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Saatwickenkörner als eiweißreiches Futtermittel für Monogastrier

Im Projekt "Einsatz von behandelten Saatwickenkörnern (Vicia sativa L.) als eiweißreiches Futtermittel für Monogastrier im ökologischen Landbau" wurden die wertgebenden und wertmindernden Inhaltsstoffe in Körnern von fünf Saatwickensorten analysiert. Mit der Sorte Slovena wurden unter kontrollierten Bedingungen Fütterungsversuche mit Masthühnern, Legehennen und Vormastschweinen durchgeführt. Die Ergebnisse der Verfütterung unbehandelter Saatwickenkörner sind hier dargestellt.
Empfehlungen für die Praxis
Futterwert
Saatwickenkörner sind mit 32 bis 34 Prozent Rohprotein eine interessante Eiweißkomponente für die Versorgung monogastrischer Nutztiere. Das Rohprotein ist für Masthühner hochverdaulich. Für Schweine ist das Rohprotein mit 77 Prozent Gesamtverdaulichkeit auf dem Niveau von Ackerbohnen und Futtererbsen. Die antinutritiven Inhaltsstoffe Vicin, Convicin, Cyanoalanintoxine und Tannine, deren Gehalte zum Teil sortenabhängig sind, scheinen die Verdaulichkeit nicht wesentlich zu beeinflussen.
Fütterungsversuche
Die unter kontrollierten Bedingungen auf einem Versuchsbetrieb durchgeführten Fütterungsversuche erlauben folgende Empfehlungen:
- Unbehandelte Saatwickenkörner der Sorte Slovena werden in niedrigen Rationsanteilen von den Tieren akzeptiert.
- Bei Rationsanteilen von knapp 5 Prozent Slovena sind für Legehennen keine negativen Effekte auf Leistung und Tiergesundheit zu erwarten.
- In Rationen für Masthühner können bis zu 12,5 Prozent Wicken der Sorte Slovena ohne negative Effekte eingesetzt werden.
- Der Fütterungsversuch mit Schweinen umfasste nur den Zeitraum der Vormast. Daher sind mögliche negative Effekte länger dauernder Wickenfütterung nicht auszuschließen und noch zu prüfen.
- Für alle Tierarten ist eine langsame Gewöhnung an Saatwickenkörner in der Ration anzuraten, um bei möglichen negativen Effekten rechtzeitig reagieren zu können.
Saatwickenkörner sind sehr reich an Eiweiß. Unbehandelte Körner der Sorte Slovena konnten in niedrigen bis moderaten Rationsanteilen ohne Probleme verfüttert werden.
Lisa Baldinger (Projektkoordinatorin)
Informationen zum Projekt
Die Deckung des Eiweißbedarfs von monogastrischen Nutztieren aus 100 Prozent ökologischem Futter ist eine der Herausforderungen der Öko-Tierhaltung. Die Saatwicke (Vicia sativa L.) ist eine Körnerleguminose mit einem hohen Eiweißgehalt, die im ökologischen Anbau gute Erträge erreicht und daher für die Fütterung von Interesse ist.
Allerdings werden rohe Saatwicken praktisch nicht in der Monogastrierfütterung eingesetzt, da sie antinutritive Faktoren (ANF) enthalten und bei Aufnahme negative Auswirkungen auf Leistung und Gesundheit der Tiere haben. Im Rahmen des Projekts Wickeiweiß wurden daher die wertgebenden und wertmindernden Inhaltsstoffe der Körner von fünf Saatwickensorten analysiert und Fütterungsversuche mit Masthühnern, Legehennen und Vormastschweinen durchgeführt.
Futterwert
Saatwickenkörner weisen einen hohen Rohproteingehalt auf, der sortenabhängig zwischen 32 und 34 Prozent variierte. Die in den Fütterungsversuchen geprüfte Sorte Slovena lag mit 33 Prozent im Mittelfeld. Die Stärkegehalte lagen zwischen 47 und 49 Prozent. Die Summe an Methionin und Cystein variierte in Abhängigkeit von der Sorte von 5,2 (Slovena) bis zu 5,8 Gramm pro Kilogramm (Berninova). Für den ANF Vicin wurden geringe Sortenunter-schiede analysiert, die von 6,7 Gramm pro Kilogramm bis zu 8,2 Gramm pro Kilogramm reichten. Die Convicingehalte waren dagegen sortenabhängig mit 0,23 bis 0,3 Gramm pro Kilogrammg in hellsamigen Sorten und 1,1 Gramm pro Kilogramm in dunkelsamigen Sorten wie Slovena. Die Gehalte an Cyanoalanintoxine lagen zwischen 9,6 bis 12,9 Gramm pro Kilogramm und zeigten keine Abhängigkeit von der Samenfarbe. Die Tanningehalte wiesen eine starke Sortenabhängigkeit auf. So waren sie in hellsamigen Sorten mit 1 Gramm pro Kilogramm deutlich geringer als in der dunkelsamigen Slovena mit 8,3 Gramm pro Kilogramm.
Die praecaecale Verdaulichkeit des Rohproteins der Körner der Sorte Slovena beim Masthuhn lag mit 86 Prozent auf einem hohen Niveau. Die Gesamtverdaulichkeit beim Schwein betrug 77 Prozent.
Fütterungsversuche
Unbehandelte Körner der Saatwickensorte Slovena wurden in folgenden Fütterungsversuchen auf dem Versuchsbetrieb des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau eingesetzt:
- Masthühner 1 (Hubbard JA 757) Lebenswoche 5 bis 10
- Legehennen (LB+) Lebenswoche 22 bis 36
- Vormastschweine ((DL x DE) x Pi) Gewicht 28 bis 50 kg
Die Wicken wurden zusätzlich zu einer ergänzenden Futtermischung vorgelegt, um Verweigerung zu ermöglichen. Die erzielten Rationsanteile waren niedrig bis moderat. Der einzige statistisch nachweisbare Unterschied war, dass bei Wickenfütterung höhere Mastendgewichte im Versuch Masthühner 1 erzielt wurden. In Fütterungsversuch Masthühner 2 wurden daher rohe Saatwickenkörner zu 7,5, 10,0 und 12,5 Prozent in die pelletierte Futtermischung eingemischt und konnten nicht aussortiert werden. Trotzdem hatte die Wickenfütterung keine negativen Effekte auf die Mastleistung. In keinem der Fütterungsversuche kam es zu Auffälligkeiten hinsichtlich Tierwohl und -gesundheit.
| Fütterungsversuche | Tierische Leistungen | |
| mit Wicken | ohne Wicken | |
| Masthühner 1 | ||
| Anteil Wicke am täglichen Futterverbrauch | 5,7% | |
| Mastendgewicht | 2,9kg | 2,7kg |
| Futteraufwand je kg Zuwachs | 2,6kg | 2,4kg |
| Legehennen | ||
| Anteil Wicke am täglichen Futterverbrauch | 4,6% | |
| Legeleistung | 88% | 86% |
| Futteraufwand je kg Eimasse | 2,3kg | 2,2kg |
| Vormastschweine | ||
| Anteil Wicke am täglichen Futterverbrauch | 8,0% | |
| Tageszunahmen | 820g | 853g |
| Futteraufwand je kg Zuwachs | 2,4kg | 2,2kg |
| Masthühner 2 | ||
| Anteil Wicke am täglichen Futterverbrauch | 12,5% | |
| Mastendgewicht | 2,9kg | 2,8kg |
| Futteraufwand je kg Zuwachs | 2,1kg | 2,3kg |
- Dr. Lisa Baldinger, Dr. Karen Aulrich, Dr. Herwart Böhm, Ralf Bussemas, Anja Höhne, Nadja Rinke, Thünen-Institut für Ökologischen Landbau, Trenthorst 32, 23847 Westerau
- Dr. Michael Grashorn, Universität Hohenheim, Institut für Nutztierwissenschaften, Garbenstr. 17, 70599 Stuttgart
- Dr. Andreas Berk, Friedrich-Loeffler-Institut, Institut für Tierernährung, Bundesallee 37, 38116 Braunschweig
Thünen-Institut für Ökologischen Landbau
Trenthorst 32, 23847 Westerau
Dr. Lisa Baldinger
E-Mail: lisa.baldingerthuenende
Telefon: 04539-8880-511
03/2017-12/2021
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Letzte Aktualisierung 23.05.2022