Bio-Nahrungsergänzungsmittel

Der Markt mit Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) boomt seit Jahren. Auch im Bio-Segment gewinnt dieser Produktbereich immer mehr an Bedeutung. Doch was ist eigentlich das Besondere an Bio-Nahrungsergänzungsmitteln und worauf muss bei der Herstellung geachtet werden?

Nahrungsergänzungsmittel sind eigentlich keine Produktkategorie, die mit der Bio-Branche assoziiert werden. Ein zentraler Inhalt der Bio-Bewegung ist schließlich eine ausgewogene, vollwertige und vor allem natürliche Ernährung. Aber die Reformhaus-Bewegung, die bis heute eng mit Bio-Lebensmitteln verbunden ist, suchte schon früh nach natürlichen Alternativen zu konventionellen Produkten. Dabei spielten von Anfang an neben Lebensmitteln auch naturheilkundliche Produkte und Nahrungsergänzungsmittel eine wichtige Rolle.

Welchen Stellenwert haben Bio-Nahrungsergänzungsmittel im Bio-Markt?

Verbraucherinnen und Verbraucher interessieren sich immer häufiger für Themen rund um Gesundheit und Prävention. Der Wunsch nach natürlichen Alternativen zu synthetischen Präparaten, kombiniert mit einem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung, ist also besonders hoch. Laut des Bundesverbands der Verbraucherzentralen verzeichnen daher Bio-Produkte innerhalb dieses Segments einen überdurchschnittlichen Zuwachs.

Allerdings gibt es aktuell keine verlässlichen Zahlen zum Markt von Bio-Nahrungsergänzungsmitteln in der EU. Ein Blick über den Atlantik auf andere große Bio-Märkte zeigt jedoch: Etwa 20 Prozent aller Nahrungsergänzungsmittel in den USA stammen inzwischen aus bio-zertifizierter Herstellung – sind also offiziell als "organic" gelabelt, so PW Consulting in einer Marktstudie.

Ähnliche Zahlen bestätigt auch Milena Kraienhorst, Senior Marketing Managerin der natsana GmbH, die unter anderem die Marke nature love führen. "Aktuell sind rund 16 Prozent unseres Sortiments bio-zertifiziert, mit steigender Tendenz. Besonders bei pflanzlichen Extrakten, Superfoods und bestimmten Naturrohstoffen setzen wir möglichst konsequent auf Bio-Qualität", so Kraienhorst. "Unsere Kundinnen und Kunden erwarten vor allem drei Dinge: Reinheit, Transparenz und Wirksamkeit.Einige Vitamine, Mineralstoffe oder hochkonzentrierte Spezialextrakte sind allerdings naturgemäß nicht in Bio-Qualität verfügbar. Zudem erreicht nicht jeder Rohstoff in Bio-Qualität automatisch die gewünschte Reinheit oder Wirkstoffkonzentration, die für eine sinnvolle und wirksame Formulierung erforderlich ist. Das Bio-Siegel ist daher für viele unserer Kundinnen und Kunden ein wichtiges Orientierungskriterium, aber nicht die alleinige Grundlage unseres Qualitätsversprechens."

In einem Markt, der insgesamt wächst, bieten biologische Nahrungsergänzungsmittel also durchaus eine attraktive Differenzierungsmöglichkeit – sowohl für etablierte Marken als auch für Newcomerinnen und Newcomer in der Branche.

Definition von Nahrungsergänzungsmitteln und Abgrenzung zu Arzneimitteln

Ein Nahrungsergänzungsmittel ist laut Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates ein Produkt, das in konzentrierter Form Nährstoffe (zum Beispiel Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente) oder andere Stoffe mit ernährungsbezogener beziehungsweise physiologischer Wirkung enthält und dazu dient, die normale Ernährung zu ergänzen.

Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel und dürfen nur in kleinen Portionsgrößen wie Kapseln, Pastillen oder Flüssigampullen angeboten werden. Dadurch ähneln sie mitunter äußerlich Arzneimitteln. Anders als diese sind Nahrungsergänzungsmittel als Lebensmittel aber nicht dazu geeignet, Krankheiten zu therapieren. Das bedeutet ebenfalls, dass Nahrungsergänzungsmittel weder wie Arzneimittel aufgemacht noch mit Aussagen beworben werden dürfen, die darauf abzielen, Krankheiten zu lindern, zu beseitigen oder zu verhüten.

Rechtliche Vorgaben für Bio-Nahrungsergänzungsmittel

Neben der EU-Bio-Verordnung 2018/848 sowie der entsprechenden Durchführungsverordnung (EU) 2021/1165, welche die zugelassenen Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe regelt, gibt es für Nahrungsergänzungsmittel auch noch spezifische Vorgaben zu beachten. Die Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel (NemV) – regelt Zusammensetzung, Kennzeichnung und Zulässigkeit. Die Health Claims-Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 regelt gesundheitsbezogene Aussagen auf Produkten.

Für Bio-Verarbeitungsunternehmen gilt dabei Folgendes im Rahmen der Einhaltung der EU-Bio-Verordnung:

Woher stammen die Nährstoffe in Bio-Nahrungsergänzungsmitteln?

Im Gegensatz zu konventionellen Nahrungsergänzungsmitteln, die häufig aus vollständig synthetisch hergestellten Stoffen bestehen, basieren ökologische Produkte überwiegend auf Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs. Dabei steht nicht die künstliche Nachbildung einzelner Nährstoffe im Vordergrund, sondern die Nutzung natürlicher Quellen.

Die Vitaminquellen für Bio-Nahrungsergänzungsmittel stammen meistens aus Früchten, Kräutern, beziehungsweise deren Extrakten oder Algen. So führt beispielsweise die Suche nach Vitamin C nicht in ein chemisches Labor, sondern zu Früchten wie der Acerolakirsche, die von Natur aus einen besonders hohen Vitamin-C-Gehalt aufweist. Abhängig von der Darreichungsform kann zudem die Aufnahme der Nährstoffe im menschlichen Körper günstiger sein.

Für Mineralstoffe werden gerne Rohstoffquellen wie Algen, Kräuter oder Pflanzenstoffe ausgewählt. Eine gute Übersicht bietet die Webseite des Bundesverbands der Verbraucherzentralen.

Bio-Nahrungsergänzungsmittel: Für kleine Unternehmen ein spannendes Feld 

Mit Nahrungsergänzungsmitteln in Bio-Qualität stärken Herstellerinnen und Hersteller nicht nur das Vertrauen ihrer Kundschaft, sondern setzen zugleich ein klares Zeichen für Nachhaltigkeit und hohe Produktionsstandards. Für die natsana GmbH zeigt sich dieser Mehrwert zum Beispiel in einer kontrollierten Herkunft und Reinheit, denn bio-zertifizierte Rohstoffe stammen aus kontrolliert ökologischem Anbau und werden ohne synthetische Pflanzenschutzmittel oder künstliche Düngemittel produziert. Dadurch können mögliche Rückstände im Endprodukt reduziert werden. Gleichzeitig trägt die ökologische Landwirtschaft zum Schutz der Umwelt bei, indem sie die Bodenfruchtbarkeit erhält, die Artenvielfalt fördert und natürliche Ressourcen verantwortungsvoll nutzt.

Das Bio-Logo sorgt zudem für Transparenz, da es eine klar definierte und unabhängige Kontrolle entlang der gesamten Lieferkette garantiert – vom Anbau der Rohstoffe bis zum fertigen Produkt. Dadurch erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher die Sicherheit, ein geprüftes und qualitativ hochwertiges Produkt zu wählen.

"Die besten Rohstoffe liefert uns die Natur selbst. Und gerade bei pflanzlichen Rohstoffen bietet der ökologische Anbau klare Vorteile – für die Umwelt, die Lieferketten sowie dem wachsenden Anspruch der Verbraucherinnen und Verbraucher in Sachen Nachhaltigkeit und Transparenz. Er ermöglicht eine nachvollzibahre Herkunft und definierte Standards und schafft damit Vertrauen.Milena Kraienhorst

Für kleinere Marken bedeutet das: mehr Glaubwürdigkeit und schnellere Vertrauensbildung. In einem stark wachsenden Markt können gerade kleine und mittlere Unternehmen sich früh positionieren und profitablere Preisstrukturen nutzen.

Herausforderungen bei der Herstellung von Bio-Nahrungsergänzungsmitteln

"Die Vorteile von Bio-Produkten sind klar. Gleichzeitig ist ihre Verarbeitung deutlich anspruchsvoller als bei konventionellen Zutaten. Viele Hersteller schrecken deshalb zurück oder können die strengen Anforderungen gar nicht erst erfüllen", so Kraienhorst. Sie nennt dabei insbesondere vier Punkte, welche die Herstellung herausfordernd gestalten:

  • Verfügbarkeit: Bestimmte Rohstoffe, insbesondere spezialisierte Extrakte, sind in Bio-Qualität nur begrenzt oder gar nicht verfügbar.
  • Kostenstruktur: Bio-Rohstoffe sind in der Regel deutlich teurer. Die Herausforderung besteht darin, Premium-Qualität mit fairen Preisen für die Endverbraucher in Einklang zu bringen.
  • Formulierung: Die EU-Bio-Verordnung setzt enge Grenzen bei erlaubten Hilfs- und Trägerstoffen, was die Produktentwicklung komplexer macht. Für uns bedeutet das: Wir müssen innovative Wege finden, um die Wirksamkeit und Stabilität unserer Produkte trotz dieser Einschränkungen zu gewährleisten.
  • Zertifizierungsaufwand: Der gesamte Prozess ist dokumentationsintensiv und erfordert regelmäßige Audits entlang der Lieferkette. Denn nur so kann das Siegel seine Funktion als vertrauenswürdiges Qualitätszeichen erfüllen.

"Diese Anforderungen nehmen wir bewusst in Kauf, denn dort, wo Bio echten Mehrwert liefert, lohnt sich jeder Schritt", schlussfolgert Milena Kraienhorst.


Letzte Aktualisierung 17.04.2026

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