Nachhaltige Verpackung

Nachhaltige Verpackung: Anforderungen, Lösungen und Beispiele für die Bio-Branche

Die Verpackung ist mehr als nur eine Hülle: Sie spielt eine entscheidende Rolle in der ökologischen Gesamtbilanz eines Produktes. Bio-Lebensmittelunternehmen sind in besonderem Maße gefordert, um die hohen Erwartungen der Käuferinnen und Käufer zu erfüllen. Welche gesetzlichen Vorgaben gelten? Und welche innovativen Lösungen gibt es für die Bio-Branche?

Die Verpackung von Lebensmitteln ist in den vergangenen Jahren zu zu einem zentralen Thema in der Lebensmittelbrache geworden. Die weltweite Plastikflut, der hohe Ressourcenverbrauch und die Umweltbelastungen durch Herstellung und Entsorgung machen deutlich, dass die Wahl der Verpackung einen erheblichen Einfluss auf die ökologische Gesamtbilanz eines Produkts hat. Allein in Deutschland sind im Jahr 2023 17,9 Millionen Tonnen Verpackungsmüll angefallen. Das entspricht etwa 215 Kilogramm pro Kopf. Im Jahr zuvor waren es 226 Kilogramm und im EU-Durchschnitt 186,5 Kilogramm.

Gerade für Bio-Lebensmittelherstellerinnen und -hersteller, die sich dem Umwelt- und Klimaschutz in besonderer Weise verpflichtet fühlen, ist die Verpackung Teil ihrer ökologischen Gesamtleistung und damit ein wichtiges Kriterium für Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten zunehmend, dass nachhaltige Prinzipien nicht am Produktinhalt enden, sondern sich konsequent bis zur Verpackung fortsetzen.

Doch die Wahl einer nachhaltigen Verpackung für Lebensmittel ist komplex, denn die Verpackung muss nicht nur ökologische und rechtliche, sondern gleichzeitig auch technische und kommunikative Anforderungen erfüllen. Oekolandbau.de gibt einen Überblick über aktuelle gesetzliche Vorgaben, branchenspezifische Herausforderungen und innovative Ansätze für nachhaltige Verpackungslösungen im Bio-Segment.

Rechtliche Anforderungen an nachhaltige Verpackungen für Bio-Produkte

Alle Lebensmittelverpackungen unterliegen der EU-Verpackungs-Verordnung (PPWR) 2025/40, die am 11. Februar 2025 in Kraft getreten ist. Sie ist Teil des Europäischen Grünen Deals und gilt mit einer Übergangsfrist ab dem 12. August 2026. Die neuen Vorgaben werden in das nationale Verpackungsgesetz überführt.

Folgende Aspekte werden darin geregelt:

Bis zum Inkraftreten der neuen Verpackungsverordnung gilt das nationale Verpackungsgesetz (VerpackG), das im Jahr 2023 um das Einwegkunststofffondgesetz ergänzt wurde. Die Erweiterungen des Verpackungsgesetzes verpflichten Herstellerinnen und Hersteller von ausgewählten Einwegkunststoffprodukten wie beispielsweise To-Go-Verpackungen zu einer Abgabe. Diese fließen in einen Fond, der für die Entsorgung und Reinigung im öffentlichen Raum eingesetzt wird. Der Einzahlungsbetrag für abgabepflichtige Unternehmen richtet sich nach Masse und Produktart.

Für Bio-Lebensmittel gibt es keine besonderen Anforderungen an Verpackungen. Einzig im Anhang III der EU-Öko-Verordnung 2018/848 wird darauf hingewiesen, dass Verpackungen so beschaffen sein müssen, dass der Inhalt ohne Manipulation oder Zerstörung der Verpackung (beziehungsweise eines Siegels oder einer Plombe) nicht verändert oder ausgetauscht werden kann.

Öko-Verbände achten stärker auf nachhaltige Verpackungsmaterialien

Die Öko-Anbauverbände gehen in ihren Richtlinien teilweise einen Schritt weiter als das Verpackungsgesetz. Sie geben Positivlisten für Verpackungsmaterialien vor. Zudem wird von einigen Verbänden auf die Notwendigkeit eines sparsamen Umgangs mit Ressourcen und einer Minimierung von Umweltbelastungen durch Herstellung, Benutzung und Entsorgung von Verpackungsmaterialien hingewiesen.

Details finden Sie in den Richtlinien der einzelnen Öko-Verbände:

Anforderungen an nachhaltige Verpackungen für Bio-Lebensmittel

Die Verpackung von Lebensmitteln hat verschiedene Funktionen:

  • Sie schützt die Lebensmittel vor äußeren Einflüssen wie beispielsweise Beschädigungen, Verunreinigungen oder Mengenverlusten,

  • sie verlängert die Haltbarkeit der Produkte,

  • sie ermöglicht einen sicheren Transport,

  • sie liefert wichtige Informationen zu Herkunft, Inhalt und Verarbeitung und

  • kann als direkte Marketing-Fläche dienen.

Zu einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen sind im Hinblick auf die Verpackung folgende Maßnahmen möglich (Quelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) nach Kaeding-Koppers, 2019):

  1. Vermeiden: Verpackungen vermeiden, wenn möglich.

  2. Reduzieren: Materialeinsatz so gering wie möglich halten.

  3. Wiederverwenden: Langlebige, wiederverwendbare Verpackungen nutzen.

  4. Recyclen: Rezyklate und Regranulate aus Verpackungen wiederverwerten.

  5. Thermisch verwerten: Verbrennen, falls keine bessere Verwertung möglich ist.

Nachhaltige Lebensmittelverpackungen – Auswahl und Herausforderungen

Für Lebensmittel stehen unterschiedlichste Verpackungsmaterialien zur Verfügung.

Jedes Material bringt dabei individuelle Eigenschaften mit:

  • Papier, Karton: Recyclingfähig, aber Vorsicht bei Rückständen

  • Glas: Schwer, energieintensiv, aber Mehrweg möglich

  • Kunststoff: Recyclebar (Ja/ Nein?), mit Rezyklatanteil

  • Biobasierte Kunststoffe: Aus/ mit Stärke, Polymilchsäure (PLA), Algen, Zellulose

  • Innovative Lösungen: kompostierbare Folien, essbare Verpackungen, Pilzmaterial

Eine umfangreiche Übersicht der nutzbaren Materialien bietet der Leitfaden "Nachhaltige Verpackung von Bio-Lebensmitteln – Ein Leitfaden für Unternehmen"vom Bund Ökologische Landwirtschaft (BÖLW).

Nachhaltige Verpackungskonzepte: Mehrweg, Recycling und Pfandsysteme im Vergleich

Bei Glasverpackungen spielt vor allem ein Mehrweg-System eine große Rolle, denn das Recycling von Einweg-Glas, welches über den Container entsorgt wird, benötigt einen hohen Energieaufwand für das Einschmelzen und Wiederherstellen.

In Mehrweg-Systemen hingegen werden die zurückgegebenen Verpackungen gereinigt, um sie so wiederverwenden zu können. Das spart Kosten und Energie. Durch zusätzliche Transportwege, Wasserverbrauch und Reinigungsmittel, kann sich das jedoch negativ auf die Umwelt auswirken, besonders dann, wenn die Mindestumlaufzahlen nicht erreicht werden.

Trotzdem hat sich das Mehrweg-System für Glas in einigen Bereichen bereits etabliert, wie zum Beispiel für Wasser-, Saft-, oder Bierflaschen. Denn grundsätzlich tragen sie zur Abfallvermeidung bei. Auch für Wein- und Ölflaschen existieren bereits erste Pfandsysteme. Aufgrund der zusätzlichen Transportwege spielt deshalb die Anzahl an Umläufe einer Glasflasche eine entscheidende Rolle. Das bedeutet, je häufiger eine Glasflasche wiederverwendet wird – sprich je höher die Umlaufzahl – desto größer der Vorteil bezüglich Energieverbrauch, CO2-Ausstoß und Ressourcenschonung.

Weinflaschen in einer Abfüllanlage.

08.08.2024Bio in der Praxis

Weinflaschen: Mehrweg statt Einweg

Das Leben einer Weinflasche endet üblicherweise im Glascontainer. Da die Herstellung von Neuglas allerdings sehr energieintensiv ist und damit einen großen CO2-Fußabdruck hinterlässt, gibt es immer mehr Bestrebungen, Mehrwegsysteme bei Wein zu forcieren. Aber kann das funktionieren und vor welche Herausforderungen stellt das die Branche?

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Mehrweg-Pfandflaschen aus Kunststoff hingegen, haben durch ihr geringeres Gewicht einen positiveren Effekt auf den CO2-Ausstoß während des Transports.

Doch auch hier ist die Umlaufzahl bedeutend, da diese der Kunststoffflaschen meist niedriger ist, verglichen mit Mehrweg-Glasflaschen. Das liegt unter anderem daran, dass Glas robuster und unempfindlicher gegenüber Hitze und Reinigungsmittel beim Spülvorgang ist.

Umweltfreundliche Verpackung ohne Schadstoffe – Rückstände vermeiden

Kritische Stoffe beziehungsweise Stoffgruppen für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt können aus unterschiedlichen Komponenten der Verpackung in Lebensmittel eingetragen werden (Migration).

Druckfarben:

  • Sie bestehen aus Lösungsmitteln, Verdünnungsmitteln, Harzen, Pigmenten und Additiven wie Weichmachern und Stabilisatoren.
  • Werden bedruckte Verpackungen vor der Verarbeitung übereinandergestapelt, liegen Innen- und Außenseiten aufeinander, wodurch Chemikalien von der Außenseite auf die Innenseite übertragen werden können. Diese Stoffe können nach dem Abfüllen das Lebensmittel kontaminieren.

Fungizide oder Klebstoffe im Papier oder Karton:

  • Bestimmte eingesetzte Konservierungsstoffe (beispielsweise ein Fungizid) in Karton und Farbe kann durch direkten Kontakt in die Lebensmittel migrieren.

Mineralölbestandteile aus Papier oder Karton:

  • Als Rohstoff für das Recycling wird auch bedrucktes Zeitungspapier verwendet, in dem meistens Zeitungsdruckfarben mit Mineralölfarben enthalten sind. Diese können im Recyclingprozess nicht ausreichend entfernt werden und gelangen so in Lebensmittelverpackungen aus Recyclingkarton.

Weichmacher und andere Stoffe in den Dichtungen von Schraubdeckeln:

  • Damit der Deckel luftdicht ist und die mikrobiologische Sicherheit sowie Haltbarkeit gewährleistet bleibt, sind beschichtete Metalldeckel erforderlich. Diese können jedoch ebenfalls Stoffe ins Lebensmittel migrieren lassen.

Bei der Auswahl der Verpackungsmaterialien sollten deshalb alle Komponenten beachtet werden. Verwenden Sie zertifizierte Materialien und denken Sie in Ihrer Verpackungswahl potenziell kritische Komponenten mit.

Das Bundesamt für Risikobewertung stellt online Empfehlungen zu Materialien für den Lebensmittelkontakt bereit.

Darüber hinaus sollten die folgenden Maßnahmen im Verarbeitungsprozess berücksichtigt werden:

  • regelmäßiges Reinigen der Packanlagen,

  • Berücksichtigung von möglichem Schädlings- oder Insektenbefalls und Ansiedlung von Mikroorganismen sowie

  • geschultes Personal für einen hygienischen Umgang mit Verpackungsmaterial.

Nachhaltige Verpackungen richtig kennzeichnen und kommunizieren

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist es meist schwierig zu erkennen, wie nachhaltig die vorhandenen Verpackungsmaterialien sind.

Kennzeichnungen wurden bisher in den EU-Mitgliedsstaaten individuell festgelegt. Dies wird nun in der neuen Verpackungsverordnung (PPWR) einheitlich geregelt:

  • Angaben über die Materialzusammensetzung, um Verbraucherinnen und Verbrauchern das Sortieren zu erleichtern, mittels leicht verständlicher Piktogramme

  • Hinweis für die Handhabung kompostierbare Verpackungen

  • Kennzeichnung zur Wiederverwendbarkeit von entsprechenden Verpackungen, klare Unterscheidung von Einweg-Verpackungen und Nachverfolgung von Umläufen und Kreislaufdurchgängen

  • Angaben zum Rezyklatanteil sowie zum Anteil von Bio-basiertem Kunststoff

Verarbeitungsunternehmen sollten die Unterschiede sowie Vor- und Nachteile der bestehenden Verpackungen gut kommunizieren. Hierbei kann das Papier "Verbraucherkommunikation zu Lebensmittelverpackungen" behilflich sein.

Vorsicht ist jedoch geboten bei Nachhaltigkeitsaussagen auf der Verpackung: Mit der im März 2024 in Kraft getretene Empowering Consumers EU-Richtlinie müssen Unternehmen umweltbezogene Angaben zum Produkt sorgfältig prüfen, ob diese zukünftig noch verwendet werden dürfen. Hierbei können externe Marketing- oder Beratungsunternehmen unterstützen.

Zukunft der ökologischen Verpackung

Verarbeitungsunternehmen sind in der Auswahl von Verpackungsmaterial teilweise noch sehr beschränkt. Sie müssen auf bestehende zurückgreifen, die mit den vorhandenen Entsorgungssystemen und rechtlichen Vorgaben funktionieren. Vor allem kleine oder mittelständische Verarbeitungsunternehmen haben finanziell oftmals nicht die Möglichkeit neue Verpackungen zu entwickeln oder kostenintensive Innovationen einzusetzen. Hinzu kommt die Herausforderung beim Export der Produkte, da sich die Entsorgungssysteme in anderen Ländern von deutschen unterscheiden können.

Doch gibt es bereits einige Pioniere der Bio-Branche, die bereits auf innovative Verpackungskonzepte setzen, die ökologische Prinzipien mit technologischer Funktionalität verbinden. Einige Herstellungsunternehmen verwenden beispielsweise eine biologisch abbaubare Verpackungsfolie aus Cellulose, Glycerin und pflanzlichem Bindemittel, die vollständig kompostierbar ist. Darüber hinaus experimentieren sie mit essbaren Verpackungen, mitwachsendem Pilzmaterial oder innovativen Bio-basierten Kunststoffen aus Stärke, Algen oder Milchsäure, um den ökologischen Fußabdruck weiter zu senken.

Entscheidungshilfe im Umgang mit bio-basierten Kunststoffen bietet die Assoziation ökologischer Lebensmittelherstellerinnen und -hersteller (AöL) mit einem Bio-Kunststoff-Tool. Es erfasst Informationen, bewertet diese und hilft dabei, bei der Vielzahl der heute vorhandenen Bio-Kunststoffvarianten, Antworten auf wichtige Fragestellungen zu bekommen.

Das Tool beleuchtet alle relevanten Bereiche:

  • Ökologie

  • Sozialverträglichkeit

  • Sicherheit & Technik

  • Qualität


Letzte Aktualisierung 15.08.2025

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