Walnuss regional entwickeln: Kooperationen von Anbau bis Vermarktung
71083 Herrenberg

Kupfer als Spritzmittel schützt Bio-Kulturen vor wichtigen Pilzkrankheiten. Wegen möglicher Umweltwirkungen ist der Einsatz als Pflanzenschutzmittel jedoch umstritten. Deshalb arbeitet der Ökolandbau daran, Kupfer gezielter einzusetzen und langfristig zu reduzieren.
Kupfer ist im ökologischen Pflanzenschutz ein wichtiger Wirkstoff. In geringen Mengen benötigen Pflanzen Kupfer als Spurenelement. Für den ökologischen Pflanzenbau ist es aber vor allem deshalb so bedeutsam, weil es als Pflanzenschutzmittel gegen mehrere wirtschaftlich wichtige Schadpilze wirkt. Eingesetzt werden Kupferpräparate vor allem gegen:
Die Wirkung beruht bei allen Pilzarten auf demselben Grundprinzip: Kupferionen dringen in die Pilzzellen ein und stören dort lebenswichtige Enzymreaktionen. Dadurch wird der Erreger abgetötet.
Auch im konventionellen Anbau werden Kupferpräparate als Spritzmittel eingesetzt, meist in Kombination mit anderen Pflanzenschutzmitteln. Dort dient Kupfer unter anderem dazu, die Entwicklung von Resistenzen gegenüber anderen Fungiziden zu vermeiden. Gegen Kupfer selbst sind trotz der langen Anwendung bislang keine Resistenzen bekannt.
Kupfer sichert damit nicht nur Erträge, sondern auch die Qualität der Ernte. Fachleute des Julius Kühn-Instituts gehen davon aus, dass ein Verzicht auf Kupfer im ökologischen Weinbau zu Ertrags- und Qualitätseinbußen von 50 bis 100 Prozent führen würde. Bei Kartoffeln rechnet man mit Einbußen von bis zu 80 Prozent in Jahren mit ungünstiger Witterung, im Obstbau mit bis zu 40 Prozent. Ohne Kupfer wäre der ökologische Anbau von Hopfen und einigen anderen Kulturen wirtschaftlich kaum mehr möglich.
Um die Auswirkungen von Kupfer auf die Umwelt möglichst gering zu halten, gelten im Ökolandbau enge Begrenzungen für die Aufwandmengen. In Wein, Obst und Kartoffeln dürfen höchstens drei Kilogramm Reinkupfer pro Hektar und Jahr, im Hopfen maximal vier Kilogramm pro Hektar und Jahr ausgebracht werden.
Da Kupfer im Boden relativ schnell gebunden wird, findet zwar so gut wie kein Austrag ins Grundwasser statt. Als problematisch wird jedoch der Austrag von Kupfer in Oberflächengewässer angesehen, da vor allem Fische sehr empfindlich auf das Metall reagieren.
Für die menschliche Gesundheit birgt der Einsatz von Kupfer im Pflanzenbau keine Gefahr. Denn das Metall reichert sich weder in behandelten Pflanzen beziehungsweise Früchten an, noch in natürlichen Nahrungsketten.
Der Einsatz von Kupfer als Pflanzenschutzmittel gilt somit als offene Flanke des Ökolandbaus. Der Vorwurf lautet: Bio-Betriebe arbeiten genauso mit umweltbelastenden Pflanzenschutzmitteln wie die konventionelle Landwirtschaft. "Das ist eine vereinfachte Darstellung", sagt Prof. Stefan Kühne, der am Julius-Kühn-Institut (JKI) in Kleinmachnow im Bereich Strategien und Folgenabschätzung arbeitet und sich seit 1998 mit der Wirkung von Kupfer auf die Umwelt beschäftigt.
Als Naturstoff kann man Kupfer nicht gleichsetzen mit synthetischen Wirkstoffen, die nicht frei in der Natur vorkommen. Aber vor allem ist Kupfer ein Mikronährstoff - für uns und für Pflanzen - und damit elementar für das Pflanzenwachstum. Das zeigt, dass der Stoff in den Naturkreislauf ganz anders eingebunden ist als synthetische Wirkstoffe.
Prof. Kühne
Hinzu kommt aus seiner Sicht, dass Kupfer eines der ältesten Pflanzenschutzmittel ist und damit auch einer der am besten untersuchten Stoffe überhaupt.
Dabei verweist er zum Beispiel auf die Regenwurmstudie der sogenannten europäischen Kupfer-Task-Force, die sich seit vielen Jahren für die Fortsetzung der Zulassung von Kupfer als Pflanzenschutzmittel einsetzt. In einer Langzeit-Studie der Task Force wird seit 14 Jahren der Einfluss von Kupfer auf Regenwürmer untersucht, die besonders sensibel auf den Stoff reagieren.
In der Studie wurde der Einfluss erst bei sehr hohen Kupferaufwandmengen von 40 Kilogramm pro Hektar und Jahr sichtbar. Doch selbst bei diesen hohen Aufwandmengen ging nicht die Zahl der Individuen zurück, sondern es veränderte sich die Zusammensetzung der Regenwurmarten. Das ist laut Kühne natürlich auch problematisch. Doch er verweist darauf, dass die eingesetzten Mengen weit über der heute zulässigen Dosierung liegen.
Auch die zum Teil hohen Kupfergehalte einiger Flächen lassen seiner Einschätzung nach keine Aussage über die Wirkung auf Bodenorganismen zu. Denn wirklich toxisch für die Organismen sind nur freie Ionen von frisch ausgebrachtem Kupfer. Der allergrößte Teil dieser Ionen wird aber je nach Bodenzusammensetzung und Witterung in der Regel schnell an den Ton-Humus-Komplex des Bodens gebunden.
Das Kupfer altert also im Boden und verliert einen großen Teil seiner biologischen Wirksamkeit. Die bisherigen Studien zeigen, dass die heute zulässigen Mengen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu einer Anreicherung von bioverfügbarem Kupfer im Boden führen. "Auch in Oberflächengewässern ist die biologische Wirkdauer von Kupfer wegen der schnellen Ionenbindung an das Wasserplankton ebenfalls meist nur sehr kurz", ergänzt Kühne.
Doch auch wenn es biologisch nicht aktiv ist, reichert sich Kupfer in Böden an. Aber genau diese Anreicherung ist laut Prof. Kühne ein großes Problem bei der Bewertung des Metalls als Pflanzenschutzmittel: "Bei allen Wirkstoffen im Pflanzenschutz ist von Seiten der Zulassungsbehörden ein Abbau erwünscht. Den gibt es aber bei Kupfer nicht." Trotzdem wird im Zulassungsverfahren der Gesamtkupfergehalt im Boden als Maßstab für die Toxizität genommen. "Das entspricht nach allem, was wir heute wissen, nicht den praktischen Gegebenheiten", sagt Kühne.
Die ökologische Landwirtschaft arbeitet seit Jahren daran, den Kupfereinsatz weiter zu senken. Ein wichtiger Rahmen dafür ist die Kupferminimierungsstrategie, die Forschung, Praxis, Verbände und Politik zusammenführt. Ziel ist nicht nur, Kupfer sparsamer einzusetzen, sondern langfristig tragfähige Alternativen zu entwickeln.
Ein Ansatz besteht darin, Kupferpräparate mit anderen im Ökolandbau eingesetzten Mitteln zu kombinieren oder teilweise zu ersetzen. Dazu zählen je nach Kultur zum Beispiel Myco-Sin, Schwefelkalk oder Kalium-Hydrogencarbonat.
Große Einsparpotenziale werden darüber hinaus in der Züchtung robuster oder resistenter Sorten gesehen. Im Weinbau gibt es mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten – den sogenannten PIWIS – bereits wichtige Fortschritte. Auch bei solchen Sorten kann Kupfer jedoch meist nicht vollständig ersetzt, sondern nur reduziert werden.
Im Kartoffelanbau gelten Krautfäule-tolerante Sorten als besonders wichtiger Ansatz, um den Kupferbedarf zu senken. Fachleute sehen hier ein großes Potenzial für die Kupferminimierung.
Im Obstbau ist die Situation schwieriger. Zwar gibt es schorfresistente Apfelsorten, doch beruhen manche Resistenzen auf einzelnen Genen und können relativ schnell durchbrochen werden.
Auch die Suche nach alternativen Wirkstoffen mit vergleichbarer fungizider Wirkung ist Teil der Kupferminimierung. Untersucht wurden beziehungsweise werden unter anderem Präparate auf Basis von Chitosan, Süßholz-, Zitrus- oder Schachtelhalmextrakten sowie weitere Stoffe mit Teilwirkung gegen Pilzkrankheiten.
Viele dieser Ansätze zeigen unter Laborbedingungen gute Wirkung. Im Freiland ist es jedoch schwieriger, eine zuverlässige und regenstabile Wirkung zu erreichen. Deshalb können solche Mittel Kupfer bislang meist nicht vollständig ersetzen, sondern allenfalls ergänzen und dazu beitragen, die Aufwandmengen weiter zu senken.
Nach Einschätzung von Fachleuten ist derzeit kein Wirkstoff in Sicht, der Kupfer in den besonders relevanten Kulturen mit vergleichbarer Wirkung vollständig ersetzen kann.
Die in der Praxis benötigten Kupfermengen schwanken stark mit der Witterung. In trockenen Jahren kommen viele Betriebe mit geringen Mengen aus oder benötigen kein Kupfer. In feuchten Jahren mit hohem Krankheitsdruck kann der Bedarf dagegen deutlich steigen.
Deshalb wird neuerdings ein sogenanntes Kupferkonto genutzt. Statt einer jährlichen Begrenzung auf drei Kilogramm Kupfer pro Hektar ist die zulässige Höchstmenge von 15 Kilogramm pro Hektar auf fünf Jahre verteilt.
Kupfer ist breit wirksam, seit langem bekannt und erforscht und für manche Kulturen im Ökolandbau derzeit kaum zu ersetzen. Zugleich ist es ein Schwermetall, das nicht abgebaut wird, sich im Boden anreichern und Boden- sowie Gewässerorganismen schädigen kann.
Ein sofortiger Verzicht wäre in mehreren Kulturen mit erheblichen Ertrags- und Qualitätsrisiken verbunden. Deshalb kommt es kurzfristig darauf an, Kupfer so gezielt und sparsam wie möglich einzusetzen, Einträge in Gewässer zu vermeiden und vorbeugende Maßnahmen konsequent zu nutzen.
Langfristig bleibt das Ziel, den Kupfereinsatz weiter zu senken. Dafür braucht es robuste Sorten, verbesserte Applikationstechnik, wirksame ergänzende Präparate und weitere Forschung zu tragfähigen Alternativen.
Letzte Aktualisierung 05.06.2026