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Alternative Fungizide aus Traubentrester als Kupferersatz für den Ökolandbau

Im Ökoland- und Weinbau ist Kupfer noch immer ein unverzichtbares Hilfsmittel bei der Kontrolle von Pilzkrankheiten. Um eine Reduktion der ausgebrachten Kupfermengen zu erreichen, war das Hauptziel des Projekts die Erforschung von Traubentrester-Inhalts-stoffen zur Kontrolle des Falschen Mehltaus im Weinbau und dem Erreger der Kraut- und Braunfäule an Tomaten. Ziel war die Entwicklung eines praxistauglichen, einfach einzusetzenden Mittels. Geforscht wurde in Labor-, Gewächshaus- und Semi-/Freilandversuchen.
Empfehlungen für die Praxis
Empfehlungen für den Weinbau
VitoVin-Pflanzenstärkung wird mit den üblichen Spritz- und Sprühverfahren ausgebracht. Zur Pflanzenbehandlung sind die Pflanzen gleichmäßig von allen Seiten flächig zu benetzen, ein schnelles Antrocknen sollte sichergestellt sein.
Im Weinbau empfiehlt sich eine Aufwandmenge von zwei Gramm pro Liter bei drei bis fünf Anwendungen vor der Blüte und sieben bis zehn Anwendungen nach der Blüte.
Spätestens ab Anfang/Mitte Juli sollten ergänzende Maßnahmen erfolgen. Dies kann zum Beispiel der Einsatz von Kupferpräparaten in normaler oder reduzierter Konzentration ab diesem Zeitpunkt sein. VitoVin-Pflanzenstärkung sollte aber während den Wachstumsphasen weiterhin vorbeugend und regelmäßig alle sieben bis zehn Tage als Ergänzung zur Standardbehandlung eingesetzt werden.
Die Gesamtaufwandmenge von VitoVin beträgt maximal 18 Kilogramm Extraktpulver pro Hektar im Jahr.
Fazit: Traubenkernextrakte stellen bei vorbeugender und angepasster Anwendung ein wirkungsvolles Mittel zur Rebstärkung dar. Der Einsatz kupferhaltiger Fungizide kann dadurch deutlich reduziert oder vermieden werden.
Reduktion von Kupfer
Auch wenn Kupferpräparate nicht vollständig durch Traubenkernextrakte ersetzt werden können, stellen diese doch eine gute Möglichkeit dar, den Kupfereinsatz weiter zu reduzieren. Bei frostfreier, trockener und dunkler Lagerung zwei Jahre haltbar.
Informationen zum Projekt
Im Öko-Wein- und Landbau sind Präparate auf Kupferbasis die einzigen voll wirksamen zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen eine Reihe pilzlicher Pflanzenkrankheiten. Diese können zu hohen Ertragsverlusten bis hin zu Totalausfällen führen. Kupferhaltige Pflanzenschutzmittel sind jedoch stark umstritten. Ein Hauptproblem ist die Anreicherung dieses Schwermetalls im Boden und die daraus resultierenden Auswirkungen auf das Bodenökosystem. Deshalb sind Verfahren und Mittel gefragt, die eine Reduktion dieser Kupfereinträge ermöglichen. Im Weinbau fallen bei der Ernte große Mengen Traubentrester an, die für eine weitere stoffliche Nutzung prädestiniert sind. Traubenkernextrakte enthalten primäre und sekundäre Pflanzenstoffe, die die pflanzeneigene Abwehr stärken können.
Im Projekt wurde zunächst die Gewinnung von Extrakten, deren Zusammensetzung und Lagerfähigkeit untersucht. Anschließend wurden die verschiedenen selbst produzierten und zugekauften Extrakte aus Traubenkernen im Gewächshaus und Semi-/Freiland unter künstlichen oder natürlichen Infektionsbedingungen an Reben und Tomaten untersucht.
In vorangegangenen Laborversuchen zeigten die Extrakte meist keine hemmenden Effekte auf die eingesetzten Erreger, diese wuchsen im Gegenteil bei höherer Extrakt- Konzentration im Kulturmedium meist sogar deutlich besser.
Bei den Versuchen unter Einbeziehung von Pflanzen im Gewächshaus und später im Freiland zeigten die mit Extrakten behandelten Reben jedoch eine deutlich reduzierte Infektionsstärke. Auch an Tomaten konnten teilweise positive Effekte festgestellt werden. Als Summenparameter für den Gehalt an Polyphenolen der verschiedenen Extrakte hat sich der Gesamtphenolgehalt als sinnvoll herausgestellt.
Bei Gesamtphenolgehalten von 1 bis 1,5 Gramm pro Liter weisen die Extraktlösungen sehr positive Effekte bei den Gewächshausund Freilandversuchen an Reben auf.
Im Freiland unter natürlichen Infektionsbedingungen konnten manche Mischungen Wirkungsgrade ähnlich dem als Vergleich eingesetzten Kupfermittel Cuprozin flüssig® erreichen. In der Tabelle sind die Wirkungsgrade als Maß für die Pflanzenstärkung bei den verschiedenen Versuchen an Reben dargestellt, wie sie durch Applikation mit Extrakten erreicht wurden.
Besonders in den ersten Wochen der Vegetationszeit konnten die positiven Effekte bei den Reben beobachtet werden, es traten fast ausschließlich Blattinfektionen auf, Gescheinsinfektionen wurden nur sehr vereinzelt festgestellt. Ab Anfang/Mitte Juli steigt die Infektionszahl an den jungen Blättern mit zunehmendem Infektionsdruck jedoch deutlich an, während weiterhin keine Gescheinsinfektionen auftreten.
| Wirkungsgrade in % der verschiedenen Infektionsversuche | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Versuchsjahr | 2010 - 2013 | 2012 | 2012 | 2013 | 2014 | ||
| Versuchsort | Gewächshaus | Freiland | Freiland | ||||
| Infektionsart | künstliche Infektion | natürliche Infektion | natürliche Infektion | ||||
| Rebsorte | Müller-Thurgau | Schwarz-riesling | Riesling | Riesling | Cabernet Dorsa | Char-donnay | |
| Kontrolle | 0 | 0 | 0 | 0 | |||
| EE 1 g/l | 63 | 4 | 57 | ||||
| EE 1 g/l + Schwefel | 95 | ||||||
| EE grob, heiß extr. 1 g/l | 48 | ||||||
| EE fein, heiß extr. 1 g/l | 66 | ||||||
| EE 1,5 g/l | 74 | 54 | |||||
| EE 1,5 g/l + Netzm. | 52 | 28 | |||||
| FE 1 g/l | 83 | 4 | 72 | 61 | 64 - 71 | 42 | |
| FE 0,5 g/l + Netzm. | 58 | 21 | |||||
| FE 1 g/l + Netzm. | 82 | 41 | |||||
| FE. 1 g/l + 80 % Cu | 17 - 27 | 7 - 22 | |||||
| Cuprozin flüssig | 50 | 64 | 30 - 40 | 55 | 24 | ||
| EE = Eigenextrakt; FE = Fremdextrakt | |||||||
- Thorsten Pollatz, RLP AgroScience GmbH, Neustadt/Weinstraße
- Sylvia Cergel, Trifolio-M GmbH, Landau
RLP AgroScience GmbH
Breitenweg 71
67435 Neustadt/Weinstraße
Sandra Siemoneit-Gast
E-Mail: sandra.siemoneitagroscience.rlpde
Telefon: 06321 / 671257
11/2010 – 12/2014

