Zur Verwertung von Schwarten und Blut bietet sich außerdem Schinkenrotwurst an. Zudem kann die Fleischerei so auch weniger gefragte Fleischteile wie etwa Schweinebacken aufwerten. Hauptsache das Fleisch ist sehnenarm. "Wichtig ist es, das Blut schnell zu kühlen, am besten in einem flachen Metallgefäß und mittels etwas Bier den leicht sauren pH-Wert von Blut zu erhöhen", rät Herman Jakob. Gegen den bitteren Biergeschmack helfe der Zusatz von Honig oder Apfelstückchen. Damit die Wurst nicht muffig schmeckt, müsse man die Schwarten vorher gründlich reinigen.
So funktioniert's: Die Schwarten über Nacht in Salzlake einlegen, anschließend weichkochen und noch heiß zusammen mit Zwiebeln wolfen. Hinzu kommen Schweinebacken (10 Prozent) sowie Einlageschinken (50 Prozent). Beides, die vorher über Nacht gepökelten Backenwürfel und der ebenfalls gewürfelte Schinken, sind kochend heiß abzubrühen. Anschließend die Einlagen mit den gewolften Schwarten, Salz und Gewürzen vermengen und zuletzt das Blut und die Fleischbrühe dazu geben. Nach dem Füllen in eine viereckige Schinkenpressform wird die Schinkenrotwurst so lange gebrüht, bis eine Kerntemperatur von 70 Grad Celsius erreicht ist.
Zutaten für feine Fonds
In einer Fleischerei, so die Beobachtung von Hermann Jakob, sind die Maschinen oft nicht ausgelastet. Was spricht also dagegen, Rinderknochen oder Schweineknochen über Nacht im Druckkochkessel auszukochen? Dazu braucht es als weitere Zutaten nicht mehr als Gemüse wie Möhren oder Petersilienstängeln sowie Gewürze und schon hat man einen tollen Fond, voller Aroma und ganz ohne Chemie, schwärmt der Bio-Fleischexperte Jakob. So ein Fond lässt sich problemlos einfrieren und sehr gut als Wurstzutat verwenden: Das Kollagen macht beispielsweise Leberwurst besonders streichfähig. Und natürlich ist ein feiner Rinder- oder Bratenfond auch für den Verkauf interessant, gerade in der gehobenen Küche sind Fonds aus natürlichen Zutaten unentbehrlich.