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Gesellschaftliche Akzeptanz von Kreislaufanlagen in der Öko-Fischzucht

In Deutschland und Europa ist der Selbstversorgungsgrad mit Fisch gering. Er könnte durch die Fischproduktion in Kreislaufanlagen deutlich erhöht werden. Dieser Bereich der Tierhaltung gewinnt als mögliche Initiative des Urban Farmings immer mehr an Bedeutung. Das Projekt untersuchte daher, wie Mitglieder der Öko-Branche die Vereinbarkeit von Aquakulturen in Kreislaufwirtschaft und der Öko-Lebensmittelwirtschaft beurteilen. In der Studie wurden verschiedene Beteiligte aus dem Öko-Bereich zu ihrer Meinung zur Zukunftstechnologie befragt.
Neue Erkenntnisse zur Verbrauchersicht über Aquakulturen in Kreislaufanlagen in der Öko-Lebensmittelwirtschaft
Empfehlungen für die Praxis
Aus der Studie lassen sich folgende Empfehlungen zu Aquakulturen in Kreislaufanlagen ableiten:
Die hohe Produktion in Kreislaufanlagen macht diese Art der Fischzucht attraktiv. Die große Nachfrage nach Fisch in Deutschland könnte so zum Teil aus heimischer Produktion gedeckt werden.
Das Hygiene- und Gesundheitsmanagement der Tiere ist in Kreislaufanlagen besser als in anderen Systemen.
Verbraucher haben bei Aquakulturen allgemein einen hohen Aufklärungs- und Informationsbedarf. Sie befürchten eine beengte, unnatürliche Haltung der Tiere. Hier müssen Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärungsarbeit geleistet werden.
In weiteren Versuchen sollten Tierwohl- und Nachhaltigkeitsaspekte dieser Methoden weiter untersucht werden. Diese könnten das Image von Kreislaufanlagen positiv beeinflussen.
Als Alternative zu einer Zertifizierung wäre beispielsweise eine Transparenzinitiative denkbar. Verbrauchern könnten so wichtige Vorteile der Methode nähergebracht werden.
Kreislaufanlagen sind derzeit nicht in der EU-Öko-Verordnung zugelassen. Mittelfristige ist eine Anpassung der EU-Öko Verordnung für Kreislaufanlagen daher denkbar und sollte von den Beteiligten weiter angestoßen und vorbereitet werden.
Die inländische Fischproduktion kann nur in Aquakulturen in Kreislaufanlagen weiter gesteigert werden. Ihre Akzeptanz muss bei Verbraucherinnen und Vebrauchern gefördert werden.
Informationen zum Projekt
Geeignete Standorte für herkömmliche Formen der Aquakultur werden weltweit knapp. Die Erhöhung der Produktion gerät zunehmend mit den Zielen des Umwelt- und Naturschutzes in Konflikt. Die inländische Fischproduktion kann vor allem durch Kreislaufanlagen gesteigert werden.
Kreislaufanlagen sind geschlossene, standortunabhängige und speziell technisierte Systeme. Die Temperatur wird dabei konstant gehalten, um ein schnelles Fischwachstum zu ermöglichen. Die Abwärme der Anlagen wird in der Regel als günstige, ökologische Wärmequelle genutzt. Aktuell dürfen Fische und Meeresfrüchte aus Kreislaufanlagen laut EU-Öko-Verordnung nicht als ökologisch deklariert werden. Die Studie prüfte daher, ob die Befragten aus dem Öko-Sektor diese Produktionsart als ökologisch akzeptieren würden.

Fragestellungen der Studie
Die Studie beschäftigte sich mit folgenden Fragestellungen:
- Erfüllen Aquakulturen in Kreislaufanlagen die Ansprüche einer natürlichen bzw. naturnahen Öko-Produktion?
- Inwieweit wiegen die Vorteile der Methode Einschränkungen bei der Natürlichkeit bzw. Naturnähe auf?
- Bei welchen Aspekten besteht besonderer Forschungsbedarf?
- Welche Möglichkeiten für die Zukunft sehen die Befragten?
Insgesamt wurden 19 Personen befragt. Die Befragten setzten sich aus Konsumenten, Wissenschaftlern, Öko-Verbänden, Bio-Einzelhändlern und Bio-Großhändlern zusammen (siehe Abbildung 1).
Ergebnisse der Studie
Die Befragten befürchteten, dass die Tiere unter beengten und unnatürlichen Verhältnissen gehalten werden. Grund für diese Bedenken ist der hohe Aufklärungsbedarf über Aquakulturen bei Verbrauchern. Insbesondere das bessere Hygiene- und Krankheitsmanagement war für die Befragten ein wichtiger Vorteil der Methode. Die Tiergesundheit ist in Kreislaufanlagen deutlich besser. Zudem ist die Sterblichkeit geringer als in „naturnahen“ Aquakultursystemen.
Die Teilnehmer der Studie sehen hohen Entwicklungsbedarf in der Haltung des Öko-Sektors gegenüber Innovationen. Darüber hinaus sollten Tierwohl- und Nachhaltigkeitsaspekte der Methode genauer untersucht werden.
Zukünftig könnten Alternativen zu einer formalen EU-Öko-Zertifizierung geschaffen werden. Eine Anerkennung der Kreislaufanlagen als Öko-Produktionsmethode gemäß der EU-Öko-Verordnung darf allerdings nicht ausgeschlossen werden. Hierfür wäre die Vorarbeit der Beteiligten unverzichtbar.
- Dr. Stefan Bergleiter (Projektleitung), Naturland e. V., Gräfelfing
- Gesellschaft für Marine Aquakultur mbH; Internationales Zentrum ür. Ehtik in den Wissenschaften, Universität Tübingen
- Seafood Advisory GmbH; Bluesensus - sustainability and seafood consulting
Naturland - Verband für ökologischen Landbau e. V.
Kleinhaderner Weg 1
82166 Gräfelfing
Frau Annabel Schuhn
E-Mail: a.schuhnnaturlandde
Telefon: +49(0)89 898082-391
07/2016 – 08/2017
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