Kalkulationen für den Bio-Status Bronze und Silber

Kalkulationen für den Bio-Status Bronze und Silber

Wie verändert sich der Wareneinsatz, wenn in der Schulverpflegung Bio-Produkte eingesetzt werden? Dazu gibt es jetzt neue Kalkulationen aus dem aktuellen Bio-Marktbericht in Thüringen. Die Berechnungen zeigen an einem Musterspeiseplan, wie sich ein Bio-Anteil von 20 Prozent beziehungsweise 50 Prozent auf die Kosten beim Wareneinkauf auswirkt. 

Eine Beispielkalkulation auf Basis eines vierwöchigen Speiseplanes für (Grund-)Schulen in Thüringen zeigt, wie unterschiedliche Bio-Anteile den durchschnittlichen Wareneinsatz verändern. Diese Berechnungen sind Teil eines umfangreichen Bio-Marktberichts, der im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum erstellt wurde. Die hier zitierten Kalkulationen hat das Thüringer Ökoherz e.V. durchgeführt.

Die Basis der Berechnung bildete ein Vierwochen-Speiseplan der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Thüringen.

 WochentagSpeisenauswahl
Woche 1MoSpiegelei, Rahmspinat, Kartoffeln; Äpfel
DiNaturreis-Pfanne (Erbsen, Champignons, Tomaten, Mais) mit Hühnchenbruststreifen; Kleiner Tomaten-Mozzarella-Salat
MiZucchini-Tomaten-Cremesuppe, Vollkornbrot, Gemüsesticks (Gurke, Kohlrabi, Radieschen), Kräuterquark; Pflaume
DoSpirelli-Nudeln, Gemüse-Kurkuma-Soße (Tomaten, Möhren, Erbsen) und Wildlachs; Schokopudding
FrMilchreis mit Pflaumenkompott; Möhrensalat mit Sonnenblumenkernen
Woche 2MoGefüllte Paprikaschote (Tomate, Fetakäse, Champignons), Kartoffelpüree; Vanillequark, Banane
DiMöhren-Pastinakensuppe, Joghurtbrötchen; Kiwi
MiMexikanische Pfanne mit Paprika, Kidneybohnen, Mais, Bohnen, Vollkornbrot; Vanillecreme
DoRote Linsen-Curry, Tomatensalat
FrBulgurpfanne (mit Paprika und Kichererbsen) und Seelachsfischstäbchen; Obstsalat mit Mandeln
Woche 3Mogedämpfter Kabeljau, Béchamelsoße, Kartoffeln, Blattsalat mit Joghurt-Dressing; Aprikose
DiVollkorn-Spaghetti, Tomatensoße und Hähnchenbrustwürfeln; Chinakohlsalat mit Kürbiskernen
MiLinsensuppe (Möhren, Sellerie, Kartoffeln) und Räuchertofu, Vollkornbrot; Bananen-Orangen-Smoothie
DoGnocchi, Spinat-Käse-Soße; Gurkensalat
FrMinestrone (Hafer, Sellerie, Möhren, Erbsen), Quarkspeise, Melone
Woche 4MoGemüseeintopf mit Hirse und Tofu; Grießpudding mit Beerensoße (Erdbeeren, Brombeeren, Himbeeren)
DiChili sin carne (Kidneybohnen, Mais, Tomaten), Naturreis; Möhrensalatmit Kürbiskernen
MiSemmelknödeö, Hähnchenragout mit Champignons, Gurkensalat; Mandarine
DoVollkornnudeln, Tomatensoße, Reibekäse; Rotkohlsalat mit Birnen
FrMarinierter Hering in Joghurt-Soße (Zwiebeln und Gewürzgurken), Salzkartoffeln, Rote Bete; Birne

Er orientiert sich an den Empfehlungen des DGE-Qualitätsstandards für die Schulverpflegung und erfüllt die ernährungswissenschaftlichen Qualitätsstandards für eine ausgewogene, altersgerechte und gesundheitsförderliche Mittagsverpflegung an Schulen. Er basiert zudem auf realen Speiseplänen von Thüringer Schulcaterern und spiegelt damit die Versorgungssituation in der Praxis wider. Die Rezepturen für den Mischkost-Speiseplan stammen aus zwei etablierten Rezeptdatenbanken, nämlich aus:

Wie wurden die Preise für den Einkauf ermittelt?

Die Preise für den Einkauf der Lebensmittel wurden im Sommer und Herbst 2025 bei einem deutschlandweit aktiven Großhändler, der auch viele Großküchen in Thüringen beliefert, sowie einem regionalen Naturkostgroßhändler ermittelt. Aus den beiden Preis-Erhebungen wurden jeweils Durchschnittspreise gebildet, um saisonale Preisschwankungen zu berücksichtigen. Insgesamt flossen die Preise von 553 Produkten in die Berechnungen ein.  

Wie wirken sich unterschiedliche Bio-Anteile auf den Wareneinsatz aus?

Um den Einfluss des Bio-Anteils sowie des Conveniencegrades anschaulich zu machen, wurden verschiedene Varianten berechnet. Zum einen wurden die Wareneinsatzkosten für zwei Bio-Szenarien ermittelt, die sich an den Stufen der Bio-AHV-Verordnung orientieren.

  • mindestens 20 Prozent Bio entsprechend der Bio-Kategorie Bronze
  • mindestens 50 Prozent Bio entsprechend der Bio-Kategorie Silber

Zum anderen wurde die Wareneinsatzkosten für zwei Verarbeitungsstufen berechnet. Nämlich für

  • eine Frische-Variante, bei der größtenteils frisches Gemüse und frische Kräuter einberechnet wurden;
  • eine Convenience-Variante, bei der auf TK-Gemüse und -Kräuter sowie eine ganze Reihe von CV-Komponenten zurückgegriffen wurde.

Convenience-Komponenten:   

  • Vollei statt Frischei 
  • TK-Rahmspinat
  • Tomaten-Salat mit Gurke
  • Möhrensalat
  • Karoffelpüree-Granulat
  • Fischstäbchen
  •  Schokopudding
  • Joghurtdressing
  • Obstsalat
  • Béchamelsoße-Granulat
  • Gurkensalat
  •  Semmelknödel
  • Rotkohlsalat
  • Rote-Bete-Salat
  • Kräuterquark
  • Vanillequark
  •  Grießpudding 

Preiskalkulationen für den Wareneinsatz

Das Schaubild zeigt, dass der berechnete Wareneinsatz in der Frische-Variante bei durchschnittlich 1,42 Euro liegt und bei der Convenience-Variante bei 1,57 Euro.

Zudem vermittelt die Grafik, wie sich verschiedene Verarbeitungsgrade und verschiedene Einkaufsvarianten – einmal Bio vom Naturkost-Großhandel, einmal vom Vollsortiment-Großhandel – auf den Wareneinsatz auswirken. Die blauen Ausgangswerte basieren weitestgehend auf dem Einsatz konventioneller Lebensmittel vom Vollsortiment-Großhändler. Allerdings enthält auch diese Basis-Variante bereits Bio-Anteile von 6 bis 7 Prozent: Das ergibt sich daraus, dass in einzelnen Fällen beim Vollsortiment-Großhändler Bio-Produkte gleich viel oder weniger kosteten als die jeweiligen konventionellen Vergleichsartikel. Das waren beispielsweise Apfelessig, Balsamicoessig, Bananen, Haferdrink, Maismehl, (Räucher-)Tofu und Vollkornbrot. In vielen Thüringer Küchen ist dieser Ansatz zu finden, bei dem vorwiegend konventionelle Produkte eingesetzt werden kombiniert mit Bio-Produkten zu Angebotspreisen. 

Preiskalkulation für das Bronze-Szenario

Im Bronze-Szenario steigt der Wareneinsatz nur moderat an. Je nach Bezugsquelle und Verarbeitungsgrad liegen die durchschnittlichen Mehrkosten für Bio in einer Spanne zwischen 1 bis 12 Cent pro Gericht. Insbesondere beim Bezug der Bio-Produkte über den Naturkostgroßhandel bleiben die Kostenanstiege marginal.

Um einen Bio-Anteil von deutlich über 20 Prozent zu erreichen und gleichzeitig die Kosten möglichst im Rahmen zu behalten, bieten sich nach den Autorinnen des Thüringer Ökoherz folgende Produktgruppen in Bio-Qualität an:

  • Trockenprodukte wie Getreide, Reis, Nudeln, Mehle, Polenta, Ölsaaten, Gemüsebrühe und Zucker
  • Hülsenfrüchte (sowohl als Konserve als auch als Trockenprodukt)
  • Produkte, die in vergleichsweise geringen Mengen eingesetzt werden, aber deutlichen Einfluss auf den Geschmack haben, wie Gewürze, Öle, Tomatenmark, Sojasoße und Senf.

Zudem sind solche Produkte für den Einstieg zu empfehlen, bei denen die Bio-Ware nicht teurer ist als konventionelle Produkte. Um diese preislichen Vorteile nutzen zu können, müssen jedoch saisonale und markbedingte Schwankungen der Preise kontinuierlich beobachtet werden. 

Preiskalkulation für das Silber-Szenario

Wenn im Speiseplan der Bio-Anteil über 50 Prozent steigt, werden die Unterschiede deutlicher: Der Wareneinsatz erhöht sich dann um durchschnittlich 7 bis 26 Cent pro Gericht – je nach Variante. Denn um das Silber-Niveau zu erreichen, müssen weitere Lebensmittel wie Milchprodukte und Gemüse in Bio-Qualität eingesetzt werden. Diese Preissteigerungen beim Einkauf einzelner Produkte müssen jedoch nicht notwendigerweise zu Mehrkosten in der Summe führen, wenn weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit ergriffen werden. Welche Maßnahmen sich dafür eignen, beschreiben wir hier im Ökolandbau-Portal in einem eigenen Artikel: Tipps zur Kostenreduktion.   

Interview mit Sara Flügel

Die Geschäftsführerin des Thüringen Ökoherz e.V. mit Sitz in Weimar und eine der Autorinnen des Bio-Marktberichts Thüringen erläutert im Gespräch mit Ökolandbau.de, warum die Kalkulationen auch bundesweit übertragbar sind und wo die Herausforderungen liegen, in der Kita- und Schulverpflegung Bio-Anteile über 50 Prozent zu erreichen.   

Oekolandbau.de: Wäre im Hinblick auf diese Kalkulationen für die meisten Kitas und Schulen bzw. deren Catering-Unternehmen ein Bio-Status Bronze auch wirtschaftlich machbar?

Sara Flügel: Ja, auf jeden Fall! Sicherlich sollten in Ergänzung auch Kochabläufe und Einkäufe sowie Rezepturen angepasst werden.

Oekolandbau.de: Ist diese Aussage Ihrer Einschätzung nach auf ganz Deutschland übertragbar?

Sara Flügel: Ja, die Kalkulation ist übertragbar. Denn die DGE-Qualitätsstandards gelten bundesweit und sind zum Teil bereits gesetzlich bzw. in Ausschreibungen verankert. Auch der Vollsortiment-Großhändler ist bundesweit tätig und seine Preise sind auf ganz Deutschland übertragbar.

Oekolandbau.de: Was sind die Gründe dafür, dass der Bio-Status Bronze in Schulen und Kitas nicht längst zum Standard gehört?

Sara Flügel: Für Thüringen zeigt sich, dass der Einsatz von Bio-Lebensmitteln in Schulen und Kitas bislang noch nicht etabliert ist, weil er derzeit weder in Aus-schreibungen noch gesetzlich verbindlich verankert ist. Gleichzeitig leisten unsere regionalen Caterer unter oft knappen personellen Ressourcen bereits enorm viel. Zusätzliche Anforderungen wie die Umstellung auf mehr Bio bedeuten daher einen organisatorischen und strukturellen Mehraufwand. Das bietet jedoch auch eine große Chance: Mit klaren politischen Rahmenbedingungen, verlässlichen Vorgaben und entsprechender Unterstützung könnten Bio-Anteile deutlich leichter umgesetzt werden. Unsere regionalen Anbieter bringen viel Engagement und Kompetenz mit. Wenn die strukturellen Voraussetzungen stimmen, kann meiner Meinung nach der Bio-Status Bronze in Schulen und Kitas Schritt für Schritt zum neuen Standard werden.

Oekolandbau.de: Wo liegen die Herausforderungen, damit in der Schul- und Kita-Verpflegung in der Breite auch Bio-Anteile über 50 Prozent erreicht werden können?

Sara Flügel: Bio-Anteile von über 50 Prozent in der Schul- und Kita-Verpflegung zu erreichen, bedeutet in der Regel einen umfassenden Veränderungsprozess: vom Einkauf über die Rezepturentwicklung bis hin zur Kalkulation. Eine solche Umstellung erfordert Engagement, Fachwissen und Menschen, die intrinsisch motiviert sind, neue Wege zu gehen und Prozesse ganzheitlich zu denken. Darüber hinaus braucht es leistungsfähige Bio-Verarbeitungsstrukturen sowie eine gut abgestimmte Logistik, damit regionale Bio-Produkte zuverlässig und in ausreichender Menge verfügbar sind. Genau an diesen Punkten arbeiten wir in Thüringen als Thüringer Ökoherz e.V. intensiv: Strukturen werden weiterentwickelt, Netzwerke gestärkt und Akteure miteinander verknüpft.

Text: Andreas Greiner, Ökonsult


Letzte Aktualisierung 24.02.2026

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