücken senkt den Preis.
Drei Fragen an Erdbeerbauer Tilo Grefe-Huge
Die Bio Bördeland GmbH baut in der Hildesheimer Börde auf einem Hektar sieben Sorten Bio-Erdbeeren an. Geschäftsführer Tilo Huge-Grefe erklärt, warum so wenig deutsche Bio-Erdbeeren im Supermarkt landen.
Oekolandbau.de: Warum sind heimische Bio-Erdbeeren teurer als konventionelle?
Tilo Huge-Grefe: Erdbeeren stehen als Dauerkultur lange auf dem Feld. Alle drei Jahre müssen wir neue Jungpflanzen kaufen und setzen, dann können wir zwei Jahre ernten. Ein großer Preistreiber bei Bio-Erdbeeren ist das Hacken der Unkräuter. Wir rechnen mit 500 Hackstunden pro Jahr auf einer Fläche von einem Hektar. Die Gesamtkosten für den Anbau von einem Hektar Bio-Erdbeeren belaufen sich auf 20.000 Euro pro Jahr. Das lässt sich kaum erwirtschaften und weitergeben.
Da wir nur Freilandbeeren anbauen, haben wir auch ein hohes Wetterrisiko. Wenn es im Juni zweimal stark regnet und es dann warm wird, fangen die Früchte an zu faulen. Das kann auch ein Totalausfall bedeuten. Daher setzt sich in der konventionellen Landwirtschaft der Folienanbau durch. Aber Bio und Folie passen für uns nicht zusammen.
Oekolandbau.de: Wie vermarkten Sie Ihre Erdbeeren?
Huge-Grefe: Wir vermarkten unsere Erdbeeren nur noch direkt, auf einem ein Hektar großen Selbstpflückfeld. Da können wir das Kilo für 7,50 Euro anbieten. Das ist nur ein Euro mehr als die konventionellen Betriebe hier in der Region verlangen. Um Kosten zu sparen, haben wir die Öffnungszeiten auf nachmittags beschränkt. Wenn das Aufsichtspersonal Zeit hat, kann es nebenher noch ein paar Erdbeeren für den Direktverkauf pflücken. Wir möchten jedoch nicht auf die Erdbeeren verzichten. Zu uns kommen die Leute von weit her. Unsere Erdbeeren machen Werbung für den Betrieb und stärken die Kundenbindung.
Oekolandbau.de: Verkaufen Sie Ihre Früchte auch an den Supermarkt?
Huge-Grefe: Nein, das lohnt sich einfach nicht. Der Handel zahlt für eine 500 Gramm Schale drei bis vier Euro. Wir können unsere Erdbeeren nicht für acht Euro das Kilo pflücken und dann noch zweimal täglich liefern. Der Handel achtet vor allem auf die Haltbarkeit der Früchte; die müssen auch nach zwei Tagen noch frisch wirken. Unsere Erdbeeren werden schneller weich, aber dafür schmecken sie besser.
Text und Interview: Jutta Schneider-Rapp
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Weitere Infos im Web:
- Wo kann ich Erdbeeren pflücken?
- Zahlen zum Erdbeeranbau (PDF)
- Vereinigung der Spargel- und Erdbeeranbauer
Letzte Aktualisierung 29.04.2026






