Mittagessen neu gedacht: Wie Mecklenburg-Vorpommern Bio zur neuen Normalität macht

Mittagessen neu gedacht: Wie Mecklenburg-Vorpommern Bio zur neuen Normalität macht

Nachbericht zur Online-Veranstaltung "Mittagessen neu ausschreiben: bio, regional und rechtssicher" vom 19. Juni 2025

Mehr Bio auf den Tellern von Kitas und Schulen – regional, rechtssicher und bezahlbar: Darum ging es bei einer Online-Veranstaltung zu dem der Dachverband Bio in MV e.V. gemeinsam mit der bundesweiten Initiative BioBitte eingeladen hat. Rund 30 Teilnehmende aus Kommunen, Vergabestellen, Bildungseinrichtungen und Beratung nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen, Heraus-forderungen und Lösungen rund um eine nachhaltige öffentliche Verpflegung auszutauschen.

Mecklenburg-Vorpommern: Viel Fläche, viel Potenzial

Dr. Kai-Uwe Kachel vom Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Meckelnburg Vorpommern eröffnete die Veranstaltung mit einem Blick auf die Bio-Landschaft des Bundeslandes: "Zurzeit werden 16 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Mecklenburg-Vorpommern ökologisch bewirtschaftet. Jeder vierte Landwirtschaftsbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern wirtschaftet ökologisch. Kachel betonte zudem die Rolle des Landes bei der Stärkung regionaler Strukturen – insbesondere mit Blick auf die Gemeinschaftsverpflegung: "Das Netzwerk 'Zusammenarbeit - Bioregionale Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern' wird in den kommenden vier Jahren von 2025 bis 2029 mit 422.500 Euro gefördert. Mein Haus will die Zusammenarbeit der Akteure der Versorgungskette vom Erzeuger über die Verarbeiter bis hin zum Verbraucher für verschiedene Bereiche weiter entwickeln, Schwerpunkt dabei ist unter anderem die Außerhaus-Verpflegung mit regionalen Produkten."

Warum Bio? Weil es wirkt.

Anna Hope von Bio in Mecklenburg-Vorpommern e.V. zeigte in ihrer Präsentation, welches Potenzial die Gemeinschaftsverpflegung für mehr Nachhaltigkeit birgt. So ließen sich durch eine Kombination aus Bio-Zutaten, pflanzenbasierter Ausrichtung und Reduzierung der Lebensmittelverschwendung bis zu 60 Prozent CO2 einsparen. Zudem trage ein höherer Bio-Anteil im Schnitt zu 30 Prozent mehr Biodiversität bei.

Ein Problem sieht Hope im niedrigen Selbstversorgungsgrad bei Frischgemüse: Tomaten, Gurken und Paprika stammen oft aus dem Ausland – auch in Mecklenburg-Vorpommern liegt der Eigenversorgungsanteil bei unter zehn Prozent. Ihre Empfehlung: "Wintergemüse sollte wieder einen Platz auf dem Speiseplan bekommen".

Hope verwies zudem auf eine praxisbewährte Arbeitshilfe für Vergabestellen aus Sachsen, die unter anderem ein Musterleistungsbild enthält, mit dem Bio und Regionalität rechtssicher in Ausschreibungen integriert werden können.

Zwischen Ausschreibung und Alltag: Rechtssicher regional

Wie sich ökologische und regionale Kriterien in öffentlichen Ausschreibungen verankern lassen, erklärte Norbert Müller-Tillmann  vom Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern. "Bei der Vergabe von Aufträgen kann auf lokale Leistungserbringung hingewirkt werden. Möglich sind Vorgaben in Ausschreibungen wie ein verbindlicher Saisonkalender, verpflichtende pädagogische Begleitangebote oder kurze Warmhaltezeiten. Entscheidend sei eine gute Vorbereitung durch Markterkundung und externe Beratung, so Müller-Tillmann mit Blick auf § 7 der Vergabe- und Mindestarbeitsbedingungen-Verfahrensverordnung (VgMinArbV M-V). Gleichzeitig wies er auf die rechtlichen Schranken hin: "Das ist aber nur in dem Maße umsetzbar, in dem das europäische Recht das erlaubt."

Knirps und Knolle: Regionale Gründung mit Wirkung

Wie regionale Bio-Verpflegung in der Praxis aussehen kann, zeigte Philipp Kossack, Gründer des Kita-Caterings Knirps und Knolle aus Zarrentin am Schaalsee. Seit Januar beliefert sein Team drei Kitas mit rund 170 Portionen täglich – frisch, regional und möglichst bio. "Unser Ziel ist es, alles auf Bio umzustellen", erklärte Kossack. Viele Produkte beziehe man bereits in Bio-Qualität, andere kämen von kleinen, nicht zertifizierten Betrieben aus der Region – etwa einem lokalen Bäcker oder solidarischen Landwirtschaften.

Gute Beispiele machen Mut

Die Veranstaltung griff weitere Best-Practice-Ansätze auf, etwa das Hanse-Kinder-Modell aus Greifswald: Dort unterstützen größere Einrichtungen kleinere Standorte finanziell, sodass selbst Kitas mit wenigen Kindern in die Frischverpflegung einsteigen können. Monatlich verpflichtende Mitmachaktionen zur Ernährungsbildung sind fest in den Küchenverträgen verankert. Ein Beispiel: Eine Kita mit nur 75 Kindern konnte sich dank des Modells eine eigene Kochstelle leisten – bei stabilen und bezahlbaren Elternbeiträgen.

Förderprogramme erleichtern die Umstellung

Anne Hope von Bio in MV e.V.  stellte zudem mehrere zentrale Förderprogramme vor wie die RIBE-AHV, eine Förderung zur Einführung beziehungsweise Ausweitung  des Angebots von Bio-Lebensmitteln in der Außer-Haus-Verpflegung oder die RIZERT-AHV, eine  Förderung für die Ausgaben zur  Bio-Zertifizierung von Unternehmen der Außer-Haus-Verpflegung.

Gerade kleine Caterer und kommunale Träger profitieren davon – sei es bei der Speiseplanumstellung, der Lieferantensuche oder der Qualitätssicherung.

Fazit: Bio braucht Struktur – und gute Beispiele

Die BioBitte-Veranstaltung hat gezeigt: Mecklenburg-Vorpommern bringt ideale Voraussetzungen mit – in der Fläche, im Engagement und im Wissen. Was jetzt zählt, ist der Transfer in die kommunale Praxis. Mit den richtigen Werkzeugen, Beratung und Vernetzung kann Bio zur neuen Normalität werden – Schritt für Schritt, aber mit Rückenwind.

Über BioBitte

Gemeinsam für mehr Bio auf den Tellern: Die Initiative BioBitte unterstützt Politik, Verwaltung, Vergabestellen und Küchenleitungen dabei, den Anteil ökologischer Lebensmittel in öffentlichen Küchen zu steigern. Dafür bringt die Initiative engagierte Akteurinnen und Akteure zusammen, fördert den Erfahrungsaustausch und bietet fundierte Informationen sowie wertvolle Hilfestellungen – ob auf Veranstaltungen, in Fachmaterialien oder online unter www.bio-bitte.info.

BioBitte ist eine Initiative des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) und Teil des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL).

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