Wir verwenden Cookies, um Ihnen die optimale Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen. Es werden für den Betrieb der Seite nur notwendige Cookies gesetzt. Details in unserer Datenschutzerklärung.
Honigbienenhaltung auf Höfen

In einem Forschungsprojekt wurde untersucht, wie bäuerliche Bienenhaltung die Wahrnehmung von Biodiversität auf landwirtschaftlichen Betrieben verändert und ob sie das Bewusstsein für Pollen- und Nektarangebote stärkt. Zudem wurde erforscht, welche Voraussetzungen nötig sind, um eine eigene Honigbienenhaltung erfolgreich zu etablieren.
Empfehlungen für die Praxis
Motivation, Offenheit für Neues
Ohne Motivation geht es nicht! Aber wenn diese vorhanden ist, kann die Bienenhaltung den Betriebsorganismus sehr bereichern. Die Einbindung in die Landwirtschaft macht es besonders leicht, eine verantwortungsvolle Beziehung zu Bienen aufzubauen.
Zeit- und Arbeitskapazität
- Prüfen Sie, ob zwischen April und September mindestens einmal in der Woche Zeit für Bienen verfügbar ist. In der Anfangsphase muss zusätzlich Zeit für Fortbildungen eingeplant werden.
- Bei vielen Herausforderungen im Betrieb oder Privatleben, ist Unterstützung durch eine Imkerei für die Bienenbetreuung sinnvoll. Alternativ sollte das Projekt auf einen Zeitpunkt mit mehr Kapazitäten verschoben werden.
Planung einer eigenen Hof-Bienenhaltung:
- Kontakt mit Imker-Beratung aufnehmen, geeignete Kursangebote nutzen, den Anbauverband um Unterstützung bitten.
- Den künftigen Bienenstandort möglichst in der Nähe der täglichen Arbeitsabläufe platzieren, um einen Beitrag zur Sichtbarkeit der Bienen und einer sozialen Verbindung zu schaffen.
Biodiversitätberatung
Professionelle Beratung zur Artenvielfalt auf den eigenen Flächen ist sinnvoll. Es gibt viele Maßnahmen, die Unterstützung bei der Planung und Finanzierung bieten.
Auswahl der Bienenwohnung
Wenn Honigertrag und gegbenenfalls Vermarktung von Bienenprodukten eine große Bedeutung für den Betrieb haben, eignet sich eine Magazinbeute wie zum Beispiel Dadant. Wenn es um eine rückenschonende Bienenhaltung zum Zwecke der eigenen Sensibilisierung und Ergänzung des Hoforganismus geht, ist eine Trogbeute wie die Bienenbox eine gute Option.
Praxisleitfaden: Ausführlichere Informationen und einen Test finden Sie auf der Webseite des Forschungsrings.
"Die Bienen weiten den Blick auf die Natur. Es ist erschreckend, wieviel Zucker wir zufüttern mussten." Projektlandwirt Alexander Reichenberger, 2023
Informationen zum Projekt
Noch vor 100 Jahren waren Bienen ein wichtiger Bestandteil des Hofes, viele Betriebe imkerten nebenher. Die Spezialisierung in der Landwirtschaft verdrängte jedoch nach und nach die eigene Bienenhaltung und damit schwand auch das Wissen um die Leistungen in der Kulturlandschaft. Zudem ist in den letzten Jahrzehnten die Artenvielfalt in den Agrarlandschaften alarmierend gesunken.
Die Annahme in diesem Projekt war, dass die Rückkehr der Bienen auf die Bauernhöfe eine Sensibilisierung und einen Wissenszugewinn der Hofbewirtschaftenden mit sich bringt. Die "Sicht der Biene" wird für die Landwirtinnen und Landwirte präsenter und bedingt somit auch ein Umdenken bzw. verändertes Handeln in Bezug auf die Schaffung von Pollen- und Nektarangeboten.
- Bienenhaltung auf Höfen ist möglich und funktioniert, wenn die verantwortliche Person ausreichend geschult ist (z.B. Farmer Bee Schools und kontinuierliche Vor-Ort-Beratung) und sich an die imkerlichen Grundprinzipien (Fütterung, Behandlung, Verjüngung) hält.
- Problempunkte und Schwachstellen sind Zeitmangel und Überforderung, meist durch hohe Arbeitsbelastung, Betriebsgründung etc. Dies wirkte sich negativ auf die Betreuung und Pflege der Völker aus. Hier zeigen sich große Unterschiede zwischen den Betrieben.
- Menschen in der Landwirtschaft haben beim Erlernen der Imkerei einen Vorteil: die Empathie und das Verständnis für Tierhaltung. Sie erstaunten die Beratung damit, wie schnell sie ein Verständnis und Gefühl für die Völker entwickelten.
- Die Betriebsleitung hat einen anderen Blick auf die Landschaft bekommen und konnte so das Nahrungsangebot für Honigbienen auf den Höfen realistischer einschätzen. Sie haben verschiedene Biodiversitätsmaßnahmen umgesetzt, die sich nach Umfang und Art stark unterschieden. Alle Höfe sind auch nach Abschluss des Projektes motiviert, weiter an der Verbesserung der Biodiversität auf ihren Betrieben zu arbeiten.
- Es wurde allgemein kein Beutentyp bevorzugt. Die Wahl der Behausung richtet sich meist nach der bevorzugten Arbeitsweise und dem Ziel der Bienenhaltung. Es gibt keine signifikanten Unterschiede zwischen den Beutentypen hinsichtlich des Zeitbedarfs. Betriebe für die Honigerzeugung und -vermarktung wichtig sind, bevorzugen Dadant-Beuten. Betriebe, die naturbelassener arbeiten und weniger Eingriffe in die Völker vornehmen wollen, bevorzugen die Bienenbox. Die Bienenkiste wurde während des Prozesses der Fokussierung auf einen Beutentyp mehr als andere Kistentypen aussortiert.
- Jana Bundschuh (wissenschaftliche Leitung)
- Tabea Meischner (Koordination, Wissenstransfer)
- Forschungsring e.V., Darmstadt; Ulrich Hampl, (imkerliche Beratung und Datenerhebung), Demeter Baden-Württemberg e.V., Region Süd
- Mirko Lunau (imkerliche Beratung und Datenerhebung ), Demeter Beratung e.V., Region Nord
Forschungsring e.V.
Brandschneise 5
D-64295 Darmstadt
Tabea Meischner
E-Mail: infoforschungsringde
Telefon +49 (0) 6155 8421-15
11/2021 – 12/2024
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 09.10.2025
