Hof Frohnenbruch: Glückliche Tiere, glückliche Kundschaft

Hof Frohnenbruch: Glückliche Tiere, glückliche Kundschaft

Maximales Tierwohl, Transparenz und und die Erzeugung und Vermarktung von hochwertigen Fleischprodukten zeichnen den Hof Frohnenbruch in Kamp-Lintfort aus. Hier werden alle Tiere, auch Masthähnchen und Schweine, ganzjährig im Freiland gehalten. Dafür wurde der Betrieb Anfang 2025 beim Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau ausgezeichnet.

"Nachts kommt hier sogar der Biber raus", sagt Betriebsleiter Klaus Bird und zeigt auf den idyllischen Weiher, der direkt an die Außenterrasse des Hofcafés grenzt. Diese Idylle setzt sich rund um den Hof Frohnenbruch der Familie Bird fort. Auf den umliegenden Weiden sieht man freilaufende Schweine, Rinder, Hühner und sogar Masthähnchen. Café und Hofladen sind in ein denkmalgeschütztes Betriebsgebäude integriert, das in früheren Zeiten als Wasserschloss und Rittersitz diente.

Diesen Rahmen nutzt der Bio-Betrieb für ein ungewöhnliches Betriebskonzept. "Wir haben uns voll auf die Erzeugung und Vermarktung von hochwertigem Bio-Fleisch spezialisiert", sagt Betriebsleiter Klaus Bird. Mit Abstand wichtigster Vermarktungsweg ist der Hofladen, über den nahezu das gesamte, selbst erzeugte Fleisch verkauft wird. Das sind immerhin 60 komplette Rinder, 2.000 Fleischhähnchen und 120 Schweine. Dazu kommen noch etwa 180.000 Eier im Jahr.

Für dieses ungewöhnliche und sehr erfolgreiche Betriebskonzept wurde der Hof Frohnenbruch Anfang 2025 beim Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau vom Bundesminister als einer von drei Betrieben ausgezeichnet.

Dabei profitiert der Hof nahe dem niederrheinischen Kamp-Lintfort von einem großen Einzugsgebiet am westlichen Rand des Ruhrgebiets mit etwa einer Millionen Menschen. Die Stammkunden nehmen bis zu 20 Kilometer Anfahrt in Kauf, um im Hofladen einzukaufen oder das Café zu besuchen.

Doch es ist nicht allein die idyllische Lage, die Kunden und Cafégäste auch in der Woche schon früh am Morgen anzieht. Der 2022 neu gebaute Hofladen ist sehr ansprechend gestaltet und bietet mit über 2.800 Artikeln ein Bio-Vollsortiment, das von Brot und Nudeln über Milchprodukte und Gemüse bis zu Tiefkühlpizza und Bio-Putzmittel reicht.

Den Mittelpunkt des Ladens bildet eine meterlange Fleischtheke mit verschiedensten Fleischprodukten aus der hauseigenen Bio-Metzgerei. Hier finden Kunden Teilstücke von Rind, Schwein und Geflügel, aber auch Spezialitäten wie frische Rinderbratwurst, Käsekrainer und Leberwurst in Top-Qualität.

Auch außerhalb der Fleischtheke sind hausgemachte Spezialitäten mit dem Frohnenbruch-Logo im Laden allgegenwärtig. Dazu gehören vor allem Convenience-Produkte im Schraubglas wie zum Beispiel Currywurst, Apfelgulasch, verschiedene Suppen oder Barbecue-Soßen. Die selbsthergestellten Produkte machen knapp die Hälfte des Sortiments aus.

"Unsere hausgemachten Convenience-Produkte kommen unheimlich gut an, obwohl sie ihren Preis haben", berichtet Klaus Bird. Und sie haben den Vorteil, dass etwa das leicht verderbliche Geflügelfleisch bis zu 1,5 Jahre haltbar gemacht werden kann. "Das bietet uns Flexibilität bei der Vermarktung", meint Klaus Bird. Allerdings ist die Herstellung mit relativ großem Aufwand verbunden, weil strenge Vorgaben für die Dokumentation und die Einhaltung der Hygieneregeln gibt.

Der Markenkern des Hofs ist jedoch die besondere Art der Tierhaltung. "Wir setzen auf maximales Tierwohl", sagt Klaus Bird. "Das ist für uns eine absolute Herzensangelegenheit. Und es garantiert eine besondere Fleisch-Qualität."

Der Bioland-Betrieb übertrifft bei allen Tierarten die ohnehin schon hohen Haltungsvorgaben des Verbandes. So werden alle Tiere ganzjährig im Freiland gehalten, was bei Masthähnchen und Schweinen eine absolute Ausnahme ist. Für die Freilandhaltung der Schweine wurde sogar ein eigenes System mit wechselnden Kleegrasflächen entwickelt. Die Hähnchen werden wie die Legehennen in Mobilställen gehalten.

Der hohe Anspruch beim Tierwohl ist jedoch mit einem deutlichen Mehraufwand verbunden. Deshalb liegen die Preise für die eigenen Fleischprodukte etwa 30 bis 40 Prozent höher als bei Bio-Fleisch nach EU-Öko-Standard. "Wir machen Landwirtschaft, wie die Leute es haben wollen. Aber das heißt natürlich auch, dass es angemessen honoriert werden muss", sagt der Betriebsleiter.

Damit dieser Ansatz funktioniert, setzt die Familie auf eine intensive Kommunikation - bei der Außendarstellung und auf dem Hofgelände. Der Betrieb hat dafür eine sehr attraktive Webseite, die intensiv gepflegt wird, und ist sehr aktiv auf zwei Social-Media-Plattformen. Hier wird in der Regel täglich über Aktionen, Veranstaltungen oder Ereignisse auf dem Hof (Kälber-/Ferkelgeburten) berichtet. Zudem pflegt die Familie enge Kontakte zum Lokalfernsehen und zu regionalen Zeitungen, die regelmäßig über die zahlreichen Events auf dem Hof berichten.

"Wir wollen die Leute auf den Hof holen. Denn hier können wir zeigen, wie wir unsere Tiere halten und welche Art von Landwirtschaft hinter den Produkten steht", erklärt Klaus Bird. So gibt es zum Beispiel Steak- und Pork-Tastings oder saisonale Events wie das Bemalen von Ostereiern für Kinder.

Ein Renner sind die sogenannten Hof-Safaris, eine Rundfahrt über die Betriebsflächen auf einem Anhänger mit Strohballen. Dabei werden vor allem die Besonderheiten der Freilandhaltung von Schweinen erklärt. Das ist nach Birds Erfahrung für alle Teilnehmer immer absolut überzeugend, "weil hier jeder auf den ersten Blick sieht, wie wohl sich die Tiere fühlen". Bis zu 60 Fahrten werden im Jahr angeboten.

Zudem hat Bird festgestellt, dass sich die Kunden "Action" in der Landwirtschaft wünschen. "Früher habe ich vor Öffnung des Ladens immer alle Tiere gefüttert und den Hof gefegt", erzählt der Betriebsleiter. "Bis ich gemerkt habe, dass Kinder und Eltern gerne bei der Arbeit zuschauen und, wenn möglich, auch mit anpacken wollen beim Fegen oder Futter vorlegen. Dafür muss es gar nicht perfekt aussehen." Ohnehin können sich alle Besucherinnen und Besucher frei auf dem Hof bewegen und sich anschauen, wie die Tiere im offenen Stall und auf den Betriebsflächen gehalten werden.

Diese Transparenz setzt sich auch bei der 2022 neu gebauten Hof-Metzgerei fort. In einer Seitenwand wurden hier bewusst Sichtfenster eingebaut, damit die Kundinnen und Kunden jederzeit sehen können, wie das hofeigene Bio-Fleisch verarbeitet wird und Spezialitäten wie Spareribs oder Wurst entstehen.

Der Erfolg des Betriebskonzepts beruht aber nicht nur auf einer gelungenen Kommunikation und hochwertigen Produkten. Auch die Organisation der Abläufe ist sehr professionell. Dafür nutzt Bird auch viele digitale Anwendungen. Im Hofladen und im Café setzt er professionelle Warenwirtschaftssysteme ein mit automatischer Nachbestellung von Artikeln. Im Café werden Bestellungen wie im professionellen Gastrobereich per Handy aufgenommen und direkt an die Küche weitergeleitet. Die Möglichkeit zur Kartenzahlung ist hier selbstverständlich und wird inzwischen von knapp 80 Prozent aller Kunden und Gäste genutzt.

Sehr beliebt bei den Gästen ist das digitale Reservierungssystem, mit dem ein Tisch über die Webseite des Hofs gebucht werden kann. Auch Klaus Bird ist damit sehr zufrieden: "Das System spart uns viel Arbeitszeit und ist wesentlich übersichtlicher als ein analoges Gästebuch. Außerdem werden wiederkehrende Gäste automatisch angezeigt, die wir dann noch einmal ganz anders ansprechen können."

Als weiteren digitalen Service gibt es an jedem Tisch die Möglichkeit, selber per QR-Code zu bestellen. Seit Anfang des Jahres hat Bird auch ein Bonusprogramm für den Einkauf im Hofladen integriert. Nach der Anmeldung erhalten Stammkunden beim nächsten Einkauf drei Prozent Rabatt auf alle Artikel. In nur drei Monaten haben sich zu Birds Überraschung bereits 75 Prozent der regelmäßigen Kunden hier angemeldet.

Als ganz wesentlichen Teil der Organisation sieht der Betriebsleiter auch die intensive Kommunikation mit den 22 festen Mitarbeitenden. Dafür gibt es jede Woche ein festes Treffen mit den Bereichsleitenden. In den Treffen wird besprochen, wie sich Arbeitsabläufe weiter optimieren lassen, welche Aktionen in der Woche geplant sind und wer dafür welche Aufgaben zu erledigen hat. Alle wichtigen Punkte werden in einem Protokoll festgehalten.

Das Konzept des Betriebs lebt aber nicht zuletzt von einer sehr intakten Familienstruktur. Die beiden Kinder Paul und Eva Bird haben sich frühzeitig entschieden, in den Betrieb einzusteigen und ihn später zu übernehmen. Das machte die heutigen professionellen Strukturen erst möglich. Denn nur wegen der gesicherten Nachfolge lohnte es sich für Klaus Bird und seine Frau Bärbel, in einen modernen Hofladen zu investieren und eine eigene Gastronomie aufzubauen.

Der Einstieg in die eigene Bio-Fleischverarbeitung mit einer breiten Produktpalette wurde nur möglich, weil sich Bärbel Bird im Jahr 2006 für eine Ausbildung zur Metzgermeisterin entschied. Davor konnte der Hof nur Rinderviertel vermarkten. Auch Tochter Eva Bird ist Metzgermeisterin. Sie tüftelt laufend an neuen Spezialitäten und entwickelt den Hofladen weiter. Sohn Paul hat Freilandschweinehaltung mit Ferkelaufzucht mit etwa 150 Tieren selbstständig entwickelt und auf dem Hof etabliert. Davor gab es keine Schweine.

"Wir sind uns absolut bewusst, wie wertvoll dieser Familienzusammenhalt ist", sagt Klaus Bird. Dass sich daran auch nach vielen Jahren der Zusammenarbeit nichts geändert hat, liegt an einigen geschickten Regelungen. „Jeder hat seinen eigenen Bereich, von dem die anderen nur wenig Ahnung haben“, sagt Bird. „So vermeiden wir unnötige Diskussionen und Besserwisserei.“ Außerdem gibt es keinen gemeinsamen Haushalt. Eva hat eine eigene, abgetrennte Wohnung auf dem Betrieb, Paul wohnt außerhalb des Hofs.

Für die notwendigen Entscheidungen, die rund um den Betrieb getroffen werden müssen, trifft sich die Familie regelmäßig mindestens alle zwei Monate an einem "neutralen Ort". Auch hier wird immer ein Protokoll geführt und es gibt klare Arbeitsaufträge für jedes Familienmitglied.

Der neueste, gemeinsam erarbeitete Plan für den Betrieb ist die Anschaffung von Tiny Houses als Ferienwohnungen für die Gäste. Die Häuser sollen direkt am idyllischen Hofweiher stehen. Wahrscheinlich keine schlechte Idee, denn so bekommen die Besucher nicht nur zufriedene Nutztiere zu sehen, sondern vielleicht auch einen echten Biber.


Letzte Aktualisierung 16.10.2025

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