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Züchterische Standortbestimmung (ZSB)

Das Projekt GoOrganic befasste sich mit der Entwicklung von Strategien zum Aufbau und zur Umsetzung eines nachhaltigen, ressourceneffizienten und ökologischen Zuchtprogramms. Dafür wurde die Milchziegenzüchtung als Modell gewählt. GoOrganic fußte auf drei Säulen: (Weiter-) Entwicklung der Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung, (Weiter-) Entwicklung von Datenmanagementsystemen und Aufbau eines Netzwerks von Akteuren der Ziegenzüchtung.
Empfehlungen für die Praxis
Mehr Klarheit für Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter
Die Züchterische Standortbestimmung (ZSB) unterstützt Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter dabei, die optimale Strategie zur züchterischen Weiterentwicklung ihres Tierbestands zu bestimmen. Mit der Methode lassen sich die betrieblichen Voraussetzungen, der züchterische Stand, verfügbare Arbeitskapazitäten und betriebliche Ressourcen herausfinden. Damit können Ziele definiert und die erforderlichen Maßnahmen zur Umsetzung erarbeitet werden.
Vertiefte Einblicke in den Betrieb
Beraterinnen und Berater kennen durch Anwendung der ZSB die Situation des Betriebes und können auf die individuellen Gegebenheiten eingehen. Zunächst verschafft sich die Betriebsleiterin beziehungsweise der Betriebsleiter gemeinsam mit der Beraterin beziehungsweise dem Berater einen Überblick über die Ist- Situation des Betriebes. Daraus werden dann mögliche Entwicklungsperspektiven für den Betrieb abgeleitet. Dies bildet die Grundlage für anstehende Entscheidungen im Betrieb, die nächsten Schritte werden vereinbart. Eine ZSB dauert circa 3 bis 3,5 Stunden. Die Methode kann jedoch auch nur in Teilen angewendet oder auf zwei Tage gesplittet werden.
Ablauf der ZSB:
- Betriebsrundgang
- Rückblick auf die bisherige Betriebsentwicklung
- Aktuelle Themen auf dem Betrieb
- Bildarbeit zu Zielen und Werten
- Stärken- und Schwächenanalyse
- Ableiten von Handlungsfeldern, Erarbeiten von Lösungsmöglichkeiten
- Vereinbaren von nächsten Schritten und Verantwortlichkeiten
- Abschluss und Feedback
Insgesamt war es eine super Beratung. Es lief alles gut strukturiert ab und es wurden wesentliche Probleme und Ziele aufgedeckt. Es wurden neue Ideen für den Betrieb aufgezeigt. (Cecilia Abel, Ziegenhof Ogrosen)
Informationen zum Projekt
Mit der ZSB wird der Blick von Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern sowie Beraterinnen und Beratern für die aktuelle Situation im Betrieb geschärft und "Baustellen" werden identifiziert. Gerade Gesundheits- und Robustheitsmerkmale haben die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter sowie teilweise auch die Beraterinnen und Berater bei der aktiven Zucht im Betrieb oftmals noch nicht im Blick. Hier kann die ZSB helfen, konkrete Merkmale oder Maßnahmen zu identifizieren, auf die zukünftig mehr geachtet und die im Züchtungskonzept des Betriebs umgesetzt werden sollen. Ergebnisse aus der ZSB können in Stallschulen/Arbeitskreisen diskutiert und mit den Erfahrungen von Kolleginnen und Kollegen weiterentwickelt werden.
Neue Beratungsmethode entwickelt
Die ZSB wurde im Rahmen von GoOrganic neu entwickelt und mit Fachberaterinnen und Fachberatern sowie Zuchtleiterinnen und Zuchtleitern erprobt und weiterentwickelt. Die ZSB baut auf der Methode der betrieblichen Standortbestimmung auf, die von der Bioland Beratung zusammen mit dem vTI entwickelt wurde. Diese Methode wird von der Bioland Beratung und im Rahmen der AHA/entra-Coachingausbildung seit vielen Jahren erfolgreich angewendet und weiterentwickelt.
Schulung von Zuchtverantwortlichen
Neben zwei Test-ZSB in Baden-Württemberg wurden im Projektzeitraum insgesamt zehn ZSB bei Betrieben in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen und Brandenburg durchgeführt. Hierbei übten potenzielle Anwenderinnen und Anwender der jeweiligen Zuchtverbände den Einsatz der Methode gemeinsam mit einem erfahrenen Berater. Für die Anwenderinnen und Anwender wurde zudem ein zweitägiger Methodenworkshop angeboten. Alle Schulungsteilnehmerinnen und -teilnehmer erhielten ein Methodenset zur Durchführung der ZSB.
Beraterinnen- und Beraternetzwerk
Neben der Anwendung der Methode in unterschiedlichen Betrieben fanden im Rahmen des Projektes verschiedene Online- und Präsenztreffen der geschulten Anwenderinnen und Anwender der ZSB statt. Durch den vertieften Kontakt kann ein Beratungsnetzwerk entstehen, in dem sich die Zuchtverantwortlichen verbandsübergreifend zu ihren Erfahrungen austauschen und eventuell durch kollegiales Coaching unterstützen.
Verstetigung der Methode
Die Methode der ZSB wurde von allen Anwenderinnen und Anwendern positiv beurteilt. Insbesondere die Systematisierung des Beratungsprozesses und die Visualisierung wurden hervorgehoben. Kritisch gesehen wurde der hohe Zeitaufwand. Für Interessierte stehen auf Anfrage Methodensets zur Verfügung. Bei Durchführung der ZSB können sich neben der Züchtung auch weitere Beratungsfelder ergeben. Das ist für die Anwenderinnen und Anwender der Zuchtverbände neu, sodass sie Strategien für den Umgang damit entwickeln müssen.
- Dr. Marie-Rosa Wolber, Universität Hohenheim, Stuttgart
- Andreas Kern, Fachberater für Schafe und Ziegen, Reutlingen
- Maria Lotter, entra beratung agrar, Stadtbergen
- PD Dr. Pera Herold, Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg, Kornwestheim
Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg
Stuttgarter Straße 161
70806 Kornwestheim
PD Dr. Pera Herold
E-Mail: pera.heroldlgl.bwlde
Telefon: 07 154 / 959 88 13
Projektlaufzeit: 04/2016 –12/2022
Die Inhalte dieser Seite finden Sie hier auch in einem Praxismerkblatt als PDF-Datei.
Letzte Aktualisierung 11.08.2023
