Umgesetzt wird die mobile Schlachtung meist in einem Anhänger mit entsprechender Ausstattung. Dazu gehören zum Beispiel eine Rupfmaschine, ein Arbeitstisch, ein manuelles Elektrobetäubungsgerät, Handwaschbecken, ein Sterilbecken für Messer, Aufhängevorrichtungen für getötete Tiere, eine Entblutungswanne und ein Brühkessel. Wichtig ist, dass der Wagen über eine Trennung verfügt in einen reinen und einen unreinen Bereich.
Voraussetzung für den Betrieb des Anhängers ist unter anderem ein betriebsseitig gestellter Strom- und Trinkwasseranschluss. Zudem muss der Betrieb über eine Kühleinrichtung verfügen, die ein schnelles Herunterkühlen der Schlachtkörper auf vier Grad Celsius ermöglicht. Der Anhänger wird immer in der Nähe dieser Kühleinrichtung aufgestellt. Darüber hinaus müssen Körbe oder Abtropfgestelle für die Schlachtkörper bereitgestellt werden und eine Tonne für die Schlachtabfälle.
Ausreichende Desinfektion ist elementar
Besonders wichtig ist die gründliche Desinfektion des Wagens nach der Schlachtung, um das Verschleppen von Seuchenerregern auf andere Betriebe zu vermeiden. Die Verantwortung für eine gründliche Desinfektion liegt beim Betrieb, der das Schlachtmobil gemietet hat. Bei der Übernahme des Schlachtmobils muss die verantwortliche Betriebsleitung deshalb als Mieterin oder Mieter immer eine sorgfältige Abnahmekontrolle durchführen.
Wie wirtschaftlich ist ein Schlachtmobil?
Mit einem mobilen Schlachtwagen können zwei Personen etwa 60 bis 70 Hühner in der Stunde schlachten. Vier Personen kommen auf bis zu 110 Tiere pro Stunde. Für die Reinigungszeit sind etwa 1,5 Stunden bei der Schlachtung von Hühnern anzusetzen, bei Gänsen müssen wegen des hohen Fettgehaltes bis zu 4,5 Stunden einkalkuliert werden.
Schlachtmobil mieten oder gemeinsam kaufen
Grundsätzlich kann ein Schlachtwagen mit sachkundigem Schlachtpersonal gemietet werden. Allerdings bieten dies bisher nur wenige Dienstleister an. Zudem sind diese Dienstleister aktuell wegen der großen Nachfrage seitens der Betriebe stark ausgelastet. Als Alternative bietet sich deshalb der gemeinsame Kauf oder die Beauftragung des Baus einer mobilen Schlachteinheit mit anderen Betrieben an.
Schlachtmobil mit EU-Zulassung eröffnet zusätzliche Möglichkeiten
Seit Juli 2022 bietet sich auch für jene Betriebe, die mehr als 10.000 Tiere pro Jahr schlachten und/oder das Geflügel nicht nur direktvermarkten wollen, eine Möglichkeit, ihr Geflügel hofnah und mobil zu schlachten. Und zwar mit dem bundesweit ersten EU-zugelassenen Geflügelschlachtmobil. Entwickelt und gebaut wurde es von Alexander Kern, einem Bio-Landwirt aus dem hessischen Odenwaldkreis.
Der Anhänger ist acht Meter lang und 3.500 Kilogramm schwer, verfügt über einen integrierten Kühlraum und kann vollständig mobil bis zu 420 Masthähnchen oder Legehennen, 250 Gänse oder Enten bzw. 25 Puten pro Tag schlachten. In mehreren Aspekten stellt diese Anlage eine Weiterentwicklung der bis dato eingesetzten nicht-EU-konformen Geflügelschlachtmobile dar und bietet damit zahlreiche Vorteile.
Neben seinen eigenen Tieren darf Alexander Kern mit dem neuen EU-zugelassenen Schlachtmobil auch Geflügel anderer Betriebe schlachten. Dieses Angebot nehmen die Betriebe in der Region rund um Kerns Hof gerne an. Denn die EU-Zulassung bietet erstmals auch die Möglichkeit, Suppenhühner oder Bruderhähne, die sich nicht frisch direktvermarkten lassen, an Verarbeitungsbetriebe zur weiteren Vermarktung abzugeben. Daraus hergestellte Geflügelfleischprodukte, wie Würstchen oder Bolognesesoße können die Betriebe dann wieder zurücknehmen und in ihren Hofläden zum Verkauf anbieten. Und nicht nur das: In dem neuen Mobil darf das Geflügel auch zerlegt und verpackt werden. Somit können auch Teilstücke angeboten werden.
Bislang ist das Schlachtmobil aus Hessen das einzige in Deutschland mit EU-Zulassung.