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Praxisnahe Managementhilfe zur Beurteilung des Tierwohls bei Milchvieh

Im Rahmen des Netzwerks Pilotbetriebe werden auf gesamtbetrieblicher Ebene Verbesserungspotentiale hinsichtlich der Nachhaltigkeit bei konventionellen und Öko-Betrieben untersucht. In den beteiligten Milchviehbetrieben ist das Tierwohl, neben Klimawirkungen, Energie- und Nährstoffbilanzen, ein wichtiger Ansatzpunkt für Optimierungsmaßnahmen. Aus den Erfahrungen der Tierwohlbewertung auf 38 Milchviehbetrieben wurde ein praxisnahes Bewertungstool für die wichtigsten Kennziffern zum Tierwohl entwickelt.
Empfehlungen für die Praxis
Mit dem Tool steht für die Praxis sowie die Beratung eine einfache und selbsterklärende Managementhilfe zur Ersteinstufung des Tierwohls von Milchkühen zur Verfügung:
- Landwirtinnen und Landwirte oder die landwirtschaftliche Beratung können wichtige Tierschutzindikatoren direkt in der Herde erfassen, ausgewählte Daten der Milchleistungsprüfung (MLP) übertragen und Angaben zu Weidegang und zur Haltungsumgebung erheben.
- Im Anschluss an die Erfassung ist ein Vergleich der Tierwohlsituation eigener Milchkühe mit anderen Betrieben und aktuell diskutierten Richtwerten möglich.
- Schwachstellen können identifiziert werden und damit ist eine betriebliche Eigenkontrolle möglich.
Download des Tierwohl-Tools Milchvieh
Das Tierwohl-Tool-Milchvieh kann als Excel-Datei kostenlos und frei zugänglich heruntergeladen werden. Es steht auf der Webseite der Pilotbetriebe zum Download.
Das Tierwohl-Tool kann einen wichtigen Beitrag leisten, gesetzliche Pflichten konkret handhabbar zu machen. Es ermöglicht in der Landwirtschaft eine betriebliche Eigenkontrolle des Tierwohls.
(Dr. Hans Marten Paulsen)
Informationen zum Projekt
Die Ressourceneffizienz landwirtschaftlicher Betriebssysteme ist unzureichend erforscht. Im Netzwerk von Pilotbetrieben wurden anhand mehrjähriger Betriebsdaten die Ressourceneffizienz und das Tierwohl untersucht. In diesem Projekt wurde auch eine praxisnahe Managementhilfe zur Ersteinstufung des Tierwohls von Milchkühen entwickelt. Damit kann die Tierwohlsituation der eigenen Milchkühe mit den Daten anderer Betriebe und den aktuellen Richtwerten verglichen werden. Nach dem Tierschutzgesetz ist seit 2014 eine betriebliche Eigenkontrolle des Tierwohls vorgeschrieben. Das Tierwohl-Tool kann dazu beitragen, gesetzliche Verpflichtungen konkret handhabbar zu machen und hilft dabei, Stärken und Schwächen in der eigenen Milchviehhaltung zu erkennen.
Das Tool wurde auf Basis der Erfahrungen im Netzwerk Pilotbetriebe entwickelt. Aus dem dort angewandten Welfare Quality®-Protokoll (2009) zur Erfassung des Tierwohls wurden Tierschutzindikatoren ausgewählt, die eine hohe Bedeutung für die Tiergerechtheit haben, eindeutig zu erfassen sind und die helfen, Problembereiche in der Praxis aufzudecken.
Zeitbedarf
Bei der ersten Anwendung des Tierwohl-Tools ist mit einem Zeitaufwand von 0,5 – 1 Tag zu rechnen, da man sich neben dem Erheben und Eintragen der Daten zunächst die Methodik aneignen muss. Bei einer wiederholenden Beurteilung, verkürzen sich die Zeiten deutlich auf ca. 1,5 Min./Tier für die Tierbeurteilung und 1,5 Std. für die Eingabe der Daten für die Bereiche MLP und Haltungsbedingungen.
Beschreibung der einzelnen Schritte
Im Blatt 0 "Hinweise" des Tierwohl-Tools ist ein Link zum Kapitel des KTBL-Leitfadens "Tierschutzindikatoren" zu finden. Damit ist die Beurteilung der Indikatoren Körper-kondition, Sauberkeit, Verletzungen und Lahmheiten der Kühe möglich.
Im Blatt 1 "Eingabe Tierbeurteilung" werden die Daten aus der Erhebung im Stall eingegeben. Zuvor wird die notwendige Stichprobe für die zu beurteilende Tiergruppe anhand der Anzahl der Tiere ermittelt. Auf dem Blatt 2 "Eingabe Haltung" werden Angaben zur Enthornungspraxis, zum Zugang zur Weide und Auslaufflächen und zur Wasserversorgung gemacht. Auch das Platzangebot der Kühe wird dort erfasst. Im Blatt 3 "Eingabe MLP" werden bei Betrieben, die an der MLP teilnehmen, Daten zur Euter- und Stoffwechsel-gesundheit aus den 11 Monatsberichten des zurückliegenden Jahres eingetragen. Anschließend werden in Blatt 4 die Ergebnisse der Bewertung in Tabellenform (Tab. 1) und einer Diagrammansicht sichtbar. Hier kann das Ergebnis mit den Werten der 25 Prozent besten und schlechtesten Pilotbetriebe verglichen werden. Auch die aktuell diskutierten Richtwerte werden zum Vergleich angegeben. Aus dem Diagramm erschließt sich auf einen Blick, wo das Tierwohl noch verbessert werden kann. Landwirte können darauf aufbauend gegebenenfalls eine zusätzliche Beratung in Anspruch nehmen.
| Bereich | Indikator | Parameter | Ergebnis | Klassenmittelwerte Pilotbetriebe | Zielwerte | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| beste 20% | schlechteste 25% | |||||
| Beurteilung Haltungsgruppe I | Körperkondition | Anteil optimal konditionierter Kühe [%] | 94,3 | 100 | 88,7 | 90 (KTBL) |
| Sauberkeit | Anteil sauberer Kühe [%] | 85,7 | 91,4 | 24,5 | 80 (KTBL) | |
| Unversehrtheit Integument | Anteil Kühe ohne Schaden [%] | 82,9 | 100 | 80,9 | 95 (KTBL) | |
| Lahmheiten | Anteil Kühe ohne Lahmheiten [%] | 97,1 | 100 | 91,4 | 90 (KTBL) | |
| Haltung und Management Haltungsgruppe I | Enthornungspraxis | Durchführung von Enthornungen | 100 | 100 | 28 | 75 (WQ) |
| Zugang Weide | Weidetage pro Jahr | 60 | 290 | 0 | 120 (Weidemilch) | |
| Zugang Auslauf | Auslauftage pro Jahr | 365 | 365 | 0 | 365 (DLG) | |
| Wasserversorgung | Ausreichende Wasserver-sorgung und Sauberkeit der Tränken | 100 | 100 | 3 | 100 (WQ) | |
| Platzangebot | Platz pro Tier [m2] | 10 | 11 | 5,57 | 9 (DLG) | |
| Liegeplätze | Tier-Liegeplatz-Verhältnis | 1,1 | 2 | 0,92 | 1,1 (DLG) | |
| Fressplätze | Tier-Fressplatz-Verhältnis | 1,1 | 1,65 | 0,78 | 1,1 (DLG) | |
| MLP gesamte Herde | Eutergesundheit | Anteil eutergesunder Kühe [%] | 68 | 76 | 39 | 75 (KTBL) |
| Anteil euterkranker Kühe [%] | 15 | 9 | 49 | 8 (KTBL) | ||
| Anteil eutergesunder Erstlaktierender [%] | 73 | 73 | 18 | 95 (KTBL) | ||
| Anteil Kühe ohne Masti- tisbehandlungen [%] | nicht berech- net, da MLP | 91 | 34 | 90 (KTBL) | ||
| Anteil Kühe ohne Stoff-wechselprobleme [%] | 90 | 89 | 75 | 70 (KTBL) | ||
- Dr. Hans Marten Paulsen, Thünen-Institut für Ökologischen Landbau, Westerau
- Theresa Seith und Dr. Richard Beisecker, IfÖL GmbH (Ingenieurbüro für Ökologie und Landwirtschaft), Kassel
Thünen-Institut für Ökologischen Landbau
Trenthorst 32
23847 Westerau
Dr. Hans Marten Paulsen
E-Mail: hans.paulsenthuenende
Telefon: +49 (0) 453 9 888 0-31 6
8/2014 – 4/2021
Die Inhalte dieser Webseite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.