Oekolandbau.de: Wie schafft ihr es, die Kreisläufe geschlossen zu halten?
Helen Dünser: In der Permakultur brauchen wir Tiere als Lieferant für Dünger. Wir haben Mutterkühe, Schafe, Ziegen und Hühner. Ihr Dung plus Einstreu, Schafwolle und Hackschnitzel bilden die Grundlage für unseren Kompost. Um Mineralien zu gewinnen, setzen wir noch Lehm und Gesteinsmehl oder Pflanzenkohle hinzu. In unserem Kompoststall schaffen wir damit in einem halben Jahr wertvollen Dünger. Schneller geht es im Heißrotteverfahren. Das heißt: das organische Material verrottet bei 65 Grad. Dazu müssen wir den Komposthaufen aber gerade am Anfang ständig umsetzen.
Wertvoll sind auch unsere Gehölze. Das Laub und den Heckenschnitt können wir im Winter als Tierfutter und Einstreu verwenden. Dann brauchen wir weniger Heu und kein Futter dazukaufen.
Oekolandbau.de: Bedeutet eine so vielfältige Landwirtschaft nicht mehr Arbeit und Kosten?
Helen Dünser: Besonders am Anfang kostet es viel Zeit und Geld, neue Systeme und Strukturen zu etablieren. Da wir ein kleiner Betrieb in Steillage sind, hatten wir nie große Maschinen. Inzwischen setzen wir kleinere Maschinen ein. Beispielsweise machen wir unser Heu nicht mehr mit dem Traktor, sondern mit einem Motormäher. Das ist eine Art Segway mit einem dreieinhalb Meter breiten Balkenmäher davor. Der schont den Boden und vor allem auch die Insekten.
Langfristig gesehen, reduzieren sich jedoch die Arbeitsaufwände und Kosten, da das System sich selbst reguliert und weniger externe Inputs benötigt. Wenn ich keine Dünger und andere Betriebsmittel kaufen muss, spare ich ja auch Geld. Mitarbeiten können auch die Tiere, zum Beispiel picken die Hühner Unkräuter aus unserem Gemüsegarten.
Oekolandbau.de: Erntet ihr jetzt schon mehr als vorher oder was bringen die Maßnahmen?
Helen Dünser: Wir haben zwar keine drastische Ertragssteigerung, aber die Qualität und Vielfalt der Produkte hat sich verbessert. Bisher verkaufen wir vor allem tierische Produkte wie Fleisch und Felle. Kartoffeln und Gemüse ernten wir hauptsächlich für den eigenen Bedarf. Zukünftig möchten wir aber einen Marktgarten haben: sprich unser Gemüse und unsere Früchte direkt an Verbraucher verkaufen. Durch die Permakultur können wir künftig dreidimensional ernten. Das steigert die Produktpalette. Aber all das geht nicht von heute auf morgen. Einen Permakulturbetrieb aufzubauen, ist eine Aufgabe von Jahren und sogar Generationen.
Text: Jutta Schneider-Rapp