Die Geschäftsführerin des Thüringen Ökoherz e.V. mit Sitz in Weimar und eine der Autorinnen des Bio-Marktberichts Thüringen erläutert im Gespräch mit Ökolandbau.de, warum die Kalkulationen auch bundesweit übertragbar sind und wo die Herausforderungen liegen, in der Kita- und Schulverpflegung Bio-Anteile über 50 Prozent zu erreichen.
Oekolandbau.de: Wäre im Hinblick auf diese Kalkulationen für die meisten Kitas und Schulen bzw. deren Catering-Unternehmen ein Bio-Status Bronze auch wirtschaftlich machbar?
Sara Flügel: Ja, auf jeden Fall! Sicherlich sollten in Ergänzung auch Kochabläufe und Einkäufe sowie Rezepturen angepasst werden.
Oekolandbau.de: Ist diese Aussage Ihrer Einschätzung nach auf ganz Deutschland übertragbar?
Sara Flügel: Ja, die Kalkulation ist übertragbar. Denn die DGE-Qualitätsstandards gelten bundesweit und sind zum Teil bereits gesetzlich bzw. in Ausschreibungen verankert. Auch der Vollsortiment-Großhändler ist bundesweit tätig und seine Preise sind auf ganz Deutschland übertragbar.
Oekolandbau.de: Was sind die Gründe dafür, dass der Bio-Status Bronze in Schulen und Kitas nicht längst zum Standard gehört?
Sara Flügel: Für Thüringen zeigt sich, dass der Einsatz von Bio-Lebensmitteln in Schulen und Kitas bislang noch nicht etabliert ist, weil er derzeit weder in Aus-schreibungen noch gesetzlich verbindlich verankert ist. Gleichzeitig leisten unsere regionalen Caterer unter oft knappen personellen Ressourcen bereits enorm viel. Zusätzliche Anforderungen wie die Umstellung auf mehr Bio bedeuten daher einen organisatorischen und strukturellen Mehraufwand. Das bietet jedoch auch eine große Chance: Mit klaren politischen Rahmenbedingungen, verlässlichen Vorgaben und entsprechender Unterstützung könnten Bio-Anteile deutlich leichter umgesetzt werden. Unsere regionalen Anbieter bringen viel Engagement und Kompetenz mit. Wenn die strukturellen Voraussetzungen stimmen, kann meiner Meinung nach der Bio-Status Bronze in Schulen und Kitas Schritt für Schritt zum neuen Standard werden.
Oekolandbau.de: Wo liegen die Herausforderungen, damit in der Schul- und Kita-Verpflegung in der Breite auch Bio-Anteile über 50 Prozent erreicht werden können?
Sara Flügel: Bio-Anteile von über 50 Prozent in der Schul- und Kita-Verpflegung zu erreichen, bedeutet in der Regel einen umfassenden Veränderungsprozess: vom Einkauf über die Rezepturentwicklung bis hin zur Kalkulation. Eine solche Umstellung erfordert Engagement, Fachwissen und Menschen, die intrinsisch motiviert sind, neue Wege zu gehen und Prozesse ganzheitlich zu denken. Darüber hinaus braucht es leistungsfähige Bio-Verarbeitungsstrukturen sowie eine gut abgestimmte Logistik, damit regionale Bio-Produkte zuverlässig und in ausreichender Menge verfügbar sind. Genau an diesen Punkten arbeiten wir in Thüringen als Thüringer Ökoherz e.V. intensiv: Strukturen werden weiterentwickelt, Netzwerke gestärkt und Akteure miteinander verknüpft.