Schoderhof: Bauernhofepoche
88289 Waldburg
Auf den Blättern, meist oberseits beim Apfel und unterseits bei der Birne, treten matt-olivgrüne, später braune oder schwärzlich werdende Flecke auf, die dann verschmelzen und im weiteren Krankheitsverlauf vertrocknen. An der Blüte von Apfel kann die Krankheit zu Verformungen und Welke führen. Befallene Früchte weisen ähnliche, jedoch meist dunkler gefärbte Flecke auf.
Späte Fruchtinfektionen führen nur zu kleinen Infektionspunkten oder sind zunächst vor der Ernte noch nicht sichtbar. Erst im Lager werden die Symptome dann sichtbar und können sich weiter entwickeln (Lagerschorf).
An den Trieben können korkige, blasige Auftreibungen und Rissbildung sichtbar werden (Grindschorf), dies ist häufiger bei der Birne als beim Apfel.
Schorfpilze treten an Apfel und Birne auf und stellen die wirtschaftlich wichtigste Krankheit der beiden Kulturen dar. Durch optische Makel und verringerte Lagerfähigkeit wird der Wert der Früchte gemindert. Bei starkem Befall kann das Abwerfen von Blättern und Früchten zu einem hohen Ertragsausfall führen.
Der Schorfpilz überwintert im Falllaub und an infizierten Trieben am Baum. Im infizierten Falllaub werden Fruchtkörper (Perithecien) gebildet. Ab Vegetationsbeginn können – ausgelöst durch Regen – Ascosporen aus diesen Fruchtkörpern ausgeschleudert werden. Bei anhaltender Blattnässe und entsprechenden Temperaturen können die Sporen auskeimen und unter die Wachsschicht der jungen Blätter eindringen (Primärinfektion), die erforderlichen Temperatur- und Blattnässewerte können in der Millstabelle nachgeschlagen werden.Die Primärschorfphase dauert etwa zwei bis drei monate an.
Etwa 10 bis 20 Tage nach erfolgter Infektion werden erste Blattflecken sichtbar. Aus den Infektionen im Frühjahr entstehen Sommersporen (Konidien). Die weitere Ausbreitung auf Früchte und junge Blätter erfolgt wiederum durch Regen und anhaltende Nässe (Sekundärinfektionen).
Durch Anwendung des Prognosemodells RIMpro können das Zeitfenster für die Sporenkeimung und Sporenmengen vorher gesagt werden. Dadurch lassen sich Pflanzenschutzmittel termingerecht im Keimungsfenster anwenden, um die Effektivität zu steigern und Wirkstoffeinsatz zu minimieren. Eine auf ökologische Betriebe zugeschnittene Version ist verfügbar. Hintergründe und Links zum Anbieter finden Sie in diesem Artikel im Obstbaubereich dieses Portals.
Maßnahmen zur Bekämpfung am Falllaub, in dem der Schorfpilz hier überwintert, können durch eine Reduzierung überwinternder Blattmasse das Sporenangebot im Frühjahr vermindern:
Maßnahmen für einschnelles Abtrocknen der Blätter mindern die Infektionsgefahr, da diese von Feuchtigkeit und Temeratur abhängen:
Sortenwahl: Apfel- und Birnensorten weisen unterschiedliche Anfälligkeit gegenüber dem Schorfpilz auf. Bei Neupflanzungen sollten robuste oder resistente Sorten berücksichtigt werden.
Es können Pflanzenstärkungsmittel auf der Basis saurer Gesteinsmehle, Schwefelsaurer Tonerde, Schachtelhalm und Algenextrakten eingesetzt werden. Letztere sollen besonders Spritzschäden durch Kupferanwendungen ausgleichen. Mittel auf Basis von Bacillus subtilis oder Bacillus amyloliquefaciens sind in der EU nicht mehr als Pflanzenstärkungsmittel registriert.
Die Wirkstoffe, die dem ökologischen Erwerbsobstbau zur Verfügung stehen, können vorbeugend oder gezielt ausgebracht werden. Der umfassendste Schutz wird erreicht, indem ab dem Austrieb der Bäume die Belagsbehandlungen unmittelbar vor Regenperioden ausgebracht werden. Wichtigster Bekämpfungsschwerpunkt sind hierbei die Wochen vor und nach der Blüte (Anfang April bis Ende Mai), da hier die Anzahl an Ascosporen am höchsten ist. Die Nutzung eines Prognosemodells erhöht die Effektivität der Anwendungen.
Derzeit sind in Deutschland Pflanzenschutzmittel auf der Basis folgender Wirkstoffe zugelassen:
Ökologischer Apfelanbau - Beschreibung wichtiger schorfresistenter Apfelsorten
Ökologischer Birnenanbau - Beschreibung von Birnensorten und ihrer Widerstndsfähigkeit gegen Schorf und Feuerbrand
Apfelschorf-Regulierung mit webbasiertem Prognosemodell - mit Erläuterungen und Links zum Prognosemodell RIMpro
Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau: Gesunderhaltung der Kulturpflanzen im Ökologischen Apfelanbau. Broschüre über in der Praxis angewandte Maßnahmen und den Stand der Forschung zur Regulierung verschiedener Apfelschaderreger.
Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.
Letzte Aktualisierung 18.10.2018