Landwirtschaftlicher Betrieb Matthias Frantz: Kindergarten auf dem Bauernhof
07957 Langenwetzendorf
Das Schadbild der Spinnmilbe wird am Hopfen auch als „Kupferbrand“ bezeichnet. Die ersten Symptome zeigen sich an den unterenBlättern in Form gelber Flecken, insbesondere in der Nähe des Blattstielansatzes, wo die Blattadern zusammenlaufen. Stark befallene Blätter vertrocknen langsam, verfärben sich graubraun bis fahl orangebraun und kupferrot und fallen schließlich ab.
Auf den Blattunterseiten sind mit einer Lupe die winzigen achtbeinigen Milben und ihre glasig-weißen Eier erkennbar. Dort und schließlich auf der gesamten Pflanze bilden die Milben Gespinste aus. Wenn die Blätter zu dicht besiedelt werden, befallen sie im Hoch- und Spätsommer auch die Dolden, die sich sehr schnell ähnlich wie die Blätter verfärben und austrocknen.
Die gelblichen Milben mit den zwei charakteristischen dunklen Rückenflecken werden etwa einen halben Millimeter lang, die Männchen sind etwas kleiner. Die Farbe kann von grünlich bis bräunlich variieren, überwinternde Weibchen sind orange-rot gefärbt.
Thripse führen zu Saugschäden im Frühjahr, die zu einem hellen, silbrig glänzenden Aussehen der Blätter und Dolden führen können, das Milbenbefall ähnelt. Thripslarven sind gelblich bis grünlich, ausgewachsene Tiere schwarz und geflügelt. Sie verursachen keine wirtschaftlichen Schäden.
Die Gemeine Spinnmilbe ist ein weltweit verbreiteter Schädling von mehr als 180 Kulturpflanzen. Die Gemeine Spinnmilbe an Obst-, Wein-, Gemüse- und Ackerkulturen beschreibt ein gesondertes Schädlingsporträt.
Die Milbe sticht die inneren Gewebezellen des Blattes auf um den nährstoffreichen Zellsaft aufzusaugen. Die aufgestochenen Zellen brechen zusammen, der Wasserverluste der Pflanze steigt. Kann nicht mehr ausreichend Wasser aufgenommen werden, welken die Blätter. Bei Befall der Dolden erreichen die Spinnmilben schnell die Zellinhalte und sind sehr gut gegen Witterungseinflüsse geschützt.
Eine milde Frühjahrswitterung sowie heiße und trockene Bedingungen begünstigen eine Massenentwicklung. Dies führt zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten bis hin zum Totalausfall. Südexponierte Lagen und Randbereiche sind stärker gefährdet. Junghopfen wird wegen der stärkeren Sonnendurchflutung im Garten und der meist späteren Ernte verstärkt geschädigt.
Die Gemeine Spinnmilbe überwintert ausschließlich in Form der meist begatteten „Winterweibchen“, die extrem tiefe Wintertemperaturen, auch mehrere Wochen bei unter ‑15 °C, überstehen können. Im Frühjahr besiedeln sie, vom Feldrand ausgehend, die Hopfenpflanzen vom Boden her und wandeln sich schnell wieder in die Sommerform um. Je milder das Frühjahr zwischen Ende Februar und Mitte Mai ist, desto früher wandern sie in den Hopfen ein (zwischen Ende April und Mitte Juli). Dementsprechend steigt ihr Potenzial, eine schädliche Befallsstärke am Hopfen zu erreichen.
Ab Mitte April beginnen die Weibchen mit der Eiablage. Bei etwa 25 °C bis 30 °C werden die meisten Eier abgelegt; bei höheren Temperaturen gehen die Eizahlen wieder drastisch zurück. Ein Weibchen produziert in ihrem zwischen zwei und fünf Wochen dauerndem Leben etwa 50 bis 100 Eier. Aus unbefruchteten Eiern entstehen stets Männchen, während sich aus befruchteten Eiern stets Weibchen entwickeln. In der Entwicklung über Larven- und mehrere Nymphenstadien wechseln sich aktive Fressphasen und beinlose Ruhephasen ab. In einer stabilen Spinnmilben-Population kommen alle Entwicklungsstadien gleichzeitig vor. Bis zur Ernte Anfang September entwickeln sich je nach den Temperaturverhältnissen sechs bis neun Generationen.
Ab Mitte Mai sind intensive Befallskontrollen an der Blattunterseite mit der Lupe nötig – auch in den mittleren und oberen Bereichen der Pflanze und bevorzugt an der Südseite (20 Blätter je Hektar). Ein leichter Befall auf jedem zweiten bonitierten Blatt lässt eine Vermehrung zu einem wirtschaftlich schädlichen Befall erwarten. Zum Zeitpunkt der Ernte stellt ein Befallsniveau von durchschnittlich 90 Tieren aller beweglichen Entwicklungsstadien (Larven, Nymphen, Adulte) noch keine Gefahr für den Ertrag oder die Inhaltsstoffe dar.
Im ökologischen Hopfenbau sind keine Pflanzenschutzmittel zur Milbenbekämpfung zugelassen.
Letzte Aktualisierung 16.09.2019