Oekolandbau.de: Warum war Ihrer Meinung nach im Experiment die Wirksamkeit auf die Speiseauswahl so gering?
Prof. Hempel: Bei den Plakaten haben wir versucht, sie mit möglichst einfachen Botschaften zu gestalten. Das führt jedoch zu einem Zielkonflikt: Aus ganz einfachen Sätzen lassen sich keine klaren Handlungsempfehlungen ableiten. Es könnte sein, dass wir vor allem Personen erreicht haben, die ohnehin schon offener für das Thema sind. Sie nehmen solche Informationsangebote eher wahr und fühlen sich möglicherweise in ihrer Speiseauswahl bestätigt. Das wäre ebenfalls ein positiver Effekt, aber das zu untersuchen, war nicht Ziel unserer Studie.
Oekolandbau.de: Ist Tischgastkommunikation trotz geringer lenkender Wirkung aus ihrer Sicht wichtig?
Prof. Hempel: Auf jeden Fall. Durch offene Kommentare in der Gästebefragung konnten wir feststellen, dass es den Menschen wichtig ist, über Veränderungen in der Kantine informiert zu werden. Wenn sich im Speiseangebot in der Küche etwas verändert, lohnt es sich, die Gäste mitzunehmen. Das größte Potenzial für eine Wirkung haben Informationsangebote vermutlich dann, wenn sie direkt am Punkt der Entscheidung angeboten werden. Also beispielsweise an der Theke oder im Speiseplan. Aber auch wenn sie keinen Einfluss auf die Speiseauswahl haben, besteht die Chance, damit ein höheres Verständnis für Veränderungen in der Küche zu bewirken. Und letztlich kann das dazu beitragen, die Akzeptanz für Neuerungen in der Küche zu steigern.
Erkenntnisse auf einen Blick
| Wahrnehmung & Wirkung | Gründe für geringe Wirksamkeit | Schlussfolgerungen |
|---|
| Informationsmaterialien werden grundsätzlich positiv bewertet | Zeitdruck, Routinen und Reizüberflutung in der Kantine | Informationsmaterialien wirken eher sensibilisierend als lenkend |
| Tatsächliche Wahrnehmung im Kantinenalltag jedoch begrenzt | Info-Materialien konkurrieren mit Speiseplan & Ausgabe | Einzelne Formate reichen nicht aus |
| Kein messbarer Einfluss auf die Speisenauswahl | Unklare oder zu schwache Handlungsempfehlung | Größtes Potenzial bei direkter Integration in die Entscheidungssituation (z.B. Speiseplan, Ausgabe) |
| Geschmack bleibt zentrales Entscheidungskriterium | Informationen eher beiläufig als bewusst wahrgenommen | |
Quelle: C. Hempel & K. Heidtmann, 2026