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Vorkommen von Maedi-Visna beim Rauhwolligen Pommerschen Landschaf

In einem Forschungsprojekt wurden deutschlandweit 849 Rauhwollige Pommersche Landschafe auf Antikörper gegen das Maedi-Visna-Virus untersucht, um mögliche Risikofaktoren einer Infektion zu ermitteln. Zusätzlich wurden 530 Tiere bezüglich der Genvariante TMEM154 E35K genotypisiert, die bei anderen Rassen mit Maedi-Visna-Empfänglichkeit assoziiert ist.
Empfehlungen für die Praxis
Wie ist der Maedi-Visna-Status der Rasse Rauhwolliges Pommersches Landschaf?
Die niedrige ermittelte Maedi-Visna-Virus (MVV) Seroprävalenz bei den Rauhwolligen Pommersche Landschafe bietet eine gute Ausgangslage, um das Virus vollständig aus dieser Rasse zu eliminieren. Die Sanierung Maedi-Visna-Virus-positiver Herden basiert derzeit auf regelmäßigen serologischen Untersuchungen der gesamten Herde (alle Tiere über ein Jahr) und Merzung positiver Schafe und/oder mutterloser Aufzucht. Um die Einschleppung dieser Krankheit in eine MVV-negative Herde zu verhindern, sollten Tiere vor dem Zukauf auf das Virus getestet werden. Auch Auktionen sollten ausschließlich
mit negativ getesteten Tieren stattfinden.
Ist die TMEM154 E35K-Variante eine mögliche Option für die Sanierung Maedi-Visna-Virus-positiver RPL-Herden?
Die untersuchten Rauhwolligen Pommerschen Landschafe mit dem TMEM154 E35K-Genotyp KK waren seltener mit dem MVV infiziert. Allerdings war dies wahrscheinlich aufgrund der niedrigen Anzahl von MVV-positiver Schafe nicht statistisch signifikant. Auch zeigte dieser Genotyp – wie bei anderen Schafrassen – keine absolute Resistenz. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass sich eine Selektion auf den Genotyp KK in MVV-positiven Herden günstig auf den Infektionsdruck auswirken kann. Zumindest der Einsatz von Böcken mit diesem Genotyp sollte in MVV-positiven Herden in Betracht gezogen werden.
Ist eine MVV-Resistenzzucht in dieser Rasse möglich und zu empfehlen?
Die anhand der molekulargenetischen Daten berechneten Diversitätsparameter deuten darauf hin, dass die Diversität der Rasse RPL nicht gefährdet ist. Auch durch die recht hohe K-Allel-Frequenz (53 Prozent) wäre eine MVV-Resistenzzucht daher ohne Gefahr für die genetische Vielfalt der Rasse möglich. Trotz diesen günstigen Bedingungen kann eine Selektion der gesamten Rasse auf den Genotyp KK aktuell nicht empfohlen werden, da ein Effekt auf die MVV-Empfänglichkeit beim Rauhwolligen Pommerschen Landschaf noch nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte. Hierzu besteht weiterer Forschungsbedarf.
"Ich möchte eine gesunde Herde von Rauhwolligen Pommerschen Landschafen aufbauen und keine Maedi-Visna kranken Schafe züchten.“
RPL-Züchterin aus Mecklenburg-Vorpommern
Informationen zum Projekt
Maedi-Visna (MV) ist eine nicht heilbare Viruserkrankung bei Schafen. Das Maedi-Visna-Virus (MVV) befällt hauptsächlich die Lunge und wird über das Kolostrum vom Mutterschaf auf das Lamm oder durch direkten Kontakt übertragen. Das transmembrane Protein 154 (TMEM154) Gen stellt einen genetischen Risikofaktor für die MVV-Empfänglichkeit dar. Während das K-Allel an Position 35 dieses Gens bei bestimmten Schafrassen in reinerbiger Form protektiv wirkt, ist das E-Allel mit Empfänglichkeit assoziiert. Über die MVV-Verbreitung und -Empfänglichkeit bei der vom Aussterben bedrohten Rasse RPL war bislang wenig bekannt. Ziel dieses Projekts war es, festzustellen, ob eine Zucht auf MVV-Resistenz bei den RPL möglich und sinnvoll ist. Hierzu wurde auch mittels SNP-Chip die genetische Diversität dieser Rasse untersucht.
Maedi-Visna-Prävalenzen und Risikofaktoren
Die ermittelte MVV-Prävalenz bei den untersuchten RPL ist im Vergleich zu anderen, als besonders empfänglich geltenden Schafrassen in Deutschland sehr niedrig (siehe Tabelle 1).
| Anzahl (n) | Seroprävalenz (%) | |
|---|---|---|
| Einzeltier-Prävalenz | negativ (819) positiv (30) | 3,5 |
| Herden-Prävalenz | negativ (29) positiv (6) | 17,1 |
| Klinische Inzidenz | keine Symptome (26) MVV Symptome (4) | 13,3 |
Von den getesteten 30 seropositiven Schafen zeigten nur vier Tiere MVV typische Symptome. Das heißt die Infektion einer Herde ist nicht unbedingt durch Symptome zu erkennen. Das Risiko für eine MVV-Infektion war signifikant höher bei
- Schafen über drei Jahre (p=0.01)
- Herden im Osten von Deutschland (p=0.03)
- Herden mit Zukauf von v.a. weiblichen Schafen (p=0.02)
Zusammenhang zwischen TMEM154 E35K und MV-Status Der Zusammenhang zwischen dem Genotyp an Position 35 des TMEM154 Gens und der MVV-Empfänglichkeit war bei 395 diesbezüglich untersuchten RPL nur tendenziell signifikant (p=0.09). Vier von 30 MVV-positiven Tieren wiesen den als protektiv geltenden Genotyp KK auf.
Die ausführlichen Ergebnisse des Projekts finden Sie unter orgprints.org.
- Prof. Dr. Martin Ganter (Projektleitung), Klinik für kleine Klauentiere, Tierärztliche Hochschule Hannover
- Prof. Dr. Gesine Lühken (Projektleitung), Institut für Tierzucht und Haustiergenetik, Justus-Liebig-Universität Gießen
- Christoph Höller (Projektmithilfe), Interessengemeinschaft Rauhwollige Pommersche Landschafe e.V.
Klinik für kleine Klauentiere
Tierärztliche Hochschule Hannover
Bischofsholer Damm
30173 Hannover
Cassandra Frölich
E-Mail: Cassandra.Froelichtiho-hannoverde
Telefon: +49 (0) 15737781379
06/2023 – 07/2024
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 10.12.2024