Fleischerhandwerk

Handwerkliche Herstellung von Bio-Fleischwaren

Die Verarbeitung von Bio-Fleisch und Bio-Wurstwaren ist ein herausforderndes Arbeitsfeld. Vor allem bei der Rohwarenbeschaffung und Technologie für Wurstwaren sind einige Besonderheiten zu beachten. Bio-Fleisch und Bio-Wurstwaren sind jedoch auch eine Chance sich im Markt neu zu positionieren und damit neue Kundschaft zu gewinnen.

Das Fleischerhandwerk befindet sich, ähnlich wie viele anderen handwerkliche Berufe, in einem Wandel. Der Wettbewerbsdruck und die Marktkonzentration führen seit Jahren zu einem Rückgang von kleinen Metzgereien und einem Wachstum bei Großunternehmen, welche die großen Lebensmitteleinzelhändler bedienen können. Der Markt für Bio-Fleisch sowie Bio-Wurstwaren ist bisher noch überschaubar, aber wachsend. Im Jahr 2024 wuchs der Mengenanteil von Bio-Rotfleisch um 3 Prozent und der Mengenanteil von Bio-Fleisch- und Wurstwaren um 2,4 Prozent. 

Kaufmotive für Bio-Fleisch und Bio-Wurstwaren

Umfragen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zeigen, dass eine nachhaltige Tierhaltung und der Tierschutz mit die wichtigsten Kaufgründe für Bio-Produkte sind. Bio-Produkte in das Sortiment aufzunehmen, kann also für Fleischereien eine Möglichkeit bieten, das Sortiment zu diversifizieren und neue Kundinnen und Kunden zu erreichen.

Welche rechtliche Vorgaben gelten für die Herstellung von Bio-Fleischwaren?

Will eine Metzgerei in die Verarbeitung und Vermarktung von Bio-Produkten einsteigen, muss sie die Vorschriften der EU-Bio-Verordnung einhalten und sich entsprechend kontrollieren und zertifizieren lassen. Nur mit vorhandenem Bio-Zertifikat dürfen sie Ihre Produkte mit "Bio" kennzeichnen und entsprechend vermarkten.

Die EU-Bio-Verordnung schreibt vor, dass die landwirtschaftlichen Zutaten in verarbeiteten Bio-Produkten in der Regel von zertifizierten Bio-Betrieben stammen müssen. Die EU-Bio-Verordnung gibt dazu in einer Positivliste vor, welche Zusatzstoffe und Hilfsstoffe in der Verarbeitung von Bio-Fleisch verwendet werden dürfen.

Mehr Infos zu den Zutaten und Hilfsstoffe in der Öko-Verarbeitung:

Eine Schale mit flüssiger Schokolade, die mit Zutaten verziert wird. Foto: Being Organic in EU.

22.04.2025Bio in der Praxis

Zutaten und Hilfsstoffe

Bio-Lebensmittel unterliegen strengen Vorgaben: Mindestens 95 Prozent der landwirtschaftlichen Zutaten müssen ökologisch sein, konventionelle Zutaten dürfen nur im Ausnahmefall eingesetzt werden. Und auch für viele weitere Stoffe gibt es strenge Begrenzungen. Das EU-Bio-Recht legt fest, was alles in zusammengesetzten Bio-Lebensmitteln verwendet werden darf und welchen Kennzeichnungsregeln sie unterliegen.

mehr lesen

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die in der Wurstherstellung üblicherweise verwendeten Zusatzstoffe und die Zulassung bei der Herstellung von Bio-Fleisch- und Wurstwaren:

Zusatzstoff

Funktion

Erlaubt in der Bio-Wurst Herstellung?

Natriumnitrit

Konservierung, Umrötung, Pökelaroma

Zwar teilweise erlaubt in EU-Bio-Verordnung und bei Naturland, oftmals wird aber freiwillig darauf verzichtet; nicht erlaubt bei Bioland, Demeter, Gäa und Biokreis

Phosphate

Erhöhung der Wasserbindung, Emulgatorwirkung auf Wasser und Fette

Nein

Ascorbinsäure

Erhaltung der roten Farbe

Ja

Geschmacksverstärker, zum Beispiel Natriumglutamat

Verstärkung Geschmacksintensität der Rohstoffe und Gewürze, Abrundung Gesamtaroma

Nein

Kaliumsorbat

Zur Oberflächenbehandlung (verhindert Schimmelbildung)

Nein

Laboranalyse

26.11.2024Bio-Zertifizierung

Vorsorgemaßnahmen

Die EU-Öko-Verordnung (EU) 2018/848 verpflichtet Unternehmen, Vorsorgemaßnahmen zu treffen, um unzulässige Erzeugnisse oder unzulässige Stoffe im Rahmen der Bio-Produktion bzw. Bio-Vermarktung zu vermeiden. Welche spezifischen Punkte sind im Vorsorgekonzeptzu beachten? Was sind Bio-Kritische Kontrollpunkte? Und wie lässt sich das in der Praxis umsetzen?

mehr lesen
Rolle einer Etikettiermaschine mit Bio-Etiketten.

13.09.2023Bio in der Praxis

Kennzeichnung

Nur wo Bio drin ist, darf Bio draufstehen – dieser Grundsatz ist allseits bekannt. Aber was bedeutet das konkret? Welche Produkte können mit Bio oder Öko gekennzeichnet werden? Was muss dabei beachtet werden? Die wesentlichen Anforderungen aus Artikel 30 der EU-Öko-Verordnung 2018/848 werden hier auf den Punkt gebracht.

mehr lesen

Regionale Wertschöpfungsketten für Bio-Fleisch

Da die artgerechte Tierhaltung einen starken Kaufanreiz bietet, ist eine hohe Transparenz in Bezug auf die Herkunft der Tiere wichtig. Optimalerweise kooperieren handwerkliche Bio-Metzgereien mit regionalen landwirtschaftlichen Betrieben – und kommunizieren dies mit den Kundinnen und Kunden.

Bio-Schlachthöfe in Deutschland

Sie sind auf der Suche nach einer lokalen Bio-Schlachterei? Auf unserer interaktiven Karte finden Sie einen Überblick der bio-zertifizierten Schlachthöfe in Deutschland.

Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher werden auch die Themen Tiertransport und Schlachtung immer wichtiger. Eine Schlachtung direkt auf dem Erzeugerbetrieb ganz ohne einen Transport der lebenden Tiere ermöglicht das Verfahren der teilmobilen Schlachtung. Hier werden Betäubung und Entblutung der Tiere auf dem Hof in einer mobilen Schlachteinheit durchgeführt. Das Blut wird aufgefangen und das tote Tier zügig zu einem EU-zertifizierten Schlachthof gebracht. Dort finden die weiteren Schritte wie Enthäuten, Ausnehmen und Zerlegen statt.

Bei der Kooperation mit Landwirtinnen und Landwirten kann es wirtschaftlich betrachtet von Vorteil sein, das Tier möglichst vollständig zu verwerten. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern belebt auch alte Handwerkstraditionen neu.

Beim Aufbau von regionalen Wertschöpfungsketten können zum Beispiel Öko-Modellregionen unterstützen. Aber auch die Bio-Anbauverbände leisten hier Beratungs- sowie Unterstützungsarbeit und die Werbung mit einem Verbandssiegel kann den Markteintritt erleichtern. Eine Verbandszugehörigkeit ist aber auch mit höheren Rohstoffpreisen und Lizenzgebühren verbunden.

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) fördert den Aufbau von regionalen Wertschöpfungsketten.

Hier finden Sie Beispiele für regionale WSK-Projekte mit Bio-Fleisch:

Fleischhandwerk neu denken: Bio-Wurstwaren mit minimalen Zusatzstoffeinsatz

Der Einsatz von Nitrit und Nitrat in Form von Nitritpökelsalz in der Herstellung von Bio-Fleisch- und Wurstwaren wurde in der Bio-Branche viel diskutiert. Der Gesetzgeber hat sich letztlich dafür entschieden, dass beide Stoffe nur in reduzierter Menge und wenn "notwendig" eingesetzt werden dürfen. Für eine sichere Vorgehensweise kann der Leitfaden „Herstellung von Öko-Fleisch- und Öko-Wurstwaren ohne oder mit reduziertem Einsatz von Pökelstoffen“ unterstützen.

Die Idee, Bio-Fleisch und daraus hergestellte Produkte möglichst natürlich zu belassen, ermutigt Bio-Metzgereien ihr handwerkliches Können neu zu denken. Beispielsweise arbeiten einige Bio-Metzgereien wieder mit Warmfleisch, um geschmackliche Vorteile zu erzielen, aber insbesondere um ein stabiles Brühwurstbrät herzustellen. Mit neuen Methoden ist es gelungen lagerfähige "Warmfleischreserven" aufzubauen, um Produktionsabläufe flexibel zu halten und dennoch den Warmfleischeffekt nutzen zu können. Neben der aufwendigen Warmfleischtechnik erlaubt die Bio-Verordnung den Einsatz von Citraten, als Ersatz von Phosphaten, um Bio-Brühwurst herzustellen.

Bio-Wurstwaren herzustellen, erfordert viel handwerkliches Können und organisatorisches Geschick. Insbesondere, wenn im Betrieb auch konventionelle Ware verarbeitet wird. Uns ist es wichtig, die Wurst so natürlich wie möglich zu belassen – ohne unnötige Zusatzstoffe und ohne Schnellreifemittel. Denn wir haben gemerkt: Das fertige Produkt lebt von der Qualität des Rohstoffes. Ging es dem Tier gut, kann in Kombination mit guten Bio-Gewürzen eine leckere Wurst hergestellt werden. Aus Liebe zum Produkt ohne zusätzliche Stoffe, Achim Meier, Geschäftsführer RACK & RÜTHER GmbH


Film ab: Herstellung von Bio-Wurstwaren ohne Nitritpökelsalz


Hygienische und technologische Herausforderungen bei der Verarbeitung von Bio-Fleisch

Bei einem Verzicht auf den Einsatz von Nitritpökelsalz sind Verarbeitungsprozesse entsprechend anzupassen. Wegen der mikrobiologischen Problematik gilt dies besonders bei der Herstellung von Brühwurstkonserven als "Kesselkonserven" oder "Dreiviertelkonserven" (intensivere Hitzebehandlung oder Absenkung der Wasseraktivität notwendig).

Auch die Herstellung der zunehmend beliebten Bio-Rohwürste erfordert handwerkliches Können. Bei Rohwurst ist besonders auf eine sachgerechte Verarbeitung, zum Beispiel über die Anpassung der Reifeprozesse, zu achten, um hygienische Risiken auszuschließen.

Mikroskop neben Gemüse.

31.07.2024Bio in der Praxis

Qualitätssicherung

Erfahren Sie, wie Qualitätssicherung in der Bio-Lebensmittelherstellung von der Rohstoffauswahl bis zur Endproduktkontrolle funktioniert. Welche Vorgaben gelten speziell für Bio-Produkte? Der Überblick zeigt Maßnahmen für sichere und qualitativ hochwertige Bio-Lebensmittel.

mehr lesen

16.01.2025Bio in der Praxis

HACCP-Konzept

Wie gelingt es Verarbeiterinnen und Verarbeitern, eine hohe Lebensmittelsicherheit zu gewähr-leisten? Das HACCP-Konzept bietet einen klaren Fahrplan, um Risiken entlang der gesamten Produktionskette zu erkennen und zu minimieren. Erfahren Sie, welche Herausforderungen und Risiken sich speziell bei der Herstellung von Bio-Lebensmitteln ergeben können, und wie Sie diese bewältigen.

mehr lesen

Sortimentsgestaltung in der Bio-Metzgerei: Standardsortiment oder Nischenprodukte?

Um Bio-Fleischwaren verkaufen zu können, muss nicht das gesamte Sortiment auf ökologische Qualität umgestellt werden. Viele Metzgereien steigen zunächst mit einem Teilsortiment ein. In der Umsetzung ist dann darauf zu achten, dass die Trennungspraxis zwischen ökologischer und konventioneller Produktion eingehalten und ein gutes Vorsorgekonzept implementiert wird.

Darüber hinaus beschäftigen sich Bio-Metzgereien mit weiteren Sonderthemen. Da der Tierschutz für viele Verbraucherinnen und Verbraucher der Hauptkaufgrund für Bio-Fleischwaren ist, stellt sich zum Beispiel die Frage nach der Verarbeitung von Bio-Bruderhähnen, die durch die zunehmende Etablierung von Zweinutzungsrassen in der Geflügelhaltung entstehen.

Ein nicht zu vernachlässigender Trend ist inzwischen auch der Fleischverzicht. Immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst für weniger oder gar kein Fleisch – sei es aus Umwelt-, Gesundheits- oder ethischen Gründen. In diesem Zusammenhang gewinnen Alternativprodukte immer mehr an Bedeutung. Auch für das Fleischhandwerk kann dieser Trend eine Chance darstellen. Entweder durch die Herstellung veganer Alternativen , denn viele Maschinen und Geräte aus dem Metzgereibetrieb lassen sich auch für diesen Herstellungprozess verwenden. Oder indem Bio-Wurstwaren beispielsweise ein bestimmter Anteil an Gemüse beigemischt wird. Bezeichnet werden diese Kreationen als "Half-Compound-Produkte" oder "Hybridprodukte".

Einstieg in die Bio-Metzgerei – die drei wichtigsten Fragen

Letztendlich gilt es die Kundschaft von dem Bio-Sortiment zu überzeugen. Damit der Einstieg in die Verarbeitung von Bio-Fleisch gelingt sollte sich die Metzgerei zusammenfassend insbesondere folgende Fragen stellen:

  • Welches Sortiment (z. B. Schweinefleisch / Rindfleisch)?

  • Anbauverband, ja oder nein?

  • Wie relevant sind Spezialprodukte, wie zum Beispiel die Verwertung von Bruderhähnen im Sortiment?


Letzte Aktualisierung 11.08.2025

Nach oben
Nach oben