Bio-Siegel


Keimling Naturkost in Buxtehude

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Winfried Holler / Foto: Keimling Naturkost

bio-siegel.de: Seit wann sind Sie in der Bio-Branche tätig beziehungsweise seit wann stellen Sie Biolebensmittel her beziehungsweise vertreiben diese?

Winfried Holler: Vor bereits 32 Jahren, im Jahr 1984, habe ich in der Buxtehuder Altstadt den Bioladen Kernbeißer übernommen und ihn in Keimling Naturkost – Fachgeschäft für Vollwerternährung umbenannt. Meine ersten Produkte waren Biogetreide, Biovollkornbrot, Müslis, Bioobst und -gemüse, die ich bei Biobäuerinnen und -bauern der Region und Biogroßhändlern in Hamburg selbst einkaufte. Darüber hinaus vertrieb ich ungeschwefelte Trockenfrüchte frei von Konservierungsstoffen, später aus biologischem Anbau. Heute umfasst das Keimling-Sortiment über 200 Bioprodukte.

bio-siegel.de: Warum haben Sie sich dazu entschieden, Bioprodukte zu vertreiben?

Winfried Holler: Ich wurde durch meine Eltern schon sehr früh für das Thema gesunde und natürliche Ernährung sensibilisiert und bereits mit 14 Jahren wuchs der Wunsch, mit meinem künftigen Beruf die Gesundheit der Menschen zu fördern. Ein entscheidender Faktor für ein gesundes Leben ist nun mal die Ernährung – und genau da wollte ich ansetzen. Eine gesunde Ernährung ist für mich so naturbelassen wie irgend möglich, so frisch wie möglich, so wenig verarbeitet wir möglich – und frei von synthetisch- chemischen Stoffen. Statt mich an kurzlebigen Trends zu orientieren, war und ist es mir auch heute noch wichtig, Gesundheits- und Qualitätsbewusstsein als Grundsteine zu verankern und mein Unternehmen nachhaltig zu führen, der biologische Anbau ist dabei einer der entscheidenden Faktoren.

bio-siegel.de: Welche Bedeutung haben Bioprodukte am Gesamt-Umsatz Ihres Unternehmens?

Winfried Holler: Im Segment Food hat der Verkauf von Bioprodukten im vergangenen Jahr bei uns circa 90 Prozent des Umsatzes ausgemacht.

bio-siegel.de: Beschreiben Sie bitte kurz Ihre Unternehmensphilosophie.

Winfried Holler: Unser Ziel ist es, die natürliche Gesundheit der Menschen zu fördern. Daher wollen wir möglichst viele Menschen in Europa für die Rohkost begeistern, denn sie ist die natürlichste Ernährungsform. Wir sind der Zeit voraus und bieten unserer Kundschaft zukunftsorientiert die hochwertigsten Geräte und Produkte der veganen Rohküche. Dabei sind uns vor allem Maxime wie Ehrlichkeit und Verlässlichkeit enorm wichtig, da sie die Grundsteine für alle Beziehungen sowie unser Denken und Handeln sind. Wir bieten unseren Kundinnen und Kunden absolute Transparenz: Was bei uns drauf steht, ist auch drin. Wenn wir ein Produkt nicht zu 100 Prozent als Rohkost anbieten können, deklarieren wir das auch. Zudem bauen wir auf langfristige Partnerschaften – egal ob seitens Kundschaft, Händlern, Partnern oder Mitarbeitern. Auch achten wir auf Ressourcenschonung – und zwar von der Produktion bis hin zur Auslieferung an unsere Kundinnen und Kunden. Wir stehen für pure Natürlichkeit, denn alle unsere Produkte sind frei von Zusätzen und aus biologischem Anbau oder Wildwuchs sowie zu 100 Prozent vegan. Dabei wollen wir nicht nur unsere Produkte verkaufen, sondern unserer Kundschaft auch einen hervorragenden Service und eine individuelle Beratung durch unsere geschulten Keimling-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kundenservice bieten. Es ist unser Wunsch, immer besser zu werden. Dafür entwickeln wir uns stetig weiter und optimieren täglich unseren Service, unsere Produktqualität und unsere Prozesse. Hinsichtlich des Wachstums des Unternehmens ist uns vor allem wichtig, dass dies auf einer stabilen finanziellen Grundlage erfolgt.

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Sortiment von Keimling Naturkost / Foto: Keimling Naturkost

bio-siegel.de: Wie sichern Sie die Qualität Ihrer Bioprodukte?

Winfried Holler: Wie ja gesetzlich vorgeschrieben ist, haben wir uns einem Prüfinstitut angeschlossen, das uns regelmäßig nach dem neuestem Stand kontrolliert. Wir haben uns dabei für das erfahrenste Institut entschieden, der BCS Öko-Garantie GmbH. Des Weiteren sichern wir die Qualtiät über unser internes Qualitätssicherungssystem in enger Zusammenarbeit mit den Expertinnen und Experten einer etablierten Laborgruppe. In regelmäßigen Zeitabständen werden nach festgelegten Schemata Analysen durchgeführt und die Produkte dementsprechend untersucht und bewertet. Auch haben wir sehr strenge Richtlinien, die unsere Lieferanten erfüllen und deren Einhaltung sie auch regelmäßig nachweisen müssen. Zum Teil besuchen wir unsere Lieferanten sogar selbst, um uns direkt vor Ort von der Qualität der Produkte zu überzeugen und die Produktionsprozesse zu kontrollieren. Neben den Lieferanten-Audits sehen wir uns auch die Plantagen an, um uns von dem Ursprung unserer Produkte ein Bild zu machen. Außerdem erhalten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Schulung sowie eine jährliche Auffrischung zum Thema Bioprodukte und die daran geknüpften Richtlinien.

bio-siegel.de: Was hat Sie dazu bewogen, das Bio-Siegel zu verwenden?

Winfried Holler: Der kontrolliert ökologische Anbau ist nur eine unserer Qualitätsanforderungen, aber eine sehr wichtige. Dass Keimling Naturkost diese Anforderung erfüllt, gilt es, sichtbar und vor allem schnell erkennbar zu machen. Das Bio-Siegel als weitverbreitetes Gütesiegel bietet einen hohen Bekanntheitsgrad und Wiedererkennungswert. So können Verbraucherinnen und Verbraucher sehr schnell sehen, dass er seriös kontrollierte Bioware erhält.

bio-siegel.de: Welche Veränderungen in Politik und Gesellschaft würden Sie sich wünschen?

Winfried Holler: In meinen Augen muss der Bioanbau zum Mindeststandard werden, schließlich geht es um die Gesundheit der Menschen, der Tiere und die unserer Umwelt! Ökolandbau hat viele positive Auswirkungen auf Natur, Mensch und Tier: Neben dem Klima- und Bodenschutz leistet die ökologische Bewirtschaftungsform auch einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und Schutz der Kulturlandschaften. Die Erzeugung gesunder Produkte ohne Einsatz von Pestiziden und leicht löslichen Mineraldüngern führt schließlich auch zum Verbraucherschutz durch Vermeidung von Rückständen in Trinkwasser und Lebensmitteln aufgrund geringerer Belastungen. Daher ist es mir enorm wichtig, dass der Anteil des Biolandbaus kontinuierlich steigt.

bio-siegel.de: Was würden Sie anders machen, wenn Sie nochmal von vorne anfangen könnten?

Winfried Holler: Ich denke, alles ist sehr gut gelaufen und Keimling Naturkost hat bereits viel erreicht, gibt den Menschen zahlreiche Anregungen, gesünder zu leben und über einhundert Menschen Arbeit. Insofern bin ich zufrieden und ich würde es genauso wieder tun.

bio-siegel.de: Welchen Rat würden Sie Startup- Unternehmen in der Bio-Branche geben?

Winfried Holler: Da Bio auf dem besten Wege ist, Allgemeingut zu werden und es mittlerweile auch bei den großen Lebensmittelketten Bioprodukte gibt, würde ich immer ein Unternehmen gründen, das eine ganz spezielle Mission hat und ein spezielles Bedürfnis erfüllt, statt in den breiten Massenmarkt zu gehen. Wichtig ist auch, dass man das, was man den Verbraucherinnen und Verbrauchern verspricht auch einhält und im besten Falle die Erwartungen sogar übertrifft. Denn das Vertrauen ist das größte Kapital eines Unternehmens.

Letzte Aktualisierung: 06.10.2016