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Konzeption einer Öko-Hühnerzucht mit Beachtung einer möglichen Zweinutzung

Ziel des mehrjährigen Verbundprojekts war die Entwicklung einer eigenständigen Hühnerzucht im Öko-Landbau unter besonderer Beachtung einer möglichen Zweinutzung der Hühner. Zunächst wurden Kriterien für eine Öko-Hühnerzucht entwickelt. Anschließend wurden vielversprechende Herkünfte züchterisch weiterentwickelt und auf ihre Leistung für eine Öko-Kreuzungszucht geprüft. Abschließend wurde ein Konzept eines Öko- Hühnerzuchtprogramms entwickelt.
Empfehlungen für die Praxis
Aus dem Verbundprojekt lassen sich folgende Empfehlungen hinsichtlich einer ökologischen Zucht mit Schwerpunkt der Zweinutzung ableiten:
- Die Herausforderung bei der Zweinutzungshühnerhaltung wird in der Vermarktung hochpreisiger Hahnenfleischprodukte liegen.
- Es wurde eine Übersicht über möglicherweise weitere interessante Herkünfte gegeben.
- Die vorgeschlagenen Zuchtkriterien erlauben eine Anwendung in den Zuchtbetrieben.
- Die für ein Öko-Zuchtprogramm vorgeschlagenen Modelle Kreuzungszucht und Rassezucht können künftigen Zuchtinitiativen als Anregung dienen.
- Die Untersuchungen werden im Nachfolgeprojekt „Öko2Huhn“ weitergeführt. Ein besonderer Fokus wird hierbei in Analysen zur Wirtschaftlichkeit gelegt.
Angesichts der Diskussion um das Kükentöten wird der Einsatz von Zweinutzungshühnern im Öko-Landbau zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen.
(Elias Schmelzer)
Informationen zum Projekt
Die ökologische Hühnerhaltung ist auf stetigem Wachstumskurs, was der Nachfrage nach entsprechenden Produkten entspricht. Allerdings dominieren auch im Öko-Landbau konventionelle, arbeitsteilige Strukturen. Einige Stufen, wie Basiszuchten oder Brütereien, arbeiten dabei noch konventionell. Bei diesen Betrieben finden für den Öko-Landbau interessante Zuchtmerkmale, wie Auslaufnutzung, Anpassung an 100 Prozent Öko-Futter keine oder geringe Berücksichtigung.
Die verfügbaren Hochleistungshybriden sind jedoch anfällig und mit zugelassenem Futter nur schwierig bedarfsgerecht zu ernähren. Zudem wird das Töten der männlichen Eintagsküken der Legelinien in Kauf genommen. Als Alternativen dazu werden die Bruderhahnmast, die Geschlechtserkennung im Ei oder der Einsatz von Zweinutzungshühner diskutiert.
Kriterien für Öko-Hühnerzucht
18 ausgewählten Zuchtkriterien bzw. Einzelmerkmale (siehe Tabelle) gliedern sich in die Kategorien Qualität, Leistung und Fitness. Sie werden jeweils den Produktionsrichtungen Mast oder Eierzeugung zugeordnet.
| Kategorie | Merkmalsgruppe | Einzelmerkmal |
|---|---|---|
| Lege | Leistung | Alter / Gewicht (Legebeginn); Uniformität Gewicht (Legebeginn); Eigewicht; Legeleistung (Legerate und Persistenz); Lebensleistung |
| Lege | Qualität | Schalenstabilität; Eieinschlüsse |
| Mast | Leistung | Tägliche Zunahmen; Brustanteil |
| Mast | Fitness | Lauffähigkeit |
| Lege und Mast | Fitness | Auslaufnutzung; Gefiederzustand; Zustand Brust; Fußballenzustand; Endoparasiten; Darmgesundheit; Mortalität; Schlupfrate Elterntiere |
Ökologische Kreuzungszucht
In der Zuchtarbeit konnten die Eigrößen der Ausgangslinien verbessert werden (Anteil an zu großen Eiern). Alle, auf Einzeltierebene, wesentlichen Leistungsdaten wurden erhoben. und die Abstammungen der Einzeltiere ist dokumentiert. Damit wurden die notwendigen Bausteine für eine erfolgreiche und tierwohlorientierte Selektion auf ökologischer Basis etabliert.
Leistungsprüfungen
Mit den Bresse-Kreuzungen gingen die besten Leistungen im Projekt einher. In der Mast wurden ca. 23 bis 24 g Tageszunahmen erreicht, die Hennen zeigten eine Legeleistung von 67 bis 71 %. Die Kreuzung Bresse Gauloise/New Hampshire hatte etwas höhere Zunahmen, Bresse Gauloise/White Rock hingegen etwas bessere Legeleistungen. Die Leistungen der untersuchten Rassehühner lagen erwartungsgemäß meist deutlich darunter. Bresse-Kreuzungen hatten eine etwas geringere Bruchfestigkeit der Eier (v. a. Gauloise /New Hampshire) und wurden hinsichtlich des Fleischgeschmackes etwas schlechter bewertet. In den Verhaltensbeobachtungen hatten die Domäne Gold, Marans und die Bresse-Kreuzungen bei Legehennen und Mast-hühnern die beste Auslaufnutzung. Beim Nestnutzungs-verhalten zeigten sich große Schwankungen.
Konzept Öko-Zuchtprogramm
Das Konzept berücksichtigt die unterschiedlichen Anforderungen der Bereiche Öko-Kreuzungszucht und bäuerliche Rassezucht. Bei der Öko-Kreuzungszucht sind Zuchtstufen wie Basiszucht, Brut und Vermehrung stärker integriert. Bei einer bäuerlichen Rassezucht ist eine größere Vielfalt an unterschiedlichen Organisationsformen möglich. Beispielsweise könne ein Verband für Rassegeflügelzucht gegründet werden, in dem die angeschlossene Züchter auf Leistung züchten und dann Tiere für Mäster oder Legehennenhalter abgeben.
- Dr. Stephanie Fischinger, Gwendolyn Manek, Florentine Rapp und Elias Schmelzer, Bioland Beratung GmbH (BBG), Mainz
- Inga Günther, Ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ), Augsburg
- Prof. Dr. Bernhard Hörning, Annemarie Kaiser und Friederike Böttcher, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNE)
Bioland Beratung GmbH
Kaiserstraße 18
55116 Mainz
Elias Schmelzer
E-Mail: elias.schmelzerbiolandde
Telefon: +49 (0) 61 31 239 76-28
01/2017 – 12/2019
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