Wirksamkeit von Informationsmaterialien

Tischgastkommunikation: Wirksamkeit von Informationsmaterialien

In einer Betriebskantine wollen die Tischgäste in erster Linie eine schmackhafte und preiswerte Mahlzeit bekommen. Zudem soll das Essen schnell und unkompliziert vonstattengehen. Wünschen sich die Gäste in diesem Kontext überhaupt Informationen? Und wirken sich Info-Materialien zu bioregionalen Zutaten auf die Speiseauswahl aus? Experimente in fünf Kantinen liefern dazu interessante Erkenntnisse. 

Wirksamkeit von Informationsmaterialien in der Gemeinschaftsverpflegung

In einem aktuellen Forschungsprojekt haben Wissenschaftlerinnen der Hochschule Albstadt-Sigmaringen in fünf baden-württembergischen Kantinen untersucht, ob und wie sich Bodenaufkleber und Plakate auf die Wahl von Speisen mit bioregionalen Zutaten auswirken. Zudem wurden vor Ort Gästebefragungen zur Wahrnehmung der Informationsmaterialien durchgeführt. Die Ergebnisse der vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg geförderten Untersuchungen zeigen ein differenziertes Bild: Eine Mehrheit der Tischgäste wünscht sich zwar konkrete Informationen über das Speiseangebot in der Kantine; aber die Gäste lassen sich dadurch nicht messbar in ihrem Auswahlverhalten beeinflussen. Einzelne Informationsmaterialien reichen nicht aus, um eine signifikante Lenkungswirkung zu erreichen. Trotzdem ist Gästekommunikation wichtig. Das sagt Professorin Dr. Corinna Hempel von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, die das Forschungsprojekt geleitet hat. Für die Durchführung war maßgeblich die wissenschaftliche Mitarbeiterin Kara Heidtmann zuständig. Mehr Details dazu hier im Interview mit Prof. Dr. Corinna Hempel.

Oekolandbau.de: Wie beurteilen es die Tischgäste, wenn ihnen in der Kantine Informationen zu den Speisen angeboten werden?

Prof. Hempel: Mehrheitlich bewerten die Tischgäste solche Informationsmaterialien als positiv. Aus unseren Fokusgruppendiskussionen, die wir vorab durchgeführt haben, und der Gästebefragung wissen wir, dass sich die Gäste vor allem ein digitales Informationsangebot wünschen. Am besten an solchen Orten, wo sie sich ohnehin informieren. Also beispielsweise im hauseigenen Intranet. Wichtig sind den Tischgästen dabei auch eine emotionale Ansprache und möglichst konkrete, die eigene Kantine betreffende Angaben. Also beispielsweise darüber, wo die Lebensmittel herkommen.

Oekolandbau.de: Wir wirksam sind Informationsmaterialien über regionale Bio-Lebensmittel auf die Speiseauswahl aus? Welche Ergebnisse gibt es dazu in der Forschung?

Prof. Hempel: Nach den Erfahrungen aus unserer eigenen Studie haben die in Kantinen platzierten Info-Materialien keinen messbaren Effekt auf die Auswahl der Speisen. In der wissenschaftlichen Literatur findet man bisher wenig Untersuchungen, die sich speziell auf regionale und biologische Lebensmittel beziehen. Bei Experimenten mit Nudging im Zusammenhang mit Fleisch gibt es durchaus positive Effekte. Allerdings vor allem beim Default Nudging, also wenn beispielsweise ein vegetarisches Gericht als Standard platziert wird. Weniger wirksam sind Informational Nudges, also der Versuch, mit Informationen die Speiseauswahl zu beeinflussen.

Oekolandbau.de: Warum war Ihrer Meinung nach im Experiment die Wirksamkeit auf die Speiseauswahl so gering?

Prof. Hempel: Bei den Plakaten haben wir versucht, sie mit möglichst einfachen Botschaften zu gestalten. Das führt jedoch zu einem Zielkonflikt: Aus ganz einfachen Sätzen lassen sich keine klaren Handlungsempfehlungen ableiten. Es könnte sein, dass wir vor allem Personen erreicht haben, die ohnehin schon offener für das Thema sind. Sie nehmen solche Informationsangebote eher wahr und fühlen sich möglicherweise in ihrer Speiseauswahl bestätigt. Das wäre ebenfalls ein positiver Effekt, aber das zu untersuchen, war nicht Ziel unserer Studie.

Oekolandbau.de: Ist Tischgastkommunikation trotz geringer lenkender Wirkung aus ihrer Sicht wichtig?

Prof. Hempel: Auf jeden Fall.  Durch offene Kommentare in der Gästebefragung konnten wir feststellen, dass es den Menschen wichtig ist, über Veränderungen in der Kantine informiert zu werden. Wenn sich im Speiseangebot in der Küche etwas verändert, lohnt es sich, die Gäste mitzunehmen. Das größte Potenzial für eine Wirkung haben Informationsangebote vermutlich dann, wenn sie direkt am Punkt der Entscheidung angeboten werden. Also beispielsweise an der Theke oder im Speiseplan. Aber auch wenn sie keinen Einfluss auf die Speiseauswahl haben, besteht die Chance, damit ein höheres Verständnis für Veränderungen in der Küche zu bewirken. Und letztlich kann das dazu beitragen, die Akzeptanz für Neuerungen in der Küche zu steigern.

Erkenntnisse auf einen Blick

Wahrnehmung & WirkungGründe für geringe WirksamkeitSchlussfolgerungen
Informationsmaterialien werden grundsätzlich positiv bewertet Zeitdruck, Routinen und Reizüberflutung in der KantineInformationsmaterialien wirken eher sensibilisierend als lenkend
Tatsächliche Wahrnehmung im Kantinenalltag jedoch begrenzt Info-Materialien konkurrieren mit Speiseplan & AusgabeEinzelne Formate reichen nicht aus
Kein messbarer Einfluss auf die Speisenauswahl Unklare oder zu schwache HandlungsempfehlungGrößtes Potenzial bei direkter Integration in die Entscheidungssituation (z.B. Speiseplan, Ausgabe)  
Geschmack bleibt zentrales Entscheidungskriterium Informationen eher beiläufig als bewusst wahrgenommen  

Quelle: C. Hempel & K. Heidtmann, 2026

Text: Andreas Greiner


Letzte Aktualisierung 17.03.2026

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