Herausfordernde Zeiten für Bio‑Spargel

Die Bio‑Spargelernte fiel 2025 deutlich geringer aus als im Vorjahr. Ein später Saisonstart, hohe Kosten und eine sinkende Wirtschaftlichkeit verstärkten den Flächenrückgang. Zum Start der Saison 2026 zeigen sich regionale Unterschiede, während der Kostendruck für Bio‑Betriebe weiter hoch bleibt.

Im Jahr 2025 fiel die Ernte von Bio‑Spargel in Deutschland deutlich geringer aus als im Vorjahr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden insgesamt 7.900 Tonnen Bio‑Spargel geerntet. Hauptursache war die reduzierte Anbaufläche: Mit 1.574 Hektar ertragsfähiger Bio‑Spargelfläche lag diese fast zwölf Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Entsprechend standen weniger Pflanzen für die Ernte zur Verfügung, was sich spürbar auf die Erntemenge auswirkte. 

Die Bio‑Spargelsaison begann witterungsbedingt etwas später. Kühle Nächte sowie die im ökologischen Anbau üblichen geringeren Verfrühungsmaßnahmen verzögerten den Saisonstart zusätzlich. Neben den Witterungsbedingungen spielte auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle beim Flächenrückgang. Bio‑Spargel ist arbeits‑ und kostenintensiv. Können Flächen nicht ausreichend rentabel bewirtschaftet werden, etwa aufgrund steigender Arbeitskosten, hoher Pachtpreise oder schwankender Erträge, entscheiden sich manche Betriebe für eine Reduzierung oder eine teilweise Stilllegung der Flächen.

Direktvermarktung schafft Vertrauen

Beim Kauf von Bio-Produkten orientieren sich Verbraucherinnen und Verbraucher besonders an Regionalität und Frische. Die Direktvermarktung (Hofläden, Verkaufsstände, Wochenmärkte) spielt dabei eine zentrale Rolle, da sie Vertrauen schafft und höhere Preise eher akzeptabel macht. Dieses Muster ist bei Bio-Spargel besonders ausgeprägt, da hier nicht ausschließlich Discounter und Vollsortimenter dominieren. Als empfindliches Frischeprodukt mit hohen Anforderungen an Ernte, Kühlung und Logistik profitiert Spargel von kurzen Wegen und flexiblen Vermarktungsstrukturen. Zudem ist Bio-Spargel ein erklärungsbedürftiges Premiumprodukt, dessen Herkunft, Saisonalität und Transparenz der Erzeugung im direkten Kundenkontakt oder im Naturkosthandel besser vermittelt werden können als im standardisierten Discountumfeld. 

Steigender Kostendruck für Bio‑Betriebe

Laut Markus Puffert, Berater für den ökologischen Gemüseanbau bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein‑Westfalen, liegen viele der zentralen Herausforderungen im Bio‑Spargelanbau weniger bei der Produktion, sondern eher bei den ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Gravierender sei der wirtschaftliche Druck, der auf vielen Bio‑Spargelbetrieben laste.

Insbesondere die Kosten für Erntehelferinnen und Erntehelfer sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Da Spargel überwiegend händisch gestochen wird, wirkt sich jede Lohnsteigerung unmittelbar auf die Produktionskosten aus. Mechanisierung, etwa durch den Einsatz von Vollerntern, ist grundsätzlich möglich, geht jedoch mit hohen Investitionskosten und technischen Herausforderungen einher. In der Folge steigen die Erzeugungskosten deutlich, während die Zahlungsbereitschaft im Markt nicht im gleichen Maße zunimmt.

Zufriedenstellendes Ostergeschäft

Im konventionellen Anbau ermöglichte die sonnige Witterung in diesem Jahr bereits im März auf mehrfach abgedeckten Flächen einen frühen Saisonbeginn, wobei es Unterschiede je nach Region und Betrieb gab. Im Bio-Segment begann die Saison später, da im ökologischen Spargelanbau traditionell weniger Folien zur Verfrühung eingesetzt werden als im konventionellen Anbau.

Das Ostergeschäft verlief in vielen Regionen zufriedenstellend, auch wenn die Absatzmengen aufgrund des frühen Ostertermins regional noch begrenzt waren. Zahlreiche Betriebe, insbesondere im Norden Deutschlands, konnten vom Ostergeschäft nur eingeschränkt profitieren, da das Angebot zu diesem Zeitpunkt saisontypisch limitiert war. Klimatisch begünstigte Regionen wie die Pfalz hatten hier Vorteile.

Ab Mitte April gewann die Saison durch eine hohe Zahl an Sonnenstunden deutlich an Dynamik. Mitte Mai konnte in vielen Regionen auch unter einfach abgedeckten Flächen geerntet werden. Zeitweise niedrige Nachttemperaturen wirkten regional weiterhin bremsend auf die Entwicklung.

Der Mai gilt traditionell als absatzstärkster Monat für Spargel. Da inzwischen die meisten Betriebe in die Saison gestartet sind, bestehen gute Vermarktungsperspektiven für die kommenden Wochen. Entscheidender Faktor ist und bleibt aber die Witterung.

Text: Tim Brauweiler, AMI


Letzte Aktualisierung 27.05.2026

Nach oben
Nach oben