Regional, bio oder bioregional – was bringt welche Mehrwerte?

Regional oder Bio – was ist nachhaltiger? Viele verbinden kurze Transportwege automatisch mit Klimaschutz. Doch aktuelle wissenschaftliche Bewertungen zeigen: Regionalität allein reicht oft nicht aus. Eine neue Stellungnahme des Begleitausschusses der Biostrategie 2030 beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) zeigt, warum die Kombination aus Bio und Regionalität die größten Mehrwerte bietet.

Das Wichtigste in Kürze zu Bio und regional:

  • Regional bedeutet nicht automatisch nachhaltig. 
  • Die Transportwege spielen in einer ökologischen Gesamtbetrachtung nur eine untergeordnete Rolle.
  • Um ökologische Vorteile in die Region zu bringen, muss Regionalität mit biologischer Herstellung kombiniert werden. 
  • Für den Einsatz regionaler Produkte sprechen vor allem sozio-ökonomische Gründe. 
  • Ökologische Mehrwerte und gleichzeitig regionale Wertschöpfung bringt nur die Kombination “Bio aus der Region”.  

Mehr als Dreiviertel der Menschen legen Wert darauf, dass die Lebensmittel möglichst aus ihrer Region kommen. Zu diesem Ergebnis kommen Umfragen wie der Ernährungsreport 2025 des Bundes.  

Begründet wird dies häufig mit dem Argument, regionaler Einkauf hätte aufgrund der kurzen Transportwege Vorteile für die Umwelt und den Klimaschutz. Aber lässt sich diese Argumentation tatsächlich belegen?

Was bringt “regional” für die Nachhaltigkeit?

Diese Frage hat unter anderem ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zur “Sozialökologischen Transformation des Ernährungssystems” (STErn) im Auftrag des Umweltbundesamtes unter die Lupe genommen. Die Autorinnen und Autoren kommen darin zu dem Ergebnis, dass 

die ökologischen Effekte einer Regionalisierung der Ernährungssysteme weniger evident sind, als der öffentliche, nicht-wissenschaftliche Diskurs vermuten ließe.

Mit anderen Worten: Der Klimaschutz ist laut der Studie kein stichhaltiges Argument für regionalen Einkauf von Lebensmitteln. Zum einen spielt der Transport gegenüber anderen Faktoren nur eine geringe Rolle für die Treibhausgas-Bilanz. Zum anderen werden die vermeintlich positiven Klima-Effekte kurzer Wege aufgrund der regional in der Regel eher kleinteiligen Chargen und dadurch bedingter Nachteile in der Effizienz gegenüber großvolumigen Transporten kompensiert oder sogar überkompensiert. Zu diesem Fazit kommt auch der Begleitausschuss der Bio-Strategie 2030 des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMLEH) in einer aktuellen Stellungnahme.

Im Vergleich zu anderen Faktoren hat der Transport bei den meisten Lebensmitteln den geringsten Anteil am Umweltfußabdruck. Nur sechs Prozent der Klimawirkung gehen im Durchschnitt auf das Konto des Transportes. Flugwaren bilden hier natürlich eine Ausnahme.

Verteilung der Emissionen in der Lebensmittel-Produktion

Was versteht man unter "Regionalität"?

Im Gegensatz zur rechtssicheren Definition im Bio-Bereich gibt es für die Begriffe der Region und der regionalen Lebensmittelerzeugung weder ein einheitliches Verständnis noch eine allgemein anerkannte Begriffsdefinition.

Grundsätzlich lässt sich der Begriff "Region" ganz unterschiedlich abgrenzen, beispielsweise

  • als geografische Herkunftsangabe ("aus einem Radius von maximal X Kilometern")
  • nach politisch-administrativen Räumen ("aus dem Bundesland X")
  • nach kulturellen bzw. traditionellen Kontexten ("nach Schwarzwälder Art")

Diese Antworten sind alle möglich, aber bieten bisher keine befriedigende und vor allem einheitliche Antwort. Während “Bio” und “biologisch” in Bezug auf Lebensmittel definierte und geschützte Begriffe darstellen, bleibt “regional” immer relativ. Hinzu kommt: Auch wenn Produkte aus der Region gekauft werden, können sie dennoch Bestandteile oder Inputs aus fernen Ländern enthalten, wie beispielsweise bei konventionellem Fleisch Futtermittel aus einem anderen Kontinent.

Welche Vorteile sprechen für regional, biologisch und bioregional?

Nachfolgende Übersicht zeigt, welche Mehrwerte für regionale, biologische und bioregionale Produkte sprechen.  

Vorteile von regional, bio und bioregional im Vergleich

Nach dieser Übersicht kommen alle mit ökologischen Aspekten assoziierte Argumente nur bei Produkten aus biologischer Produktion zum Tragen. Das STErn-Forscherteam empfiehlt in seiner Studie deshalb, Regionalität stets durch weitere, definierte Standards wie Bio oder Fairtrade zu qualifizieren. Also mit Standards, deren ökologische oder soziale Nachhaltigkeit durch unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen belegt ist und zertifiziert wird.

Welche Vorteile sprechen für regionale Produkte?

Auch wenn die Umweltwirkungen regionaler Lebensmittel in der öffentlichen Diskussion häufig überschätzt werden, so sprechen doch andere Argumente für den Aufbau regionaler Versorgungsstrukturen. Auf der Habenseite von regional sieht der Begleitausschuss Beiträge zur Wertschöpfung und Beschäftigung. Das STErn-Team verweist darauf, dass positive soziale Effekte einer Regionalisierung in Studien gut belegt sind. Der Einkauf regionaler Produkte stärke die Beziehungen zur Landwirtschaft, erhöhe die Wertschätzung für deren Leistungen und könne dazu beitragen, regionale Identität zu stärken. Ein Forschungsteam an der Universität Hohenheim sieht in der Regionalisierung von Wertschöpfungsketten “Chancen für eine sozial-ökologische Transformation des Ernährungssystems”.

Zudem reduzierten Aufbau und Stärkung von Strukturen zur regionalen Selbstversorgung die Abhängigkeiten von globalen Lieferketten, argumentiert Prof. Christian Herzig von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Und er betont im Interview mit der Ökolandbau-Redaktion

Das ist eine direkte Investition in unsere lokale Infrastruktur und damit in die Ernährungssicherheit von morgen.

Bio + regional = optimal

Die polarisierte Diskussion “Regional versus Bio” ist nicht zielführend. Denn REGIONAL und BIOLOGISCH adressieren unterschiedliche Kategorien. Wer den ökologischen Mehrwert möchte, sollte ökologische Produkte wählen. Wer die sozialen und ökonomischen Vorteile einer Regionalisierung wünscht, sollte Lebensmittel aus regionalen Quellen kaufen und die dafür notwendigen Strukturen stärken. Nur die Kombination von BIO und REGIONAL bringt am Ende die Vorteile aus beiden Bereichen.


Letzte Aktualisierung 23.06.2026

Autor: Andreas Greiner, Ökonsult

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