Sommerfeldtag ökologischer Ackerbau
99955 Mittelsömmern
Männchen des Kleinen Frostspanners sind graubraune Nachtschmetterlinge mit bis zu drei Zentimetern Flügelspannweite. Die Flügel sind mit dunklen Querbändern gezeichnet. Die flugunfähigen Weibchen haben anstelle der Flügel kleine Stummel. Sie sind etwa sechs Millimeter lang, braun und mandelförmig.
Die Raupe hat, wie für die Spannerfamilie typisch, nur ein Paar Bauchfüße und ein Paar Nachschieber und ist an ihrem "Buckeln" in der Fortbewegung zu erkennen. Sie ist grün mit hellen Längsstreifen und einem dunklen Streifen in der Mitte. Sie wird bis 2,5 Zentimeter lang.
Im Frühjahr zeigen sich angefressene Knospen und Triebe. Die teilweise versponnenen und innen ausgehöhlten Blüten- und Blattknospen entfalten sich nicht. Blätter werden skelettiert und bei stärkerem Befall kommt es zu Kahlfraß und Befall an Früchten, insbesondere an Kirschen.
Der Große Frostspanner (Erannis defoliaria) fliegt schon ab September. Er erreicht eine Flügelspannweite von mehr als vier Zentimetern und etwa 14 Millimeter Körperlänge, im Obstbau spielt er eine untergeordnete Rolle.
Im Frühjahr treten neben den Frostspannerraupen auch ebenfalls grüne Raupen von Schalenwickler-Arten an Knospen und jungen Blättern auf. Diese bewegen sich weniger stark buckelnd fort, da sie mehrere Bauchfußpaare haben, und ihre Körperfarbe ist einheitlich ohne Längsstreifen.
Knospenwickler verursachen ebenfalls Fraßschäden und Verspinnungen an Triebspitzen. Ihre Raupen haben einen dunklen Kopf.
Der Kleine Frostspanner befällt alle Obstgehölze sowie Zier- und Forstgehölze. Wirtschaftliche Schäden entstehen jedoch meist nur bei massivem Auftreten, welches in einzelnen Jahren und besonders in südlichen Anbauregionen entstehen kann. Er ist ein bedeutender Schädling insbesondere in Kirschen. In Äpfeln wird er meist durch die Behandlungen gegen Mehlige Apfelblattlaus mit reguliert. In Strauchbeerenobst ist er schwer zu bekämpfen, da hier keine Leimringe nutzbar sind. Durch die Verspinnung der Blüten, Blattverlust und Fruchtfraß kommt es zu Ertragsausfällen.
Die Eier des Frostspanners überwintern an der Rinde. Die ersten Larven schlüpfen beim Aufbrechen der Knospen von April bis Mai. Kleine Raupen können durch Wind verbreitet werden.
Ab Juni seilen sie sich zum Boden ab, um sich dort zu verpuppen. Im Herbst schlüpfen die Falter. Die Männchen fliegen zwischen Oktober bis Januar bei milder Witterung in der Dämmerung. Das Weibchen kriecht ab Oktober den Stamm aufwärts. In der Krone erfolgt die Paarung und das Weibchen legt 200 bis 300 Eier in Knospennähe ab. Diese verfärben sich mit der Zeit leuchtend orange und sind am Stamm auffindbar.
Frostspannerlarven werden durch viele Arten räuberischer Raupenfliegen und parasitoider Schlupfwespen sowie Virusinfektionen natürlich reguliert. Besonders für Vögel sind sie eine attraktive Nahrungsquelle. Die im Boden ruhenden Puppen werden von Käfern, Kurzflüglern und räuberischen Ameisen gefressen und von entomopathogenen Pilzen befallen. Krabbenspinnen fangen im Winter die flugunfähigen Weibchen. Das Auftreten des Schädlings ist daher stark vom Vorkommen verschiedener nützlicher Arten in der Obstanlage abhängig.
Portal Schmetterlinge und Raupen: Kleiner Frostspanner - Bildersammlung mit Aufnahmen von Weibchen, Männchen und Raupen
Letzte Aktualisierung 12.09.2018