Ökologischer Rapsanbau

Ökologischer Rapsanbau

Ökoraps wurde 2015 in Deutschland auf einer Fläche von 2.600 Hektar angebaut. Damit erreicht der Ökoraps gerade mal einen Anteil von 0,2 Prozent an der gesamten deutschen Rapsanbaufläche, die 2015 bei knapp 1,3 Millionen Hektar lag. Der Grund für den geringen Anbauumfang ist das im Vergleich zum konventionellen Anbau höhere Ertragsrisiko. Schädlinge und Krankheiten, Spätverunkrautung, die lange Kulturdauer sowie die hohen Ansprüche an die Stickstoffversorgung stellen im Ökolandbau besondere Herausforderungen dar. Als Hauptrisikofaktor gilt bei vielen Ökolandwirtinnen und -landwirten der Rapsglanzkäfer, der bei starkem Befall zu Totalausfällen führen kann. 

Abhängig vom Standort kann das Risiko jedoch auf ein vertretbares Minimum reduziert werden, sodass sich der Rapsanbau für so manchen Biobetrieb lohnen kann – insbesondere in Mittelgebirgslagen oder in Küstennähe, wo der Schädlingsdruck geringer ist. Rapsöl ist ernährungsphysiologisch sehr wertvoll und wird im Ökobereich vor allem zur Herstellung von (kaltgepresstem) Speiseöl verwendet. Die Erträge liegen im ökologischen Anbau im Schnitt bei 20 Doppelzentner pro Hektar und damit um fast die Hälfte geringer als im konventionellen Rapsanbau. Aufgrund des geringen heimischen Angebots suchen deutsche Ölmühlen derzeit verstärkt nach Biorapslieferanten und zahlen gute Preise.

Standort

Für den Rapsanbau am besten geeignet sind mittelschwere, tiefgründige, humus- und nährstoffreiche Böden mit einem pH-Wert zwischen 6,5 und 7. Nicht geeignet sind extrem leichte, flachgründige sowie extrem schwere und staunasse Böden. Sehr wichtig ist eine ausreichende Wasserversorgung. Vor allem in der Schoss- und Blütenphase benötigt Raps viel Wasser. Jahresniederschlagsmengen zwischen 600 und 800 Millimeter sind daher optimal. Das Vernalisationsbedürfnis von Raps ist eher gering. Ein Kältereiz um den Gefrierpunkt über einen Zeitraum von drei Wochen reicht bereits aus, um das Strecken des Sprosses und die Blüte auszulösen. Lagen mit geringem Schädlings- und Krankheitsdruck sind besonders günstig.

Fruchtfolge

Der Raps hat hohe Ansprüche an eine gute Stickstoffversorgung und Bodenstruktur. Wegen der frühen Saatzeit im August, ist zudem eine zeitige Ernte der Vorfrucht erforderlich. Geeignete Vorfrüchte für Raps sind daher Kleegras oder Körnerleguminosen. Wird Raps nach Getreide angebaut, muss eine ausreichende Stickstoffversorgung gewährleistet werden. Zu empfehlen ist in diesem Fall der Anbau nach Gerste, da dann noch genügend Zeit für eine ausreichende Unkrautregulierung bleibt. 

Wegen Kohlhernie und anderen Krankheiten muss eine Anbaupause von vier bis fünf Jahren eingehalten werden. Dies gilt auch für andere Kreuzblütler wie Senf, Ölrettich oder Rübsen, die als Zwischenfrüchte oder Gründüngung angebaut werden. Raps selbst gilt als sehr gute Vorfrucht, die den Boden stark durchwurzelt und beschattet und daher einen positiven Einfluss auf das Bodengefüge hat. Die Kultur verfügt über ein gutes Stickstoffaufnahmevermögen im Herbst und hinterlässt große Mengen an leicht zersetzbaren Ernterückständen. 

Saat

Winterraps wird idealerweise zwischen dem 15. und 25. August ausgesät. Je nach Lage kann aber auch noch bis in die erste Septemberwoche gesät werden. Eine frühe Saat begünstigt die Stickstoffaufnahme und die Pflanzenentwicklung, damit die Pflanzen kräftig in den Winter gehen. Angestrebt wird die Überwinterung der Rapspflanze als gut ausgebildete Rosette mit acht bis zehn Blättern, einem Wurzelhalsdurchmesser von mindestens acht bis zehn Millimetern und einer Pfahlwurzel von 15 bis 20 Zentimeter Länge. 

Der Boden sollte frühzeitig vor der Saat bearbeitet werden. Auf diese Weise können Ausfallgetreide und Unkräuter noch zum Keimen gebracht und beseitigt werden. In der Regel wird der Boden gepflügt – insbesondere nach ein- oder mehrjährigem Kleegras. Das Saatbett sollte in den oberen drei bis vier Zentimetern locker und feinkrümelig sein, darunter gut rückverfestigt. Die Saattiefe für optimale Keimbedingungen beträgt zwei Zentimeter. Richtwerte für die Saatstärke gibt die folgende Tabelle. Generell gilt: Je später die Saat, desto höher die Saatstärke.

Tabelle: Richtwerte für Saatstärken (keimfähige Körner je Quadratmeter):
SaatzeitLiniensortenHybridsorten
10. bis 20. August50 – 70
20. bis Ende August60 – 8045 – 60
1. Septemberwoche75 – 9555 – 70

Raps kann in Breitsaat oder in Reihen gesät werden. Eine enge Saat wirkt sich zwar positiv auf die Beschattung und Unkrautunterdrückung aus. Bei Breitsaat sowie Reihenweiten unter 20 Zentimeter kann jedoch nicht gehackt werden, was bei hohem Unkrautbesatz ungünstig ist. Üblich sind Reihenweiten von 20 bis 50 Zentimeter. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass der Reihenabstand keinen wesentlichen Einfluss auf den Ertrag hat, da die Rapspflanze sehr anpassungsfähig ist: Je mehr Standraum die Pflanze hat, umso stärker verzweigt sie sich und umso höher ist die Schotenzahl pro Pflanze.

Sorten

Reine Ökorapssorten gibt es nicht. Bei einigen Sorten steht aber Saatgut aus ökologischer Vermehrung zur Verfügung. Sollte dies für die gewünschte Sorte nicht verfügbar sein, muss auf konventionelles Saatgut zurückgegriffen werden. Eine Übersicht über verfügbares Ökosaatgut bietet die Onlinedatenbank organicXseeds.org. Bei der Sortenwahl sollten Praktikerinnen und Praktiker darauf achten, auf eine Sorte zurückzugreifen, die auch mit einem geringeren Stickstoffangebot zurechtkommt. Ergebnisse aus Ökosortenversuchen mit Winterraps stehen bisher leider nur in geringem Umfang zur Verfügung. Daher muss die Leistungsfähigkeit der Rapssorten meist aus konventionellen Landessortenversuchen abgeleitet werden. 

Unkrautregulierung

Durch eine frühzeitige und sorgfältige Saatbettbereitung, sowie das ein- oder zweimalige Striegeln vor der Saat kann dem Unkrautdruck vorgebeugt werden. Weiterhin muss durch die Wahl geeigneter Sorten und ausreichend Stickstoff dafür gesorgt werden, dass sich der Pflanzenbestand im Herbst zügig entwickelt und die Reihen sich schnell schließen. In Reihenkulturen hat sich eine mechanische Unkrautregulierung mit der Hacke als sehr wirksam erwiesen. Dafür muss allerdings ein Reihenabstand von mindestens 20 Zentimeter eingehalten werden. Das Hacken kann im Herbst und im Frühjahr erfolgen. 

Düngung

Eine optimale Stickstoffversorgung ist eine entscheidende Voraussetzung für einen erfolgreichen Rapsanbau. Dies ist zum einen durch eine optimierte Stellung des Rapses in der Fruchtfolge – im besten Fall nach Kleegras –, zum anderen durch den Einsatz von Wirtschaftsdüngern oder organischen Handelsdüngern sicherzustellen. Zwei Drittel des Stickstoffs benötigt der Raps im zeitigen Frühjahr bis zum Schossen. Diesem Bedarf kann besonders auf mittleren, gut erwärmbaren Böden entsprochen werden, die eine frühzeitige Stickstoffmineralisierung gewährleisten und ein frühes Befahren für die Ausbringung von Gülle erlauben. 

Neben Stickstoff hat Raps hat einen relativ hohen Schwefelbedarf. Wird regelmäßig mit Wirtschaftsdüngern wie Mist oder Kompost gedüngt, ist eine zusätzliche Schwefeldüngung in der Regel unnötig. Bei akutem Mangel, sollten schnell wirksame mineralische Schwefeldünger zum Einsatz kommen, die nach den Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau zugelassen sind.

Krankheiten und Schädlinge

Der Schädlingsbefall stellt im Rapsanbau das größte Risiko dar. Häufig auftretende Schädlinge sind Erdflöhe, Rapsstängelrüssler, Kohltriebrüssler und der Rapsglanzkäfer. Der Rapsglanzkäfer wird von den meisten Rapsanbauern als der wichtigste Problemschädling im Rapsanbau wahrgenommen, denn er kann im ökologischen Anbau zu Totalausfällen führen. Es gibt derzeit nur sehr wenige wirksame ökologische Bekämpfungsmöglichkeit. Eine gute, wenngleich auch nur kurzfristige Wirkung konnte in Versuchen mit Gesteinsmehlen und Ölen erreicht werden. 

Auch Schnecken können im Rapsanbau ein Problem darstellen. Sie können aber vorbeugend bekämpft werden, indem man das Saatbett ausreichend rückverfestigt und damit Hohlräume im Krumenbereich minimiert. Bei starkem Auftreten können Schnecken mit zugelassenen Präparaten auf Basis von Eisen-III-Phosphat erfolgreich bekämpft werden. Pflanzenkrankheiten spielen wegen des geringen Anbauumfangs und der vielgliedrigen Fruchtfolge im ökologischen Landanbau dagegen kaum eine Rolle.

Mehr zu Krankheiten und Schädlingen an Raps

Ernte

Die Rapspflanze reift unterschiedlich ab. Wenn die oberen Schoten aufplatzen, sind die untersten Schoten in der Regel noch nicht ausgereift. Der Erntetermin eines Bestandes ist dann erreicht, wenn die obere Hälfte der Stängel graugelb verfärbt und trocken ist. Die Körner rascheln dann beim Schütteln in den Schoten und glänzen tiefschwarz. Unter normalen Witterungsbedingungen wird der Raps bei 11 bis 12 Prozent Feuchte gedroschen. Bei der Ernte ist höchste Sorgfalt geboten, um Ausfallraps zu vermeiden. Unmittelbar nach der Ernte muss der Raps schonend gereinigt und auf einen Endfeuchtegehalt von maximal acht Prozent getrocknet werden, damit eine risikoarme Lagerung möglich ist.

Erfahrungsgemäß schwanken die Erträge je nach Boden, Stickstoffversorgung und Schädlingsbefall zwischen weniger als zehn und deutlich mehr als 30 Doppelzentner je Hektar. Angestrebt wird im Schnitt ein Ertrag von 20 Doppelzentner.


Letzte Aktualisierung 14.09.2017

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