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Bio-AHV-Logo: Gold für die Hipp-Betriebskantine

Auf der Biofach im Februar 2024 hat Bundesminister Cem Özdemir der Firma Hipp das neue Bio-Logo für die Außer-Haus-Verpflegung (AHV) in der höchsten Kategorie "Gold" überreicht. Ausgezeichnet wurde die Hipp-Betriebskantine in Pfaffenhofen. Sie ist damit einer der ersten Betriebe, die das neue Kennzeichen in Gold tragen.
Das Bio-Logo in Gold zertifiziert den Bio-Anteil der angebotenen Speisen in Betriebsküchen als objektives Qualitätssiegel. Voraussetzung für eine Gold-Zertifizierung ist ein Bio-Anteil von mindestens 90 Prozent im Wareneinkauf. Im Interview mit Oekolandbau.de blickt der Geschäftsführende Gesellschafter der Hipp-Gruppe Stefan Hipp auf den Zertifizierungsprozess zurück und erklärt, was mögliche Vorteile für Unternehmen der AHV sein können.
Hipp zeigt mit seiner Gold-Kantine eindrucksvoll, wie man nachhaltiges Wirtschaften und Genuss erfolgreich zusammenbringt. Das Bio-Essen ist nicht nur ein echtes Plus für den Standort. Es stärkt auch die heimischen Höfe, von denen viele Zutaten kommen. Und mit jedem Bio-Essen leisten die Kantine und ihre Gäste auch einen Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz. Ich gratuliere herzlich zur Auszeichnung mit dem Bio-AHV-Logo in Gold.
(Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft)

Interview mit Stefan Hipp
Oekolandbau.de: Die Hipp-Kantine setzt bereits seit einiger Zeit auf ein gesundes und nachhaltiges Speisenangebot. Was ist Ihnen im Bereich Nachhaltigkeit der Betriebskantine besonders wichtig?
Stefan Hipp: Bereits seit 2003 ist die HiPP Betriebsgastronomie am Stammsitz in Pfaffenhofen bio-zertifiziert. Dort legen wir besonders viel Wert auf einen hohen Frischegrad. Zudem achten wir auf ein möglichst saisonales und regionales Angebot. Beispielsweise bietet das Salatbuffet im Winter keine Gurken und Tomaten, dafür winterfeste Sorten wie Rote Bete und Feldsalat mit überwiegend Hülsenfrüchten, Kohlsorten, Nüssen und Sprossen.
Auch berücksichtigen wir ressourcenschonendes Handeln: Wir bereiten kleine Chargen vor, um Lebensmittelreste so gering wie möglich zu halten und bieten übrig gebliebene Gerichte am Folgetag an, was bei unseren Gästen sehr gut ankommt. Zudem nutzen wir in unserer Küche eine Green-Waste-Anlage. Darin gesammelte Speisereste und organische Küchenabfälle werden von einem Dienstleister regelmäßig abgeholt. Die Abfälle werden verwendet, um daraus grüne Energie und Dünger zu produzieren.
Oekolandbau.de: Was musste für die Gold-Zertifizierung noch verändert werden? Wie haben Sie den Zertifizierungsprozess erlebt?
Stefan Hipp: Für die Gold-Zertifizierung hat sich unsere Betriebsgastronomie in ein eigenes, nationales Kontrollverfahren begeben. Obwohl der Zertifizierungsprozess eine monatliche Dokumentation des Bio-Wareneinsatzes erfordert, rechnen wir – insgesamt gesehen – mit weniger Zertifizierungsaufwand als beim bisherigen EU-Bio-Standard. Der Fokus dieses Zertifizierungsverfahrens ist für den Arbeitsalltag unserer Betriebsgastronomie konzipiert und sorgt somit für Entlastung und mehr Flexibilität innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Das Speisenangebot mussten wir durch die Zertifizierung nicht verändern.
Die Herstellung von Bio-Lebensmitteln wird in der Europäischen Union durch die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau geregelt. Am 1. Januar 2022 ist die neue EU-Bio-Verordnung (EU) 2018/848 in Kraft getreten. Sie gilt jedoch explizit nicht für die Außer-Haus-Verpflegung. Die speziellen Anforderungen in diesem Bereich werden auf nationaler Ebene geregelt. In Deutschland gibt es dafür jetzt eine Bio-AHV-Verordnung. Sie heißt in voller Länge: "Verordnung zur Kennzeichnung von Bio-Lebensmitteln in gemeinschaftlichen Verpflegungseinrichtungen und zur Änderung der Öko-Kennzeichnungsverordnung"
Mit einem Förderprogramm unterstützt das BMEL mehr Bio in Kantinen und Gastronomie. Unternehmen der Außer-Haus-Verpflegung können mit der "Richtlinie zur Förderung der Beratung von Unternehmen der Außer-Haus-Verpflegung zum vermehrten Einsatz von Produkten des ökologischen Landbaus (RIBE-AHV)" finanzielle Unterstützung für Beratung und Mitarbeiterschulung beantragen.
Förderfähig sind Beratungen und damit verbundene Schulungen von Mitarbeitenden in AHV-Unternehmen, die ihr Speisenangebot nachhaltiger und gesünder gestalten wollen und dafür Bio-Lebensmittel in ihr Speisenangebot neu aufnehmen oder deren Anteil am Gesamtwareneinsatz steigern möchten. Mit der Beratung soll möglichst ein Bio-Anteil von mindestens 30 Prozent des monetären Wareneinsatzes erreicht werden. Maximal 80 Prozent der Beratungskosten können bezuschusst werden. In Kitas und Schulen, die eigene Küchen betreiben, können bis zu 90 Prozent übernommen werden. Der Förderhöchstbetrag beläuft sich auf 35.000 Euro.
Oekolandbau.de: Wie kommunizieren Sie die Zertifizierung gegenüber den Gästen und wie kommt es bei ihnen an?
Stefan Hipp: Parallel zur Übergabe des Bio-AHV-Logos auf der Biofach durch Bundesminister Cem Özdemir haben wir einen Beitrag in unserem Intranet veröffentlicht. Zudem räumen wir dem Thema intern Platz ein, indem wir entsprechende Presse-Artikel zum Nachlesen bereitstellen und über die eigene Seite unserer Betriebskantine informieren – die gibt es auch als App auf den Diensthandys.
Des Weiteren bringen wir die Auszeichnung sichtbar für alle Gäste an unserer Bio-Betriebsgastronomie an. Die Reaktionen unserer Belegschaft waren durchweg positiv. Das freut mich vor allem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Betriebskantine, die von vielen Kolleginnen und Kollegen bei der Essensausgabe darauf angesprochen werden und dadurch Wertschätzung für ihre tolle Arbeit erfahren.
Oekolandbau.de: Welche Vorteile bietet eine Bio-Zertifizierung für Unternehmen der AHV? Würden Sie die Zertifizierung anderen AHV-Betrieben weiterempfehlen?
Stefan Hipp: Die allgemeine Bio-Zertifizierung der HiPP Betriebsgastronomie ist schon seit vielen Jahren gängige Praxis. Die neu geschaffene Auszeichnung in der Kategorie Gold hat den Vorteil, dass es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch griffiger wird, welche Besonderheit ihre tägliche warme Mahlzeit ist. Das ist ein kleiner, aber stetiger Beitrag für den Schutz unserer Böden, des Klimas, des Wassers und der Artenvielfalt. Mittagessen bei HiPP ist also wirklich Gold wert. Aus diesem Grund würde ich die Zertifizierung weiterempfehlen. Sie schafft Orientierung und zeichnet eine großartige Leistung aus.
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Letzte Aktualisierung 03.04.2024



