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Management von Gebrauchskreuzugen im ökologischen Landbau

Die ökologische Geflügelhaltung erfordert robuste, anpassungsfähige Hühner, die unter ökologischen Bedingungen gesund und leistungsfähig bleiben. Das Projekt ÖkoGen untersucht funktionelle Merkmale gezielter Kreuzungen traditioneller Rassen mit moderner Leistungsgenetik, um praxisaugliche, wissenschaftlich fundierte Charaktersierung und Zuchtstrategien zur Stärkung der Tiergesundheit und des Tierwohls sowie zum Erhalt der genetischen Vielfalt zu entwickeln.
Empfehlungen für die Praxis
An Genetik/Linien angepasste Haltung statt Standardlösungen
Jede Kreuzung reagiert unterschiedlich auf Umweltbedingungen – was bei einer Kreuzung gut funktioniert, ist bei der anderen gegenteilig. Statt pauschaler Konzepte braucht es an Kreuzungstypen angepasste Haltungssysteme, die spezifisch auf die jeweiligen Eigenschaften abgestimmt sind (Zum Beispiel Auslaufnutzung).
Tierwohl aktiv gestalten
Aktivere Rassen stellen höhere Anforderungen an eine abwechslungsreiche Haltungsumwelt. Ein gezieltes, aktives Beschäftigungsmanagement (Zum Beispiel Luzerne, Picksteine, Grit) angepasst an das Verhalten der Tiere, ist daher essenziell, um Stress zu vermeiden und positives Tierwohl zu fördern.
Andere Kreuzung – andere Merkmale
Während die White Rock-Kreuzungen besser bei den morphologischen Tierwohlindikatoren abschneiden, sind die Ranger-Kreuzungen weniger ängstlich. Die legebetonte Kreuzungen nutzen das Freiland intensiver.
Technik gezielt nutzen
Digitale Methoden wie Sensorik, automatisiertes Monitoring und KI-gestützte Auswertung können zukänftig das Management unterstützen und frühzeitige Interventionen ermöglichen.
“Eine tierwohloptimierte Haltung erfordert Anpassungen im Management, die sich an der einzelnen Rasse oder Kreuzung ausrichten.” (Inga Tiemann)
Informationen zum Projekt
Die ökologische Geflügelhaltung steht vor besonderen Herausforderungen: Ökologische Bedingungen erfordern angepasste und resiliente Tiere. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Tierwohl, Robustheit und Nachhaltigkeit. Mit dem Projekt ÖkoGen wurde ein Ansatz entwickelt, der sich der Charakterisierung und Zucht robuster, anpassungsfähiger Hühner widmet – insbesondere durch gezielte Kreuzungen traditioneller Rassen mit moderner Leistungsgenetik. Ziel ist die Entwicklung einer ökologischen Zuchtstrategie, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch praxisauglich ist. Dabei spielt das Verhalten der Tiere eine zentrale Rolle: Durch die gezielte Förderung positiver Verhaltensmerkmale kann nicht nur das Tierwohl verbessert, sondern auch die Anpassungsfähigkeit an ökologische Haltungsbedingungen.

Untersuchte Gebrauchskreuzugen
Altsteirer, Bielefelder und Ramelsloher gekreuzt mit White Rock beziehungsweise Ranger unter ökologischen Bedingungen.
Technische Innovationen
Forschungsbasierte Methodenentwicklung in Bezug auf Federpicken und dessen Prävention, sowie zur Erfassung der Auslaufnutzung und positiven Tierwohlindikatoren:
- Federzugmessgerät: Ein Kraftsensor misst den Zug an Federn, um frühzeitig Hinweise auf Federpicken zu erkennen.
- Auslauferfassung: Eine RFID-Technik an Flügelmarken ermöglicht die lückenlose Verfolgung der Auslaufnutzung vom ersten Tag bis zum Lebensende.
- KI-erfasster Tierwohlindikator: KI-gestütztes Tracking liefert objektive Daten zur Bewertung positiver Tierwohlindikatoren, wie Spielverhalten.
Verhaltenstests
In den Verhaltenstest entwickelt jede Kreuzung ein eigenes Profil, das im zweiten Schritt mit den Haltungsempfehlungen verknüpft wird. Damit soll erreicht werden, dass jeder Landwirt und Landwirtin aus der Diversität der Kreuzungen die passende für den Betrieb findet.
Dabei wurden Verhaltensmuster erkannt, die mit der Erkenntnis übereinstimmen, dass Persönlichkeitsunterschiede das Verhalten wesentlich stärker beeinflussen als allgemeine Unterschiede zwischen den verschiedenen Kreuzungen – auffällig ist jedoch, dass vor allem die Mutterlinie, also ob lege- oder mastbetonte Kreuzung, einen Einfluss auf das Tierwohl und das Verhalten hat.
Haltungssysteme, insbesondere ein gut strukturierter Außenklima- und Auslaufbereich, beeinflussen Verhalten teils stärker als genetische Faktoren. Dieses Hintergrundwissen ist für die Passfähigkeit zwischen Tier und Haltungsverfahren wichtig.
- Prof. Dr. Inga Tiemann und Josefine Stuff, Uni Bonn / HS Osnabrück, Osnabrück
- Prof. Dr. Jens Tetens und Dr. Alexander Mott, Universität Göttingen, Göttingen
- Prof. Dr. Ulrike Blohm und Dr. Luise Freier, FLI Riems, Riems
- Prof. Dr. Steffen Weigen und Dr. Nina Götzke, FLI Mariensee, Mariensee
- Prof. Dr. Daniel Mörlein, Prof. Dr. Antje Risisus und Dr. Claire Siebenmorgen, Univeristät Göttingen, Göttingen
- Dr. Magret Krieger, Universität Kassel, Kassel
- Prof. Dr. Dirk Hinrichs und Maximilian Volk, Univerisität Kassel, Kassel
Hochschule Onsabrück
Emsweg 3
4090 Osnabrück
Prof. Dr. Inga Tiemann
E-Mail: i.tiemannhs-osnabrueckde
Telefon: 05 41 / 969 53 51
Projektlaufzeit: 10/2022 – 09/2025
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 01.10.2026

