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Wildhecke in der Landwirtschaft: Lebensraum, Klimaschützer und Alleskönner

Ein Hoch auf die Hecke: Eine Wildhecke nützt zahlreichen Tier- und Pflanzenarten und schützt unsere Felder vor Wind- und Wassererosion. Dennoch sind in den letzten 70 Jahren rund 50 Prozent aller Hecken in Deutschland verschwunden. Initiativen wie die Baumland Kampagne engagieren sich politisch für mehr Hecken in der Landschaft und unterstützen landwirtschaftliche Betriebe beim Pflanzen und Pflegen. Aber auch Privatleute können Hecken aus heimischen Gehölzen anlegen – im eigenen Garten oder mit Initiativen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Wildhecken sind breiter und wildwachsender als unsere Formhecken im Garten und bestehen aus heimischen Gehölzen.
- Wildhecken sind ein großer Gewinn für den Naturschutz: Sie dienen als Schutz, Brutstätte und Nahrungsquelle für Insekten, Vögel und kleine Säugetiere.
- Feldhecken (Wildhecken in der Landschaft) bremsen die Erosion von Wind und Wasser und schützen empfindliche Kulturen.
- Die Pflanzenauswahl hängt von der Region und dem Zweck der Hecken ab.
- Hecken brauchen Pflege: Im Garten müssen sie geschnitten und in der freien Landschaft alle sieben Jahre abschnittsweise auf den Stock gesetzt (radikal zurückgeschnitten) werden.
- Jedes Bundesland hat Förderprogramme für Hecken.
- Privatleute können Hecken pflanzen und bei Pflanzaktionen mitmachen.
Kleine Heckenkunde: Was sind Wildhecken, Feldhecken und Naturhecken?
Beim Thema Hecken denken die meisten an eine Reihe in Form geschnittener Sträucher. Eine schmale Formhecke begrenzt unsere Gärten und besteht meistens aus nicht heimischen Gehölzen wie Lebensbaum (Thuja) oder Kirschlorbeer.
In einer Wildhecke – auch Naturhecke genannt – können sich heimische Sträucher und Gehölze weitgehend frei entfalten. Eine Wildhecke ist breiter und wird nur selten geschnitten beziehungsweise ausgelichtet. Mit dem Begriff Wildhecken sind häufig Hecken in Siedlungen und privaten Gärten gemeint. In freier Flur heißen sie traditionell Feldhecken. Stehen sie auf einem Wall, nennt man sie auch Wallhecken oder im Norden Knicks.
"Wir sprechen einfach von Hecken oder Feldhecken. Die Begriffe werden im rechtlichen Kontext häufig synonym verwendet. Beide sind grundsätzlich rechtlich geschützt und müssen seit einigen Jahren aus gebietseigenen Gehölzen bestehen", erläutert Karoline Püst, Heckenreferentin der Baumland Kampagne, eine Initiative, die sich für mehr Gehölze in der Landwirtschaft einsetzt.
Warum sind Wildhecken so wichtig?
In einer ausgeräumten Agrarlandschaft schaffen Hecken Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und verbinden Biotope miteinander: Im Schutz der Hecken können kleine Säugetiere und Insekten von einem Biotop zum anderen gelangen und sich genetisch austauschen.
Hecken halten die Natur intakt. Sie bremsen den Wind, mildern Überschwemmungen nach Starkregen und schaffen ein gutes Mikroklima. Beim Klimaschutz punkten sie ebenfalls. So hat das Projekt CarboHedge vom Thünen Institut ermittelt, dass Hecken insgesamt rund 220 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar speichern können. Das sind 140 Tonnen mehr als beim durchschnittlichen Acker. Der Großteil (80 Prozent) des zusätzlichen Kohlenstoffs wird in der Biomasse gespeichert, aber auch die Bodenkohlenstoffvorräte unter den Hecken erhöhen sich.
Der Ökoanbauverband Bioland fordert von seinen Mitgliedern Maßnahmen zur Biodiversität. Mit Strukturelementen wie Hecken können landwirtschaftliche Betriebe gut punkten. In Parks und unseren Gärten filtern Hecken Staub sowie schädliche Abgase und dämpfen den Lärm.
Was bringt eine Feldhecke der Landwirtschaft?
Hecken erfüllen wichtige agrarökologische Funktionen. Auch wenn sie Platz benötigen, bieten sielandwirtschaftlichen Betrieben viele Vorteile:
- Windbremsung: Hecken verhindern, dass die fruchtbare, oberste Bodenschicht vom Wind verweht wird (Winderosion) und schützen empfindliche Kulturen vor kaltem Wind.
- Wasserrückhalt: Hecken spenden Schatten und mindern die Verdunstung.
- Förderung von Bestäubern und Nützlingen: Hecken und ihre Säume aus Kräutern und Gräsern bieten Insekten und Vögeln Lebensräume und Überwinterungsquartiere.
- Bessere Bodenfruchtbarkeit: Hecken fördern das Bodenleben, die Humusbildung im Boden und erhöhen damit die Bodenfruchtbarkeit.
- Futter für Mensch und Tier: Hecken mit Obst- und Nussbäumen ernähren uns. Das Laub von Sträuchern, die Gräser und Kräuter von angrenzenden Säumen liefern Viehfutter.
- Mehr Tierwohl: Auf der Weide sorgen Hecken für Schatten sowie Windschutz von Kuh und Co. Hühner brauchen Gehölze als Schutz vor Greifvögeln.
- Klimaanpassung: Hecken sichern langfristig Ertragsstabilität.
Lebensraum Hecke: Welche Tiere und Pflanzen profitieren?
Eine Hecke besitzt im Idealfall drei Zonen. Die Kernzone im Innern und die sie umgebende Mantelzone bestehen aus Gehölzen und Sträuchern. Außen – in der Saumzone – wachsen Gräser und Kräuter. Leider ist die Saumzone oft sehr schmal. Auf bewirtschafteten Äckern zählt nämlich jeder Quadratmeter.
Zahlreiche Vögel profitieren von Hecken: Feldvögel wie Rebhuhn und Fasan, aber auch Amsel, Buchfink, Heckenbraunelle, Stieglitz und Wacholderdrossel brüten hier. Der Neuntöter nutzt Hecken als Ansitz beim Jagen und spießt seine Beute auf die Dornen von stachligen Heckengehölzen. Die Saumzone gilt als Insektenparadies. Hier tummeln sich Wildbienen und Schmetterlinge, Schwebfliegen, Käfer und Co.
Hasen und Rehe nutzen Hecken als Unterschlupf. Für Igel und die seltene Haselmaus dienen Hecken als Kinderstube und die Früchte als Nahrungsquelle. Die Baumland Kampagne fasst die Vorteile für die Biodiversität so zusammen:
Über 1.000 Tierarten nutzen Hecken als Nahrungsquelle, Brutstätte und Schutz vor Fressfeinden.
Wildhecken anlegen – darauf kommt es an
Über die Heckenanlage auf freier Flur informiert der Deutsche Landschaftspflegeverband. Die ideale Hecke muss zum Standort und in die Landschaft passen. Das kann sehr unterschiedlich aussehen. Wer Offenlandarten wie Rebhuhn und Kiebitz fördern will, sollte beispielsweise auf niedrige Hecken setzen.
Hier einige grundlegende Tipps:
- Standort: Hecken parallel und nicht quer zur Bewirtschaftungsrichtung anlegen, am besten entlang von Wegrändern, Gräben oder Feldrändern, bei Äckern insbesondere auf der Süd- beziehungsweise Westseite (Minimierung von Beschattung landwirtschaftlicher Kulturen).
- Breite: Mehrreihige Hecken bringen am meisten für den Naturschutz.
- Saum braucht Raum: Neben der später voll ausgebildeten Hecke sollten sich möglichst beidseitig der Hecke noch zwei breite Krautsäume entwickeln können.
- Neuanlage: Maximal ein bis zwei Baumarten und bis zu acht Straucharten auswählen. Holunder und Brombeeren siedeln sich von selbst an.
- Pflanzabstand: Bei Heckenrosen reicht ein Meter, bei Hasel drei Meter, kleinwüchsige Baumarten bis zu zehn Meter.
- Pflanzzeit: am besten im Herbst.
- Schutz: Gegen Wildverbiss direkt beim Pflanzen einen Schutzzaun aufstellen.
Wer eine Wildhecke im Garten anlegen will, findet beim Naturgartenverein oder beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) gute Anleitungen.
Welche Gehölze eignen sich für eine Wildhecke?
Welche Pflanzen in eine Hecke gehören, variiert je nach Region und Standort. "Landwirtinnen und Landwirte sollten sich an ihre Untere Naturschutzbehörde oder den örtlichen Landschaftspflegeverband wenden", empfiehlt die Fachreferentin Püst. Außerdem beeinflussen die regionalen Förderprogramme die Pflanzenauswahl. Grundsätzlich gilt: je mehr Arten, desto besser. Das nützt der Biodiversität und macht die Hecke resilienter gegen den Klimawandel. Klimaangepasste Arten können sich dann behaupten.
Hecken mit mehrfachem Nutzen
Der Heckenretter e.V. pflanzt und pflegt im norddeutschen Raum mit Freiwilligen Hecken. "Welche Gehölze wir für eine Pflanzaktion auswählen, hängt vom Zweck der Hecke ab", erläutert Projektmanager Nikolas Baumgartner von der Hamburger NGO. Will der landwirtschaftliche Betrieb das Laub an seine Tiere verfüttern, Bestäuber für seine Obstbäume anlocken oder möchte eine Solidarische Landwirtschaft Beeren ernten? "Für eine Laubfutterhecke empfehlen wir Esche, Hasel, Maulbeere und Holunder. Um Bestäuber zu fördern, eignen sich Kornelkirschen, Schlehen, Faulbaum, Hundsrose", rät Heckenfreund Baumgartner. Sogar eine Pferdehecke hätten sie schon gepflanzt.
Welche Gehölze eignen sich für eine Naturhecke in meinem Garten?
Für Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer hat der NABU Listen mit geeigneten Sträuchern und Bäumen zusammengestellt.
Einige empfehlenswerte heimische Arten:
- Schlehe (Schwarzdorn),
- Weißdorn,
- Heckenrose und andere Wildrosen,
- Pfaffenhütchen,
- Schneeball,
- Hartriegel,
- Feldahorn,
- Hasel,
- Holunder,
- Kornelkirsche und
- Wildapfel.
Pflege und Erhalt von Wildhecken
Nur eine gepflegte Hecke ist eine gute Hecke. Frisch gepflanzte Gehölze benötigen in Hitzeperioden Wasser. Am Anfang konkurrieren die jungen Gehölze mit schnellwüchsigen Gräsern und Kräutern. "Die ersten drei Jahre entfernen wir den Bewuchs, danach entwickelt sich der Saum von selbst", erklärt Nikolas Baumgartner. Danach brauche die Hecke jahrelang keine Pflege.
Nach sieben bis fünfzehn Jahren muss die Hecke auf den Stock gesetzt werden: Dabei werden die Sträucher auf zehn bis dreißig Zentimeter zurückgeschnitten. Dieser radikale Verjüngungsschnitt darf nach Bundesnaturschutzgesetz nur zwischen Oktober und Ende Februar erfolgen. Um die Artenvielfalt zu erhalten, sollte man auf einen Schlag nur etwa ein Drittel der Hecke zurückschneiden. Dann können die Heckenbewohner in die zwei anderen Drittel ausweichen. Wenn die geschnittenen Gehölze dann nach zwei bis drei Jahren wieder nachgewachsen sind, lässt sich der nächste Abschnitt schneiden.
Alle vierzig Meter darf ein Baum aus der Hecke herausragen. Diese sogenannten Übersteher dienen Vögeln als Ruhe- und Ansitz.
Welche Fehler sollten bei der Heckenpflege vermieden werden?
- Die Hecke gar nicht oder zu spät pflegen, dann entwickelt sie sich zur Baumreihe.
- Seitlichen Pflegeschnitt (ins Feld hereinragende Äste) zu häufig machen, dann lichtet die Hecke aus, blüht und fruchtet weniger. Vögel und Insekten finden weniger Futter.
- Falsches Equipment verwenden, das die Äste mehr herausreißt und zusammendrückt, statt zu schneiden. Auch Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner sollten nur scharfes und sauberes Werkzeug verwenden. Die Schnittwunden sollten so klein wie möglich sein, damit keine Krankheitserreger eindringen.
Hecken stehen unter Schutz
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz, §39 sind in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September lediglich Form- und Pflegeschnitte erlaubt sind, keinesfalls jedoch das Abschneiden oder das Auf-den-Stock-Setzen von Hecken. In keinem Fall dürfen wir "Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund beeinträchtigen oder zerstören".
Welche Förderung gibt es für Feldhecken und Wildhecken?
Für das Anlegen und Pflegen von Hecken existiert ein unübersichtlicher Förderdschungel. Die meisten Fördermaßnahmen laufen in Deutschland über die Bundesländer, die wiederum unterschiedliche Förderrichtlinien haben.
Seit September 2025 gibt es über die "Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" für Hecken ein neues Förderinstrument. Danach erhalten Landwirtinnen und Landwirte nicht nur Geld fürs Pflanzen und Pflegen der Hecken, sondern bekommen auch die von Hecken beanspruchte Fläche bezahlt. Die Mittel fließen jedoch noch nicht. "Da die Länder 40 Prozent der Kosten tragen müssen, setzt das derzeit nur ein Bundesland, Nordrhein-Westfalen, um", bedauert Püst, die die Förderübersicht aktualisiert. Das Thünen-Institut informiert ebenfalls über Förderungen.
Mit Agroforst in Hecken einsteigen
Die Bürokratie ist jedoch nicht die einzige Hürde, die neue Hecken ausbremst. Schwerer aus Sicht der Landwirtinnen und Landwirte dürfte wiegen, dass das Anlegen irreversibel ist. Sprich: Einmal gepflanzt, dürfen die unter Naturschutz stehenden Hecken nicht mehr abgeräumt werden.
Daher setzen manche Betriebe lieber auf Agroforst, pflanzen beispielsweise eine Pappelallee, die sie bei Bedarf wieder abholzen und als Brennholz nutzen können.
Solche linearen Baumreihen bringen für den Naturschutz weniger als eine Hecke, schaffen aber einen ökologischen und ökonomischen Mehrwert: Sie bremsen die Wind- und Wassererosion. Das Schnittholz lässt sich zu Holzpellets verwerten. Die Nutzung von Hölzern und Früchten der Hecke sei leider etwas in Vergessenheit geraten, bedauert Heckenfreundin Karoline Püst. Sie hofft:
Wenn wir die Natur erhalten und lokale Wertschöpfung aufbauen, gehört den Hecken die Zukunft.
Was können wir tun, um Hecken zu schützen?
Am besten ist es natürlich, wenn landwirtschaftliche Betriebe und Kommunen bestehende Hecken erhalten und neue Hecken anlegen. Aber wir alle können etwas für Wildhecken tun:
- In der Nachbarschaft oder im Bekanntenkreis über den Wert von Wildhecken aufklären.
- Mitpflanzen und Mitpflegen: beim örtlichen Naturschutzverein oder Heckenretter e.V. nachfragen.
- Patenschaften für Sträucher und Bäume übernehmen.
- Im eigenen Garten eine Hecke oder Ecke mit heimischen Gehölzen anlegen.
- Heckenprodukte wie Brennholz oder Marmeladen aus Heckenfrüchten kaufen.
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Letzte Aktualisierung 29.07.2026







