Crowdbutching

Crowdbutching und Schweineleasing – Biofleisch online vermarkten

Crowdbutching bedeutet, gemeinsam im Internet eine Kuh, ein Schwein oder ein Huhn zu kaufen, so dass das komplette Tier verwendet wird und nichts verloren geht. Der Begriff setzt sich aus den englischen Worten für Menge (crowd) und Schlachtung (butching) zusammen. Es kombiniert Crowdfunding und Butching – die Verbraucherinnen und Verbraucher beteiligen sich aber nicht an einem Betrieb, sondern an einem einzelnen bestimmten Tier. Die Tiere sind im Internet mit Ohrmarke dargestellt und Diagramme oder andere Darstellungen zeigen, zu welchem Anteil ein Tier bereits verkauft wurde. Crowdbutching ist im Prinzip eine konsequent direkte Form der Schlachttiervermarktung: Das Tier wird komplett vermarktet und kommt von der Bäuerin oder dem Bauern direkt zur Kundin oder zum Kunden.

Welche Vorteile bietet Crowdbutching für die Händlerin oder den Händler?

Die Tiere werden erst nach Bestellung geschlachtet. Auf diese Weise kann die Händlerin oder der Händler den bewussten Konsum von Fleisch vorantreiben. Käuferinnen und Käufer möchten immer mehr wissen, wie das Tier gehalten wurde, was es gefressen hat, wie es geschlachtet und zerlegt wurde. Ein Handelsunternehmen kann diesen Vorgang mit seiner Plattform transparenter machen und so auch einen Kundenstamm erschließen, der eine Mehrzahlungsbereitschaft zeigt. Es handelt sich um eine Form der Direktvermarktung, die zwar nicht unbedingt den Besuch auf dem Hof einschließt, aber die Anonymität des Landwirtinnen und Landwirten aufhebt und das Tier zu einem Individuum macht.

Wie hat alles angefangen? Was gibt es noch für Konzepte?

In Sachsen-Anhalt gab es mit meinBiorind.de einen der ersten Crowdbutcher und in Bayern wurde als einer der ersten die Internetmetzgerei Crowdbuchting.com GmbH ins Leben gerufen. Für die gelungene Umsetzung der gemeinschaftlichen Tiernutzung auf ihren Webseiten www.kaufnekuh.de und www.kaufeinschwein.de hat das Start-up 2018 den Förderpreis "Zu gut für die Tonne" bekommen.

Ein ähnliches Konzept ist das sogenannte Schweineleasing. In diesem Fall zahlen die Kundinnen oder Kunden pro Lebensmonat für "Kost und Logis" eines bestimmten Tieres und am Ende für die Schlachtung und Zerlegung. Die Landwirtinnen und Landwirte haben schon während der Lebenszeit der Tiere einen Teil gesichertes Einkommen und sichere Abnehmer für ihre Tiere. Das funktioniert vor allem dann gut, wenn besondere Haltungsformen oder Rassen damit verbunden sind. Zum Beispiel bietet der Hutewaldhof im niedersächsischen Dannenberg die alte Haustierrasse Angler-Sattler-Schweine an, die noch dazu im Herbst zur Eichelmast im Wald weiden. Es gibt verschiedene Varianten von Fleischpaketen, zwischen denen Kundinnen und Kunden wählen können. Von der komplett zerlegten Lieferung bis zur Mithilfe beim Zerlegen und Verpacken auf dem Hof ist alles möglich. Auch der Eifelhof in Sachsen-Anhalt bietet über meinbioschwein.de Schweineleasing an.

Herausforderungen des Crowdbutching

Das im norddeutschen Raum ansässige Unternehmen besserfleisch kann sich nach eigenen Aussagen vor Anfragen kaum retten. Innerhalb von drei Stunden sei beispielsweise eine ganze Kuh verkauft. Das Unternehmen hat aber Schwierigkeiten, auch Kundenanfragen im süddeutschen Raum zu bedienen. Bisher hat besserfleisch in Süddeutschland keine Schlachterei gefunden, die die Tiere zerlegen kann. Lange Transportwege von lebenden Tieren will das Fleisch-Start-up aber vermeiden. Für kleine Schlachtbetriebe sind die Hygieneauflagen oft hoch und die hohen Kosten behindern ein gutes regionales Versorgungsnetz. Hier könnte sich das Handelsunternehmen einbringen, indem es Logistikdienstleitungen übernimmt oder das eigene Geschäft als "Abholstation" anbietet.

Um mit der steigenden Nachfrage Schritt halten und dafür mehr Rinder am Tag schlachten zu können, fehlen schlichtweg die Landwirtinnen und Landwirte. Die an das Direktvermarktungssystem angeschlossenen Erzeugerinnen und Erzeuger haben oftmals kleine Höfe und nur eine begrenzte Anzahl an Tieren, die monatlich geschlachtet werden können. Da beißt sich also die Katze beziehungsweise die Kuh in den Schwanz. Denn um die steigende Nachfrage zu bedienen, müssten die Höfe größer sein oder noch mehr Betriebe dazustoßen. Gleichzeitig könnten sich Landwirtinnen und Landwirte in weiteren Regionen zu ähnlichen Plattformen zusammenschließen oder zu bestehenden dazustoßen. Voraussetzung wären auch dafür regionale Schlacht- und Verarbeitungsmöglichkeiten.

Einige Verbraucherinnen und Verbraucher hält der Verpackungsmüll (zum Beispiel Styroporboxen, Luftkissenverpackungen, Kühl-Gel-Kissen), der beim Fleischversand anfällt, von einem Kauf im Internet ab. Deshalb arbeiten einige Anbieter mit kompostierbarem Verpackungsmaterial oder bieten den Kundinnen und Kunden an, dass Verpackungen zurückgeschickt und wiederverwendet werden können. Das bietet den Händlerinnen und Händlern wiederum die Möglichkeit, die Ware im Laden zu bündeln und die Kundschaft zum Teilen eines Tieres anzuregen. So würde der Versand komplett wegfallen.

Noch Potential für Händlerinnen und Händler

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist es nicht immer einfach, gutes Fleisch zu finden beziehungsweise es als solches zu identifizieren. Die Anzahl der Metzgereien in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Das Prinzip des Crowdbutching scheint den Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher nach mehr Transparenz genau zu treffen und bietet demnach noch viel Potential, auch für die Händlerin oder den Händler. Waren es sonst oftmals die Landwirtinnen und Landwirte, die sich für Crowdbutching zusammengeschlossen haben, kann diese Initiative durchaus auch von dem Händler oder der Händlerin ausgehen. Möglich wäre auch, die bestehenden Abo-Kisten oder Onlineshops so zu erweitern, dass Tiere nach dem Crowdbutching-Prinzip verkauft werden können.

Um auf Crowdbutching aufmerksam zu machen, ist es für Händlerinnen und Händler wichtig, die Präsenz im Internet über die verschiedenen Social Media Kanäle zu nutzen. So wird auch die jüngere Generation erreicht. Über den Internetauftritt können zudem die Vertragsbäuerinnnen und -bauern ausführlich vorgestellt werden. Kundinnen und Kunden interessieren sich neben der Herkunft, Rasse und Schlachtung der Tiere vor allem für folgende Fragen:

  • Wie alt war das Tier?
  • Wie oft war es draußen auf der Weide?
  • Wieviel Platz hatte es im Stall?
  • Welches Futter hat es bekommen?
  • War es eine Kuh, eine Färse, ein Bulle oder ein Ochse?

All diese Fragen sollten Händlerinnen und Händler ihrer Kundschaft beantworten können.

Das Aushändigen von Kochanleitungen für Fleischstücke, die Verbraucherinnen und Verbraucher vielleicht nur selten oder noch nie in der Küche genutzt haben, sind sehr hilfreich.


Letzte Aktualisierung 10.04.2019

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