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Ökologische Haltung von Schafen

Was gibt es bei der ökologischen Haltung von Schafen zu beachten? Neben gesetzlichen Vorgaben und Hinweisen zur Umstellung auf Bio beleuchten wir auch die wirtschaftlichen Aspekte und die Umweltleistungen, die Schafe für die Kulturlandschaft erbringen. Außerdem stellen wir Forschungsprojekte zum Weidemanagement, Tierwohl sowie zu Vermarktungsmöglichkeiten für Schaffleisch und -milchprodukte vor.
Daten zur Haltung von Schafen in Deutschland
Laut den Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) liegen Schafe als Nutztiere in Deutschland weit hinter Rindern und Schweinen. Allerdings war ihr Bio-Anteil mit etwa 14 Prozent des Tierbestands im Jahr 2023 vergleichsweise hoch. Durch ihre extensive Produktionsweise sind Schafe gut für die ökologische Haltungsform geeignet.
Wie viele Schafe gibt es in Deutschland?
Die Zahl der Schafe in Deutschland lag laut Statistischem Bundesamt Ende 2024 bei rund 1,5 Millionen. Im Vergleich zum Vorjahr sind dies 3,1 Prozent weniger. Wie auch das BMEL schreibt, ist der Schafbestand in Deutschland insgesamt rückläufig.
Die meisten Betriebe mit Schafhaltung finden sich in Bayern (2.150), Baden-Württemberg (1.300) und Nordrhein-Westfalen (1.280). Die meisten Schafe werden hingegen in Bayern (272.900), Baden-Württemberg (208.300) und in Schleswig-Holstein (180.600) gehalten. Dieser Unterschied lässt sich mit der Betriebsgröße erklären: Während die Schafe in Nordrhein-Westfalen vor allem in kleinen Herden von einem bis 49 Tieren leben, sind die meisten schafhaltenden Betriebe in Schleswig-Holstein mit 50 bis 499 Tieren deutlich größer.
2023 gab es laut Statistischem Bundesamt deutschlandweit 3.100 Betriebe mit ökologischer Schafhaltung. 244.000 Schafe werden in Deutschland ökologisch gehalten. Das entspricht einem Bio-Anteil von 14 Prozent.
Rechtliche Vorgaben – Genehmigung und Auflagen für die Schafhaltung
Wer Schafe halten möchte, muss einige gesetzliche Vorgaben beachten. Das deutsche Tierschutzgesetz schreibt unter Paragraf 2 vor, dass für die Tierhaltung relevante Kenntnisse und Fähigkeiten zu folgenden Themen zu erwerben sind:
- Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung der Tiere, ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend, sowie
- Vermeidung von Schmerzen, Leid oder Schäden durch die Einschränkung der artgemäßen Bewegung der Tiere.
Um die erforderliche Sachkunde zu erlangen, können angehende Schafhalterinnen und -halter an Sachkundelehrgängen teilnehmen, die regelmäßig von Schafhalter- und Schafzuchtvereinen angeboten werden.
Je nach Bundesland unterscheiden sich die gesetzlichen Anforderungen zur Nutztierhaltung. Bei Landesschafzuchtverbänden werden häufig Kurse oder Beratungen angeboten. Halterinnen und Halter von Schafen müssen ihre Tiere beim zuständigen Veterinäramt melden. Außerdem müssen die Tiere individuell, zum Beispiel durch Ohrmarken, gekennzeichnet werden. Das Führen eines Bestandsregisters und gezielte Stichtagsmeldungen sind ebenfalls notwendig. Auch eine Meldung bei den Tierseuchenkassen muss erfolgen.
Vorteile der Haltung von Schafen für die Umwelt
Schafe sind für die Landschaftspflege und den Naturschutz unverzichtbar. Kein anderes Nutztier ist so eng mit der deutschen Kulturlandschaft verflochten. Durch die jahrhundertelange Beweidung mit Schafen sind Wacholderheiden sowie Mager- und Trockenrasen entstanden, die als Biotope seltene Tier- und Pflanzenarten beherbergen und somit die Artenvielfalt fördern. Die Landschaftspflege ist in Deutschland das wichtigste finanzielle Standbein für schafhaltende Betriebe.
Schafe leisten einen weiteren Beitrag zur Biodiversität, indem sie als "Samentaxis" Pflanzensamen und Insekten in ihrer Wolle sowie im Kot von Weide zu Weide transportieren. In alpinen Landschaften und auf Deichen verdichten Schafe mit ihren Klauen den Boden und machen ihn somit weniger anfällig für Erosion.
Umstellung auf die ökologische Haltung von Schafen: Zertifizierung und Kontrolle
Wer von der konventionellen auf die ökologische Schafhaltung umstellen möchte, muss die Regelungen derEU-Öko-Verordnung erfüllen. Die Öko-Anbauverbände haben außerdem eigene Regelungen und Vorschriften, was die ökologische Haltung von Schafen betrifft.
Rechtliche Vorgaben für die ökologische Schafhaltung laut EU-Öko-Verordnung
Diese Rechtstexte gelten für die Haltung von Schafen im Öko-Landbau seit dem 1. Januar 2022:
Umstellungszeiten für die Bio-Schafhaltung
Bevor Erzeugnisse von Schafen ökologisch vermarktet werden dürfen, müssen die Tiere bereits sechs bis 24 Monate nach ökologischen Regeln gehalten worden sein. Das hängt davon ab, ob Tiere, Weiden und Futterflächen gleichzeitig oder nicht-gleichzeitig umgestellt werden.
Weshalb ist es für Schäfereien so schwierig, sich bio-zertifizieren zu lassen?

Die Bio-Zertifizierung für Schäfereien kann aus verschiedenen Gründen schwierig sein beziehungsweise nicht als sinnvoll erachtet werden. Wesentliche Aspekte sind dabei:
- Strenge Anforderungen an die Weideflächen: Eine der grundlegenden Anforderungen für die Bio-Zertifizierung ist, dass die Tiere auf Weideflächen grasen, die seit mindestens drei Jahren ohne den Einsatz von synthetischen Düngemitteln oder Pflanzenschutzmitteln bewirtschaftet werden. Viele Schäfereien, besonders in traditionellen oder kleineren Betrieben, haben jedoch nicht die erforderliche Zeit oder Fläche, um diese Anforderungen zu erfüllen. Zudem schränkt es die Schäfer in der Wahl der Flächen ein. Bio-Flächen sind nur begrenzt verfügbar.
- Kosten und Bürokratie: Der Zertifizierungsprozess kostet und ist ein bürokratischer Aufwand für die Schäfereien. Für kleine und mittlere Schäfereien kann es eine finanzielle Belastung sein, die notwendigen Dokumentationen zu führen und regelmäßige Kontrollen durchzuführen. Es müssen umfangreiche Aufzeichnungen über den Betrieb, das Futter, die Behandlungen und die Herkunft der Tiere geführt werden. Dies kann eine erhebliche Mehrarbeit verursachen, welche sich in den wenigsten Fällen wieder über den Verkauf von Fleisch amortisiert.
- Wirtschaftliche Rentabilität: Besonders für kleine Schäfereien kann es schwierig sein, die höheren Produktionskosten der Bio-Zertifizierung zu decken. Es gibt zwar eine steigende Nachfrage nach Bio-Produkten, jedoch nicht immer zu Preisen, die es kleinen Schäfereien ermöglichen, profitabel zu arbeiten, wenn sie auf Bio umstellen. Zudem kommt noch die Konkurrenz zu günstigen Produkten aus Spanien oder Neuseeland hinzu.
Haltungsbedingungen in der Bio-Schafhaltung
Die Haltung von Bio-Schafen erfordert eine artgerechte Umgebung, die den natürlichen Bedürfnissen der Tiere entspricht. Schafe sind Herdentiere, die soziale Bindungen zu ihren Artgenossen aufbauen und von einem stabilen Umfeld profitieren. Um das Wohlbefinden der Tiere zu gewährleisten, sollte der Stall ausreichend Platz bieten, um eine natürliche Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Zudem sind eine gute Belüftung und natürliches Licht von Bedeutung, sodass eine gesunde Atmosphäre geschaffen wird.
Schafe sind in ihrem Aktivitätsverhalten den Rindern sehr ähnlich. Als erwachsene Tiere beschäftigen sie sich die meiste Zeit des Tages mit der Futteraufnahme, Ruhen oder Wiederkäuen. Schaflämmer sind wesentlich aktiver als erwachsene Schafe. Sie spielen untereinander oder alleine, klettern oder springen herum.
Die Liegeflächen müssen trocken und sauber gehalten werden, um Gesundheitsprobleme zu vermeiden. Besonders wichtig ist der Zugang zu frischer Luft und Weideflächen. Schafe sollten täglich die Möglichkeit haben, auf Weiden zu grasen, da dies ihre Gesundheit und Fruchtbarkeit positiv beeinflusst. Im Auslauf sind geeignete Strukturen wie Unterstände zum Schutz vor Witterungseinflüssen sowie stets zugängliche Futter- und Tränke-Einrichtungen notwendig.
Haltungsformen in der ökologischen Schafhaltung
Die Weidehaltung spielt eine zentrale Rolle in der ökologischen Schafhaltung, da sie den Tieren nicht nur ausreichend Bewegung, sondern auch eine naturnahe Ernährung bietet.
Schafhalterinnen und Schafhalter können zwischen verschiedenen Weidesystemen wählen:
- Standweide: Die Schafe nutzen die gesamte Weideperiode lang dieselbe Weidefläche. Die Standweide geht mit einem vergleichsweise geringen Arbeitsaufwand einher, allerdings ist die Futternutzung nicht ideal: Die Schafe können stärker selektieren und weiden somit nicht alle Pflanzen ab. Auch die Belastung mit Endoparasiten ist größer.
- Umtriebs- oder Koppelweide: Bei der Umtriebsweide werden unterschiedliche Koppeln und Parzellen eingesetzt, die von den Schafen abwechselnd beweidet werden. Die Dauer der Beweidung kann bis zu sieben Tage betragen, danach wird die Koppel beziehungsweise Parzelle für mindestens sechs Wochen nicht beweidet. Umtriebsweiden reduzieren die Gefahr von Neuinfektionen mit Endoparasiten.
- Portionsweide: Bei der Portionsweide bekommen die Schafe in kurzen Abständen (zum Beispiel täglich) frische Weideflächen zur Verfügung gestellt. Bei diesem Weidesystem gibt es kaum Futterverlust, da die Schafe nicht so stark selektieren. Allerdings führt der häufige Umtrieb, die Wasserversorgung und die notwendige Einzäunung zu einem höheren Arbeitsaufwand.
- Hütehaltung: Die Wanderschäferei mit Hütehaltung gilt als die traditionelle Form der Schafhaltung: Die Tiere ziehen von einer Weide zur nächsten und nutzen saisonale Weideflächen. Diese Form der Schäferei ist jedoch stark rückläufig.
- Ackerbeweidung: Schafe können statt Grünland auch Ackerflächen mit Feldfrüchten beweiden. Die Ackerbeweidung kann Arbeitszeit und Kosten einsparen und die Bodenfruchtbarkeit des Ackers verbessern. Das Projekt "Ackerbeweidung mit Schafen" (ABS) untersucht, wie die Beweidung mit Schafen in das System ökologischer Ackerbau integriert werden kann. Dabei werden verschiedene Zwischenfrucht-Mischungen hinsichtlich ihrer Eignung getestet. Das Projekt ist im Juli 2023 gestartet und läuft noch bis 2026.
Demobetriebe mit ökologischer Schafhaltung
Fütterung in der Bio-Schafhaltung
Schafe sind Pflanzenfresser, ihre natürliche Ernährung besteht hauptsächlich aus Gras und Kräutern. In der ökologischen Schafhaltung wird daher ein hoher Anteil an frischem Gras und Heu in der Fütterung angestrebt.
Bio-Schafe müssen zu 100 Prozent mit Futter aus ökologischem Anbau versorgt werden. Dabei sollten mindestens 70 Prozent des Futters vom eigenen Betrieb stammen, alternativ sind auch regionale Bio-Kooperationen zulässig.
- Umstellungsfutter aus dem zweiten Umstellungsjahr darf bis zu 100 Prozent der Fütterung ausmachen, wenn es im eigenen Betrieb produziert wurde.
- Beim Zukauf von Futter ist der Anteil auf 25 Prozent begrenzt.
- Futterpflanzen aus dem ersten Umstellungsjahr, wie zum Beispiel Kleegras oder Luzerne, dürfen bis zu 20 Prozent der Tagesration ausmachen, ebenfalls nur, wenn sie im eigenen Betrieb erzeugt wurden.
Die Fütterung muss raufutterbasiert sein, was bedeutet, dass mindestens 60 Prozent der Tagesration aus frischem, getrocknetem oder siliertem Raufutter bestehen müssen. Der Einsatz von Wachstumsförderern und Futtermitteln, die Antibiotika enthalten, ist verboten. Vitamine und Mineralstoffe dürfen hingegen zugesetzt werden.
Alle Futtermittel in der ökologischen Tierhaltung müssen frei von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) sein. Lämmer müssen mindestens 45 Tage lang vorzugsweise mit Muttermilch gefüttert werden.
Weidemanagement in der Schafhaltung
Damit die tiergerechte Fütterung von Schafen auch auf der Weide gewährleistet ist, benötigt man ein gutes Weidemanagement. Dies sichert außerdem das Tierwohl und die Sicherheit der Schafe, unter anderem vor Wolfsangriffen.
Forschungsprojekte zum Weidemanagement

Projektziel von "VerWolf" ist die Entwicklung eines Wolfsangriffsdetektionssystems für Schafe, um schnelle Reaktionen zu ermöglichen und dadurch Wolfs-Risszahlen zu reduzieren. Die Detektion erfolgt über intelligente Sensor-Halsbänder an wenigen Weidetieren, die bei charakteristischen Parameterkonstellationen einen Angriffsverdacht auslösen und auf den Smartphones einer Nutzergruppe Alarm und eine anschließende sofortige Kontrollfahrt auslösen. Das Projekt ist im März 2023 gestartet und endet im September 2025. Es wurde im Rahmen der Innovationsförderung vom BMEL gefördert.
Oekolandbau.de: Welche Probleme aus der Praxis werden in Ihrem Projekt adressiert?
Jan Häbler (Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte, Humboldt-Universität zu Berlin): "Weidetiere sind in den vergangenen Jahren zunehmend durch Wolfsangriffe gefährdet. Viele Herdenschutzmaßnahmen eignen sich nicht dauerhaft zum Schutz vor den intelligenten Angreifern, so dass die Angriffe häufig nicht verhindert und zu spät erkannt werden. VerWolf soll eine frühzeitige Erkennung von Wolfsangriffen, eine Alarmierung der Schäferinnen und Schäfer sowie einen sicheren Schutz vor großen Tierverlusten bieten."
Oekolandbau.de: Was sind aktuell die besonderen Herausforderungen in Ihrem Projekt?
Jan Häbler: "Zur Angriffsdetektion sind die Sensorwerte einer Mindestanzahl von Angriffssimulationen beziehungsweise Zufallsangriffen auf die Versuchsherden nötig. Provozierte oder simulierte Angriffe sind aber in Deutschland durch strenge Tierschutzgesetze kaum möglich. So bleibt nur die 'Hoffnung' auf Zufallsangriffe während der Projektlaufzeit."
Das Verbundprojekt "MindfulShepard" hat das Ziel, praktikable Lösungen für das Management der Schafhaltung im Herdenmaßstab zu schaffen. Dabei sollen die Halterinnen und Halter prozess- und tierwohlrelevante Informationen über die aktuelle Qualität der Haltungsform, des Futterangebots, der Herdengesundheit, Stressfaktoren und in Teilen auch über Bedrohungen erhalten. Primäre Informationsquelle ist dabei das sensorisch erfasste Verhalten von Indikatortieren, es handelt sich somit im Wesentlichen um "tierbezogene Tierwohlindikatoren", die mit minimalem personellen Aufwand automatisiert erfasst, analysiert und bereitgestellt werden. Gefördert wird das Projekt im Rahmen der Innovationsförderung vom BMEL und läuft noch bis November 2026.
Oekolandbau.de: Was sind aktuell die besonderen Herausforderungen in Ihrem Projekt?
Thomas Bartsch (Humboldt-Universität zu Berlin): "Derzeit besteht für uns die wesentliche Herausforderung darin, das Optimum zwischen den bestehenden technischen Möglichkeiten der sensorischen Erfassung und Datenverarbeitung einerseits und der einfachen Anwendbarkeit und geringen Systemkosten andererseits auf der Basis bestehender Prototypen und Modelle auszuloten und als Systemspezifikation festzuschreiben."
Zukauf von Öko-Schafen
Für die ökologische Schafhaltung gilt grundsätzlich, dass alle Tiere aus zertifizierten Bio-Betrieben stammen sollten. Der Zukauf konventioneller Schafe ist nur unter bestimmten Umständen erlaubt, beispielsweise wenn keine geeigneten Bio-Tiere verfügbar sind. In diesem Fall muss eine Recherche in der Datenbank "organicXlivestock" erfolgen. Wenn dort keine passenden Tiere gefunden werden, kann eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden.
Der Anteil an konventionellen Tieren im Bestand ist streng begrenzt:
- Höchstens 20 Prozent der ausgewachsenen Schafe dürfen jährlich aus konventioneller Haltung stammen.
- Bei einer Rassenumstellung, Erweiterung des Bestandes oder im Falle von Verlusten kann der Anteil auf bis zu 40 Prozent steigen.
Es ist wichtig zu beachten, dass Schafe (wie alle Tiere im Ökolandbau) nicht als "Umstellungstiere" oder mit einer ähnlichen Kennzeichnung verkauft werden dürfen. Erst nach Abschluss der Umstellungszeit dürfen sie als "Bio" vermarktet werden.
Tiergesundheit und Tierwohl in der Bio-Schafhaltung
Die Haltungsbedingungen im Stall und auf der Weide sowie die Fütterung müssen stimmen, damit die Schafe gesund bleiben. Regelmäßige Gesundheitschecks, gute Haltungsbedingungen mit ausreichen Auslauf, einer angepassten Besatzdichte und einer ausgewogenen, artgerechten Ernährung sind entscheidend, um Krankheiten vorzubeugen.
Zur Gesunderhaltung kommt die Behandlung von Krankheiten und beispielsweise das Ablamm-Management hinzu. Die Verwendung von immunologisch wirksamen Arzneimitteln (zum Beispiel Impfstoffen) ist erlaubt. Verboten sind hingegen:
- Prophylaktischer Einsatz chemisch-synthetischer Arzneimittel, einschließlich Antibiotika.
- Vorbeugende medikamentöse Behandlungen, mit Ausnahme von Impfungen.
- Leistungs- und wachstumsfördernde Mittel, wie Antibiotika, Kokzidiostatika oder Hormone (zum Beispiel zur Brunstsynchronisation).
Wird ein Tier mehr als dreimal jährlich (bei Lebenszyklen weniger als ein Jahr: mehr als einmal) mit chemisch-synthetischen Medikamenten behandelt, muss eine entsprechende Wartezeit eingehalten werden, bevor Produkte des Tieres wieder biologisch vermarktet werden können. Impfungen und Parasitenbehandlungen zählen dabei nicht mit.
Die Bekämpfung von Parasiten, insbesondere von Innen- und Außenschädlingen wie Magen-Darm-Würmern und Fliegen, ist eine besondere Herausforderung. In der ökologischen Schafhaltung ist die Verwendung von chemischen Entwurmungsmitteln nur eingeschränkt möglich. Stattdessen kommen natürliche Methoden wie Weidewechsel, pflanzlichen Präparaten und eine gezielte Fütterung zur Unterstützung der natürlichen Abwehrkräfte zum Einsatz.
Beim Tierwohl geht es neben der Tiergesundheit auch um das allgemeine Wohlbefinden der Schafe: Sie sollen ihren natürlichen Bedürfnissen und Verhaltensweisen nachgehen können. Für die Sicherstellung des Tierwohls können verschiedene Indikatoren erfasst werden, beispielsweise der Gesundheitszustand einzelner Tiere oder das Ruheverhalten der Schafsherde.
In der ökologischen Schafhaltung werden Eingriffe am Tier auf ein Minimum reduziert und nur dann durchgeführt, wenn sie aus gesundheitlichen oder tierärztlichen Gründen zwingend erforderlich sind. Bewollte Tiere (Wollschafe) benötigen eine (Teil-)Schur, da sie ihre Wolle nicht von allein verlieren. Auch die Klauenpflege gehört zur regelmäßigen Tierpflege. Beides muss fachgerecht und tierschonend erfolgen.
Kastration ist erlaubt, etwa zur Verbesserung der Fleischqualität oder zur Sicherstellung traditioneller Haltungsformen. Dabei gilt: nur im jungen Alter, durch geschultes Personal und unter Verwendung von Schmerzmitteln. Das Anbringen von Gummiringen an den Schwänzen von Schafen, das Kupieren des Schwanzes und Enthornungen sind verboten. Das Enthornen ist laut Tierschutzgesetz in Deutschland nur in Ausnahmefällen mit Betäubung zulässig.
Forschungsprojekte zur Tiergesundheit und zum Tierwohl

Ziel des Projekts "KI Schaf" ist die Entwicklung und Praxiserprobung eines anwenderfreundlichen und kostengünstigen, videobasierten Geburtsüberwachungssystems für Schafe, das eine zuverlässige und kontinuierliche Überwachung und automatisierte Geburtsmeldung ermöglicht. Mithilfe moderner Videotechnik werden Bewegungsabläufe und Verhaltensweisen aufgenommen, die durch künstliche Intelligenz bewertet werden und es folgt eine Geburtswarnung an die Tierhalterinnen und Tierhalter per App. Die Projektlaufzeit ist Februar 2023 bis März 2026. Das Projekt "KI Schaf" wird vom BMEL im Rahmen der Innovationsförderung gefördert.
Oekolandbau.de: Welche Probleme aus der Praxis werden in Ihrem Projekt adressiert?
Vera Gebhard/Dominik Häfner (Ludwig-Maximilians-Universität München): "Schwergeburten und die damit einhergehenden Lämmerverluste sind ein großes Problem in der Schafhaltung. Schon ab einer Geburtsverzögerung von mehr als 30 Minuten ab dem Sprung der Fruchtblase wird beim Schaf von einer Schwergeburt gesprochen, was die Dringlichkeit des rechtzeitigen Eingreifens unterstreicht. In unserem Projekt sollen durch KI gestützte Videoüberwachung die geburtsspezifischen Verhaltensweisen erkannt werden, wodurch die Halterin oder der Halter im Falle einer anstehenden Geburt frühzeitig alarmiert werden kann."
Oekolandbau.de: Was sind aktuell die besonderen Herausforderungen in Ihrem Projekt?
Vera Gebhard/Dominik Häfner: "Aktuell besonders herausfordernd ist eine individuelle Erkennung der Schafe, da diese über einen längeren Zeitraum verfolgt und die gezeigten Verhaltensweisen miteinander in Relation gebracht werden müssen. Da die meisten Ställe mit mehreren Kameras überwacht werden müssen, ist es notwendig, dass das System die einzelnen Tiere erkennen und auseinanderhalten kann, wenn sie sich von einer Kamera zur nächsten bewegen."

Ziel des Projekts "TWZ Schaf" war die Steigerung des Tierwohls in der Schafhaltung durch Bündelung der Kompetenzen für Tiergesundheit, Zucht und Beratung beim Schaf. Der Schwerpunkt lag auf der Haltung von Tieren mit unkupierten Schwänzen, wobei die Zucht auf kürzere Schwänze eine besondere Rolle gespielt hat. Das Projekt wurde im Bundesprogramm Nutztierhaltung (BUNTH) durch das BMEL gefördert und lief von Oktober 2021 bis Ende März 2025.
Oekolandbau.de: Welche Probleme aus der Praxis wurden in Ihrem Projekt adressiert?
Martin Steffens (Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen): "Eine erfolgreiche Haltung unkupierter Schafe ist extrem von einer funktionierenden Durchfallprophylaxe bei Schafen und Lämmern abhängig. Wir haben es allerdings mit einem Mangel an Fachtierärztinnen und -tierärzten sowie einem allgemeinen Fachkräftemangel zu tun, was dies erschwert."
Oekolandbau.de: Was waren die besonderen Herausforderungen in Ihrem Projekt?
Martin Steffens: "Nach Projektende: Die fehlende Akzeptanz der Haltung unkupierter Schafe, insbesondere unter den Zuchtverbänden. Es findet eine Fehlinterpretation des bestehenden Tierschutzgesetzes statt. Außerdem fehlt das Interesse an der Digitalisierung in der deutschen Schafhaltung."
Broschüre zur Haltung und Zucht von unkupierten Schafen aus dem Projekt "TWZSchaf"
Um Tierhalterinnen und Tierhalter in Deutschland nachhaltig zu stärken und sie dabei zu unterstützen, Tier- und Umweltschutz, Qualität bei der Produktion sowie Marktorientierung zu priorisieren, wurde das bundesweite Netzwerk Fokus Tierwohl gegründet. Das Verbundprojekt ist Teil des Bundesprogramm Nutztierhaltung und hat das Ziel, den Wissenstransfer in die Praxis zu verbessern, um vor allem schweine-, geflügel- und rinderhaltende Betriebe in Deutschland hinsichtlich einer tierwohlgerechten, umweltschonenden und nachhaltigen Nutztierhaltung zukunftsfähig zu machen. Das Projekt befindet sich in der zweiten Förderphase, die bis Ende 2026 geht.
Oekolandbau.de: Welche Probleme aus der Praxis werden in Ihrem Projekt adressiert?
Rebecca Simon (Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen): "Mit Beginn der zweiten Förderperiode 2024 hat das Netzwerk Fokus Tierwohl die Möglichkeit erhalten, auch Schaf- und Ziegenhaltende durch kostenlose Veranstaltungen über aktuelle Themen aus den Bereichen Tierwohl, Nachhaltigkeit, Emissionsminderung, Ressourcenschonung und Biodiversität sowie deren Wechselwirkungen zu informieren. Über den Veranstaltungskalender können sich Interessierte jederzeit einen Überblick über entsprechende Veranstaltungen verschaffen. Die Nachfrage im Feld der kleinen Wiederkäuer, die das Projekt auch durch die Bottom-up-Strategie erreicht, ist groß. Ein Ausbau dieses Bereiches ist wünschenswert. Um das breite Angebot des Netzwerk Fokus Tierwohl dauerhaft zu erhalten, erarbeitet das Projektteam derzeit Möglichkeiten der Verstetigung."
Zucht und Rassenwahl für die ökologische Schafhaltung
In der ökologischen Tierzucht werden bestimmte Zuchtparameter als besonders wichtig erachtet, zum Beispiel die Robustheit und die Langlebigkeit bestimmter Rassen. Alte Nutztierrassen sind zwar häufig robuster als Hochleistungsrassen, allerdings erbringen sie nicht dieselbe Leistung in Bezug auf Milch und Fleisch. In der Kreuzung von Hochleistungs- mit Landrassen sollen sich die Parameter gegenseitig ausgleichen.
Weltweit gibt es mehr als 600 Schafrassen, die jeweils an ihre Umweltumgebungen sowie an ihre extensiven oder intensiven Haltungsbedingungen angepasst sind. In Deutschland gibt es über 40 Schafrassen, die sich unterschiedlich gut für die Woll-, Fleisch- und Milcherzeugung eignen. Darunter finden sich unter anderem:
- das Merinoschaf (Wolle/Fleisch),
- das Texelschaf (Fleisch),
- das Ostfriesische Milchschaf (Milch) und
- die Heidschnucke (Wolle/Fleisch).
Zu den gefährdeten Schafrassen in Deutschland zählen unter anderem:
- das Karakulschaf,
- das Coburger Fuchsschaf,
- das Leineschaf und
- das Brillenschaf.
Lohnt sich die Haltung von Bio-Schafen? Wirtschaftlichkeit und Vermarktung
Finanzierung über Pflegeprämien
Viele schafhaltenden Betriebe in Deutschland verdienen den Großteil ihres Einkommens durch die Pflegeprämien der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union. Laut einer Studie der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen aus dem Jahr 2020 lag der durchschnittliche Erlös inklusive öffentlicher Zuwendungen bei 280 Euro pro Mutterschaf und Jahr. Die Pflegeprämien machen rund 60 Prozent der Gesamterlöse aus, nur 40 Prozent stammen aus der Schafhaltung selbst.
Vermarktung von Fleisch, Milch und Wolle
Die Erlöse aus der Schafhaltung an sich werden zu 90 Prozent durch die Lammvermarktung erzielt. Wie das Projekt "BioLämmer" zeigt, bietet sich vor allem die Außer-Haus-Verpflegung als Abnehmerin für Lammfleisch an. Neben der Lammvermarktung hat sich die Milchschafhaltung zu einer Nische für die ökologische Schäferei entwickelt. Das EIP-Projekts "InnoSchaZie" fand heraus, dass sich aus wirtschaftlicher Sicht vor allem die hofeigene Verarbeitung der Schafmilch, zum Beispiel in einer Käserei, sowie die Vermarktung über Hofläden, Wochenmärkte und den Einzelhandel lohnen.
Das Fleisch der ausgewachsenen Schafe lässt sich hingegen kaum vermarkten. Wie sich das durch innovative Rezepturen und die strategische Kommunikation der Umweltleistungen von Schafen ändern lässt, erklärt Peter Schmidt, Projektkoordinator des Projekts "reffiSchaf", im Interview.
Auch um die Wertschöpfungskette der Schafwolle steht es nicht gut. Wolle ist für viele Schafhalterinnen und -halter in Deutschland nur noch ein Nebenprodukt, da sich ihre Vermarktung finanziell nicht lohnt. Es fehlt vor allem an Verarbeitungsunternehmen für Wolle in Deutschland, sodass 80 Prozent ins Ausland verkauft werden. Dabei hat Schafwolle als natürlicher Textilstoff viele Vorteile: Wolle ist atmungsaktiv, warm, geruchsneutral und langlebig. In der Wertschöpfungskette fehlen insbesondere Wollwäschereien, welche die Rohwolle nach der Schur schonend waschen, zupfen und kämmen.
Forschungsprojekte zur Vermarktung von Schafprodukten
Ziel des Projekts "VIA" ist die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der (ökologischen) Schaf- und Ziegenhaltung durch die Erarbeitung von Strategien und Maßnahmen zur Steigerung der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Schaf- und Ziegenprodukte mittels innovativer Marketing- und Absatzkonzepte. Das Projekt wird vom BÖL gefördert und läuft noch bis März 2026.
Oekolandbau.de: Welche Probleme aus der Praxis werden in Ihrem Projekt adressiert?
Dr. Elisa Bayer (Universität Göttingen): "Das VIA Projekt konzentriert sich auf die Verbesserung der Vermarktung von Schaf- und Ziegenprodukte, welche in Deutschland eher eine Nische darstellen. Das Projekt nimmt daher insbesondere die Seite der Verbraucherinnen und Verbraucher in den Fokus. Konkrete Ziele dabei sind die Wahrnehmung der (ökologischen) Schaf- und Ziegenhaltung sowie damit verknüpfte Kaufmotive und -barrieren zu ermitteln. Auch die Identifikation von (potenziellen) Zielgruppen für diese Produkte sowie die Wirkung verschiedener Kommunikations- und Imagekampagnen sind Teil des Projektes."
Oekolandbau.de: Was sind aktuell die besonderen Herausforderungen in Ihrem Projekt?
Dr. Elisa Bayer: "Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass der charakteristische Geschmack dieser Produkte als stärkstes Kaufmotiv, aber gleichzeitig auch als größte Kaufbarriere wahrgenommen wird. Weitere Barrieren für den Konsum sind eine fehlende Gewohnheit/Gelegenheit sowie die schlechte Verfügbarkeit von (regionalen) Schaf- und Ziegenprodukten. Daher ist eine der größten Herausforderungen Konsumentinnen und Konsumenten mit diesen Produkten in Berührung zu bringen und ihnen die vielzähligen positiven Nachhaltigkeitseffekte, welche die Haltung von kleinen Wiederkäuern mit sich bringt, zu vermitteln."
Mehr zum Thema auf Oekolandbau.de:
Weitere Infos im Web:
- Thünen-Institut: Ökologische Schafhaltung
- reffiSchaf Broschüre: Määhr vom Schaf
- BZL: Überblick Schafhaltung in Deutschland
- www.schafe-halten.de
- FiBL: Weideparasiten bei Schafen und Ziegen nachhaltig kontrollieren
- Statista: Produktion von Schaffleisch
- Entscheidungshilfe Weideparasiten
- Sachcomic "Grüne Helden" aus dem Projekt VIA
Letzte Aktualisierung 04.04.2025




















